Schon die Anatomie des Auges ist komplexer als die anderer Strukturen des menschlichen Körpers, daher ist es auch naheliegend, dass die Entwicklung des Auges während der Embryonalperiode nicht die einfachste ist. Das Innenohr entwickelt sich aus einer Verdickung des Oberflächenektoderms, den Ohrplakoden. Lesen Sie hier mehr dazu!
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Bild: „Äußere Augenmuskeln des linken menschlichen Auges.“ von Patrick J. Lynch,. Lizenz: CC BY 2.5


Auge

Die Entwicklung des Auges

Das Auge entwickelt sich aus drei Strukturen, dem Oberflächenektoderm, dem Mesoderm des Kopfes und dem Neuroektoderm des Vorderhirns.

Zunächst entwickelt sich das Augenbläschen. Bei noch offenem Neuroporus anterior stülpen sich aus dem Vorderhirn zwei Augenfurchen aus. Diese werden bei Verschluss des Neuroporus zum Augenbläschen. Dadurch, dass diese Struktur sich dem Oberflächenektoderm annähert kommt es zur Induktion der Linsenplakode, im Verlauf schnürt diese sich als Linsenbläschen vom Oberflächenektoderm ab. Währenddessen kriegt das Augenbläschen eine Delle und wird zum Augenbecher, dessen zwei Wände nach anfänglicher Trennung durch den Sehventrikel am Ende aufeinander liegen.  Die Verbindung zum Diencephalon, der Augenbecherstiel, wird später zum Nervus opticus. Das Linsenbläschen wandert nun in die Delle des Augenbechers, welcher seine Öffnung zur Pupille abrundet.

Aus dem inneren und äußeren Blatt (Wand) des Augenbechers entsteht die Retina. Sie ist damit neuroektodermalen  Ursprungs. Das äußere Blatt entwickelt sich zum Pigmentepithel, während das innere Blatt sich zum einen zur Pars caeca entwickelt, zum anderen zur Pars  optica , welcher lichtempfindlich ist.

Die Augenanlage umgebend findet sich Mesenchym mit einem inneren und einem äußeren Blatt. Die innere Schicht wird zur Choroidea und zum Corpus ciliare. Die äußere Schicht entwickelt sich zur Sklera.

Die Cornea entwickelt sich im vorderen Augenabschnitt. Zwischen ihren beiden mesenchymalen Blättern liegt die vordere Augenkammer.

Knöcherne Orbita

Die knöcherne Orbita gibt dem Organ Auge einen Raum im Schädel. Sie verläuft kegelförmig von ventral nach dorsal und wird durch die verschiedensten Knochen gebildet:

Nach oben hin bildet das Os frontale die Orbita. Die Incisura frontalis und das Foramen supraorbitale sind Verbindungen zum Gesicht.

Der Boden der Orbita wird von drei Knochen aufgebaut. Zum einen die Maxilla, das Oy zygomaticum und das Os palatinum. Auch hier bestehen Verbindungen von der Orbita zum Gesicht, zum einen das Foramen infraorbitale und der Canalis infraorbitalis.

Das Os zygomaticum begrenzt die Orbita auch nach lateral, außerdem ist hier der Ala major des Os sphenoidale beteiligt. Die Fissura orbitalis superior stellt eine Verbindung zur mittleren Schädelgruppe da, die Fissura orbitalis inferior führt zur Fossa pterygopalatina, das Foramen zygomaticoorbitale zum Gesicht.

Auch die mediale Wand wird von mehreren Knochenteilen aufgebaut. Hier ist der Ala minor des Os sphenoidale, der Processus frontalis des Maxilla, das Os lacrimale, das Os ethmoidale und das Os frontale beteiligt. Der Canalis opticus verbindet durch diese Wand die Orbita mit der mittleren Schädelgrube, das Foramen ethmoidale anterius führt zu den vorderen Siebbeinzellen, sowie das Foramen ethmoidale posterius zu den hinteren Siebbeinzellen. Der Canalis nasolacrimalis führt in die Nasenhöhle.

Die Orbita ist zwar bis auf den Aditus orbitalis nach ventral komplett verknöchert, da diese Wände aber alle sehr dünn sind können Kopftraumata leicht zu Frakturen und Verschleppungen von Keimen in die Orbita führen.

Inhalt der Orbita – Leitungsbahnen

In der knöchernen Orbita sind einige Strukturen entahlten, allen voran natürlich der Bulbus oculi als größter Bestandteil, sowie die Augenmuskeln. Diese beiden Bestandteile werden in den nächsten Abschnitten besprochen.

Um den Bulbus oculi befindet sich eine Schutzschicht aus Fett, das Corpus adiposum orbitae, und eine feste Kapsel aus Bindegewebe direkt um den Bulbus, die Vagina bulbi.

Wichtig sind außerdem die Leitungsbahnen, die durch die im vorherigen Abschnitt angesprochenen Kanäle ziehen und das Auge versorgen.

Die Arteria ophtalmica zieht zusammen mit dem Nervus opticus, dem zweiten Hirnnerv, durch den Canalis opticus. Zahlreiche weitere Arterien ziehen durch die oftmals gleichnamigen Kanäle und Löcher. Sie versorgen unter anderem das Auge selbst, die beteiligten Drüsen, Hirnhäute und ähnliches.

Die jeweiligen Venen ziehen zusammen mit den Arterien.

Weitere Hirnnerven, neben dem Nervus opticus, ziehen durch die Orbita, nämlich der N. oculomotorius, der N. trochlearis und der N. abducens. Der R. ophtalmicus des N. trigeminus verzweigt sich in der Orbita in seine drei Endäste.

Lage und Funktion der Augenmuskeln

Die Augenmuskeln sind dafür zuständig, dass sich die Augen jeweils gegenläufig zueinander in den Seitbewegungen bewegen und gleichläufig in den vertikalen Bewegungen, sogenannte konjugierende Augenbewegungen.

Jedes Auge hat vier gerade und zwei schräge Augenmuskeln. Der Ursprung der geraden Augenmuskeln ist immer der Anulus tendineus communis an der Spitze der kegelförmigen knöchernen Orbita. Sie setzen jeweils an unterschiedlichen, jeweils zu ihren Aufgaben passenden Stellen des Bulbusäquators an.

Der M. rectus superior vollzieht die Elevation des Auges, der M. rectus inferior eine Depression. Beide werden vom N. oculomotorius innerviert. Auch der M. rectus medialis wird von ihm innerviert. Dieser Muskel sorgt für eine Adduktion des Bulbus.
Der M. rectus lateralis wird als einziger Augenmuskel vom N. abducens innerviert. Er sorgt für eine Abduktion des Auges.

Die schrägen Augenmuskeln haben einen anderen Verlauf als die geraden. Der M. obliquus superior hat seinen Ursprung am Corpus ossis sphenoidalis, sein Verlauf wird über den medialen Orbitarand umgeleitet und setzt dann wieder hinter dem Bulbusäquator an. Dieser Muskel, der vom N. trochlearis innerviert wird, sorgt für eine Innenrotation des Auges.
Der M. obliquus inferior hat seinen Ursprung an der Maxilla und setzt auch hinter dem Bulbusäquator an. Er wird, wie viele Augenmuskeln, vom N. oculomotorius innerviert und sorgt für eine Außenrotation.

Bulbus oculi

Der Bulbus oculi wird durch drei Schichten gebildet. Die Tunica fibrosa bulbi ist die äußere stabile Schicht, die Tunica vasculosa bulbi mit den Gefäßen und die Retina als nervenzellhaltige Schicht. Sie umgeben den Glaskörper, an dessen vorderen Pol sich noch weiter für die Sehkraft wichtige Strukturen befinden.

Zur äußeren Augenhaut zählen Sclera und Cornea. Die Sclera ist eine derbe bindegwebige Haut, die durch die Bindehaut als Weißes des Auges zu erkennen ist. Sie geht nach ventral am Limbus in die Cornea über. Die Cornea ist durchsichtig und der am stärksten lichtbrechende Teil des Auges.

Auch die Tunica vasculosa bulbi, auch Uvea genannt, besteht aus mehreren Bestandteilen. Durch Iris oder Regenbogenhaut tritt das Licht durch die Pupille ins Auge. Die Iris regelt die Größe der Pupille mittels zwei Muskeln: dem M. sphincter und dilatator pupillae. Wie der Name Regenbogenhaut schon andeutet ist dieser Teil des Auges für die Augenfarbe verantwortlich.
Der Corpus ciliaris liegt zwischen Irisbasis und Ora serrata. Er produziert Kammerwasser und sorgt für die Akkommodation des Auges mittels des M. ciliaris.

Die Choroidea liegt zwischen Sclera und Retina. Hier fließen die die Retna versorgenden Gefäße. Außerdem hält die Choroidea den intraokulären Druck aufrecht.

Die Retina schließt sich nach außen an die Choridea an. Ihre Schichten werden im nächsten Abschnitt besprochen.

Wichtige Bestandteile sind auch noch die Linse und die beiden Augenkammern. Diese sind an der Lichtbrechung maßgeblich beteiligt.

Schichten der Retina

Die Retina besteht aus der Pars optica, die lichtempfindlich ist, und der Pars caeca, die lichtunempfindlich ist.  Sie ist eher ventral gelegen, die Grenze zwischen beiden ist die Ora serrata.

Beide Teile bestehen aus einem äußeren und einem inneren Blatt. Das äußere Blatt besteht jeweils aus Pigmentzellen. Diese Schicht schützt das innere Blatt und sorgt für eine optimale Versorgung der Nervenzellen.

Das innere Blatt der Pars optica der Retina wird auch als Stratum nervosum retinae bezeichnet. Hier wird das gesehene Bild abgebildet und dann von den Zellen in elektrische und anschließend chemische Signale umgewandelt, die dann zum Gehirn weitergeleitet werden. Sie besteht aus weiteren 9 Schichten , in diesen liegen die ersten drei Neurone der Sehbahn, Photorezeptoren (Zäpfchen: farbempfindlich, Stäbchen: helligkeitsepfindlich), Ganglienzellen und Bipolarzellen.

Ohr

Entwicklung des Ohres

Das Innenohr entwickelt sich aus einer Verdickung des Oberflächenektoderms, den Ohrplakoden. Nach Abschnürung dieser entsteht das Ohrbläschen, welches mit seinem ventralen Abschnitt Sacculus und Ductus cochlearis bildet und mit seinem dorsalen Abschnitt Utriculus, Bogengänge und Ductus endolymphaticus.

Das Mittelohr entsteht dadurch, dass sich zunächst die 1. Schlundtasche ausstülpt und somit in Kontakt mit dem Boden der 1. Schlundfurche kommt. Hier wird später das Trommelfell sein. Der hintere Teil der Ausstülpung, auch Recessus tubotympanicus genannt, wird zur Paukenhöhle, während der vordere Teil zu Tuba auditiva wird. Aus den Knorpelspangen der ersten beiden Kiemenbögen entstehen die Gehörknöchelchen, wobei Malleus und Incus aus dem 1. Knorpel entstehen und der Stapes aus dem zweiten.

Auch das äußere Ohr entwickelt sich aus der 1. Schlundfurche, nämlich der äußere Gehlrgang. Die Ohrmuschel entwickelt sich aus 6 Ohrmuschelhöckern aus der 1. Schlundtasche. Die Anlage wandert in der Entwicklung von Halshöhe auf die Höhe der Augen.

Form des Außenohres

Das äußere Ohr, auch Auris externa, besteht aus zwei Anteilen: der Ohrmuschel (Auricula) und dem äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus). Es ist klar mittels Trommelfell zum Mittelohr abgrenzbar.

Bei der Ohrmuschel, so verschieden sie auch interindividuell sein mag, gibt es einige Leitstrukturen, die fast immer vorhanden sind.  Dies sind Helix und Anthelix, zwei Wülste, die um den Introitus  angeordnet sind. Außerdem ist regelmäßig der Tragus zu finden, eine knorpelige Struktur ventral vom Introitus. Und natürlich das Ohrläppchen, der Lobulus. Die Ohrmuschel dient als Schalltrichter.

Der Meatus acusticus externus reicht vom Introitus externus bis zum Trommelfell. Er ist nach kranial und dorsal abgekrümmt. Das laterale Drittel ist knorpelig und smot elastisch, die medialen zwei Drittel sind knöchern. Die hier beteiligten Knochen sind das Os temporale mit dem Pars tympanicus und der Pars squamosa.

Schallübertragung

Das Ohr dient sowohl dem Gleichgewichtssinn als auch dem Hören. Beim Hören spielen einige Funktionen so zusammen, dass Informationen von Schallwellen bis ins Gehirn fortgeleitet werden. Dies geschieht nur in einem bestimmten Frequenz- und Schalldruckpegelbereich.

Treffen Schallwellen von einem Ton auf das Ohr, so werden sie über den äußeren Gehörgang bis zum Trommelfell fortgeleitet. Dieses wird hierdurch in Schwingung gebracht. Am Trommelfell angeschlossen liegen die Gehörknöchelchen, die wiederrum durch die Schwingung des Trommelfells in Bewegung gebracht werden. Der letzte Knochen, der Steigbügel, ist mit dem ovalen Fenster verwachsen. Durch diese Verwachsung bringt der Steigbügel die Membran des ovalen Fensters zum Schwingen und somit auch die dahinter befindliche Lymphe in der Cochlea.

Der anfängliche Schalldruck ist bis hierhin schon durch Hebelwirkung der Gehörknöchelchen und durch die kleine Fläche vom ovalen Fenster in Relation zum Trommelfell um ein vielfaches vergrößert worden.

Die vorher erwähnte Cochlea besteht aus zwei Schläuchen in denen jeweils Haarzellen sind, die zum Cortiorgan gehören. Diese verformen sich je nach Frequenz der Schwingungen der Lymphe und geben so unterschiedliche Signale an den Hörnerv weiter. Im Gehirn werden die Informationen schließlich zu einem Ton umgewandelt.

Beliebte Fragen

Die richtigen Antworten befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welcher Knochen gehört nicht zur Orbita?

  1. Os frontale
  2. Ala Major des Os sphenoidale
  3. Ala Minor des Os sphenoidale
  4. Os nasale
  5. Os lacrimale

2. Welchen Weg nimmt der Schall?

  1. Meatus acusticus externus – ovales Fenster – Gehörknöchelchen – Trommelfell – Cochlea
  2. Meatus acusticus internus – Gehörknöchelchen – ovales Fenster – Cochlea
  3. Meatus acusticus externus – Trommelfell – Gehörknöchelchen – ovales Fenster – Cochlea
  4. Trommelfell – Meatus acusticus externus – Gehörknöchelchen – ovales Fenster – Cochlea


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