Die männlichen Geschlechtsorgane mit Hoden und Samenleitern gliedern sich in verschiedene Abschnitte, werden aber in der Anatomie gemeinsam abgehandelt. In diesem Text geht es um Anatomie und Physiologie der männlichen Geschlechtsorgane. Die abschließende Pathologie behandelt die wichtigsten Störungen kurz, um einen ersten Überblick zu liefern.
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Penis mit Beschriftungen

Bild: “Cross-Sectional Anatomy of the Penis” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0


Die männlichen Geschlechtsorgane

Die männlichen Geschlechtsorgane setzen sich aus den inneren und äußeren Geschlechtsorganen zusammen. Zu den inneren Organen zählen, die Hoden (Testes), die Nebenhoden (Epididymis), die Samenleiter (Ductus deferens), die Samenblase (auch Bläschendrüse genannt, Vesicula (Glandula) seminalis, die Vorsteherdrüse (Prostata) und die Cowper-Drüse (Glandula bulbo-urethralis). Zu den äußeren Geschlechtsorganen gehören das Glied (Penis) und der Hodensack (Scrotum). Hoden und Nebenhoden werden den inneren Geschlechtsorganen zugerechnet, weil sie im Körperinneren angelegt werden, auch wenn sie vor der Geburt durch den Leistenkanal absteigen.

Männliche Geschlechtsorgane mit Beschriftungen

Bild: “Male Reproductive System” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Aufbau der Testes

Die Testes sind paarig angelegt und elastisch im Scrotum aufgehängt. Ihr Durchmesser beträgt ca. 5 cm bei einer ovalen Form. Die Bildung der Testes erfolgt bereits im Mutterleib. Nach etwa dem 1. Trimenon steigen die Hoden ab und verbleiben bis etwa zum siebten Monat der Schwangerschaft in der Leiste. In dieser Zeit entwickelt sich der Hodensack, der über den Processus vaginalis testis mit dem Leistenkanal im Bauchraum verbunden ist. Nach dem vollständigen Abstieg der Testes schließt sich der Kanal.

Testes mit Beschriftung

Bild: “Anatomy of the Testis” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Das Scrotum weist innen eine Bindegewebskapsel auf, die ihrerseits durch etwa 200 Wände unterteilt wird. Auf diese Weise entstehen zahlreiche Kammern. In diesen Kammern finden sich die Hodenkanälchen (Tubuli seminiferi). Die Tubuli seminiferi sind als Knäuel erkennbar und münden in Ausführungsgänge. Bei diesen Gängen handelt es sich um ein komplexes System, das Hodennetz (Rete testis) genannt wird.

Hoden mit Beschriftungen

Bild: “The Scrotum and Testes” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Auskleidung der Tubuli seminiferi besteht aus dem Keimepithel, das seinerseits von Bindegewebe umgeben ist. Innerhalb des Keimepithels sind die Sertoli-Stützzellen. Hier befinden sich außerdem die sich noch entwickelnden Keimzellen als Vorstufe, die später zu den Samenzellen werden. Die Aufgabe der Sertoli-Stützzellen ist die Versorgung der Samenzellen. Ohne sie würde das körpereigene Immunsystem die Samenzellen angreifen. Von ebenso großer Bedeutung sind die Leydig-Zwischenzellen. Ihre Aufgabe ist es, Testosteron zu bilden.

Die Spermatogenese

Die Spermatogenese beschreibt die Bildung der Spermien. Spermien sind die männlichen Keimzellen. Der Prozess beginnt mit der Pubertät und läuft in den Tubuli seminiferi ab. Dabei durchlaufen die Spermien verschiedene Entwicklungsstadien. Der Prozess ist ähnlich wie bei der Eizellenreifung der Frau fortlaufend.

Spermatogenese mit Beschriftungen

Bild: “Spermatogenesis” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Entwicklungsstadien der Spermien

Die anatomische Voraussetzung für die Spermatogenese ist die Anwesenheit der Tubuli seminiferi. Sie entstehen in der Pubertät unter Anwesenheit des Hormons FSH. Das FSH bindet sich an die Sertoli-Zellen und löst so die Herstellung verschiedener Mediatoren aus, die ihrerseits die Spermatogenese anregen.

Die Entwicklungsstadien sind:

  1. Spermatogonien Typ A
  2. Spermatogonien Typ B
  3. Primäre Spermatozyten
  4. Sekundäre Spermatozyten

Im ersten Stadium entsteht Typ A aus den Urgeschlechtszellen (Gonozyten)  in den Samenkanälchen durch mitotische Teilung. Im Zellkern enthalten ist der diploide Chromosomensatz und pro Chromosom je ein Chromatid.

Bei der nächsten mitotischen Teilung entsteht Typ B, das sich dabei von der Basalmembran entfernt. Die primären Spermatozyten entstehen aus Typ B und nähern sich den Samenkanälchen. Sie verdoppeln die DNA und es kommt zur meiotischen Teilung und anschließend zu einer zweiten meiotischen Teilung. In diesem Stadium handelt es sich um sekundäre Spermatozyten.

Der Prozess ist bis zur vollständigen Ausbildung zu Spermatozoen (Spermien) abhängig vom Testosteron. Ein Spermium besteht aus Kopf und Schwanz. Der Kern ist stark kondensiert und zum Teil vom Arkosom bedeckt. Diese Kappe enthält die Enzyme, die später notwendig sind, um die Membran des Eis aufzulösen, was für eine Befruchtung nötig ist. Im Schwanzteil befinden sich Mitochondrien für den Stoffwechsel. Der Stoffwechsel ermöglicht dem Spermium aber auch, sich zu bewegen. Die Geschwindigkeit, mit der sich Spermien bewegen, liegt bei 7-25 cm pro Minute.

Spermienstruktur

Bild: “Structure of Sperm” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Dauer der Spermienbildung

Von der undifferenzierten Keimzelle bis zum Spermium vergehen 60 bis 70 Tage. Der Prozess ist fortlaufend, es gibt also keine Unterbrechung. Im Durchschnitt bildet der erwachsene Mann mehrere Hundert Millionen Spermien pro Tag. Die Voraussetzung ist aber, dass die Temperatur bei etwa 35 °C liegt. Steigt sie an, wird die Bildung der Spermien gehemmt. Sinkt die Temperatur weiter, werden die Hoden näher an den Körper gezogen, während er sie bei steigender Temperatur tiefer lässt. Dazu trägt die Muskulatur des Scrotums bei.

Der Nebenhoden

Die Nebenhoden sind der Ort, in dem die Samen gespeichert werden und zu Spermien heranreifen. Sie liegen hinten oben am Scrotum an und enthalten den Ductus epididymidis, der an einen stark verschlungenen Schlauch erinnert. Außen befinden sich die Tunica albuginea und das Epiorchium.

Die Ausnahme ist die Stelle, an der Nebenhoden und Testes miteinander verbunden sind. Das Epiorchium ist das innere Blatt der Tunica vaginalis testis. Die Verbindung zwischen Hoden und Testes heißt Mesepididymis. In den Nebenhoden befindet sich Bindegewebe mit vielen Nervenfasern und Blutgefäßen.  Aus den Hoden werden die Spermien über die Samenkanälchen in die Kanälchen der Nebenhoden geleitet. Von dort aus gelangen sie in den Samenleiter.

Die Prostata

Die Prostata befindet sich unterhalb der Harnblase und liegt um die Harnröhre herum. Die Harnröhre transportiert Harn und Spermien. Insgesamt geben Cowper-Drüsen, Samenblasen und Prostata permanent kleine Mengen Sekret ab, die das Spermienkonzentrat verdünnen, das sich im Samenleiter befindet.

So werden Sekret und Spermien über die Harnröhre gleichzeitig ausgestoßen. Die Harnröhre passiert nach der Prostata den Beckenboden, den Penis und die Eichel. Kurz vor dem sexuellen Höhepunkt reinigt das Sekret der Cowper-Drüsen außerdem die Harnröhre. Dabei neutralisiert sie das saure Milieu in der Scheide. Nur so bleiben die Spermien beweglich.

Erektion und Geschlechtsakt

Ohne Erektion ist der Geschlechtsakt nicht möglich. Die Erektion wird durch Reize (visuell oder physisch) ausgelöst. In der Folge strömt (arterielles) Blut in die Schwellkörper. Durch einen muskulären Reiz wird der venöse Rückfluss verhindert, sodass sich die Hohlräume füllen. Dieser Vorgang kann innerhalb weniger Sekunden ablaufen. Beim Samenerguss kommt es zur Kontraktion der glatten Muskulatur in:

  • Nebenhoden
  • Samenleiter
  • Samenblase
  • Prostata

Durch den Druck wird die Samenflüssigkeit in die Harnröhre gedrückt. Mit der Kontraktion des Beckenbodens beginnt die  Abgabe von 60 bis 120 Millionen Spermien.

Hormone mit Einfluss auf die männlichen Geschlechtsorgane

Androgene und die gonadotropen Hormone der Hypophyse sind die kontrollierenden Hormone der männlichen Geschlechtsorgane. Testosteron ist ein Androgen und wird in den Leydigschen Zwischenzellen der Testes gebildet. Die Hormone FSH (follikelstimulierendes Hormon) und das LH (luteinisierendes Hormon) werden in der Hypophyse gebildet und spielen auch beim weiblichen Hormonhaushalt eine entscheidende Rolle. Beim Mann hingegen wirken sie ausschließlich auf das Gewebe der Hoden. Die Wirkung des Testosterons ist deutlich breiter. Es wirkt auf:

  • Hoden
  • Anhangdrüsen
  • Sekundäre Geschlechtsmerkmale
  • Sexualverhalten
  • allgemeiner Stoffwechsel
Testosteron Produktion

Bild: “Regulation of Testosterone Production” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

FSH und LH sind wichtig für die Spermienbildung und die Testosteronausbildung. Die Wirkung des LH ist dabei indirekt, und zwar auf die leydigschen Zwischenzellen. Die Bildung von FSH und LH ist beim Mann konstant. Zyklische Schwankungen gibt es keine.

Pathologie

Testes

Probleme können beim Absteigen der Hoden auftreten und sind auch nicht selten. Die Überprüfung ist daher Teil der freiwilligen Untersuchungen von männlichen Neugeborenen bis hin zum Jugendalter. Eine mögliche Störung ist, dass die Testes nicht vollständig absteigen. Die Entwicklung ist zu beobachten, im Zweifel ist ein operativer Eingriff nötig.

Es kann aber auch passieren, dass sich der Leistenkanal nach dem Abstieg der Testes nicht schließt. Die Folge ist eine Leistenhernie. Das kann dazu führen, dass sich Bauchorgane durch den Kanal drücken. Auch hier kann eine Operation nötig werden.

Impotenz

Impotenz beschreibt eigentlich die Unfähigkeit zur Fortpflanzung (Sterilität). Allerdings ist eine Erektion die Voraussetzung für den Geschlechtsakt, sodass Impotenz heute auch die Erektionsstörungen beschreibt. Die gängigen Arzneimittel gegen erektile Dysfunktionen greifen direkt in den physiologischen Prozess der Blutansammlung im Schwellkörper ein. Sie wirken nicht sexuell stimulierend.

Das bedeutet, dass ohne sexuelle Stimulation auch unter der Einnahme von Potenzmitteln keine Erektion stattfindet. Impotenz kann viele Ursachen haben. Dass die Fähigkeit zur Erektion im Alter nachlässt, ist nicht ungewöhnlich. Aber auch Stress und Beziehungsprobleme können Erektionsstörungen verursachen. Zusätzlich kann eine Reihe von Erkrankungen der Grund dafür sein, dass es zu Erektionsstörungen kommt. Ein Beispiel dafür ist Diabetes.

Unfruchtbarkeit (Sterilität)

Bleibt die geplante Schwangerschaft aus, liegt es etwa in 30 % der Fälle am Mann. Meist werden zu wenige Spermien produziert oder solche, die nicht ausreichend beweglich sind. Bei einem normal fruchtbaren Mann sollen mindestens 30 % der Spermien pro Ejakulat normal geformt und mindestens 50 % gut beweglich sein. Abweichungen sind ein wichtiger Hinweis auf eine bestehende Unfruchtbarkeit. Die Qualität der Spermien nimmt mit dem Alter ab. Darüber hinaus können weitere Faktoren die Spermienqualität nachteilig beeinflussen. Dazu gehören:

  • Mumps mit Hodeninfektion
  • Verletzungen der Hoden
  • Starkes Rauchen
  • Hoher Alkoholkonsum
  • Diabetes
  • Vergiftungen
  • Tumore
  • Krampfadern
  • Dauerhafte Überhitzung

Die Unfruchtbarkeit kann zudem auch angeboren sein. Die Qualität der Spermien ist anhand unkomplizierter Tests leicht feststellbar.

Beliebte Prüfungsfragen zu den männlichen Geschlechtsorganen

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Tubuluri seminiferi sind…

  1. …Ausführungsgänge der Hoden.
  2. …die Cowper-Drüsen.
  3. …ein anderes Wort für Leistenkanal.
  4. …Hodenkanälchen.
  5. …versorgende Gefäße des Keimepithels.

2. Ablauf in den Hoden:

  1. Das Arkosom bedeckt den Kopf des Spermiums teilweise.
  2. Die Cowper-Drüsen reinigen die Harnröhre vor dem Samenerguss.
  3. Testosteron wirkt nicht auf die Anhangdrüsen.
  4. Spermien gelangen aus den Nebenhoden in den Samenleiter.
  5. Androgen und wird in den Leydigschen Zwischenzellen hergestellt.

3. Welche Aussage trifft zu?

  1. Primäre Spermatozyten entstehen aus Typ B.
  2. FSH nimmt keinen Einfluss auf Testosteron.
  3. LH nimmt keinen Einfluss auf Testosteron.
  4. LH spielt nur bei der Frau eine Rolle.
  5. Das Epiorchium ist das äußere Blatt der Tunica vaginalis testis.

 

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