Maskenbeatmung, Intubation – Begriffe die man in Bezug auf die Anästhesie sofort in den Kopf bekommt. Das Management der Atemwege ist einer der zentralen Aufgaben des Narkosearztes, um den Patienten wohlbehalten durch eine Narkose zu leiten. Wir erklären Ihnen Grundsätzliches, Techniken und Instrumente vom Murphy Tubus bis zur Larynxmaske.

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Sevo assisted breathing during surgery

Bild: “Sevo assisted breathing during surgery.” von Zdenko Zivkovic. Lizenz: CC BY 2.0


Erklärtes Ziel des Atemwegsmanagements (Atemwegssicherung, engl. ‚airway management‘) ist es, die Atemwege eines Patienten so zu sichern, dass dieser während eines Notfalls oder einer Operation spontan atmen oder maschinell beatmet werden kann. So kann die Versorgung des Organismus mit Sauerstoff gewährleistet werden. Zum Management der Atemwege gehört eine Einschätzung der Atemwegsbedingungen im Vorfeld, die Entscheidung welche Technik angewandt werden soll und natürlich die professionelle Handhabung des Instrumentariums und eine gewissenhafte Durchführung. Nicht umsonst eine Herausforderung für die Anästhesisten – im Zeitdruck der sinkenden Sauerstoffsättigung zählt jede Minute, trotzdem erfordern Intubation und Co. ein ruhiges und akkurates Vorgehen.

Einschätzung der Atemwege

Um schwierige Intubationsverhältnisse vor der Narkoseeinleitung erfassen zu können, erfolgt bei der Prämedikationsvisite eine Einschätzung der Atemwege des Patienten durch den behandelnden Anästhesisten. Dies ist wichtig, um bei absehbaren Schwierigkeiten die Beatmung entsprechend planen und geeignete Geräte (Videolaryngoskop) und Personal, z.B. einen erfahrenen Anästhesisten, von vornherein hinzuziehen zu können. Hierzu werden bei der Prämedikationsvisite nach einem festen Schema folgende Parameter erfragt und untersucht: Anamnese, Mallampati-Zeichen, Größe des Mandibularraumes, Reklination des Kopfes und der Zahnstatus.

Anamnese

Bei der Anamnese liefern zunächst Erfahrungen aus früheren Operationen Hinweise auf möglicherweise schwierige Intubationsbedingungen: Gab es Intubationsprobleme? Oft weiß der einzelne Patient dies nicht im Detail – Informationen liefert der Anästhesiepass. Dieses kleine gelbe Dokument, ähnlich eines Impfpasses, wird von Anästhesisten ausgestellt, wenn Komplikationen oder Probleme während der Einleitung oder Narkose auftraten.

Gleichzeitig erfragt und inspiziert der prämedizierende Arzt Fehlbildungen und Tumore im Mund-Rachen Bereich – alles was die Atemwege einengt oder verlegen könnte, muss erfasst werden. Zusätzlich ist von Bedeutung, wie weit der Mund geöffnet werden kann. Ob 2,3,4 oder 6 Zentimeter – je weiter, desto mehr „Platz“ bleibt dem Anästhesisten für seine Arbeit. Eine eingeschränkte Mundöffnung erschwert z.B. beim Intubierendas Sehen des Larynx mit dem Laryngoskop.

Mallampati Score

Klinische Scores helfen bei der Bewertung der Atemwege. Ihre Dokumentation dient auch der standardisierte Informationsweitergabe an die Kollegen, denn nicht immer begleitet der prämedizierende Arzt auch die Narkose. Dazu zählt z.B. der Mallampati-Score. Mit dem Mallampati Score wird beurteilt, welche Pharynxstrukturen sichtbar sind, wenn der Patient den Mund weit öffnet und die Zunge weitestmöglich herausstreckt. Hierzu sitzt er aufrecht, mit neutraler Kopfposition und sollte nicht zum „A“-sagen aufgefordert werden. Je nach den sichtbaren Strukturen erfolgt eine Unterteilung in Mallampati Grad I-IV. Das Ziel besteht darin, festzustellen, ob später mit dem Laryngoskop der Kehlkopfeingang darstellbar wird.

Mallampati-Klassifikation

Bild: “Mallampati-Klassifikation” von Jmarchn. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Mallampati Score:

Grad I  Uvula komplett sichtbar Die Glottis ist i.d.R. voll laryngoskopisch einstellbar
Grad II    Uvula teilweise sichtbar Unterschiedlich gute Einstellbarkeit der Glottis
Grad III  Weicher und harter Gaumen sichtbar Unterschiedlich gute Einstellbarkeit der Glottis
Grad IV Nur harter Gaumen sichtbar i.d.R. nur Epiglottis oder Zungengrund einstellbar

Cormack und Lehane

Während des Intubationsvorganges wird mit dem Laryngoskop die Stimmritze eingestellt und die dort sichtbaren Strukturen direkt bewertet. Diesen Index nennt man Klassifikation nach Cormack und Lehane und er teilt die sichtbaren Anteile des Kehlkopfes in Grad I, II, III und IV. Mit steigendem Grad steigt die Schwierigkeit der Intubation.

Cormack und Lehane:

Grad I Gesamte Stimmritze ist sichtbar
Grad  II Stimmritze ist nur teilweise sichtbar (an der hinteren Komissur)
Grad III Stimmritze ist nicht einstellbar. Es ist nur die Epiglottis erkennbar.
Grad IV Larynxstrukturen und Epiglottis nicht einstellbar. Nur weicher Gaumen sichtbar.

Mandibularraum

Die Größe des Mandibularraumes ist ein weiterer Untersuchungsgegenstand. Zum Mandibularraum zählen der Mundraum und der obere Rachen, also der Raum vor dem Larynx. Man schätzt hierbei den Abstand zwischen Kinn und Kieferwinkel. Bei einem Abstand von > 9 cm (Erwachsene) ist der Rachen in der Regel gut einsehbar (Mallampati Zeichen).

Reklination des Kopfes

Außerdem wird die Reklinationsfähigkeit des Kopfes geprüft. Wie weit der Kopf des Patienten in die reklinierte Position gebracht werden kann, spielt eine Rolle für die Einführung vom Laryngoskop – hier wird der Kopf des Patienten überstreckt, um Mund, Pharynx und Larynx in eine gemeinsame Achse zu bringen. Ist dies nicht moglich, z.B. bei einer Versteifung der Halswirbelsäule im Rahmen von M. Bechterew, oder nur eingeschränkt , wie bei Verletzungen der HWS, müssen Maßnahmen zur Arbeit mit schwierigen Atemwegen ergriffen werden (s.u.). Die normale Überstreckbarkeit des Kopfes beträgt ca. 35 Grad, um sie festzustellen wird der aufrecht sitzende Patient mit geraudeaus gerichtetem Kopf gebeten, diesen selbst zu überstrecken.

Zahnstatus

Zu guter Letzt spielt auch der Zahnstatus eine Rolle im Atemwegsmanagement. Gibt es Prothesen, die vor dem Eingriff entfernt werden müssen oder lockere Frontzähne? Hier ist Vorsicht beim Intubieren geboten – ein ausgehebelter Zahn ist an sich schon ärgerlich genug, fällt dieser während der Narkose in den Mundraum des Patienten, stellt er außerdem ein Aspirations- und Verschluckungsrisiko dar. Der Zahnstatus ist außerdem für Patient und Arzt wichtig, um bei Zahnverletzungen nachweisen zu können, dass diese nicht während der Intubation entstanden sind.

Auf einen Blick: Einschätzung der Atemwege

Werden diese einfach zu erfassenden Kriterien berücksichtigt, können zu erwartende Intubationsschwierigkeiten relativ sicher abgeschätzt werden!

  • Anamnese und Untersuchung
  • Mallampati Zeichen
  • Größe Mandibularraum
  • Reklination des Kopfes
  • Zahnstatus

Die Sicherung der Atemwege des Patienten kann grundsätzlich über supraglottische Verfahren, wie Gesichtsmaske und Larynxmaske oder durch Intubation mit einem Endotrachealtubus als infraglottisches Verfahren erfolgen.

Maskenbeatmung

Wird dem Patienten das Einleitungsnarkotikum bei der Narkoseeinleitung verabreicht, geht die daraufhin einsetzende Bewusstlosigkeit auch mit einem Atemstillstand einher. Bei allen Narkosen wird der Patient deshalb zunächst mit Gesichtsmaske manuell beatmet, bis intubiert oder eine Larynxmaske eingeführt ist, um die Sauerstoffsättigung des Blutes während der Anbringung der Instrumentarien aufrecht zu erhalten.

Verwendet werden bei der Maskenbeatmung Mund und Nase dicht umschließende Gesichtsmasken aus antistatischem Gummi, welche für Kinder und Erwachsene in unterschiedlichen Größen vorliegen. Die Masken verfügen über ein Winkelstück, an dem Inspirations- und Expirationsschlauch konnektiert werden können.

Maskenbeatmung. Die Maske wird mit dem C-Griff fixiert.

Bild: “ Maskenbeatmung. Die Maske wird mit dem C-Griff fixiert. ” von PhilippN. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Technik der Maskenbeatmung

Bei der Durchführung der Maskenbeatmung gibt es ein paar Dinge zu beachten: Die Maske wird mit einer Hand – in der Regel der linken – fest auf dem Gesicht des Patienten fixiert. Während die Maske mit Daumen und Zeigefinger ober- und unterhalb des Winkelstücks gehalten wird, umgreifen Mittelfinger, Ringfinger und kleiner Finger den Unterkiefer des Patienten und überstrecken dessen Kopf nach dorsal. Mit diesem sogenannten C-Griff, benannt nach der Position von Daumen und Zeigefinger, kann die Maske einerseits so fixiert werden, dass keine Luft entweichen kann und gleichzeitig soll die Reklination des Kopfes ein Verlegen der Atemwege durch das Zurückfallen der Zunge vorbeugen. Die freie Hand des Arztes kann nun den Beatmungsbeutel bedienen.

Guedel- und Wendel Tubus

Guedel Tubus - oropharyngealer Tubus.

Bild: “ Guedel Tubus – oropharyngealer Tubus. ” von Intersurgical Ltd. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die zusätzliche Verwendung von nasopharyngealen Tuben oder oropharyngealen Tuben verhindert das Zurückfallen der Zunge auf die Epiglottis. Das Offenhalten der Atemwege kann so bei der Maskenbeatmung gesichert werden. Hier stellt der Guedel Tubus das Mittel der Wahl dar. Der durch die Nase eingeführte Wendl-Tubus löst einen geringeren Würgereiz aus und wird in der Regel bei Nicht-Toleranz des Guedel-Tubus verwendet. Beide Tuben halten zwar die Atemwege frei, bieten aber keinerlei Schutz vor Aspiration – der Kehlkopfeingang bleibt ja bei Maskenbeatmung offen. Dies ist ein wichtiger Nachteil gegenüber der Intubation!

Wichtig ist bei der Durchführung einer Maskenbeatmung ein möglichst geringer Beatmungsdruck. Bei einem Druck von mehr als 20 mbar wird der Verschlussdruck des Ösophagusspinkthers überschritten und Luftvolumen in den Magen gepresst. Das ist einerseits nicht gewünscht, da es den Magen des Patienten überblähen kann und wichtiger noch, soll die Luft in die Lunge gelangen, um den Patienten mit Sauerstoff zu versorgen. Diese Tatsache wird auch im Examen gern gefragt.

Larynxmaske (Kehlkopfmaske)

Etwas invasiver als die Gesichtsmaske, dafür mit einigen Vorteilen, stellt sich der Einsatz einer Larynxmaske dar. Die Larynxmaske bietet die Möglichkeit, die oberen Atemwege freizuhalten, ohne dass die Risiken einer endotrachealen Intubation in Kauf genommen werden müssen. Eine Kehlkopfmaske besteht aus einem Silikontubus mit Connector, an dessen distalem Ende eine elliptisch geformte Maske angebracht ist, deren Randwulst über eine Zuleitung aufgeblasen, d.h. geblockt‘, werden kann. Die entleerte Maske wir blind, ohne Laryngoskop, in den Hypopharynx eingeführt. Liegt die Larynxmaske an ihrem Platz, d.h. sie kann nicht weiter vorgeschoben werden und der Trichter liegt vor dem Eingang des Larynx, wird der Randwulst aufgeblasen und der Kehlkopf damit abgedichtet.

Larynxmaske mit aufgeblasenem Randwulst.

Bild: “ Larynxmaske mit aufgeblasenem Randwulst. ” von Ignis. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Wenn beim Beatmen trotz Anpassungsversuchen Luft entweicht, kann ein erneuter Anlauf mit einer Maske in einer unterschiedlichen Größe versucht werden. Der Schaft der Larynxmaske kann nach erfolgreicher Platzierung mit Klebeband am Gesicht des Patienten fixiert werden, um ein intraoperatives Verrutschen zu verhindern.

Kontraindikationen

Kontraindikationen für einen Larynxmaske sind z.B. pharyngeale Abszesse oder Obstruktionen und restriktive Lungenerkrankungen, die einen hohen Inspirationsdruck (>30 cm H2O) erfordern. Ein nicht nüchterner Patient stellt ebenfalls eine Kontraindikation dar, denn die Larynxmaske verschliest Ösophaguseingang und Trachea nicht gegeneinander und bietet deshalb keinen Schutz vor Aspiration bei Regurgitation.

Vor- und Nachteile

Vorteile der Larynxmaske gegenüber der Gesichtsmaske sind die verringerten Traumatarisiken an Gesichtsstrukturen wie N.Facialis und den Augen. Der Atemweg ist einfacher offen zu halten und bei bärtigen Patienten ist ihr Einsatz die Methode der Wahl, denn eine Maske schließt hier oft nicht ganz luftdicht ab. Es wird keine haltende Hand benötigt – allerdings benötigt die Platzierung eine tiefere Narkose als die Gesichtsmaske, um den Würge- und Hustenreflex zu minimieren und ist rein mechanisch die invasivere Methode.

Im Vergleich mit der Intubation ist die Larynxmaske naturgemäß weniger invasiv, sie verursacht dementsprechend weniger Zahn- und Larynxtraumata. Für die Einführung wird kein Muskelrelaxans benötigt, das Risiko von Laryngo – und Bronchospasmen ist geringer und gleichzeitig besteht nicht die Gefahr einer versehentlichen ösophagealen oder endobronchialen Intubation.

Bei Patienten mit schwierigen Atemwegen, insbesondere in einer cannot ventilate, cannot intubate-Situation, ist die Larynxmaske aufgrund ihrer relativ problemlosen Platzierung als lebensrettende temporäre Maßnahme ein wichtiges Hilfsmittel zur Sicherung des Atemweges. Generell ist die Larynxmaske jedoch sonst nur bei kleineren, unkomplizierten Operationen zu verwenden, denn bei nicht nüchternen Patienten und generell erhöhter Aspirationsgefahr bietet sie keinen ausreichenden Aspirationsschutz – hier wird die endotracheale Intubation vorgezogen.

Endotracheale Intubation

Die endotracheale Intubation ist eines der essenziellsten Themen der Anästhesie und deren unverzichtbares Handwerkszeug. Man sollte sich deshalb mit den Instrumenten, der klinischen Durchführung, Ihren Vor- und Nachteilen sowie den Indikationen für Ihre Anwendung vertraut machen. Endotracheale Intubation beschreibt das Einführen eines Tubus (Schlauch, lat. ‚Rohr‘) durch die Stimmritze in die Trachea, über welches der Patient entweder selbst atmen oder künstlich beatmet werden kann.

Auch eine Einführung eines Tubus über die Nase, eine sogenannte nasotracheale Intubation, ist möglich. Durch das Abdichten mit einem Ballon (Cuff) werden die Atemwege vor dem Eindringen von Flüssigkeiten, wie Magensaft oder Blut, geschützt und eine Beatmung ist möglich. Neben diesem Aspirationsschutz ist auch ein Absaugen von endobronchialem Sekret über den Tubus möglich. Außerdem ist das sicheres Absaugen aller Narkosegase möglich und in Folge die Belastung des medizinischen Personals durch die austretenden Gase geringer.

Endotracheale Intubation

Bild: “Enotracheale Intubation. ” von PhilippN. Lizenz: Public Domain

Indikation

Wann besteht die Indikation für eine endotracheale Intubation? Einerseits bei Operationen im Hals- und Gesichtsbereich, bei denen supraglottische Atemwegshilfen wie Gesichts- oder Larynxmaske ungünstig sind. Bei nicht nüchternen Patienten wie Notfallpatienten, bei denen in der Regel keine sichere Aussage über den Nüchternstatus möglich ist oder bei Schwangeren ab der 14. SSW wegen dem erhöhtem intraabdominellem Druck. Bei Bauch- und Thoraxeingriffen, starkem Übergewicht der Patienten, sowie in schwierigen Operationslagen z.B. im Sitzen, sowie Operationen in Seiten- oder Bauchlage besteht ebenfalls die Indikation zur endotrachealen Intubation.

Durchführung

Die Intubation erfordert vom durchführenden Arzt eine gute Kenntnis der Kehlkopfanatomie. Zum Einführen des Tubus unter Sicht, wird mit einem Laryngoskop der Kehlkopfeingang dargestellt. Da die Stimmritze (Glottis) der engste Punkt des Larynx ist, orientiert sich die Tubusgröße bzw. dessen Durchmesser an dieser Größe. Beim Kind liegt die engste Stelle knapp unterhalb der Glottis im Bereich des Ringknorpels – stößt der Tubus nach Durchquerung der Glottis auf Widerstand, muss er gegen ein Modell mit geringerem Durchmesser ausgetauscht werden. Keinesfalls sollte dort mit Kraft weiter gedrückt werden.

Laryngoskop

Bild: “ Laryngoskop, Hauptinstrument zur Darstellung des Larynx beim Einführen des Tubus. ” von Ignis. Lizenz: CC BY-SA 2.5

Tubusarten

Man unterscheidet viele verschiedene Tubusarten, wichtig zu kennen, denn diese werden auch vom IMPP gern im Examen gefragt, sind der Magill Tubus, Murphy Tubus und der Woodbridge Tubus. Der Magill Tubus besteht aus Kunststoff (PVC) und stellt den Standardtubus dar. Die leicht gebogenen Tuben mit normiertem Krümmungsradius sind in der Regel für den Einmalgebrauch bestimmt. Der Murphy Tubus hat ein zusätzliches Loch, das sogenannte ‚Murphy Auge‘ kurz vor der Tubusspitze. Die Beatmung kann über dieses seitliche Murphy Auge erfolgen, falls das Hauptlumen der Trachealschleimhaut anliegt oder ein atypisch entspringender rechter Hauptbronchus belüftet werden soll. Der Woodbridge Tubus eignet sich besonders bei Operationen in Bauchlage und anderen OP-Lagerungen, bei denen der Tubus sehr gebogen werden muss. Der aus Latex bestehende, mit Metallspirale verstärkte Tubus ist enorm flexibel und nicht abknickbar, um ihn beim Einführen zu stabilisieren wird deshalb ein Führungsstab verwendet.

Sichere und unsichere Intubationszeichen

Endotrachealtubus - vom Typ Magill-Tubus

Bild: “Endotrachealtubus” von Grook Da Oger. Lizenz: CC BY 3.0

Wichtig bei jeder Intubation ist die sofortige Kontrolle: liegt der Tubus richtig in der Trachea oder liegt eine Fehlintubation vor? Nur so ist eine zuverlässige Versorgung beider Lungenflügel des Patienten mit Luft gewährleistet. Durch die anatomische Nähe zum Kehlkopf kann der Tubus durchaus auch einmal im Ösophagus (ösophageale Intubation) landen – trotz angestellter Beatmung sinkt die Sauerstoffsättigung des Patienten dann kontinuierlich ab, ganz einfach weil die Luft im Magen und nicht in der Lunge ankommt. Auch eine einseitige Belüftung nur eines Lungenflügels ist möglich, falls der Tubus zu weit vorgeschoben wird und in einem der Hauptbronchien, anatomisch dem steileren Winkel geschuldet meist dem Rechten, zu liegen kommt (endobronchiale Intubation).

Intubationszeichen zur Überprüfung der Tubuslage sind deshalb ein beliebtes Prüfungsthema. Mit ein wenig logischem Denken kann man sie sich rasch einprägen. Sichere Intubationszeichen sind die direkte Inspektion des Tubusverlaufs durch die Stimmbänder, eine bronchoskopische Sicht auf die intratracheale Lage des Tubus und der CO2 Nachweis in der Expirationsluft mit dem Kapnometer (4-5 Vol% = 35-40 mmHg). Unsichere Intubationszeichen sind eine Thoraxexkursion, Beschlagen der Tubusinnenwand mit Atemfeuchtigkeit, auskultatorisches Atemgeräusch (besonders bei Kindern) sowie eine konstante Pulsoxymetrische Sättigung über längere Zeit.

Videolaryngoskopischer Blick auf die Stimmlippen

Bild: “ Videolaryngoskopischer Blick auf die Stimmlippen. ” von Welleschik. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Auf einen Blick – die endotracheale Intubation:

Vorteile

  • Aspirationsschutz
  • Endobronchiales Absaugen über den Tubus ist möglich
  • Sicheres Absaugen aller Narkosegase

Indikation

  • OP’s im Gesichts, Hals und Thoraxbereich
  • Regurgitationsgefahr
  • Operationslagen: Sitzend, Seitenlage, Bauchlage

Wichtige Tubusarten

  • Magill Tubus – Standardtubus
  • Murphy Tubus – ‚Murphy Auge‘
  • Woodbridge Tubus – sehr flexibel

Der schwierige Atemweg

Probleme bei der Beatmung, d.h. wenn ein Offenhalten und eine ausreichende Ventilation der Atemwege nicht möglich ist, sind verantwortlich für ca. 50% der anästhesiebedingten Komplikationen. Bei Schwierigkeiten mit Maskenbeatmung oder Intubation wird generell unterschieden zwischen zu erwartenden schwierigen Atemwegen und unerwartet schwierigen Atemwegen im Rahmen der Einleitung (akut). Zu den erwartet schwierigen Atemwegen zählen Dinge, die schon in der Prämedikationsvisite erfasst wurden, z.B. Verlegung durch Tumore oder Verletzungen.

Bei erwartet schwierigen Atemwegen gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten des Vorgehens: Die Intubation mittels Videolaryngoskop oder die Durchführung einer FOWI (Fiberoptische Wachintubation). Beide Verfahren ermöglichen dem Anästhesisten die optische Kontrolle der Tubuslage mittels Videokamera.

Die Verwendung eines Videolaryngoskops bei einem Patienten mit schwierigen Atemwegen.

Bild: “Die Verwendung eines Videolaryngoskops bei einem Patienten mit schwierigen Atemwegen. ” von DiverDave. Lizenz: CC BY-SA 3.0

,Can’t ventilate can’t intubate‘-Situation              

Ist bei einem bereits anästhesierten Patienten eine Maskenbeatmung nicht oder nicht ausreichend möglich, auch nicht nach Maßnahmen wie stärkerer Überstreckung des Kopfes, muss ohne vorherige Muskelrelaxierung ein Intubationsversuch unternommen werden. Bei weniger als 0.02% der Patienten ist allerdings weder Maskenbeatmung noch darauffolgende Intubation möglich. Tritt diese Situation ein, spricht man von einer ,can’t ventilate, can’t intubate‘- Situation – einem absoluten Notfall.

Der anästhesierte Patient ist aufgrund des verabreichten Narkotikums temporär nicht mehr in der Lage, selbstständig zu atmen, die Sauerstoffsättigung fällt rasch ab, es droht bei langem Anhalten dieser Situation ein hypoxischer Hirnschaden. Die erste Maßnahme ist deshalb, sofort einen erfahreneren Anästhesisten zur Hilfe zu rufen. Lässt es die Situation zu, kann zudem ein Ausleiten der Narkose mit Aufwachen lassen des Patienten für eine Rückkehr zur Spontanatmung erwogen werden.

Häufig ist als erste Maßnahme auch das Platzieren einer Larynxmaske erfolgreich, über welche dann beatmet oder fiberoptisch intubiert werden kann. Schlägt dieser Versuch fehl, sind eine Koniotomie (näheres zur Koniotomie könnt ihr in unserem Artikel zur Anatomie der unteren Atemwege nachlesen) oder eine transtracheale Jet-Ventilation als notfallchirurgischer Eingriff indiziert, um die Atemwege des Patienten wieder zu öffnen und seine lebensnotwendige Versorgung mit Sauerstoff zu sichern.

Auf einen Blick: Der schwierige Atemweg

Arten

  • Erwartet
  • Unerwartet

Vorgehen bei can’t ventilate, can’t intubate

  • Larynxmaske platzieren
  • Beatmung oder FOWI
  • Koniotomie (Notfall)
  • Transtracheale Jet Ventilation

Prüfungsfragen zum Atemwegsmanagement

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Was wird mit dem Mallampati Score bestimmt?

  1. Der Zahnstatus
  2. Die Mundöffnung
  3. Die Reklinierbarkeit des Kopfes in Grad
  4. Die Sichtbarkeit der Pharynxstrukturen bei geöffnetem Mund und herausgestreckter Zunge
  5. Komplikationen bei früheren Narkosen

2. Welche Maßnahme wird bei einer cannot intubate cannot ventilate Situation nicht zum Einsatz kommen?

  1. Larynxmaske
  2. Koniotomie
  3. Transtracheale Jet-Ventilation
  4. Endotracheale Intubation
  5. Erfahrenen Anästhesisten zur Hilfe holen

3. Zu den sicheren Intubationszeichen zählt:

  1. Co2 Nachweis in der Expirationsluft
  2. Thoraxexkursion
  3. Konstante pulsoxymetrische Sättigung
  4. Auskultatorisches Atemgeräusch
  5. Beschlagen der Tubusinnenwand mit Atemfeuchtigkeit

Quellen

Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin (2012) – Schattauer Verlag

Lernkarten Allgemeine Anästhesie via miamed.de

Morgan & Mikhail’s Clinical Anesthesiology – Lange

Leitlinie zum Atemwegsmanagement Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (2015).

Lösungen zu den Fragen: 1D, 2D, 3A

 

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