Im zweiten Teil des Beitrags zum Rückenmark und peripheren Nervensystem wird der Plexus lumbosacralis behandelt, außerdem erhalten Medizinstudenten einen Einblick in die beliebtesten Prüfungsfragen

Den ersten Teil finden Sie hier.

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Bild: “Nerve Plexuses of the Body” von PhilSchatz.com. Lizenz: CC BY 4.0

Bild: “Nerve Plexuses of the Body” von PhilSchatz.com. Lizenz: CC BY 4.0


Plexus lumbosacralis

Zur Versorgung der unteren Extremität bilden die Rami anteriores der Spinalnerven der Segmente Th12 – S4 den Plexus lumbosacralis, der sich in den Plexus lumbalis, welcher vor allem die ventrale und obere Hälfte innerviert, und den Plexus sacralis, welcher hauptsächlich die dorsale Seite versorgt, unterteilen lässt.

beschriftete Zeichnung des Lumbar plexus und seiner Verzweigungen

Bild: “Lumbar plexus und seine Verzweigungen” von Henry Gray.

Plexus lumbalis

beschriftete Zeichnung der Vagusgruppe

Bild: “Vagusgruppe” von Henry Gray.

Der Plexus lumbalis setzt sich aus den Segmenten Th12 – L4 zusammen, liegt neben der Lendenwirbelsäule hinter dem M. psoas major und umfasst neben kurzen Nerven zur Hüftmuskulatur folgende größere Nerven:

  • Nervus iliohypogastricus: Th12 – L1
  • Nervus ilioinguinalis: Th12 – L1
  • Nervus genitofemoralis: L1 – L2
  • Nervus cutaneus femoris lateralis: L2 – L4
  • Nervus femoralis: L1 – L4
  • Nervus obturatorius: L2 – L4

Tipp: Als Eselsbrücke für die Äste des Plexus lumbalis eignet sich folgender Merkspruch hervorragend, der die Anfangsbuchstaben der beteiligten Nerven beinhaltet: In Indien Gibt’s Kein Frisches Obst!

beschriftete Zeichnung der Sezierung des lumbar plexus

Bild: “Sezierung des lumbar plexus” von Henry Gray.

Nervus iliohypogastricus

Der Nervus iliohypogastricus verläuft auf dem Musculus quadratus lumborum schräg nach lateral und zieht nach ventral. Er versorgt motorisch die kaudalen Anteile der Musculi transversus abdominis und obliquus internus abdominis und besitzt als sensible Äste den Ramus cutaneus anterior und den Ramus cutaneus lateralis für die Haut oberhalb und seitlich des Leistenbandes.

Nervus ilioinguinalis

Er verläuft unterhalb des Nervus iliohypogastricus, legt sich der Bauchwand an und durchbohrt diese an variabler Stelle, um schließlich auf Höhe des Leistenbandes nach medial zu laufen und durch den äußeren Leistenring zu Symphyse und Skrotum oder großen Schamlippen zu ziehen.

Motorisch innerviert er ebenfalls die kaudalen Anteile der Musculi transversus abdominis und obliquus internus abdominis und besitzt als sensible Äste die Nervi scrotales anteriores und Nervi labiales anteriores.

Nervus genitofemoralis

Nach seinem Durchtritt durch den Musculus psoas major teilt sich der Nervus genitofemoralis in den Ramus genitalis und den Ramus femoralis: Der rein sensible Ramus femoralis tritt im Bereich des Hiatus saphenus durch die Lacuna vasorum und versorgt die Haut unterhalb des Leistenbandes während der Ramus genitalis mit Funiculus spermaticus bzw. Ligamentum teres uteri durch den Leistenkanal zu Skrotum bzw. großen Schamlippen zieht, die er ebenso wie einen Bereich des medialen Oberschenkels sensibel versorgt. Motorisch innerviert er den Musculus cremaster.

Merke: IVAN für die Lage der Strukturen in der Lacuna musculorum: Innere Vene, Arterie, Nerv!

Nervus cutaneus femoris lateralis

Der rein sensible Nervus cutaneus femoris lateralis versorgt die laterale Haut des Oberschenkels. Dorthin gelangt er, indem er nach Passieren des Musculus psoas major durch die Lacuna musculorum tritt und die Fascia lata durchbricht.

Nervus femoralis

Der Nervus femoralis ist der längste Nerv des Plexus lumbalis. Er zieht zwischen Musculus psoas major und Musculus iliacus zur Lacuna musculorum, in welcher er lateral der Arteria und Vena femoralis liegt.

beschriftete Zeichnung des Nervus femoralis

Bild: “Nervus femoralis” von Henry Gray.

beschriftete Zeichnung des Nervus femoralis

Bild: “Nervus femoralis” von Henry Gray.

Kurz unterhalb des Leistenbandes erfolgt eine Aufteilung des Nerven in sensible Rami cutanei anteriores zur Versorgung der Haut des ventralen Oberschenkels und in motorische Rami musculares für folgende Muskeln:

  • Musculus iliopsoas
  • Musculus pectineus
  • Musculus sartorius
  • Musculus quadriceps femoris

Als sensibler Endast zieht der Nervus saphenus zusammen mit Arteria und Vena femoralis in den Adduktorenkanal, welchen er dann durch Durchbruch der Membrana vastoadductoria wieder verlässt, um schließlich der Vena saphena magna an die mediale Seite des Unterschenkels zu folgen. Somit innerviert er die Haut zwischen Knie und Fuß.

Nervus obturatorius

Der Nervus obturatorius zieht hinter der Musculus psoas major nach distal, legt sich an die Wand des kleinen Beckens an und tritt mit den Vasa obturatoria durch den Canalis obturatorius zur Oberschenkelinnenseite.

Bevor er sich in einen Ramus anterior und einen Ramus posterior teilt, die vor bzw. hinter dem Musculus adductor brevis nach distal ziehen und die Adduktoren (Musculus adductor longus, Musculus adductor brevis, Musculus gracilis, Musculus pectineus, Musculus adductor magnus) innervieren, gibt er einen Ast zur Innervation des Musculus obturatorius externus ab.

Der Ramus anterior endet im sensiblen Ramus cutaneus, der am distalen Ende der Oberschenkelinnenseite ein etwa handtellergroßes Areal innerviert.

beschriftete Zeichnung der umgebenden Strukturen des rechten Hüftgelenks

Bild: “umgebende Strukturen des rechten Hüftgelenks” von Henry Gray.

Plexus sacralis

beschriftete Übersicht der Kreuzbein- und Schamnerven

Bild: “Übersicht der Kreuzbein- und Schamnerven” von Henry Gray.

Der Plexus sacralis setzt sich aus den Segmenten L4 – S4 zusammen und liegt auf dem Musculus piriformis lateral der Foramina sacralia pelvina. Er gibt ebenfalls kurze Äste zur Versorgung der Hüftmuskulatur ab und besteht ferner aus folgenden Nerven, von denen die wichtigsten im Folgenden näher charakterisiert werden sollen.

  • Nervus gluteus superior: L4 – S1
  • Nervus gluteus inferior: L5 – S2
  • Nervus cutaneus femoris posterior: S1 – S3
  • Nervus ischiadicus: L4 – S3
    • Nervus fibularis communis: L4 – S2
    • Nervus tibialis: L4 – S3
  • Nervus pudendus: S1 – S4

Tipp: Auch für die Äste des Plexus sacralis existiert eine Eselsbrücke, deren Anfangsbuchstaben auf die beteiligten Nerven hinweisen: Glänzende Glatzen Kann Isch Putzen!

Nervus gluteus superior

Der rein motorische Nervus gluteus superior zieht den Vasa glutea superiora folgend durch das Foramen suprapiriforme zu den Musculi glutei medius und minimus. Ferner innerviert er den Musculus tensor fasciae latae.

Da diese drei Muskeln vor allem für die Abduktion im Hüftgelenk und die Stabilisierung des Beckens in der Frontalebene verantwortlich sind, kommt es bei einer Läsion des Nervs (z.B. bei unsachgemäß durchgeführter intramuskulärer Injektion) zum sogenannten Trendelenburg-Zeichen: Beim Gehen oder im Einbeinstand kippt das Becken auf die gesunde Seite ab. Fällt der Nerv beidseitig aus, resultiert ein „Watschelgang“.

Demonstration des Trendelenburg’s Zeichen

Bild: “Demonstration des Trendelenburg’s sign” von Mikael Häggström.

Nervus gluteus inferior

Der ebenfalls rein motorische Nervus gluteus inferior zieht zusammen mit den Vasa glutea inferiora, den Nervi ischiadicuscutaneus femoris posterior und pudenda, sowie den Vasa pudenda durch das Foramen infrapiriforme und innerviert den Musculus gluteus maximus. Eine Schädigung des Nervs ist seltener als die des Nervus gluteus superior und führt zu starken Einschränkungen beim Aufstehen, Treppensteigen und Springen.

Nervus cutaneus femoris posterior

Der rein sensible Nervus cutaneus femoris posterior gelangt durch das Foramen infrapiriforme auf die von ihm innervierte Dorsalseite des Oberschenkels. Zur Versorgung der Gesäßfalte gibt er die Nervi clunium inferiores ab.

Nervus ischiadicus

beschriftete Zeichnung des Nervus ischiadicus

Bild: “ Nervus ischiadicus” von Henry Gray.

Der Nervus ischiadicus ist der dickste Nerv des menschlichen Körpers und zusammen mit dem Nervus saphenus der einzige, der den Unterschenkel versorgt. Nach seinem Durchtritt durch das Foramen infrapiriforme zieht er an der Rückseite des Oberschenkels zur Kniekehle (Fossa poplitea) und teilt sich in der Regel oberhalb dieser in den Nervus tibialis und den Nervus fibularis (alt: peroneuscommunis.

Bereits vor der Teilung des Nervus ischiadicus kann man einen Fibularisteil (F) von einem Tibiasisteil (T) unterscheiden, die jeweils Äste zu folgenden Muskeln abgeben:

  • Musculus semitendinosus (T)
  • Musculus semimembranosus (T)
  • Musculus biceps femoris
    • Caput longum (T)
    • Caput breve (F)
  • Musculus adductor magnus (T) (oberflächlicher Teil)

Der Nervus fibularis communis gibt nach seiner Abspaltung vom Nervus ischiadicus in Höhe der Kniekehle zwei Äste zur sensiblen Versorgung des lateralen und dorsalen Unterschenkels ab: Den Nervus cutaneus surae lateralis  und den Ramus communicans fibularis, der sich mit einem Ast des Nervus tibialis zum Nervus suralis zur sensiblen Versorgung des dorsalen Unterschenkels vereinigt.

Der Nervus fibularis communis zieht um das Caput fibulae herum auf die ventrale Seite des Unterschenkels und teilt sich nach Eintritt in den Musculus fibularis longus in seine Endäste auf: Nervus fibularis superficialis und Nervus fibularis profundus (zur motorischen Innervation: siehe Tabelle).

beschriftete Zeichnung der Nerven des Vorderbeins

Bild: “Nerven des Vorderbeins” von Henry Gray.

Der Nervus fibularis superficialis läuft zwischen den beiden Musculi fibulares zum Fußrücken und endet dort in den sensiblen Nervi cutaneus dorsalis medialis und intermedius, die den Fußrücken und lateralen Fußrand innervieren.

Der Nervus fibularis profundus gelangt nach Durchbruch des Septum intermusculare cruris anterius in die Extensorenloge und zieht zwischen den Musculi tibia­lis anterior und extensor hallucis longus auf die Dorsalseite des Fußes. Ein sensibler Endast versorgt die Haut des ersten Zehenzwischenraumes (Autonomgebiet).

Merke: Bei einem Ausfall des Nervus fibularis ist der Fersengang nicht mehr möglich. Aufgrund der Fußheberschwäche resultiert der charakteristische Steppergang.

Der Nervus tibialis gibt einen Nervus cutaneus surae medialis ab, der sich mit dem Ramus communicans fibularis zum Nervus suralis (Verlauf mit Vena saphena parva) vereinigt und zieht kaudal der Kniekehle zwischen den Köpfen des Musculus gastrocnemius senkrecht nach unten.

Im weiteren Verlauf liegt er zwischen Musculus soleus und den Unterschenkelflexoren, welche er auch innerviert. Entlang des Malleolus medialis gelangt er auf die Plantarseite des Fußes, wo er sich in seine Endäste zu deren motorischen und sensiblen Versorgung  aufteilt: Nervus plantaris medialis und Nervus plantaris lateralis.

Schematische Darstellung der Hautnerven an der Fußsohle

Bild: “Schematische Darstellung der Hautnerven an der Fußsohle“ von Henry Gray.

Merke: Bei einem Ausfall des Nervus tibialis ist der Zehenstand nicht mehr möglich.
Nerv Motorische Innervation
Nervus fibularis superficialis M. fibularis longus; M. fibularis brevis
Nervus fibularis profundus M. tibialis anterior; M. extensor digitorum longus; M. extensor hallucis longus; M. extensor digitorum brevis; M. extensor hallucis brevis

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Nervus tibialis M. gastrocnemius; M. soleus; M. plantaris; M. tibialis posterior; M. flexor digitorum longus; M. flexor hallucis longus

Zur Übersicht der sensiblen Versorgung der unteren Extremität dient folgenden Abbildung:

Hautnerven des rechten Beins

Bild: “Hautnerven des rechten Beins“ von Henry Gray.

Beliebte Prüfungsfragen zum ZNS und PNS

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Aussage zum Plexus brachialis trifft zu?

  1. Bei einem Ausfall der Nervus radialis kommt es zur charakteristischen Schwurhand.
  2. Der Plexus brachialis besteht aus den Rami posteriores der Spinalnerven der Segmente C5 – Th1.
  3. Der Nervus medianus ist die direkte Fortsetzung des Fasciculus posterior.
  4. Das Karpaltunnelsyndrom äußert sich in einer Brachialgia paraesthetica nocturna.
  5. Bei einer Schädigung des Nervus ulnaris lässt sich das Hoffmann-Tinel-Zeichen nachweisen.

2. Welcher Nerv entsteht nicht direkt oder durch eine Abzweigung von einem anderen Nerven aus dem Plexus lumbalis? 

  1. Nervus saphenus
  2. Ramus genitalis
  3. Nervi labiales anteriores
  4. Nervus cutaneus femoris lateralis
  5. Nervus suralis

3. Welche Struktur zieht nicht durch das Foramen infrapiriforme?

  1. Nervus ischiadicus
  2. Nervus gluteus superior
  3. Arteria glutea inferior
  4. Nervus cutaneus femoris posterior
  5. Vena glutea inferior

Quellen

Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage – Thieme Verlag

Duale Reihe Neurologie, 6. Auflage – Thieme Verlag

Prometheus, Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, 2. Auflage – Thieme Verlag

Trepel, Martin: Neuroanatomie: Struktur und Funktion, 5. Auflage – Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH

Lösungen zu den Fragen: 1D, 2E, 3B

 

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