Ob es das Zerkleinern der Nahrung ist, das Kaugummi kauen oder das Befeuchten der Lippe mit Hilfe der Zunge –  jeden Tag benutzen wir unsere Kau- und Zungenmuskulatur bewusst oder unbewusst. 

Hier finden sie eine kompakte Übersicht, über die Eigenschaften der Zungen- und Zungenbeinmuskulatur sowie Funktionen, Ursprung und Ansatz der 4 Kaumuskeln und die Besonderheit des Kiefergelenks.

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Abbildung der Muskel, die den unteren Kiefer bewegen

Bild: „Muscles That Move the Lower Jaw“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0


Zungenmuskulatur und Zungenbeinmuskulatur

Seitendarstellung von Kaumuskulatur und Kopfmuskeln

Bild: „Head with mouth anatomy“ von Patrick J. Lynch. Lizenz: CC BY 2.5

Zungenmuskulatur

Die Zungenmuskulatur besteht aus:

  • inneren Zungenmuskeln und
  • äußeren Zungenmuskeln

Inneren Zungenmuskeln

Die inneren Zungenmuskeln oder auch Binnenmuskeln genannt, verformen die Zunge und werden durch den Nervus hypoglossus, unserem XII. Hirnnerv innerviert. Ihre jeweilige Wirkung hängt von den zeitgleich kontrahierten anderen Binnenmuskeln ab.

Der Gewebsdruck, der sich bei der Kontraktion der Binnenmuskeln in der Zunge aufbaut, wirkt antagonistisch ähnlich nach dem Prinzip eines Wasserkissens.

Die innere Zungenmuskulatur besteht aus folgenden Muskeln:

longitudinalis superior Der M. longitudinalis superior hat seinen Ursprung am Apex linguae sowie seinen Ansatz am radix linguae. Er kann die Zunge verkürzen sowie verbreitern und die Zungenspitze anheben.
longitudinalis inferior Der M. longitudinalis inferior hat die Aufgabe, die Zunge zu verkürzen und zu verbreitern sowie die Zungenspitze zu senken. Ursprung und Ansatz des Muskels ist wie beim M. longitudinalis superior gleich.
transversus linguae Seinen Ursprung und Ansatz hat der M. transversus linguae an dem Seitenrand der Zunge. Verantwortlich ist der Muskel für das Verschmälern der Zunge, das Strecken in die Länge sowie das Aufwölben der seitlichen Zungenränder.
verticalis linguae Die Aufgabe des M. verticalis linguae besteht darin, die Zunge abflachen, verbreitern und verringern zu lassen. Seinen Ursprung hat der Muskel am Aponeurosis linguae sowie seinen Ansatz an der Unterfläche der Zunge.

Für manche Patienten kann es schwierig sein, einzelne Bewegungen „auf Kommando“ auszuführen. Die Aktivität kann allerdings dann im Umgang zwischen verschiedenen Bewegungen beobachtet werden.

Merke: Die Zungenspitze weicht bei einer Schädigung des Nervus hypoglossus zur geschädigten Seite ab.

Äußeren Zungenmuskeln

Die äußeren Zungenmuskeln haben die Aufgabe, die ganze Zunge in der Mundhöhle zu bewegen. Die Zunge kann je nach Lage der Muskeln vor- oder zurückgezogen sowie angehoben und gesenkt werden.

Man teilt sie in 5 verschiedene Muskeln ein:

M. genioglossus Der M. genioglossus hat seinen Ursprung an der Innenfläche der Mandibula und seinen Ansatz am Aponeurosuis linguae. Der Muskel zieht die Zunge nach vorne und unten sowie verlagert er wie alle anderen äußeren Zungenmuskeln die Zunge als Ganzes in die Mundhöhle oder auch aus dieser heraus, wenn die Binnenmuskeln gleichzeitig eine Streckung der Zunge in die Länge bewirken.
M. hypoglossus An der Cornu majus und Corpus ossis hyoidei hat der M. hypoglossus seinen Ursprung, der den Zungengrund nach hinten und unten zieht und den Nahrungsbissen beim Schlucken nach unten Richtung Ösophagus drückt. Diese Funktion des Muskels schließt sich unmittelbar an die Einleitung des Schluckens durch den M. Styloglossus an. Der M. hypoglossus hat seinen Ansatz ebenso am Aponeurosis linguae, allerdings lateral.
M. chondroglossus Der M. chondroglossus besitzt seinen Ursprung am Cornu minus ossis hyoidei und verläuft bis zum Aponeurosis linguae. In seiner Wirkung entspricht er dem M. hypoglossus.
M. styloglossus Hauptaufgabe des M. styloglossus ist das Ziehen des Zungengrunds nach hinten und oben. Wie bereits erwähnt, leitet seine Anspannung nach dem Kauen die Phase des Schluckens ein, bei der der Bissen gegen den Gaumen gedrückt und so der Schluckreflex ausgelöst wird. Für das Saugen ist der Muskel ebenso wichtig, da die Zunge beim Saugvorgang wie den Kolben einer Spritze in der Mundhöhle zurückzieht. Seinen Ursprung hat der Muskel am Processus styloideus und seinen Ansatz am Seitenrand der Zunge.
palatoglossus Der M. palatoglossus wirkt beim Schlucken auf die Zunge und hebt sie an. Am Aponeurosis palatina hat er seinen Ursprung und verläuft bis zur Einstrahlung in die Binnenmuskulatur.

Der M. genioglossus, M. hypoglossus, M. chondroglossus und M. styloglossus werden wie die inneren Zungenmuskeln vom Nervus hypoglossus innerviert. Der M. palatoglossus wird dagegen vom N. glossopharyngeus (IX) und dem Nervus vagus versorgt.

Zungenbeinmuskulatur

Das Zungenbein (lat. Os hyoideum, Hyoid) dient als Stütze für die Basis der Zunge und ist gekennzeichnet durch eine hufeisenförmige platte Knochenspange. Man kann es in dem Knick zwischen Hals und Mundboden tasten und leicht hin- und herschieben, denn bei jedem Schlucken steigt es auf und nieder.

Wieso ist das Zungenbein so beweglich?

Das Os hyoideum ist so gut verschieblich, weil es keinen direkten Kontakt mit anderen Knochen hat. Es ist wie eine verknöcherte Schaltsehne zwischen den Zungenbeinmuskeln eingefügt und zusätzlich durch Bänder am Schädel aufgehängt.

Die suprahydralen Muskeln oder Oberzungenbeinmuskeln greifen vom Kopf her am Zungenbein an und die infrahyalen bzw. Unterzungenbeinmuskeln von unten an.

Suprahyale Muskeln

Der M. stylohyoideus folgt parallel dem Venter posterior vom Griffelfortsatz (lat. Processus styloideus) der Schädelbasis bis zum Os hyoideumZur suprahyalen Muskelgruppe gehören folgende Muskeln:

  • M. digastricus
  • M. mylohyoideus
  • M. stylohyoideus
  • M. geniohyoideus

Der Mundboden (lat. Diaphragma oris) spannt sich wie eine Muskelplatte vom Zungenbein bis zur Innenseite der Mandibula aus und setzt sich durch eine Schaltsehne (lat. Raphe mylohyoidea) vereinigten linken und rechten Mundbodenmuskel (M. mylohyoideus) zusammen.

Der M. digastricus, ein zweibäuchiger Muskel, liegt dem Mundboden außen auf und ist durch eine Schaltsehne seitlich am Zungenbein verankert. Der vordere Bauch (lat. Venter anterior) zieht schräg nach vorn oben zur Innenseite des Kinns. Der hintere Bauch (lat. Venter posterior) zieht schräg nach hinten oben zur Schädelbasis.

Der M. stylohyoideus folgt parallel dem Venter posterior vom Griffelfortsatz (lat. Processus styloideus) der Schädelbasis bis zum Os hyoideum.

Neben der Medianebene und von vorne nach hinten verlaufend liegt dicht nebeneinander der Oberseite des Mundbodens ein rechter und linker M. geniohyoideus. Er wird auch als Kinn- Zungenbein- Muskel bezeichnet.

Infrahyale Muskeln

Abbildung des M. omohyoideus, Schulterblatt- Zungenbein- MuskelZur infrahyalen Muskelgruppe werden folgende Muskeln zugeordnet:

  • M. omohyoideus
  • M. sternohyoideus
  • M. sternothyroideus
  • M. thyrohyoideus

Vom Zungenbein bis zur Hinterfläche des Manubrium sterni (Teil des Brustbeins) erstrecken sich beiderseits der Mittellinie als gerader Strang die Unterzungenbeinmuskeln.

Die Ausnahme bildet der M. omohyoideus (Schulterblatt- Zungenbein- Muskel), der unter dem Sternocleidomastoideus hindurch im lateralen Halsdreieck zum oberen Rand der Scapula zieht. Temporär tritt er bei kräftigen Aktionen als schräger Strang im lateralen Halsdreieck in Erscheinung.

Alle anderen 3 Muskeln bestehen jeweils aus drei Platten riemenförmigen Muskeln. Der M. sternohyoideus ist der Längste von Ihnen. Der Mm. sternothyroideus und M. thyrohyoideus bilden zusammen eine hintereinander gereihte Muskelschlinge, die die gleiche Länge wie der M. sternohyoideus hat.

Funktion der Zungenbeinmuskulatur

Beim Schluckakt ziehen die suprahyalen Muskeln den am Hyoid hängenden Larynx gegen das hintere Ende der Zunge, bis dort die biegsame Epiglottis anstößt, sich umbiegt und schützend über den Kehlkopfeingang (lat. Aditus laryngis) legt. Dies ist notwendig, damit wir sprichwörtlich nichts in die „falsche Kehle“ bekommen. Der Kehlkopf und das Zungenbein werden dann durch die infrahyale Muskulatur wieder in eine Ruheposition gebracht.

Das Hyoid als verbindender, freier Knochen ist in einer Muskelschlinge, bestehen aus Ober- und Unterzungenbeinmuskeln eingefügt. Sie bilden eine synergistische Muskelschlinge, damit das Zungenbein beim Punctum fixum durch Gegenhalt fixiert werden kann. Es kann beim Mundöffnen gegen Widerstand eingesetzt werden.

Aufgrund dessen, dass die Zungenbeinmuskeln das Hyoid fixieren wird auf dieser Weise der von dort ausgehenden Zungenmuskulatur den Fixpunkt für die Zungenbewegungen verschafft.

Bei der Beugung der Halswirbelsäule und des Kopfes kann die Zungenbeinmuskulatur auch mitwirken. Die Muskelschlinge der Zungenmuskulatur kann auch im Notfall als Atemmuskulatur eingesetzt werden, die das Sternum nach kranial zieht.

Merke: Die Zungenbeinmuskulatur hat zusammengefasst folgende Aufgaben:

  • Beteiligung am Schluckakt
  • Führung der Unterkieferbewegungen
  • Indirekte Beteiligung an den Zungenbewegungen
  • Mundöffnung gegen Widerstand
  • Mitwirkung bei der Beugung der HWS und des Kopfes
  • Atemhilfsmuskulatur
  • Offenhalten der großen Halsvene gegen den Unterdruck, den das Herz als Saugpumpe erzeugt, durch den M. omohyoideus

Kaumuskulatur

In den hinteren Anteilen der Wange liegt der M. masseter und bedeckt den aufsteigenden Unterkieferast sowie den Angulus mandibulae von außen. Zusammen mit dem M. temporalis, den Mm. pterygoidei medialis und lateralis bilden sie die Kaumuskulatur, die nicht nur funktionell, sondern auch entwicklungsgeschichtlich zusammengehören und vom N. mandibularis des Nervus trigeminus (V) innerviert werden.

 M. temporalis

Abbildung des musculus temporalis

Bild: „Location of temporal muscle“ von Was a bee. Lizenz: CC BY-SA 2.1 JP

Häufig ist es schwierig, dem M. temporalis ohne seine beiden Hauptsynergisten, den M. masseter und den M. pterygoideus medialis zu betrachten.

Über den größten Teil der lateralen Schädelwand breitet sich der Muskel aus. Seine hintere und obere Begrenzung findet er durch die Linea temporalis inferior. Seine größte Dicke erreicht der Muskel hinter dem Os zygomaticum. Mit Hilfe eines Horizontalschnitts oberhalb des Jochbeins würde den Muskel in einer Dreiecksform darstellen, wobei vorne eine breite Basis und nach hinten eine lang auslaufende Spitze zu sehen wäre.

Der M. temporalis hat seinen Ursprung an der Fossa temporalis und wird von zwei Fascienlagen bedeckt. Die oberflächliche Fascie besteht aus einer lockeren Bindegewebsschicht, die jenseits des Planum temporale fest mit dem Periost verwächst. Einen aponeurotischen Charakter hat dagegen die Fascia temporalis profunda und breitet sich gleichfalls über dem M. temporalis aus.

Der Muskel hat die Form eines Fächers, in welchem die vorderen und tiefen Fasern annährend vertikal bzw. von medial vorn nach lateral und hinten, die hinteren in horizontaler Richtung verlaufen. Die Muskelfasern bündeln sich im Verlauf zu einer Sehne, die ihren Ansatz am Processus coronoideus mandibulae hat.

Funktion des M.temporalis

Der M. temporalis ermöglicht das kraftvolle Zubeißen und hat die Möglichkeit gleichzeitig mit seinen horizontalen Fasern den Unterkiefer zurückzuziehen.

Das Herabsinken des Unterkiefers in Folge der Schwerkraft wird durch seinen Dauertonus verhindert.

Merke: Der M. temporalis ist häufig an der Entstehung von Spannungskopfschmerzen oder beim Costen-Syndrom beteiligt.

M. Masseter

Abbildung des M. Masseter

Bild: „Location of masseter muscle“ von Was a bee. Lizenz: CC BY-SA 2.1 JP

Häufig wird die Form des M. masseter mit einem Rechteck verglichen, dessen untere Ecke abgerundet ist.

Der Muskel gliedert sich oberflächlich in 2 Portionen. Seinen Ursprung hat er am pars superficialis, den größeren rechteckig, schräg verlaufenden vorderen Teil des Masseter sowie am Unterrand und vorderen zwei Drittel des Arcus zygomaticus dem pars profunda (tiefen Teil) des Masseters.

Er verläuft bis zum Angulus mandibulae und Tuberositas massererica, seinem oberflächlichen Ansatzanteil sowie bis zum tiefen Anteil, der Außenfläche des Ramus mandibulae.

Funktion des M. Messeter

Mit Hilfe des M. masster ist das kraftvolle schließen des Kiefers möglich. Außerdem kann er mit der Pars superficialis den Unterkiefer vorschieben und mit der Pars profunda zurückziehen.

Zusammen mit dem M. pterygoideus medialis helfen sie bei der Bewegung mit.

Merke: Bei Lähmung des M. masseter kann die Funktion durch den medialen M. pterygoideus und den M. temporalis ersetzt werden.

In Folge eines Schädel- Hirn- Trauma kann es zu einem spastischen Reaktionsmuster kommen, indem das Mundöffnen erschwert ist und schweres Zähneknirschen (Bruxismus) entsteht.

M. pterygoideus medialis

Abbildung des Lage des M. pterygoideus medialisSpiegelbild zum M. masseter liegt der M. pterygoideus medialis, an der medialen Seite des Unterkiefers.

Ausgehend von seinem Ursprung an der Fossa ptyerygoideus des Os spenoidale (Keilbein) und der Lamina lateralis des Processus pterygoideus zieht er nach unten hinten bis zur Innenfläche des Angulus mandibulae und Tuberositas pterygoidea.

Er ist bedeutend schmaler als der Masseter und hat eine Form eines schmalen Rechtecks.

Funktion des M. pterygoideus medialis

Der Kiefer wird durch den M. pterygoideus medialis kraftvoll geschlossen. Er kann den Unterkiefer ein wenig nach vorn ziehen sowie den Unterkiefer auch seitlich verschieben.

M. pterygoideus lateralis

Der M. pterygoideus lateralis oder auch als Flügelmuskel bezeichnet, breitet sich in der Fossa infratemporalis aus. Seine horizontale Zugrichtung weicht von der Verlaufsform der anderen Kieferadduktoren erheblich ab.

Der obere Teil des M. pterygoideus hat seinen Ursprung an der Facies temporalis der Ala major ossis sphenoidalis und der untere Teil an der lateralen Fläche der Lamina lateralis des Processus pterygoideus. Bis zur Fovea pterygoidea des Processus condylaris, an dem Vorderrand des Discus articularis des Kiefergelenks läuft der Ansatz des oberen Teils. Der Ansatz des unteren Teils des M. pterygoideus lateralis ist die Fovea pterygoidea des Processus condylaris.

Funktion des M. pterygoideus lateralis

Der M. pterygoideus lateralis ist ein wesentlicher Öffner des Kiefers. Er tritt von vorn kommend an den Unterkiefer und kann den Unterkieferknochen selbst als auch den Diskus des Kiefergelenkes vorziehen.

Zusammengefasst sollte man sich folgende Funktionen der Kaumuskulatur merken:

M. masseter

  • Hebung des Unterkiefers
  • Vorschub des Unterkiefers
  • Geringe Seitbewegung des Unterkiefers nach lateral bei einseitiger Kontraktion

M. temporalis

  • Hebung des Unterkiefers
  • Zurückziehen des Unterkiefers
  • Geringer Vorschub des Unterkiefers
  • Geringe Seitbewegung des Unterkiefers nach medial bei einseitiger Kontraktion

M. pterygoideus medialis

  • Hebung des Unterkiefers
  • Vorschub des Unterkiefers
  • Seitschub des Unterkiefers nach medial bei einseitiger Kontraktion

M. pterygoideus lateralis

  • Vorschub des Unterkiefers
  • Senkung des Unterkiefers
  • Seitenschub des Unterkiefers nach medial bei einseitiger Kontraktion

Kiefergelenk

Das Kiefergelenk gehört zu den „verbunden beweglichen“ Knochenverbindungen und stellt eine geschlossene Gelenkkette dar.

Vom Gelenkfortsatz des Unterkiefers (processus condylaris) und der Fossa mandibularis des Schläfenbeines wird das Kiefergelenk gebildet.

Abbildung des Sagittalschnitt der Anlenkung des UnterkiefersDie Fossa mandibularis oder auch als Gelenkpfanne bezeichnet, wird vorn durch das Tuberculum articulare (Gelenkhöckerchen) und hinten durch den beim Menschen kleinen Proc. retroarticularis begrenzt und vertieft. Sie ist nur vorne von Faserknorpel überzogen.

Die Form des Capitulum mandibulae (Kiefergelenksköpfchen) ist der Gelenkgrube angepasst und zeigt eine lateral etwas breitere als mediale ellipsoide Form. Außerdem ist seine vordere obere Artikulationsfläche stärker nach außen gewölbt und von Faserknorpel überzogen. Der dorsale Teil der Gelenkfläche ist flach nach hinten abfallend und nur mit straffem Bindegewebe bedeckt.

Der Discus articularis trennt Kopf und Pfanne so voneinander, das zwei vollkommen getrennte Gelenkkammern entstehen. Der Discus ist ein trapezförmiger Körper, der an seinen beiden Längsseiten wulstig verdickt und dessen mittlere schmale Zone sehr verdünnt ist. Das Kiefergelenkköpfchen bewegt sich in der unteren Gelenkhöhle überwiegend im Sinne einer Drehbewegung um eine frontale oder vertikale Achse, während zwischen Discus und Fossa mandibularis in der oberen Gelenkhöhle eine Schiebbewegung stattfindet.

Beschriftete Abbildung eines Gelenkfortsatzes des Unterkiefers

Bild: „Tempomandibular Joint“ von OpenStax College. Lizenz: CC BY 3.0

Bewegung des Kiefergelenks

Nach Art der Bewegungen des Kiefergelenks wird es als Mischgelenk mit 4 Freiheitsgraden bezeichnet.

Die Hauptbewegungen gliedern sich wie folgt:

  • Scharnierartige Hebung und Senkung des Unterkiefers um eine horizontale Achse
  • Mahlbewegung d.h. Drehung des Unterkiefers um eine vertikale Achse
  • Vor- und Rückschiebung entlang einer sagittalen Achse
Merke: Von Kiefersperre spricht man, wenn sich das Kiefergelenksköpfchen bei sehr weit geöffnetem Mund bis vor das Gelenkhöckerchen bewegt und sich so verhakt, dass der Mund nicht mehr geschlossen werden kann.

Beliebte Prüfungsfragen zur Kau- und Zungenmuskulatur

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Aus welchen Muskeln besteht die innere Zungenmuskulatur?

  1. M. longitudinalis superior, M. longitudinalis inferior, M. genioglossus, M. hypoglossus
  2. M. longitudinalis superior, M. longitudinalis inferior, M. transversus linguae, M. verticalis linguae
  3. M. chondroglossus, M. styloglossus, M. transversus linguae, M. verticalis linguae
  4. M. longitudinalis superior, M. palatoglossus, M. transversus linguae, M. verticalis linguae
  5. M. longitudinalis superior, M. longitudinalis inferior, M. hypoglossus, M. verticalis linguae

2. Welche 2 Muskeln können die Funktionen des M. Masseter ausführen, wenn dieser gelähmt ist?

  1. M. pterygoideus medialis und M. temporalis
  2. M. pterygoideus lateralis und M. temporalis
  3. M. pterygoideus medialis und M. sternocleidomastoideus
  4. M. pterygoideus medialis und M. temporalis
  5. M. pterygoideus lateralis und M. sternocleidomastoideus

 3. Welche Aussage zum Kiefergelenk ist falsch?

  1. Vom processus coronoideus und der Fossa mandibularis des Schläfenbeines wird das Kiefergelenk gebildet.
  2. Das Kiefergelenk gehört zu den „verbunden beweglichen“ Knochenverbindungen.
  3. Der Discus articularis trennt Kopf und Pfanne so voneinander, das zwei vollkommen getrennte Gelenkkammern entstehen.
  4. Die Form des Capitulum mandibulae ist der Gelenkgrube angepasst und zeigt eine lateral etwas breitere als mediale ellipsoide Form.
  5. Nach Art der Bewegungen des Kiefergelenks wird es als Mischgelenk mit 4 Freiheitsgraden bezeichnet.

Quellen

Valerius, A. Frank, C. Kolster, C. Hirsch, C. Hamilton, E. Lafont, Das Muskelbuch, KVM- Verlag

Rudolf Schweitzer, Bewegungsapparat, 2. Auflage, Urban & Fischer

Uhlmann, Lehrbuch der Anatomie des Bewegungsapparates, Quelle &Meyer Verlag Wiesbaden

G.H. Schumacher, Funktionelle Morphologie der Kaumuskulatur, VEB Gustav Fischer Verlag Jena

Richtige Lösungen: 1B, 2D, 3A

 

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