Heutzutage hat jedes Kind, was mal unangemessen etwas lauter schreit gleich eine Diagnose: ADHS. Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. Aber warum kommt es uns so vor, als gäbe es heute so viel mehr davon als noch vor 20 Jahren? Was für Symptome zeichnen die Erkrankung aus und wie kann man sie therapieren? Antworten nach Stand der aktuellen Lehrmeinung.
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Bild: “Kids” von Kids. Lizenz: CC BY 2.0


Definition

  • Aufmerksamkeitsschwäche
  • impulsives Verhalten
  • Hyperaktivität (ohne das: ADS)

Genese

Es ist aktuell noch kein eindeutiges neurologisches Korrelat bekannt, allerdings gibt es Korrelationen zwischen strukturellen Veränderungen im Gehirn und ADHS, vor allem im Striatum und im Frontallappen.

Es ist wichtig, die Ursache nicht allein in dem Erziehungsstil der Eltern zu suchen. Dieser ist zwar ein großer Faktor, mit dem der Schweregrad der Erkrankung korreliert, aber nicht die Ursache. Neben den Eltern, die keine Grenzen setzen oder sich kaum Zeit für Erziehung oder Probleme ihres Kindes nehmen, gibt es ebenso solche, die sich große Mühe geben und therapeutisch alles richtig machen und dennoch die Erkrankung ihres Kindes ohne therapeutische Hilfe nicht in den Griff bekommen.

Diagnose

ADHS zu diagnostizieren, scheint eine Modeerscheinung zu sein, da es heute viel häufiger als noch vor 30 Jahren dazu kommt. Allerdings muss man sich vor Augen führen, dass heutzutage sehr viel genauer geschaut wird, was ein Kind für Probleme haben könnte. Kinder müssen sich oft schon sehr stark an gesellschaftliche Regeln anpassen und z.B. still sitzen oder nicht zu laut sein. Dazu werden immer mehr Kinder in Großstädten geboren, wo in der Freizeitgestaltung der Kinder meist aus fernsehen oder computerspielen besteht. Das eigenständige Spiel und Austoben draußen kommt immer öfter zu kurz.

Deshalb ist es wichtig genau zu untersuchen, in welchen Bereichen beispielsweise Probleme mit der Konzentration bestehen. Dies kann durch standardisierte Lehrer- und Elternfragebögen und Verhaltensbeobachtung in unterschiedlichen Kontexten wie in der Schule, zu Hause, in Stresssituationen oder Ruhephasen erfolgen. Oft ist eine Untersuchung der Intelligenz und bestimmter Teilleistungsbereiche notwendig, um sich Klarheit über die tatsächliche Problematik zu verschaffen.

Je mehr soziale Bereiche betroffen sind, desto schwerer wiegt das Krankheitsbild. Schule, Familie und Freunde sind zentrale Bereiche. Zudem ist es immens von Bedeutung, wie das familiäre System aufgestellt ist. Es gilt herauszufinden, ob die Eltern für das Kind zeitlich und emotional greifbar sind und ob die Erziehung auf für das Kind verständlichen Regeln und Konsequenzen basiert.

Ausgeschlossen werden müssen vor Diagnosestellung körperliche Erkrankungen. Dies erfolgt mithilfe labordiagnostischer Maßnahmen, wie der Überprüfung von Schilddrüsenparametern. Durch ein EEG oder bildgebende Verfahren (MRT) können akute oder chronische zerebrale Erkrankungen (Epilepsie = zerebrales Anfallsleiden oder z.B. raumfordernde Prozesse) ausgeschlossen werden.

Komorbiditäten

Bis zu 80% der Patienten mit ADHS haben zusätzlich andere psychische Erkrankungen. Am häufigsten sind hier Störungen des Sozialverhaltens und der Emotionen zu beobachten. Daraus folgt: Ist die Diagnose ADHS einmal gestellt, muss man das Kind und sein Umfeld weiterhin beobachten und therapeutisch begleiten um weitere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie

Die Notwendigkeit einer Therapie ist abhängig vom Leidensdruck des Kindes und des familiären Systems. Hier spielt die Ausprägung der Erkrankung sowie die Stabilität und Fähigkeit des Elternhauses, sich der Problematik des Kindes anzupassen, eine Rolle. Ist zum Beispiel ein Schulbesuch nicht möglich, weil sich das Kind keine fünf Minuten auf einem Stuhl sitzen oder konzentriert eine Sache bearbeiten kann, ist das eine Indikation für eine therapeutische und/oder medikamentöse Intervention.

Im Vordergrund steht die Arbeit und Aufklärung mit dem sozialen und familiären System: Eltern eine konsequente, für das Kind nachvollziehbare Erziehung nahelegen sowie die Lehrer aufzuklären und Lösungsvorschläge anzubieten.

Für das Kind ist ab dem Vorschulalter die kognitive Therapie sinnvoll, um mit dem Kind zusammen Strategien für eine bessere Konzentration und ein besseres Selbstverständnis zu erarbeiten. Dafür kann oft eine unterstützende medikamentöse Therapie mit beispielsweise Methylphenidat oder Atomoxetin (beides für den Kinderbereich zugelassen) hilfreich sein. Zudem zeigen bei einzelnen Kindern diätische Maßnahmen oder Neurofeedback Erfolge auf.

All das zusammen bezeichnet man als multimodales Behandlungskonzept.

 

Quelle: „Lehrbuch Psychiatrie“ W. Wolfgang Fleischhacker, Hartmann Hinterhuber, 2012



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