Die Halswirbelsäule ist der oberste Abschnitt der Wirbelsäule und mit Abstand der beweglichste Teil. Die Halswirbelsäule ermöglicht uns, den Kopf so frei zu bewegen, dass wir unsere Umgebung umfassend betrachten können, ohne den ganzen Körper mitzubewegen. Schäden auf Höhe der Halswirbelsäule können nicht nur unangenehm sein, sondern lebensgefährliche Folgen haben: die darunterliegenden Abschnitte des Rückenmarks sind abhängig von der Unversehrtheit der höheren Abschnitte des Rückenmarks.
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First cervical vertebra, or atlas.


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Von Henry Vandyke Carter – Vertebral column image.- From: Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See „Buch“ section below)- Altered by User:Uwe Gille, Gemeinfrei, Link

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Vertebrae cervicales, die von CI bis CVII durchnummeriert werden. In ihrer Gesamtheit ist die Halswirbelsäule (HWS) als Zervikallordose gekrümmt. Im Vergleich zu den anderen Abschnitten der Wirbelsäule ist die Halswirbelsäule extrem beweglich, was vor allem an den ersten beiden Bewegungssegmenten beziehungsweise den Kopfgelenken zwischen Os occipitale und Atlas sowie Atlas und Axis liegt.

Atlas und Axis

Die Besonderheiten der Halswirbelsäule, in denen auch die extreme Beweglichkeit der Halswirbelsäule begründet liegt, sind die obersten beiden Halswirbel: der Atlas (CI) und der Axis (CII). Sie ermöglichen Bewegungen wie ein Kugelgelenk in drei Freiheitsgraden.

Atlas – Der erste Halswirbel

Der erste Halswirbel trägt den Eigennamen Atlas. Er ist deutlich anders aufgebaut als die anderen Wirbel der Wirbelsäule. Dies beginnt schon damit, dass der Atlas weder einen Wirbelkörper noch einen Dornfortsatz besitzt. Dafür besitzt der erste Halswirbel zwei Massae laterales mit einer Facies articularis superior als Gelenkpfanne des Articulatio atlantooccipitalis und eine konvexe Facies articularis inferior als Teil des Articulatio atlantoaxialis.

Verbunden sind die beiden Massae laterales ventral durch den Arcus anterior, der außerdem die Fovea dentis trägt, an der der Atlas mit dem Axis artikuliert. An der dorsalen Seite sind die Massae laterales durch den Arcus posterior verbunden, auf dem sich der Sulcus arteriae vertebralis befindet, in dem die Aa. vertebrales nach medial ziehen.

Bild: „Atlas, erster Halswirbel.“ von Gliu. – Eigenes Werk. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die  Processus transversi ragen weit nach lateral und bilden auf jeder Seite ein Foramen transversarium, in dem die A. vertebralis verläuft. Diese Fortsätze können hinter dem Ramus mandibulae und kaudal-ventral des Processus mastoideus getastet werden.

Axis – Der zweite Halswirbel

Bild: „Dens axis im Röntgenbild.“ von Hellerhoff – Eigenes Werk. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Besonderheit des zweiten Halswirbels, des sogenannten Axis, liegt in einem auf dem Wirbelkörper aufsitzenden Knochenzahn, dem Dens axis. Dieser artikuliert mit dem Atlas und läuft rundlich im Apex dentis aus. Dies Gelenkflächen des Dens axis sind die Facies articularis anterior nach ventral und die Facies articularis posterior nach dorsal.

Der Arcus axis trägt zwei obere Gelenkfortsätze direkt am Beginn des Bogens. Dieser Bogen endet mit einem Processus spinosus, der deutlich ausgeprägt ist. Die unteren Processus articularis sind genauso aufgebaut, wie die der restlichen Halswirbelkörper.

Bild: „Halswirbelsäule im Röntgenbild. Der Atlas (1) und der Axis (2) sind farbig gekennzeichnet.“ von Hellerhoff – Eigenes Werk. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Weitere Besonderheiten der Halswirbelsäule

Je nach Funktion des Abschnittes der Wirbelsäule sind auch die einzelnen Wirbel in ihrer Bauform angepasst. Neben Atlas und Axis, die weiter oben schon besprochen wurden, ermöglichen auch die restlichen Halswirbel CIII bis CVII beziehungsweise ihre Bewegungssegmente eine überdurchschnittliche Beweglichkeit.

Die Wirbelkörper der Halswirbelsäule

Die Wirbelkörper der Halswirbelsäule sind klein und flach und haben einen eher rechteckigen Grundriss. Die untere Deckfläche ist konkav geformt, an der oberen Deckfläche finden sich seitlich sogenannte Hakenfortsätze, die Processus uncinati.

Die Fortsätze der Halswirbelsäule

Die Processus spinosus der Halswirbel sind gegabelt und relativ kurz. Nur der Dornfortsatz des siebten Halswirbels ist sehr ausgeprägt und kann gut getastet werden, weswegen hierfür auch die Bezeichnung Vertebra prominens

Bild: „Der 5. oder 6. Halswirbel von kranial“ von Triple5 – Eigenes Werk. Lizenz: CC BY-SA 3.0

gebräuchlich ist. Die Processus articularis der Halswirbelsäule haben eine plane Gelenkfläche und sind in einem Winkel von 45° gegen die Horizontale nach hinten gekippt.

Die nach lateral ragenden Processus transversi bilden das Foramen transversarium, durch welches die A. vertebralis zieht. Ihr ventraler Anteil wird als Tuberculum anterius bezeichnet und ist ein Rippenrudiment. Das Tuberculum posterius als hinterer Anteil ist der Abschluss der Querfortsätze. Zwischen Tuberculum anterius und posterius treten im sogenannten Sulcus nervi spinalis die Spinalnerven des Halses aus und ziehen nach lateral.

Zervikale Spondylose und Zervikaler Diskus

Unter dem Begriff der Spondylose wird eine Einengung durch Osteophyten als Spondylophyten und Spondylarthrophyten verstanden. Dadurch entstehen zentrale motorische und sensible Symptome.

Bei der Spondylitis ankylosans können sich verschiedene degenerative Veränderungen zeigen. Unter anderem kann es zu Verengungen der Foramina intervertebralia und deformierten Wirbelkörpern kommen. An den Unkovertebralgelenken können sich Risse bilden, die bis zu kompletten horizontalen Rissen der Bandscheibe auswachsen können. Die Processus uncinati können von Spondylophytenanlagerungen betroffen sein. Dies kann im Extremfall zur Fusionierung der Gelenke führen.

Im Verlauf kann es ebenfalls zur Einengung des Foramen intervertebrale mit Gefahr der Kompression der Spinalnerven und zur Einengung des Foramen transversum mit Kompression der A. vertebralis kommen.

Auch der Diskus der Halswirbelkörper kann bei einem Bandscheibenvorfall Probleme machen und zu Ausfällen im zugehörigen Dermatom führen. Die entstehenden Symptome können von Muskelausfällen über Reflexreduktion und sensible Ausfälle bis zu ausstrahlenden Schmerzen führen. Hierbei ist wichtig zu wissen, dass es kein CI-Dermatom gibt. Gut zu merken ist, dass das CII-Dermatom als Halskragen beschrieben werden kann und CIV grob gesagt das Dekolleté ist.

diese abbildung zeigt einen bandscheibenvorfall im schnitt durch die wirbelsaeule

Bild: “Schnitt durch die Strukturen der Wirbelsäule (links), Bandscheibenvorfall (rechts)” von debivort. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Prüfungsfragen

1. Was stimmt nicht?

  1. Der Atlas besitzt zwei Massae laterales.
  2. Der Atlas hat keinen Wirbelkörper.
  3. Am Arcus posterior des Atlas befindet sich die Fovea dentis.
  4. Im Sulcus arteriae des Atlas ziehen die Aa. vertebrales nach medial.
  5. Die Processus transversi des Atlas können getastet werden.

2. Welche Aussage ist richtig?

  1. Das Tuberculum posterius ist ein Rippenrudiment
  2. Durch den Sulcus nervi spinalis zieht die A. vertebralis.
  3. Das Foramen transversarium ist der Austrittsort der Spinalnerven.
  4. Die Processus transversi bilden das Foramen transversum.
  5. Die Processus uncinati befinden sich seitlich an der unteren Deckfläche.

3. Wo liegt das CI-Dermatom?

  1. Es kann als Halskragen beschrieben werden.
  2. Es liegt auf Höhe des Dekolletés.
  3. Es zieht bis in den Arm.
  4. Es liegt am Hinterkopf.
  5. Es gibt kein CI-Dermatom.


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