Embryopathien durch Alkohol und Nikotin sind nach wie vor häufiger als andere angeborene Fehlbildungen. Dabei ist es nicht relevant, in welchem Trimenon hauptsächlich die Drogen konsumiert werden. Die Schädigungen können vom Vollbild einer Embryopathie bis zu einzelnen Schäden reichen. Häufig haben die Kinder mit einer Alkoholembryopathie ein typisch morphologisches Gesicht.
Dieser Artikel berücksichtigt die Leitlinien, welche auf AWMF einsehbar sind. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels vorliegende Leitlinien-Version können Sie einsehen.
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Fetales Alkoholsyndrom

Bild: “Craniofacial features associated with fetal alcohol syndrome” von NIH/National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism. Lizenz: Public Domain


Alkoholembryopathie

Ätiologie und Epidemiologie der Alkoholembryopathie

In allen Stadien der Schwangerschaft wirkt sich Alkohol schädlich auf den Embryo oder Fötus aus. Das Vollbild einer Alkoholembryopathie ist mit einer Prävalenz von 1:300 häufiger als angeborene Fehlbildungen wie das Down-Syndrom. Jedoch sind die Alkoholeffekte, welche besonders das empfindlichste menschliche Organ betreffen, noch häufiger als die Alkoholembryopathie. Diese Effekte sind unter anderem von Hirnleistungsschwächen, Wesensveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten geprägt.

Alkohol und seine Metaboliten wirken direkt schädlich auf alle Zellen des Körpers, es sind insbesondere Gewebe mit hoher Regenerationsfähigkeit betroffen. Die Substanz wirkt wie eine Art Mitosegift. Demzufolge ist das Wachstum beim Kind eingeschränkt und hat eine Hypoplasie bzw. Hypotrophie zur Folge.

Ein wichtiger Aspekt für ein gehäuftes Auftreten von Alkoholmissbrauch ist auch die soziale Schicht. Es konnte in Studien bewiesen werden, dass sozial benachteiligte Frauen häufiger Kinder zur Welt gebracht haben, die eine Wachstumsretardierung aufwiesen. Bei Frauen der Mittelschicht war dieses Phänomen eher selten.

Klinik der Alkoholembryopathie

Betroffene Kinder sind in der Regel kleiner und haben nur ein geringes Körpergewicht. Das verminderte Gewicht kann in diesem Zusammenhang auf die Muskelhypotrophie zurückgeführt werden.

Fetales Alkoholsyndrom


Bild: “Craniofacial features associated with fetal alcohol syndrome” von NIH/National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism. Lizenz: Public Domain

Baby mit Fetalem Alkoholsyndrom


Bild: “Baby mit Fetalem Alkoholsyndrom. Charakteristika: Vergleichsweise kleine Augen mit schmalen, teils herabhängenden Augenlidern, schmales (Ober-) Lippenrot und wenig modulierte, flache oder fehlende Mittelrinne (Philtrum) zwischen Nase und Oberlippe und dünne Oberlippe.” von Teresa Kellerman. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Typische Merkmale sind vor allem die kraniofazialen Veränderungen bei den Kindern. Dabei kommt die Hypoplasie an verschiedenen Geweben besonders zum Ausdruck: Häufig ist der Unterkiefer rückverlagert (Maxillahypoplasie), das Lippenrot ist schmal und eingezogen. Selten ist der Mund groß und breit. Das Philtrum ist schmal und häufig aufgrund der Maxillahypoplasie auch verstrichen. Der Nasenrücken fehlt in der Regel, wodurch der Eindruck einer „Stupsnase“ entsteht. An den Augen ist häufig die Lidspalte verschmälert und horizontal verkürzt.

Die Alkoholembryopathie ist gekennzeichnet von Wachstumsstörungen, organischen Schäden am Großhirn und Kleinhirn sowie von Minor- und Majoranomalien. Diese Störungen treten vor allem bei ausgeprägtem Alkoholmissbrauch der Schwangeren auf.

Auswirkungen von Nikotin in der Schwangerschaft

Nikotin stellt neben dem Alkohol eine häufig konsumierte Droge dar. Dabei konnten höhere Konzentrationen an Nikotin in der Plazenta, in der Amnionflüssigkeit sowie im fetalen Serum nachgewiesen werden als im mütterlichen Blut. Dies erklärt wahrscheinlich auch das vermehrte Vorkommen von dystrophen Neugeborenen.

Nikotin und die Substanzen, die durch das Zigarettenrauchen ins fetale Blut gelangen, werden vorrangig im kindlichen Gehirn abgelagert. Dies verhindert die intellektuelle Entwicklung des Kindes. Auf langfristige Sicht ist eine geistige Retardierung möglich.

Beliebte Prüfungsfragen zu Embryofetopathien durch Alkohol und Nikotin

1. Über welchen Mechanismus kommt es zu einem gehemmten Wachstum der Kinder mit Alkoholembryopathie?

  1. Hemmung der MAP-Kinase
  2. Hemmung des Stoffaustauschs zwischen Plazenta und mütterlichem Blut
  3. Hemmung der Meiose
  4. Hemmung der Mitose
  5. Hemmung der Viskosität

2. Was ist am ehesten ein typisches kraniofaziales Merkmal bei einer Alkoholembryopathie?

  1. Verschmälertes Philtrum
  2. Muskelhypotrophie an den oberen Extremitäten
  3. Muskelhypotrophie an den unteren Extremitäten
  4. Vermindertes Körpergewicht
  5. Minoranomalien

3. Welche Auswirkungen hat Nikotin auf den Embryo?

  1. Wachstumsstörungen
  2. Makrosomie
  3. Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen
  4. Akne vulgaris
  5. Schizophrenie

Quellen

Leitlinie Fetales Alkoholsyndrom – Diagnostik via awmf.org

Fetales Alkoholsyndrom via fetales-alkoholsyndrom.de

Teratogene Effekte von Nikotin, Drogen und Alkohol via link.springer.com

Systemische Infektionen in der Geburtshilfe via link.springer.com

Antworten zu den Prüfungsfragen: 1D, 2A, 3A



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