Der Rücken ist mit der Wirbelsäule ein entscheidender Bestandteil des menschlichen Körpers und unterscheidet sich aufgrund des aufrechten Ganges des Menschen in seiner Form stark von anderen Säugetieren. Darüber hinaus ist der Rücken das Körperteil, das in Deutschland den meisten Menschen regelmäßig zu schaffen macht und häufig zu krankheitsbedingten Arbeitsausfällen führt. Im Folgenden soll der Aufbau der Gelenke der Wirbelsäule näher betrachtet werden.
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Bild: „Die Gelenkflächen (Kondylen) des ersten Halswirbels (Atlas), auf denen die Schädelbasis aufliegt, und die entsprechenden Gelenkflächen auf der Unterseite der Schädelbasis gehören zusammen zum oberen Kopfgelenk.“ von Gliu. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Die Kopfgelenke

Als Kopfgelenke werden zwei Gelenke bezeichnet: Das obere und das untere Kopfgelenk, die als Articulatio atlantooccipitalis und Articulatio atlantoaxialis bezeichnet werden. Die Namen richten sich nach der Lage der beiden Gelenke zwischen Os occipitale und Atlas beziehungsweise zwischen Atlas und Axis.

Die Kopfgelenke erlauben dem Menschen die Bewegung des Kopfes um 3 Achsen. Diese Beweglichkeit wird dadurch unterstützt, dass sich zwischen den Knochen der Gelenke keine Disci intervertebrales zu finden sind, wie es bei den anderen Wirbeln der Fall ist.

Articulatio atlantooccipitalis

Das obere Kopfgelenk ist vergleichsweise einfach aufgebaut: Es wird durch das Os occipitale und den erste Halswirbel, den Atlas gebildet. Während das Os occipitale vorne seitlich des Foramen magnum zwei Kondylen, die Condyli occipitalis als Gelenkflächen bildet, besitzt der Atlas nach oben hin die Facies articularis superior. Diese Strukturen bilden gemeinsam ein Ellipsoidgelenk.

Mit dem oberen Kopfgelenk wird dem Menschen in erster Linie die Möglichkeit gegeben, den Kopf nach vorne und nach hinten zu bewegen, also Nickbewegungen zu vollziehen. Hierbei ist insgesamt eine Bewegung von 30° möglich. Als zweiten Freiheitsgrad erlaubt das Articulatio atlantooccipitalis geringe Seitneigungen von ungefähr 15°.

Articulatio atlantoaxialis

Das untere Kopfgelenk besteht aus vier einzelnen Gelenken, die vom Atlas und dem zweiten Halswirbelkörper, dem Axis gebildet werden. Bei diesem Gelenk handelt es sich um ein Zapfengelenk, welches ebenfalls zwei Bewegungsrichtungen ermöglicht: Wichtigste Funktion ist die Rotation um die Längsachse, welche insgesamt um 45° erfolgen kann. Die zweite mögliche Funktion sind ebenfalls geringe Nickbewegungen.

Unterschieden wird zwischen Articulatio atlantoaxialis mediana und Articulatio atlantoaxialis lateralis. Ersteres entsteht durch den Kontakt von Dens und Fovea dentis sowie durch die Artikulation von Dens und Ligamentum transversum atlantis, welches zwischen den Massae lateralis quer hinter dem Dens verläuft. Letzteres bildet sich aus dem Kontakt von Massa lateralis und Gelenkfortsatz des Axis und ähnelt den Wirbelbogengelenken, die an den anderen Wirbeln zu finden sind.

Die Kopfgelenke und ihre Bänder

Da die Kopfgelenke keine Disci intervertebralis besitzen, muss die Stabilität der Gelenke mit zahlreichen Bändern gesichert werden. Dies sind das Lig. apicis dentis zwischen Apex dentis und Foramen magnum, die Ligg. Alaria zwischen Dens und Condyli occipitalis und Foramen magnum und das bereits erwähnte Lig. transversum atlantis.

Des Weiteren gibt es noch die Fasciculi longitudinales längs hinter dem Dens, die Membrana tectoria von Axis bis zum Clivus, sowie die Membrana atlantooccipitalis anterior und posterior vom vorderen beziehungsweise hinteren Atlasbogen zu vorderem beziehungsweise hinterem Rand des Foramen magnum.

Intervertebral-Gelenke

Die Intervertrebral-Gelenke, die auch als Facetten-Gelenke oder Wirbelbogengelenke beziehungsweise als Articulationes zygapophyseales bezeichnet werden, liegen zwischen dem unteren Gelenkfortsatz (Processus articulares inferiores) eines Wirbels und dem oberen Gelenkfortsatz (Processus articulares superiores) des darunter liegen Wirbels.

Die Gelenkfächen sind hierbei plan und in etwa 45° nach hinten gerichtet, wobei dies je nach Abschnitt der Wirbelsäule variiert. Sie sind paarig angelegte echte Gelenke. Die verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule unterscheiden sich in ihrer Beweglichkeit. Die Gelenkkapsel ist abschnittsweise unterschiedlich fest mit dem Lig. flavum verwachsen.

Wirbel-Funktionseinheit

Funktionell kann die Wirbelsäule in Bewegungssegmente unterteilt werden, die sich in den einzelnen Abschnitten der Wirbelsäule leicht voneinander unterscheiden, vor allem hinsichtlich der Beweglichkeit in den einzelnen Abschnitten. Jedes Bewegungssegment besteht aus zwei aneinander liegenden Wirbeln, dem Discus intervertebralis dazwischen und den Intervertebral-Gelenken. Auch Bänder und Muskeln werden zu diesen Einheiten dazu gezählt.

Bandscheibe

Bild: “Intervertebral Disc” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Theoretisch kann jedes Bewegungssegment Bewegungen um drei Achsen ausüben: Ventralflexion beziehungsweise Dorsalextension, Lateralflexion und die Rotation um die Längsachse. Dies ist jedoch von Abschnitt zu Abschnitt der Wirbelsäule unterschiedlich.

Die Halswirbelsäule ist vor allem aufgrund der Kopfgelenke, aber auch der anderen Segmente am beweglichsten. Insgesamt sind eine Ventralflexion von 65° und eine Dorsalextension von 40°, eine Lateralflexion von 35° zu jeder Seite und eine Rotation von 50° zu jeder Seite möglich.

Die Bewegung in der Brustwirbelsäule ist durch die Fixation am Thoraxskelett deutlich eingeschränkter: Hier sind eine Ventralflexion von nur 35° und eine Dorsalextension von 25°, eine Lateralflexion von 20° zu jeder Seite und eine Rotation von 35° zu jeder Seite möglich.

In der Lendenwirbelsäule ist vor allem die Rotation stark eingeschränkt, was auf die steile Stellung der Gelenkfortsätze zurückzuführen ist. Möglich sind eine Ventralflexion von 50° und eine Dorsalextension von 35°, eine Lateralflexion von 20° zu jeder Seite und eine Rotation von nur 5° zu jeder Seite.

Werden alle Wirbelsäulen-Abschnitt gemeinsam betrachtet, bietet der Rücken aber eine enorme Beweglichkeit. So sind insgesamt ein Ventralflexion von 150° und eine Dorsalextension von 100°, eine Lateralflexion von 75° zu jeder Seite und eine Rotation von 90° zu jeder Seite möglich.

Prüfungsfragen

Die richtigen Antworten befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Wobei handelt es sich um ein Ellipsoidgelenk?

  1. Articulatio zygapophyseales
  2. Articulatio atlantooccipitalis
  3. Articulatio atlantoaxialis
  4. Articulatio atlantoaxialis mediana
  5. Articulatio atlantoaxialis lateralis

2. Was stimmt?

  1. Die Halswirbelsäule ist vor allem in der Rotation stark eingeschränkt.
  2. Die Lendenwirbelsäule ist am beweglichsten.
  3. Die Bewegung in der Brustwirbelsäule ist aufgrund des Kontaktes zum Thorax stark eingeschränkt.
  4. Die Brustwirbelsäule ist am beweglichsten.
  5. Die Lendenwirbelsäule ist vor allem in der Ventralflexion stark eingeschränkt.

3. Was ist falsch?

  1. Die Wirbelbogengelenke sind paarig angelegt.
  2. Bei den Wirbelbogengelenken handelt es sich um echte Gelenke.
  3. Die Intervertebral-Gelenke liegen zwischen den Gelenkfortsätzen.
  4. Die Gelenkkapsel der Wirbelbogengelenke ist mit dem Lig. flavum verwachsen.
  5. Die Gelenkflächen der Intervertebral-Gelenke sind konvex und konkav geformt.


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