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Bild: “brain” von Allan Ajifo. Lizenz: CC BY 2.0


Das Diencephalon sitzt, wie der Name schon sagt, zwischen den anderen Hirnabschnitten. Es ist weder groß noch klein, es macht uns Menschen nicht zu Genies, aber es könnte sein, dass hier der kleine Unterschied geprägt wird, der uns Menschen zum Beispiel dazu befähigt, bewusst wahrzunehmen, dass wir im Hier und Jetzt leben und was genau um uns geschieht. Denn hier, im Zwischenhirn, durchlaufen die eingehenden Informationen das Tor zum Bewusstsein …

Das Zwischenhirn oder Diencephalon bildet gemeinsam mit dem Telencephalon das Vorderhirn (Prosencephalon). Geschützt zwischen den Hemisphären des Großhirns und rostral des Mittelhirns liegen gut behütet folgende Strukturen des Diencephalons:

  • Thalamus (und Metathalamus)
  • Hypothalamus (mit Hypophyse = Hirnanhangsdrüse)
  • Epithalamus (mit Epiphyse = Zirbeldrüse)
  • Subthalamus

Im Wesentlichen werden im Zwischenhirn informationsverarbeitende Schritte vorgenommen. Sensorische Eingänge werden analysiert und bewertet, bevor sie den verbundenen Cortexstrukturen weitergeleitet werden.

Das Diencephalon ist dem Telencephalon vorgeschaltet und nimmt eine Filterung und Bewertung sensorischen Inputs vor.

Der Thalamus ist eine eiförmige Struktur, die im Grunde paarig pro Hemisphäre vorhanden ist und in Pluralform (die Thalami) genannt werden müsste. Es handelt sich vermutlich um die vielfältigste Kernansammlung im Gehirn. Die Kerne bestehen dabei aus grauer Substanz, welche durch verbindende Fasersysteme (weiße Substanz) gegeneinander abgegrenzt werden.

In den Thalami gehen akustische, optische, dermale, gelenkige und viszerale Signale ein. Nur die Informationen des Geruchssinnes nehmen einen anderen Weg.

Da der Thalamus die eingehenden Informationen gefiltert ans Großhirn weitergibt, nennt man ihn das „Tor zum Bewusstsein“. Vom Thalamus ziehen Faserverbindungen zu beinahe allen Cortexarealen.

Thalamus = Tor zum Bewusstsein:

Die Kerne des Thalamus leiten sensorische Informationen an den Cortex weiter, die uns bewusst werden sollen.

Der Hypothalamus sitzt, wie der Name sagt, unterhalb des Thalamus und ist ein relativ kleines Kerngebiet, jedoch das wichtigste Steuerzentrum des inneren Milieus.

Es handelt sich um die Schnittstelle von vegetativem und somatischem Nervensystem. Psychische, viszerale Vorgänge und somatosensorische Informationen werden integriert und führen zu hypothalamischen Entscheidungen bezüglich Körperprozessen und Verhaltensprogrammen.

Dabei dient als ausführendes Organ vor allem die Hypophyse, welche am Hypophysenstiel (Infundibulum) des Hypothalamus anliegt.

Die Hypophyse liegt in einer Grube des Os sphenoidale und besteht aus zwei Teilen, der Neurohypophyse oder dem Hinterlappen und der Adenohypophyse oder dem Vorderlappen. Der Vorderlappen entspricht endokrinem Drüsengewebe und produziert die Hormone:

  • STH – Somatotropes Hormon (Wachstumshormon)
  • ACTH – Adrenokortikotropes Hormon
  • FSH – Follikel-stimulierendes Hormon
  • LH – Luteinisierendes Hormon
  • TSH – Thyroidea-stimulierendes Hormon
  • MSH – Melanozyten-stimulierendes Hormon
  • Prolaktin
  • LPH – Lipotropes Hormon

Die Neurohypophyse kann zwar keine Hormone produzieren, speichert jedoch jene, die von neurosekretorischen Zellen im Hypothalamus produziert werden. Zu diesen Zellen gehören die Kerne Ncl. supraopticus und paraventricularis. Gespeicherte Hormone sind

  • ADH – antidiuretisches Hormon (Vasopressin),
  • Oxytocin.

Der Hypothalamus reguliert mithilfe der Hypophyse und einer Reihe von Hormonen das innere Milieu.

Der Epithalamus liegt dorsal im Bereich des Zwischenhirns und wird von der Epiphyse dominiert. Die Zirbeldrüse ist zapfenförmig und wird deshalb teilweise als Corpus pineale bezeichnet.

Die kleine Drüse dient der Produktion des Hormons Melatonin, ein Derivat des Serotonins. Dabei enspringt die Zirbeldrüse nicht endokrinem Gewebe, sondern entstand evolutionär aus Photorezeptorzellen. Bei stammesgeschichtlich älteren Wirbeltieren wird die Epiphyse noch immer über direkten Lichteinfall gesteuert.

Auch beim Menschen spielt der Lichteinfall eine Rolle, der indirekt über den Nucleus suprachiasmaticus vermittelt wird. Melatonin wird bei Dunkelheit gebildet und ausgeschüttet. Es spielt damit eine wesentliche Rolle für die Tagesrhythmik. Gleichzeitig hemmt Melatonin die Produktion von Sexualhormonen.

Der Subthalamus liegt zwischen Thalamus und Mittelhirn. Die beteiligten Strukturen sind u.a. den Basalganglien zuzuordnen, welche eine Rolle für die Motorik und die Aufarbeitung motorischer Befehlsketten spielen.



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