Die Laktoseintoleranz oder Laktoseunverträglichkeit ist ein klassisches Beispiel für die Disaccharid-Malabsorptionen. Im Bereich der Stoffwechselstörungen wird Laktoseintoleranz häufig in Fallbeispielen beschrieben. Laktoseintoleranz tritt besonders oft in der Bevölkerung auf und hat somit in der Praxis eine hohe Relevanz.  

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Blue Cheese

Bild: „Blue Cheese“ von cookbookman17. Lizenz: CC BY 2.0


Definition

Die Unverträglichkeit von Laktose

Die Laktoseintoleranz entsteht durch einen zugrunde liegenden Mangel des Enzyms Laktase. Dieses Enzym spaltet das Disaccharid Laktose im Dünndarm. Laktase ist zur Laktoseverdauung unbedingt erforderlich, weil der Darm die Zuckermoleküle nur als Monosaccharide aufnehmen kann.

Hydrolyse von Laktose

Bild: “Hydrolysis of lactose” von Yikrazuul. Lizenz: Public Domain

Bei vielen Menschen können die Mucosazellen des Dünndarms keine ausreichende Laktasemenge herstellen. Ein Mangel der Laktase hat eine Laktoseintoleranz zur Folge. Die Laktose hat eine starke osmotische Wirkung und führt zu Durchfällen. Gelangt sie in den Dickdarm, wird Laktose von Darmbakterien gespalten, wodurch Gase entstehen und es zu Flatulenzen kommt.

Merke: Laktose besteht aus den Monosacchariden Glukose und Galaktose!

Epidemiologie

Etwa 70 % Weltbevölkerung sind betroffen

Weltweit leiden viele Menschen an einer Laktoseunverträglichkeit, weil die Enzymaktivität der Laktase nach der Stillzeit allmählich abschwächt und eine primäre Laktoseintoleranz hervorrufen kann. Von Nord- nach Südeuropa nimmt die Häufigkeit einer Laktoseintoleranz deutlich zu. In Skandinavien spricht man von ca. 2 % Erkrankten, während in Italien ungefähr 2 von 3 Menschen betroffen sind. In Deutschland sind mindestens 10 % der Bevölkerung betroffen.

Laktoseintoleranz Verteilung

Bild: “Laktoseintoleranz-1” von Rainer Z. Lizenz: Public Domain

Kongenitale Laktoseintoleranzen sind bei gesunden Säuglingen sehr selten. Mit einer Alaktasie kommen nur sehr wenige Säuglinge zu Welt, die keine laktosehaltige Muttermilch vertragen und schwer erkranken, wenn nicht rechtzeitig therapiert wird.

Ätiologie

Die Laktoseintoleranz kann primäre oder sekundäre Ursachen haben. Primär ist sie entweder erblich bedingt (selten) und tritt von Geburt an auf. Oder die Aktivität von Laktase nimmt nach dem Säuglingsalter kontinuierlich ab. Diese Form wird adulter Laktasemangel genannt.

Sekundäre Formen entstehen durch gastrointestinale Erkrankungen, wenn die Schleimhaut des Dünndarms geschädigt wird. Sekundäre Laktoseunverträglichkeit kann also bei Zöliakie, Enteritis, IgA-Mangel oder Kurzdarmsyndrom auftreten.

Symptome und Pathologie

Die Beschwerden korrelieren mit der Menge an verzehrten Milchprodukten

Die Laktoseintoleranz manifestiert sich häufig in der Kindheit und Jugend. Sekundäre Formen können in jedem Alter auftreten.

Unverdaute Laktose gelangt über den Dünndarm direkt in den Dickdarm, wo es durch anschließende bakterielle Vergärung zur Gasbildung (Wasserstoff und Kohlendioxid) kommt und folgende Symptome verursacht:

  • Starke krampfartige Flatulenz
  • Bauchkrämpfe

Laktose hat eine starke osmotische Wirkung und bindet Wasser. Dadurch gelangt immer mehr Wasser aus dem Gewebe in den Dickdarm, das zu einem flüssigeren Stuhl und zur Beschleunigung der Darmperistaltik führt und somit Diarrhoe verursacht.

Die Symptome können dabei sehr leicht sein oder so ernst, dass ärztliche Betreuung erforderlich ist.

Merke: In einem Fallbeispiel könnte zum Beispiel ein 19-jähriges Mädchen beschrieben sein, das seit Jahren regelmäßig vor allem nach dem Verzehr von Milchprodukten Durchfälle hat.

Diagnose

Den Laktasemangel erkennen

Zur klinischen Diagnose der Laktoseintoleranz wird häufig der H2-Atemtest eingesetzt. Bei Personen mit ausreichenden Laktasemengen lässt sich im Atem nur sehr wenig Wasserstoff nachweisen.

Wasserstoff zählt zu den Gasen, die gebildet werden, wenn im Darm unverdaute Laktose von Bakterien vergoren wird. Von den Därmen wird der Wasserstoff resorbiert und mit dem Blutstrom zu den Lungen transportiert, wo er ausgeatmet wird.

Bei einer Selbstdiagnose von Laktoseintoleranz hat der Betroffene auch die Möglichkeit, einen Diättest oder einen Expositionstest durchzuführen. Diese sind aber meist nicht eindeutig im Gegensatz zum Wasserstoff-Atmungstest.

Verzichtet ein Betroffener auf reichhaltige Milchprodukte und es treten keine Symptome während der Zeit auf, so kann man von einer Laktoseintoleranz ausgehen. Ein Expositionstest bringt anschließend Klarheit, indem die Person ein Glas Wasser mit gelöstem Milchzucker trinkt und nach einigen Stunden die beschriebenen Symptome auftreten.

Merke: Prüfungsrelevant ist bei der Diagnostik der H2-Atemtest!

Therapie

Die Vermeidung von Laktosezufuhr ist die hilfreichste Therapie. Dabei kann der Patient seine Verträglichkeitsgrenzen selbst austesten.

Personen mit Laktoseunverträglichkeit können Nahrungsmittelzusätze wie Laktasetabletten zu sich nehmen, die bei der Laktoseverdauung behilflich sind. Auf milchzuckerfreie Ernährung sollte dennoch dringend geachtet werden.

Merke: Nicht-pasteurisierter Joghurt enthält genug bakterielle Laktase und kann somit verzehrt werden!

Prävention

Eine umfassende Darmsanierung sowie der Verzicht auf Milchprodukte hilft bei der Regeneration der Darmschleimhaut und fördert die Neubildung gesunder Darmschleimhautzellen.

Es sollte auf industriell hergestellte Lebensmittel geachtet werden, die versteckte Laktose enthalten können. Geringe Mengen an Laktose z.B. in laktosehaltigen Medikamenten oder gereiftem Käse vertragen die meisten Menschen.

Beliebte Prüfungsfragen zur Laktoseintoleranz

Die Lösungen befinden sich unter den Quellenangaben.

1. Welcher Teil des Darms ist bei der Laktoseintoleranz betroffen?

  1. Colon Sigmoideum
  2. Rektum
  3. Dünndarm
  4. Dickdarm
  5. Colon Transversum

2. Welche der folgenden Erkrankungen hat häufig Laktoseintoleranz zur Folge?

  1. Zöliakie
  2. Glykogenosen
  3. Hereditäre Fruktoseintoleranz
  4. IgG-Mangel
  5. Ulzerative Kolitis

3. Eine 21-Jährige Frau klagt über starke Bauchschmerzen nach dem Konsum von Milchprodukten. Welche diagnostische Methode kommt für ihre Patientin zunächst in Frage?

  1. Dünndarmbiopsie
  2. H2-Laktose-Atemtest
  3. Entzündungsparameter überprüfen
  4. Anti-Gliadin-Antikörper nachweisen
  5. Dickdarmbiopsie

 

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