Hypertrophien des Herzmuskelgewebes sind meist Folge anderer kardialer Erkrankungen und haben damit einen Krankheitswert. Im Falle von Leistungssportlern kann es sich aber auch um eine physiologische Reaktion des Herzens handeln. Kritisch wird die Hypertrophie vor allem dann, wenn ein Herzgewicht von 500g erreicht wird und die Eigenversorgung des Herzens nicht mehr ausreichen kann. Folge sind das Absterben von Zellen und eine Herzinsuffizienz, deren Behandlung jedem Mediziner bekannt sein muss, ist sie doch eine extrem häufige Erkrankung.
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Bild: „Grafische Darstellung einer linksventrikulären Hypertrophie im Kurzachsenschnitt.“ von Patrick J. Lynch. Lizenz: CC BY 2.5


Definition

Von einer Hypertrophie wird in der Medizin im Allgemeinen gesprochen, wenn es um die Größenzunahme eines Organs oder Gewebes geht, die auf einer  Zunahme des Zellvolumens beruht. Bei einer Herzmuskelhypertrophie kann das Gewicht des Herzens von durchschnittlich 300g bis auf 500g ansteigen.

Vereinfacht gesagt, ist bei einer konzentrischen Herzmuskelhypertrophie das Herz nach innen vergrößert, bei einer exzentrischen Herzmuskelhypertrophie nach außen.

Das Herzmuskelgewebe

Das Herzmuskelgewebe wird auch als Myokard bezeichnet. Es handelt sich ebenfalls um quergestreifte Muskulatur, wie auch die Skelettmuskulatur. Herzmuskelzellen sind einkernige Zellen, die ein funktionelles Synzytium bilden. Dies heißt, ihre Zellen stehen über Gap junctions in elektrischer Verbindung, sodass sich die vom Schrittmacherzentrum kommenden Erregungen über das ganze Herz ausbreiten können.

Normalerweise hat das gesamte Herz ein Gewicht von durchschnittlich 300g. Bei einer Zunahme des Herzmuskelgewebes kann das Herzgewicht auf bis zu 500g ansteigen. Dieses Gewicht wird dann als kritisches Herzgewicht bezeichnet, weil ab diesem Punkt die Eigenversorgung des Herzens mit Blut aufgrund zu großer Diffusionsstrecken schwierig wird.

Die Herzmuskelhypertrophie

Eine Herzmuskelhypertrophie kann auf physiologische und auf pathophysiologische Weise entstehen. Zu einer physiologischen Vergrößerung des Herzmuskels kommt es beispielsweise bei Leistungssportlern: Nicht nur der Skelettmuskel wird hypertroph, auch der Herzmuskel nimmt bei andauernder Belastung zu, um den Körper mit ausreichend Blut zu versorgen.

Dies ermöglicht dem Herzen beispielsweise bei Leistungssportlern während einer Belastungssituation das Herzminutenvolumen von 5l/min in Ruhe auf 25-30l/min zu steigern. Im Vergleich dazu kann ein untrainierter Mensch sein Herzminutenvolumen auf maximal 15l/min steigern.

Neben dieser physiologisch notwendigen Herzmuskelhypertrophie entsteht auch die pathologische Herzmuskelhypertrophie aufgrund einer erhöhten Belastungssituation des Herzens. Diese Belastungssituation beruht aber im Falle der pathologischen Hypertrophie auf krankhaften Veränderungen des Herzens oder der Gefäße. Unterschieden werden die konzentrische und die exzentrische Hypertrophie.

Die konzentrische Hypertrophie

Ursache einer konzentrischen Hypertrophie ist eine dauerhaft erhöhte Druckbelastung des Herzens. Beispiele, die eine Druckbelastung auslösen können sind die arterielle Hypertonie und die Stenose einer Klappe, bei denen das Herz dauerhaft gegen eine erhöhten Widerstand anpumpen muss. Um gegen diesen Widerstand anpumpen zu können, muss das Herz einen größeren Druck aufbauen.

Hält diese Belastungssituation an, ohne dass der Auslöser beseitigt wird, reagiert das Herz mit strukturellen Veränderungen, die im Nachhinein nicht mehr rückgängig gemacht werden können.  Bei der konzentrischen Hypertrophie kommt es zu einer Zunahme des Herzmuskelgewebes, um den erhöhten Druck aufrechterhalten zu können.

Diese Form der Hypertrophie ist in der Regel dadurch gekennzeichnet, dass die Zunahme vor dem krankhaft veränderten Abschnitt gleichmäßig alle Zellen betrifft. Eine Stenose der Aortenklappe führt daher beispielsweise zu einer Veränderung des linken Ventrikels. Des Weiteren führt diese Form der Hypertrophie meist zu einer Einengung der Innenräume des Herzens.

Das typische Krankheitsbild, das sich aus dieser Veränderung entwickelt, ist das Bild einer hypertrophischen Kardiomyopathie (HCM) mit oder ohne Obstruktion (HOCM oder HNCM). Die HCM ist des Weiteren eine der typischen kardialen Erkrankung, die vererbt werden kann, und daher familiär gehäuft auftritt! Die Diagnose der Hypertrophie kann aufgrund von EKG-Veränderungen oder eines Herz-Echo erkannt werden. Ist eine Stenose die Ursache, kann die Auskultation auffällige Befunde liefern.

Die konzentrische Hypertrophie kann sowohl das linke als auch das rechte Herz betreffen, je nach Lokalisation der auslösenden Ursache. Ist die Hypertrophie des Herzmuskelgewebes schon sehr weit fortgeschritten, kann es dazu kommen, dass die Blutversorgung des Gewebes nicht mehr ausreichend sichergestellt werden kann, sodass es zu einer Minderversorgung mit Absterben der Herzmuskelzellen kommt. Somit kann aus der Hypertrophie eine Herzinsuffizienz resultieren.

Die exzentrische Hypertrophie

Eine exzentrische Hypertrophie des Herzmuskelgewebes tritt dagegen vor allem bei einer erhöhten Volumenbelastung des Herzens auf. Das klassische Beispiel für die Ursache einer exzentrischen Hypertrophie ist daher die Insuffizienz einer der Herzklappen. Der dauerhafte, unkontrollierbare Rückstrom des Blutes führt zu einer vermehrten Volumenbelastung.

Damit der Körper weiterhin mit ausreichend Blut versorgt wird, muss das Herz nun, da ein Teil immer in Richtung Herz zurückfließt, pro Systole mehr Blut auswerfen, als ein Herz mit einer gesunden Klappe. Somit fangen die Herzmuskelzellen auch bei dieser Form der Hypertrophie an, sich zu vergrößern, um das Herzminutenvolumen aufrecht zu erhalten.

Bei dieser Hypertrophie-Form kommt es aber nicht nur zu einer Vergrößerung der Herzmuskelzellen, wie bei der konzentrischen Hypertrophie. Die exzentrische Hypertrophie ist aufgrund des stetigen Rückflusses und der daraus resultierenden Volumenbelastung durch eine Dilatation der Herzinnenräume gekennzeichnet!

Die typischen Krankheitsbilder, die diese exzentrische Kardiomyopathie hervorrufen, sind Klappeninsuffizienzen. Je nach dem um welche Klappe es sich handelt, sind der Vorhof oder die Kammer betroffen. Auch die exzentrische Kardiomyopathie kann in einer Herzinsuffizienz enden. Diagnostiziert werden kann sie aufgrund von EKG-Veränderungen oder im Herz-Echo. Die Klappengeräusche, die aufgrund der Klappeninsuffizienzen entstehen, können bei der Auskultation gehört werden.

Klinik: Der plötzliche Herztod

Vor allem bei jungen Sportlern, die einen plötzlichen Herztod erleiden, kann häufig im Nachhinein eine hypertrophische Kardiomyopathie festgestellt werden. Da die HCM eine hereditäre Herzerkrankung ist, sollten vor allem junge Männer, in deren Familienanamnese Fälle mit plötzlichem Herztod oder bekannten Gen-Mutationen zu finden sind, gewisse Risikomarker regelmäßig überprüfen lassen.

Bei Kindern und Jugendlichen, die diese Risikomarker aufweisen, liegt die jährliche Sterberate bi 6 %. Zum plötzlichen Herztod kommt es bei der HCM letztendlich meist aufgrund von Herzrhythmusstörungen, die aufgrund der strukturellen Umbauprozesse des Herzens entstehen.



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