Die Haut (gr. derma, lat. cutis) wird als Flächenorgan bezeichnet. Sie hat die Aufgabe, den Körper gegen die Umgebung abzugrenzen und ihn vor Austrocknung zu schützen. Die Haut ist das größte Organ und hat ein Gewicht von 3-10 kg. Bei einer Körpergröße von 170 cm nimmt ihre Oberfläche etwa 1,8 m² ein. In folgendem Beitrag erhalten Sie einen kompakten Überblick über das größte Organ des Körpers - die Haut.

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Structure of the skin

Bild: “Layers of Skin” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0


Der Aufbau der Haut

Die Haut besteht aus verschiedenen Schichten:

  • Oberhaut (Epidermis): Besteht aus Hornschicht, verhornender Schicht und Keimschicht.
  • Lederhaut (Dermis): Besteht aus Papillarschicht und Netzschicht.
  • Unterhaut (Subcuctis) mit Fettpolster: In der Unterhaut befinden sich auch die Drucktastkörperchen (Vater-Pacini-Lamellenkörperchen), wie auch die Haarbälge.
Aufbau der Haut (Schematische Darstellung)

Bild: “Layers of Skin” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Epidermis

Epidermis

Bild: “Epidermis” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Epidermis wird den Epithelgeweben zugerechnet und ist 0,03- 0,04 mm dick. Sie enthält keine Blutgefäße und bildet sich aus einem mehrschichtigen Plattenepithel von innen nach außen aus der:

 

  • Basalzellenschicht (Stratum basale)
  • Stachelzellschicht (Stratum spinosum)
  • Körnerzellschicht (Stratum granulosum)
  • Glanzschicht (Stratum lucidum)
  • Hornzellenschicht (Stratum corneum).
Schichten der Epidermis

Bild: “Layers of the Epidermis” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Basalzellenschicht wird mit der Stachelzellschicht zusammen auch als Keimschicht (Stratum germinativum) bezeichnet.

Die Verhornung auf der Epidermis ist ein ständiger Prozess. Die dafür notwendigen neuen Zellen kommen von der Basalzellenschicht, wo auch die Zellteilung stattfindet. Da dieser Prozess sehr strahlenempfindlich ist, befinden sich Pigmentzellen in der Keimschicht, die bei stärkerer Sonneneinstrahlung für eine schützende Bräunung der Haut sorgen.

Die Hornschicht ist wiederum an Stellen mit hoher Beweglichkeit, wie am Augenlid, sehr dünn. Bei Stellen mit starker mechanischer Belastung, wie an den Händen und Fußsohlen, ist sie verdickt, bis hin zur Schwielenbildung. Bei diesem Prozess handelt es sich um einen Schutzmechanismus. Lässt die Belastung nach, geht auch die Bildung der dickeren Schicht zurück.

Dünne vs. dicke Haut

Bild: “Thin Skin (a) versus Thick Skin (b)” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Dermis

Die Dermis ist aus beweglichen und sehr belastbaren Fasern aufgebaut. Damit diese Belastbarkeit erhalten bleibt, sorgen Talgdrüsen für die Geschmeidigkeit. Die Dermis versorgt auch die Epidermis mit den nötigen Nährstoffen und mit Feuchtigkeit, denn eine gesunde Haut hat einen Feuchtigkeitsgehalt von 10-20%. Sinkt dieser Feuchtigkeitsgehalt ab, wird die Haut rissig. So geht weitere Feuchtigkeit verloren, außerdem wird die Haut anfälliger für Krankheitserreger.

Aufbau der Dermis

Bild: “Layers of the Dermis” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Subcutis

Die Subcutis ist wichtig für die Verschieblichkeit der Haut auf dem Gewebe, das darunter liegt. Es können sowohl die Knochenhaut als auch die Muskelschichten direkt unter der Dermis liegen.

Neue Haut entsteht

In der Basalzellenschicht werden die neuen Hautzellen gebildet und wandern von dort aus auf die Hautoberfläche. Während dieses Prozesses, der 30 Tage dauert, werden Zytoplasma, Zellkern und Zellorganelle durch den Hornstoff Kreatinin ersetzt. Auch die Form verändert sich. Zu Beginn haben die Hautzellen noch die Form eines Würfels, oben auf der Haut angekommen, handelt es sich um flache Epithelzellen, die abgestorben sind. So schiebt die Haut von unten neue Hornschichten nach.

Die Versorgung der Haut

Der Stoffwechsel der Haut ist eher langsam, was ein großer Vorteil ist, wenn es über einen kurzen Zeitraum Probleme mit der Blutversorgung gibt. Sollte die Versorgung aber über einen längeren Zeitraum unterbrochen werden, sterben die Zellen ab. Feinste Blutgefäße sorgen für die Blutversorgung. Die Ableitung geschieht über die Gefäße in der Subcutis.

Aber auch Lymphfluss findet in der Haut statt. Hier sind die regionalen Lymphknoten beteiligt, die die Lymphe aus dem Stratum papillare ableiten. Auch Nervenstränge erfüllen eine wichtige Aufgabe in der Haut. Sie können besonders dicht vorhanden sein, so zum Beispiel die Körperregionen, in denen sie besonders wichtig sind, vor allem an den Händen, Füßen und den Genitalien. Die Versorgung der Nerven erfolgt über die Hinterhörner des Rückenmarks.

Funktionen der Haut

Die verschiedenen Hautschichten haben unterschiedliche Aufgaben:

  • Hornschicht und Lederhaut sorgen für einen mechanischen Schutz.
  • Das Unterhautfettgewebe ist ein wichtiger Energiespeicher.
  • Blutgefäße, Haare, Unterhautfettgewebe und Schweiß sind für den Wärmeschutz verantwortlich.
  • Die Hornschicht sorgt für den Flüssigkeitsschutz und wirkt gegen mechanische Belastung.
  • Hornschicht und Säuremantel schützen den Körper vor Bakterien.
  • Die Pigmentbildung ist wirksamer Schutz gegen Strahlen.

Mechanischer Schutz durch die Haut

Ohne die Haut wäre Bewegung nicht möglich. Sie schützt vor äußeren Einflüssen, wozu auch mechanische Belastungen gehören. Dabei muss die Haut so aufgebaut sein, dass sie selbst dann keinen Schaden nimmt, wenn sie stärkerem Druck ausgesetzt ist.

Ein Beispiel dafür ist die Fußsohle, die mehr als dem Körpergewicht standhalten muss, ohne dass es zu Verletzungen kommt. Insgesamt ist die Haut dort belastbarer, wo Muskeln als Polster darunter liegen. Anders ist es an Körperstellen, bei denen die Haut direkt über den Knochen verläuft. Hier ist sie empfindlich. Die Hornschicht verbraucht sich durch die Beanspruchung und wird entsprechend ersetzt.

Temperaturausgleich durch die Haut

Die Haut ist außerdem wichtig für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur. Dazu tragen die Blutgefäße in der Papillarschicht in der Lederhaut bei. Bei hohen Temperaturen erweitern sich diese Gefäße.

Durch die Nähe zur Oberfläche kann das Blut abkühlen, die Körpertemperatur wird gesenkt. Die Haut selbst kühlt sich durch die Abgabe von Schweiß ab, wenn er verdunstet. Im Umkehrschluss ziehen sich die Blutgefäße bei Kälte zusammen und verhindern, dass sich das Blut weiter abkühlt.

Schutz gegen Flüssigkeitsverlust

Starker Wasserverlust ist für den Körper lebensgefährlich, da er zu 2/3 aus Wasser besteht. Aus diesem Grund gibt die Haut nur Wasser ab, um die Temperatur zu regulieren. Das macht über 24 Stunden etwa einen halben Liter bis zu einem Liter aus. Umgekehrt ist die Haut der Schutz, der verhindert, dass Flüssigkeiten eindringen können.

Schutz vor Krankheitserregern

Eine weitere wichtige Aufgabe der Haut ist der Schutz vor Krankheitserregern. Ist die Haut direkt verletzt oder der Säureschutzmantel im Ungleichgewicht, dringen Erreger ein. Von großer Bedeutung sind auch die Hautsinnesorgane. Sie melden eindringende Krankheitserreger, woraufhin Abwehrreaktionen eingeleitet werden.

Drüsen in der Haut

In der Haut befinden sich verschiedene Drüsen. Dazu gehören die Talgdrüsen, Schweißdrüsen und Duftdrüsen.

Talgdrüsen: Die Talgdrüsen befinden sich in der Lederhaut. Sie sind fast überall im Körper zu finden. Die Ausnahmen sind die Innenflächen der Hände und die Fußsohlen. Talgdrüsen befinden sich zumeist direkt bei einem Haarbalg. Das bedeutet, dass die Talgdrüse direkt in den Ausführungsgang des Haarbalges mündet. Diese Verbindung gibt es nicht an den Augen und Augenlidern sowie an Lippen, Penis und den kleinen Schamlippen. Der Talg selbst besteht aus:

  • Fett
  • Cholesterin
  • Eiweiß
  • Elektrolyten

Der Ohrenschmalz (Cerumen) wird ebenfalls von Talgdrüsen produziert. Die Aufgabe des Talgs ist die Pflege von Haut und Haaren.

Schweißdrüsen: Insgesamt gibt es ca. 2-3 Millionen Schweißdrüsen beim Menschen, die sich in der Lederhaut befinden. Ihre Ausführungsgänge verlaufen geschlängelt und enden in Hautporen. Ihr stärkstes Vorkommen ist in den Achselhöhlen, an den Fußsohlen und den Handinnenflächen. Schweiß dient aber nicht nur der Temperaturregulierung, sondern auch dem Schutz der Haut. Sein ph-Wert liegt bei 5-6. Die Schweißproduktion ist von vielen Faktoren abhängig, auch von psychischen, wie dem Stress.

Duftdrüsen: Duftdrüsen befinden sich vor allem in den Achselhöhlen, bei den Brustwarzen und im Genitalbereich. Sie sind wichtig für den Körpergeruch eines jeden Menschen, der aber auch von anderen Dingen beeinflusst wird, wie dem Schweiß und den Bakterien auf der Haut.

Hautanhangsgebilde: Haare und Nägel

Auch Haare und Nägel gehören zur Haut. Sie sind Hautanhangsgebilde.

Die Haare als Schutz und Tastorgan

Haare haben mehrere Aufgaben. Sie dienen dem Schutz vor Kälte und sind wichtiges Tastorgan.

Haare entstehen in der Lederhaut, und zwar an der Haarpapille. Das Haar selbst besteht aus Hornzellen, die sich ausbilden und dann innerhalb des Haarbalgs (Haarfollikel) nach oben geschoben werden. Das Haar verlässt die Haut leicht schräg wachsend. Zu jedem Haar gehören eine Talgdrüse und oft auch eine Duftdrüse.

Haarfollikel

Bild: “Hair Follicle” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Haare können durch Muskeln aufgerichtet werden, wie das beim „Schauer über den Rücken“ spürbar ist. Dabei handelt es sich um eine alte Fähigkeit, die dafür sorgt, dass einem „die Haare zu Berge stehen“ (Cutis anserina). Nervenfasern tragen außerdem dazu bei, dass Haare sehr empfindlich auf Berührungen reagieren.

Haarwurzel

Bild: “Hair” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Das Wachstum der Haare: Bei einem neugeborenen Baby sind am ganzen Körper feine Haare sichtbar. Dabei handelt es sich um die sogenannten Vellushaare. In der Pubertät kommt es zum Wachstum der Terminalhaare, die deutlich dicker sind und an bestimmten Körperregionen verstärkt wachsen, wie Schambereich, aber auch Gesicht (Bart). Die restliche Körperbehaarung ist weniger stark ausgeprägt. 4% der Hautoberfläche weisen gar keine Haare auf:

  • Handinnenflächen
  • Fußsohlen
  • Fingernägel
  • Fußnägel
  • Lippen

Zusammengefasst wird die behaarte Haut als Felderhaut und die unbehaarte als Leistenhaut bezeichnet.

Haare wachsen etwa 1 cm im Monat, wobei das Wachstum in 3 Phasen unterteilt wird.

  • Phase 1 dauert 2-10 Jahre. Dabei handelt es sich um die Wachstumsphase (Anagenphase).
  • Phase 2 dauert 14 Tage. Das ist die Übergangsphase (Katagenphase).
  • Phase 3 dauert 3-8 Monate. Hierbei handelt es sich um die Ruhephase (Telogenphase).

Die Phasen beziehen sich auf die Haarwurzel, das diesen Zyklus bis zu 10x durchlebt. Danach bildet sie kein Haar mehr aus. Insgesamt verliert der Mensch im gesunden Stadium bis zu 100 Haare täglich.

Die Nägel als Schutz und Greiforgan

Nägel bestehen aus harten und dichten Hornzellen aus der Oberhaut. Sie erfüllen einen wichtigen Zweck, denn mit ihrer Hilfe ist das feine Greifen wie mit einer Pinzette möglich. Sie leisten aber auch wertvolle Dienste zum Schutz der Finger- und Zehenspitzen gegen Verletzungen. Nägel sind durchsichtig. Die durchschimmernde rosa Farbe stammt vom Nagelbett darunter, denn es ist sehr gut durchblutet.

Fingernägel: Aufbau der Fingerkuppe

Bild: “Nails” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Am Ende des Nagels (Richtung Körper) befindet sich der Nagelhalbmond (Lunula) als helle halbrunde Stelle. Die weiße Farbe entspricht der eigentlichen Farbe des Nagels. An dieser Stelle ist der Nagel nicht durchsichtig. Zwischen Lunula und Haut befindet sich das Nagelhäutchen (Cuticula). Es verhindert das Eindringen von Keimen. Dahinter (Richtung Körper) ist die Nagelwurzel zu sehen. Sie bildet die Hornzellen aus und schiebt damit den Nagel nach vorn. Fingernägel wachsen schneller als Fußnägel. Typisch für die Fingernägel sind 1 mm pro Woche, ein Zehennagel wächst etwa 0,5 mm pro Woche.

Hautkrankheiten

Die Behandlung von Hautkrankheiten ist Aufgabe des Dermatologen. Als größtes Organ, das zudem in direktem Kontakt zur Außenwelt steht, ist die Haut besonders empfindlich. Sie kann von innen heraus erkranken oder als Reaktion auf Einflüsse. Hautkrankheiten können:

  • gefährlich oder ungefährlich sein.
  • ansteckend oder nicht ansteckend sein.
  • sich ausbreiten oder lokal begrenzt bleiben.
  • sich unter psychischer Belastung verschlimmern.

Auslöser für Hauterkrankungen

Hauterkrankungen und Hautveränderungen können durch viele Faktoren ausgelöst werden. Dazu gehören:

Darüber hinaus gibt es bei vielen Hauterkrankungen eine Beteiligung der Haut. In diesen Fällen ist die Veränderung der Haut wichtig für die Diagnose, wie das z. B. bei Scharlach, Röteln oder Windpocken der Fall ist.

Quellen

Lippert/Herbold/Lippert-Burmester, Anatomie: Texte und Atlas, 8. Auflage, Elsevier

Wundmanagement – Wundheilung und chronische Wunden via MedizInfo

Gesunde Haare und Nägel via Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.

Dr. med. Harald Bresser – Hautarzt München via derma-Praxis

Hautausschlag via NetDoktor

 

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