15 % aller Verletzungen des Ellenbogengelenkes führen zur Berufsunfähigkeit mit Berentung. Folglich ist es sehr verständlich, dass das Gesundheitswesen großes Interesse daran hat, die Folgen einer solchen Verletzung einzudämmen, sollten vorangegangene Präventionsmaßnahmen bereits gescheitert sein. Um Patienten mit Ellenbogenläsionen adäquat behandeln zu können, bedarf es Medizinern und Therapeuten, die die (funktionelle) Anatomie und Pathologie des Ellenbogengelenkes ausnahmslos beherrschen. Dieser Beitrag soll Studenten der Humanmedizin dabei helfen, die Routine im Umgang mit dem Ellenbogengelenk zu erlernen – sowohl für die Prüfungen im Studium als auch für die spätere Berufspraxis.

Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Kurs zur makroskopischen Anatomie.

Grafik des Ellenbogengelenks

Bild: “Medial sagittal section through the right elbow” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0


Das Ellenbogengelenk: Allgemeine Informationen

Das Ellenbogengelenk oder fachsprachlich Articulatio cubiti genannt, setzt sich eigentlich aus drei Gelenken zusammen, die gemeinsam eine funktionelle Einheit bilden. Alle drei ossären Komponenten sind von einer gemeinsamen Gelenkkapsel umzogen. Die drei Gelenke sind:

  • Articulatio humeroulnaris (Humerus + Ulna)
  • Articulatio humeroradialis (Humerus + Radius)
  • Articulatio radioulnaris proximalis (Radius + Ulna).
Merke: Das Articulatio radioulnare distale gehört zum Handgelenk und nicht zum Ellenbogengelenk.

Das Ellenbogengelenk ist zu Extension und Flexion, sowie Pro- und Supination fähig. Add- und Abduktion können aktiv nicht durchgeführt werden und verstehen sich mehr als Gapping durch passive Strukturen, wenn der Ellenbogen flektiert oder extendiert wird. Die größte Bewegung hat das Gelenk in Flexion, während die Extension eher als rückführende Bewegung aus der Flexion zu verstehen ist, da durch die ossäre Hemmung des Olekranon eine Bewegung über 0 Grad selten ist und meist als Hypermobilität zu verstehen ist.

Articulatio humeroulnaris (Humerus + Ulna)

Die Funktionsweise des Ellenbogengelenks

Bild: “Types of Synovial_Joints (detail)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Articulatio humeroulnaris: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen des Humerus

Die ossären Strukturen, die für das Articulatio cubiti von Relevanz sind, befinden sich auf der distalen Extremitas des Oberarmknochens. Folgende Strukturen werden besprochen:

  • Trochlea humeri
  • Fossa coronoidea
  • Epicondylus medialis humeri
  • Crista supracondylaris
  • Sulcus nervi ulnaris
  • Fossa olecrani

Das folgende Bild veranschaulicht diesen Aufbau:

Humerus und Ellenbogen

Bild: “Humerus und Ellenbogen” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

 

Trochlea humeri

Die Trochlea humeri ist die ossäre Verbindung des distalen Humerus zur Ulna. Ihr medialer Durchmesser ist größer als der laterale, was eine Valgisierung der Ulna bei der Extension des Ellenbogengelenkes bedingt. In ihr befindet sich eine Rinne für die Bewegung der Ulna, welche ihrerseits Einfluss auf die Endstellung der Ellenbogenflexion hat. Bei proximal-lateralem Verlauf zum Beispiel richtet sich der Unterarm nach lateral aus. Sollte der Verlauf proximal-medial sein, ist die Endposition entsprechend medial. Die Art und Weise des Verlaufes ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und ist nicht als pathologisch zu betrachten, sofern die Flexionsbewegung nicht auffällig (oder schmerzhaft) eingeschränkt ist. In der Ausrichtung von anterior nach posterior ist die Trochlea konvex, in der medialen-lateralen plan geformt.

Fossa coronoidea

Die Fossa coronoidea befindet sich proximal der Trochlea humeri und bildet den proximalen Gelenkpartner des Humerus zur distalen Ulna. Sie hat die Aufgabe bei der Flexion des Ellenbogengelenkes den Proc. coronoideus der Ulna aufzunehmen.

Epicondylus medialis humeri

Der Epicondylus medialis humeri ist ein ossärer Vorsprung der Trochlea humeri. Er dient u.a. den Flexoren der Hand als knöchernen Ursprung.

Crista supracondylaris

Die Crista supracondylaris ist ein leistenartiger Rand, der vom Epicondylus medialis humeri ausgeht und nach proximal abwandert. Diese dient als Ursprung bzw. Ansatz von M. brachialis, M. pronator teres, M. triceps brachii caput mediale und dem Septum intermusculare brachii mediale.

Sulcus nervi ulnaris

Diese knöcherne Rinne liegt dorsal des Epicondylus medialis humeri und dient dem distal ziehenden Nervus ulnaris als Verlaufsgeber.

Fossa olecrani

Die Fossa olecrani befindet sich proximal und dorsal der Trochlea humeri, ist mit Fettgewebe aufgefüllt und bildet den proximalen Gelenkpartner des Humerus zur distalen Ulna. Ihre Aufgabe ist es bei Extension des Ellenbogengelenkes die Spitze des Olekranons der Ulna aufzunehmen.

Articulatio humeroulnaris: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen der Ulna

Die ossären Strukturen, die für das Articulatio cubiti von Relevanz sind, befinden sich auf der proximalen Extremitas der Ulna. Folgende Strukturen werden besprochen:

  • Incisura trochlearis
  • Olekranon
  • Processus coronoideus
  • Tuberositas ulnae
  • Crista musculi supinatoris

Die folgende Grafik zeigt die Position der genannten Strukturen:

Grafische Darstellung von Ulna und Radius

Bild: “Ulna und Radius” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Incisura trochlearis

Die nach ventral ausgerichtete Gelenkfläche der Ulna zum Humerus wird als Incisura trochlearis bezeichnet. Sie umfasst die Trochlea wie eine Art Zange, was die schanierartige Bewegung von Flexion und Extension des Ellenbogengelenkes erklären kann.

Olekranon

Die Incisura trochlearis endet dorsal mit dem Olekranon. Dieser ossäre Vorsprung ist prominent und gut palpierbar. Es dient dem M. triceps brachii als Ansatz und dem M. flexor carpi ulnaris caput ulnare als Ursprung.

Processus coronoideus

Der Processus coronoideus ulnae – nicht zu verwechseln mit dem Processus coronoideus mandibulae des Unterkiefers – ist ein prominenter dreieckiger Knochenvorsprung der Ulna und formt den distalen Teil der Incisura trochlearis. Sein medialer Teil ist Ursprungspunkt für den M. flexor digitorum superficialis und den M. pronator teres.

Tuberositas ulnae

Distal des Proc. coronoideus befindet sich die Tuberositas ulnae, die dem M. brachialis als Ansatz und dem M. flexor digitorum superficialis als Ursprung dient.

Crista musculi supinatoris

Dorsal der Incisura trochlearis liegt die Crista musculi supinatoris, welche den Ursprungspunkt des M. supinator darstellt.

Articulatio humeroulnaris: Gelenkkapsel

Grafik des Ellenbogengelenks

Bild: “Medial sagittal section through the right elbow” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Gelenkkapsel umschließt die Fossa olecrani humeri von dorsal und die Fossa coronoidea von ventral. Der Epicondylus medialis und der Sulcus nervi ulnaris liegen allerdings extrakapsulär. Anteile der Gelenkkapsel verwachsen mit den tiefen Fasern des medialen Collateralligaments. An der Ulna inseriert die Gelenkkapsel an der Knochen-Knorpel-Grenze der Incisura trochlearis und umschließt dabei die Incisura radialis ulnae von medial. Dorsalseitig umspannt die Kapsel zusammen mit weiteren Bindegewebszügen die Fossa olecrani und bildet im Verlauf dorsal und ventral verschiedene kleine Recessi. Bei Flexion spannen die dorsalen Anteile, bei Flexion entsprechend die ventralen Kapselanteile an.

Articulatio humeroulnaris: Bandstrukturen

Bandstrukturen des Ellenbogens

Bild: “Medial view of right elbow joint” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Für das Art. humeroulnaris sind das Lig. collaterale ulnare und das Lig. epicondyloolecranium von Bedeutung.

Lig. collaterale ulnare

Dieses Band hat vier Faserzüge: Pars anterior, Pars posterior, Pars medialis und Pars transversa. Diese sind in allen Gelenkstellungen anteilsmäßig gespannt und stabilisiert das Humeroulnargelenk gegen Valgusstress. Es relaxiert sich bei Extension und Pronation.

Lig. epicondyloolecranium

Hierbei handelt es sich um eine Abspaltung des ulnaren Collateralligaments und hat die Funktion, den N. ulnaris im Sulcus nervus ulnaris zu stabilsieren.

Articulatio humeroradialis (Humerus + Radius)

Articulatio humeroradialis: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen des Humerus

Folgende ossäre Strukturen des Humerus sind für das Humeroradialgelenk relevant:

  • Sulcus capitulotrochlearis
  • Fossa radialis
  • Epicondylus lateralis humeri
  • Crista supracondylaris lateralis

Sulcus capitulotrochlearis

Der Sulcus capitulotrochlearis grenzt das Capitulum humeri von der Trochlea humeri ab. Durch diese Rinne bewegt sich die Lunula obliqua radii bei allen Bewegungen des Ellenbogengelenkes.

Fossa radialis

Die Fossa radialis ist proximal und ventral des Capitulum humeri lokalisiert. Ihre Aufgabe besteht darin, das Caput radii bei Ellenbogenflexion aufzunehmen.

Epicondylus lateralis humeri

Der Epicondylus lateralis humeri befindet sich lateral des Capitulum humeri und dient dem lateralen Collateralligament und den Hand-/Fingerextensoren als Ursprung.

Crista supracondylaris lateralis

Die Crista supracondylaris lateralis beginnt am Epicondylus lateralis humeri und verläuft nach proximal. Sie ist Insertionspunkt für den M. brachioradialis, den M. extensor carpi radialis und das Septum intermusculare.

Articulatio humeroradialis: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen des Radius

Grafik zeigt den Radius

Bild: “Ulna und Radius (Detail)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Folgende ossäre Strukturen des Radius sind für das Humeroradialgelenk relevant:

  • Fovea articularis radii
  • Lunula obliqua radii

Fovea articularis radii

Die Fovea articularis radii ist die radiale Gelenkfläche zum Humerus. Sie ist oval und konkav und definiert daher das Art. humeroulnaris funktionell als Konkavgelenk.

Lunula obliqua radii

Die Lunula obliqua radii ist ein Randwulst der Fovea articularis radii. Sie bewegt sich bei allen Bewegungen des Ellenbogengelenkes im Sulcus capitulotrochlearis.

Articulatio humeroradialis: Gelenkkapsel

Die Gelenkkapsel umschließt die Fossa radialis humeri, wobei der Epicondylus lateralis humeri extrakapsulär bleibt. Am Radius liegt der Kapselansatz distal der Knochen-Knorpel-Grenze der Circumferentia articularis radii. Dorsal und ventral bildet die Kapsel mehrere kleine Recessi aus. Bei Ellbogenextension sind die ventralen Kapselanteile gespannt, bei Flexion entsprechend die dorsalen Anteile.

Articulatio humeroradialis: Bandstrukturen

Ansicht des rechten Ellenbogengelenks

Bild: “Lateral view of right elbow joint (detail)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Für das Art. humeroulnaris ist lediglich das Lig. collaterale radiale relevant.

Lig. collaterale radiale

Das radiale Collateralligament spaltet sich in zwei v-förmige Anteile, wobei ein Zügel jeweils ventral und einer dorsal verläuft. Die Aufgabe dieses Bandes ist die Stabilisation des Ellenbogengelenkes gegen Varusstress.

Articulatio radioulnaris proximalis (Radius + Ulna)

Articulatio radioulnaris proximalis: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen des Radius

Die wichtigste knöcherne Struktur des Radius beim proximalen Radioulnargelenk ist das Radiusköpfchen, das Caput radii. Die ulnar befindliche Circumferentia articularis radii artikuliert mit der ulnaren Gelenkfläche und dem Lig. anulare radii. Etwa 2-3 Zentimeter distal der proximalen Radiuskante liegt die Tuberositas radii, die Insertionspunkt des M. biceps brachii darstellt.

Grafische Darstellung der Ulna

Bild: “Ulna und Radius (Detail)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Articulatio radioulnaris proximalis: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen der Ulna

Lateral an der Ulna befindet sich die Incisura radialis ulnae, welche mit dem Radius artikuliert. Vom dorsalen Rand der Incisura radialis ulnae ausgehend ragt die Crista musculi supinatoris ulnae hervor, die Ursprungspunkt des M. supinator ist.

Articulatio radioulnaris proximalis: Gelenkkapsel

Der ulnare Anteil der Gelenkkapsel beginnt am radialen Rand der Incisura trochlearis und geht an der Knochen-Knorpel-Grenze in die Incisura radialis ulnae über. Am Radius beginnt die Kapsel unterhalb der Knochen-Knorpel-Grenze der Circumferentia und schließt das Lig. anulare radii mit ein. Distal des Ligaments befindet sich eine Aussackung der Gelenkkapsel, der sogenannte Recessus sacciformis.

Articulatio radioulnaris proximalis: Bandstrukturen

Bezüglich des Art. radioulnaris proximalis sind das Lig. anulare radii und das Lig. quadratum erwähnenswert.

Lig. anulare radii

Das Lig. anulare radii legt sich um das Caput radii und spart dabei die Lunula obliqua aus. Es ist in der Mittelposition zwischen Pro- und Supinationsstellung unter Spannung. Es bildet eine Artikulationsfläche für die Circumferentia radii und zentriert das Caput radii in Richtung Ulna.

Lig. quadratum

Dieses Band ist nicht bei jedem Menschen angelegt. Wenn es angelegt ist, ist es mit der Gelenkkapsel des proximalen Radioulnargelenkes verwachsen und bildet dadurch eine Verbindung zwischen Radius und Ulna. Weiterhin kann es ulnär mit Fasern des Lig. anulare radii verbunden sein und daher gleiche Funktionen, wenn auch schwach, übernehmen.

Innervation des Ellenbogengelenks

Der Kapsel-Band-Apparat des Ellenbogengelenks ist mit vielen Rezeptoren dicht besetzt und hat daher eine hohe propriozeptorische Ausstattung. Dies birgt leider den Nachteil, dass bei neuronalen Ausfällen auch die Bewegungssteuerung des Gelenkes massiv beeinträchtigt sein wird.

Schema der Nervenstruktur

Bild: “Nerve Structure” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Bei der Innervation muss zwischen dem dorsalen und den ventralen Kapsel-Band-Apparat unterschieden werden, da diese von unterschiedlichen Nervenfasern innerviert werden.

Innervation des dorsalen Kapsel-Band-Apparates

Der N. ulnaris zweigt einen R. articularis zum dorso-medialen Ellenbogengelenk ab, während der N. radialis mit einem Gelenkast den dorso-lateralen Kapsel-Band-Apparat versorgt. Der N. cutaneus antebrachii unterstützt den N. radialis bei der Versorgung des dorsalen Areals. Weiterhin innervieren subfasziale Äste aus den Rr. musculares (M. anconaeus) die Gelenkkapsel des Humeroradialgelenkes.

Innervation des ventralen Kapsel-Band-Apparates

Der N. medianus versorgt mit einem Gelenkast den ventro-ulnaren Bereich des Ellenbogengelenkes. Weiterhin innerviert der N. musculocutaneus mit einem R. articularis (N. cutaneus antebrachii lateralis) den ventro-radialen Gelenkbereich.

Funktionelle Anatomie des Ellenbogengelenks

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Aspekte der funktionellen Anatomie des Ellenbogengelenkes beschrieben. Es geht dabei primär um Achsen- und Ebenenstellungen bzw. der daraus resultierenden Winkelstellungen, die essentiell für die Bewegungsabläufe des Gelenkes sind.

Retroversionswinkel des Humerus

Das proximale und distale Humerusende verdrehen sich gegeneinander. Der dadurch entstehende Retroversionswinkel entsteht durch die transversale Achse der Epicondylen sowie der Linie, die das Zentrum des Tuberculum majus mit dem des Caput humeri verbindet. Während dieser Torsionswinkel beim Säugling noch etwa 60 Grad beträgt, liegt er beim ausgewachsenen Menschen bei ca. 20 Grad.

Distaler Diaphysenwinkel

Trochlea humeri und Capitulum humeri sind gegenüber der Schaftachse nach ventral abgewinkelt. Der Winkel beträgt beim erwachsenen Menschen ca. 45 Grad. Die vorliegende Literatur gibt keinen Aufschluss darüber, ob der Winkel bei Säuglingen größer oder kleiner ist.

Merke: Aufgrund von Retroversions- und Diaphysenwinkel ist das Ellenbogengelenk funktionell besser nach ventral als nach dorsal ausgerichtet.

Gelenkwinkel der Ulna

Die Linie von Olekranonspitze zum Processus coronoideus bildet zusammen mit der Schaftachse den ulnaren Gelenkwinkel. Dieser liegt bei erwachsenen Menschen bei ca. 45 Grad. Die vorliegende Literatur gibt keinen Aufschluss darüber, ob der Winkel bei Säuglingen größer oder kleiner ist.

Merke: Diese Winkelstellung erklärt die große Flexionsbeweglichkeit des Ellenbogengelenkes

Beispiele aus der Klinik des Ellenbogengelenks

Das Ellenbogengelenk hat einen hohen Pathogenitätsfaktor und die möglichen Läsionsformen sind daher zahlreich, so dass sich hier auf die Krankheitsbilder beschränkt wird, die in der Praxis am meisten auftreten.

Röntgenbld einer Humerusfraktur

Bild: “An isolated type-IV supracondylar humeral fracture in a 5-year-old boy.” Lizenz: CC BY 2.5

Humerusfrakturen

Primär durch den Sturz auf den maximal extendierten Arm ausgelöste Frakturform des Oberarmes mit Gelenkbeteiligung wird in supra-, trans- oder intercondyläre Fraktur unterteilt. Je nach Lokalisation und Ausmaß müssen diese Verletzungen reponiert und operativ versorgt werden. Die Plattenosteosynthese ist meist das Mittel der Wahl.

Olekranonfraktur

Im Gegensatz zur Humerusfraktur tritt die Olekranonfraktur meist durch den Sturz auf den flektierten Arm auf. Neben der einfachen Fraktur kann es zu einer komplizierten Form kommen, bei der das Olekranon abreißt oder mehrfragmentig bricht. Diese Verletzungsform wird in der Regel mit einer Zuggurtungsosteosynthese operativ versorgt.

Radiusköpfchenfraktur

Beim Sturz auf den gestreckten Arm kann das Radiusköpfchen frakturieren. Diese Verletzungsform kann mit und ohne Dislokation oder als Mehrfragmentfraktur auftreten. Während die Mehrfragmentfraktur operativ behandelt wird, können die anderen Läsionsformen auch konservativ versorgt werden.

Subluxation des Caput radii beim Kleinkind (Chassignac-Parese)

Bei abrupten Längszug am Radius mit Rotation, wie er entsteht, wenn Eltern ihr Kind brutal am Arm ziehen und dieses sich wegdreht, sorgt dafür, dass sich das Caput radii komplett oder teilweise durch das Lig. anulare radii in den Recessus sacciformis translatiert. Dadurch subluxiert das Radiusköpfchen und das Li. anulare radii wird schmerzhaft eingeklemmt. Aufgrund der Schmerzen und der Fehlstellung sind weder aktive Flexion noch Extension möglich und der Arm wird in pronatorischer Schonhaltung eingestellt, was den Eindruck einer neuralen Lähmung entstehen lässt, welche praktisch aber nicht vorhanden ist. Sobald das Radiusköpfchen durch einen Arzt fachmännisch reponiert wurde, verschwinden die Symptome meist zügig.

Video zur Bewegung der oberen Extremität

Mögliche Prüfungsfragen zum Ellenbogengelenk

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche dieser Aussagen bezüglich des Ellenbogengelenkes ist korrekt?

  1. Das Ellenbogengelenk ist über alle Achsen und Ebenen beweglich.
  2. Das Art. radioulnare distale gehört zum Art. cubiti.
  3. Die nervale Kapsel-Band-Versorgung erfolgt über die N. ulnaris, N. radialis, N. cutaneus antebrachii posterior und N. musculocutaneus.
  4. Die Flexion hat das größte Bewegungsausmaß im Ellenbogengelenk.
  5. 30 % aller Ellenbogenverletzungen resultieren in einer Berufsunfähigkeit mit Berentung.

2. Welches Ausmaß hat der Retroversionswinkel des Humerus bei Erwachsenen?

  1. Ca. 10 Grad
  2. Ca. 15 Grad
  3. Ca. 20 Grad
  4. Ca. 25 Grad
  5. Ca. 30 Grad

3. Welche Schonhaltung zeigt ein Patient bei der Chassignac-Parese?

  1. Extension
  2. Flexion
  3. Supination
  4. Pronation
  5. Er zeigt gar keine Schonhaltung, da es sich um eine Lähmung handelt.

Quellen

Bommas-Ebert, U., Teubner, P. & Voß, R. (2006). Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie. Stuttgart: Thieme.

Brett, D. (2015). Schwere Ellenbogenverletzungen via bergmannsheil.de

Hochschild, J. (2015). Strukturen und Funktionen begreifen Bd. 1: Grundlagen zur Wirbelsäule, HWS und Schädel, BWS und Brustkorb, Obere Extremität. Stuttgart: Thieme.

Netter, Frank H. (2006). Atlas der Anatomie des Menschen – 3. Auflage. Stuttgart: Thieme.

Platzer, W. (1999). Taschenatlas der Anatomie Bd. 1: Bewegungsapparat. Stuttgart: Thieme.

Putz, R. & Pabst, R. [Hrsg.] (2004). Sobotta 1+2 – Atlas der Anatomie des Menschen, limitierte Jubiläumsausgabe. München: Urban & Fischer.

Lösungen zu den Fragen: 1D, 2C, 3D



Jetzt die allgemeinen Grundlagen der Anatomie lernen!

Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen leicht &
verständlich die Anatomie Grundlagen auf.


Knochen, Gelenke und Muskeln

Gefäße und Gefäßsystem

Nerven und Nervensystem

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Ein Gedanke zu „Das Ellenbogengelenk – Anatomie der oberen Extremität

  • ss

    Abb: Radius und Ulna falsch beschriftet