Regelmäßig hält es Kindergärten, Krankenhäuser und Altenpflegeheime in Atem: Das Noro-Virus. Laut Robert-Koch-Institut ist der Erreger aus der Gruppe der Caliciviridae für über 50 % der Gastroenteritiden bei Erwachsenen verantwortlich. Der fäkal-orale Übertragungsweg und die extrem kurze Inkubationszeit führen schnell zu Epidemien, die vor allem in Kliniken für gefährliche nosokomiale Infektionen sorgen können. Wie handeln Sie als Arzt in einer Akutsituation? Ist Prävention möglich? Lesen Sie hier alles medizinisch Wichtige zum Noro-Virus!

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Noro Virus abwehren

Bild: “Stop!” von thematthewknot. Lizenz: CC BY 2.0


Noro-Virus mit hoher epidemiologischer Potenz

Das Virus ist weltweit verbreitet und besonders betroffen sind Kleinkinder und geriatrische Patienten. Der Beiname „Winter vomiting disease“ übersetzt gut das gehäufte Auftreten in den Wintermonaten. Die sehr hohe Infektiosität des RNA-Virus lässt selbst minimalste (10-100 Viruspartikel) Dosen ausreichen, um eine Infektion zu entwickeln. Der Mensch gilt als alleiniges Reservoir der Viren, die Infektionswege können jedoch auch über kontaminiertes Wasser und Speisen erfolgen.
Als unbehülltes Virus ist das Noro-Virus resistenter gegen Desinfektionsmittel als behüllte Viren und ist sehr umweltstabil: Sie überleben bis zu einer Woche auf unbelebten Flächen!

Ihr Fokus bei einer Noro-Virus-Infektion liegt nicht nur auf Diagnose und Therapie, sondern auch und vor allem auf den zügigen Maßnahmen, um eine epidemische Ausbreitung zu verhindern.

Blitz-Angriff des Noro-Virus: Schnelles Handeln ist gefragt

Die Inkubationszeit beträgt 6-50 Stunden und die betroffenen Patienten sind in der Akutphase hochinfektiös. Schon die Berührung einer Tischplatte reicht aus, um die Erreger aufzunehmen. Aerosolartig verbreitet sich das Virus durch das typisch schwallartige Erbrechen auch in der Luft. Weitere Hauptsymptome sind wässrige Diarrhöen mit abdominalen Schmerzen, Übelkeit und starkem Krankheitsgefühl. Erhöhte Temperaturen sind selten.
Schnelles, effektives Handeln ist bei Ausbruch in gemeinschaftlichen Einrichtungen ein Muss!

  • JA! Korrekte Hygienemaßnahmen mit Viruziden (Unterweisung der Patienten/Besucher und des Personals!)
  • JA! Tägliche Wischdesinfektion aller potenziell betroffenen Oberflächen
  • JA! Kohortenisolierung
  • JA! Wäsche muss über 60° C gewaschen werden.
  • JA! Trinkwasser abkochen (z.B. bei Ausbrüchen in Berghütten, Schullandheimen etc.), Proben von evtl. kontaminierten Speisen nehmen (Meeresfrüchte, Salate, …).
  • JA! Auch nach Wochen kann der Virus-Nachweis im Stuhl positiv sein, nach Abklingen der Symptome ist weiterhin eine gewissenhafte Händedesinfektion unumgänglich.
  • NEIN! Verlegungen, Personalwechsel zwischen Stationen

Ist der Virus-Nachweis Pflicht? Wie therapieren Sie?

Die Diagnose können Sie durch RNA-/oder Antigen-Nachweis im Stuhl sichern (RT-PCR ist derzeit Goldstandard). Differentialdiagnostisch auszuschließen ist eine Infektion mit Rota-Viren. Das Rota-Virus stellt die häufigste Ursache von Gastroenteritiden im Kindesalter dar und eine Schluckimpfung wird aktuell von der STIKO für Säuglinge empfohlen.

Es existiert keine kausale virale Therapie und auch keine Impfung, es wird rein symptomatisch therapiert. Der immense Flüssigkeits- und Elektrolytverlust muss ausgeglichen werden. Besonders bei älteren Patienten kann es zu lebensbedrohlicher Exsikkose kommen! Alle oben angeführten Maßnahmen sollten nicht auf den Virus-Nachweis warten, wenn die klinische Symptomatik und die epidemiologischen Merkmale zutreffen.

Besonders Arbeitende in Gesundheitswesen, Gemeinschaftseinrichtungen oder der Lebensmittelindustrie und Gastronomie sollten freigestellt werden und frühestens 2 Tage nach Abklingen der Symptomatik ihre Arbeit wieder aufnehmen. Auch in anderen Bereichen ist eine frühzeitige Freistellung von Einzelpersonen wichtig, um epidemische Ausbrüche zu vermeiden. Meldepflicht für Sie besteht, wenn eine Person aus der Lebensmittelbranche oder mindestens zwei Personen betroffen ist/sind bzw. wenn ein epidemischer Zusammenhang vermutet wird (nach § 6 IfSG).

 

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