Die arterielle Blutversorgung des Gehirns erfolgt im Wesentlichen aus drei großen Arterien  (A. cerebi anterior, media und A. cerebi posterior). Die arterielle Versorgung des Hirnstamms erfolgt über die A. basilaris und die Aa. vertebrales, sowie deren Ästen. Das Kleinhirn wird ebenfalls aus drei Arterien versorgt (A. inferior posterior cerebelli, A. inferior anterior cerebelli und A. superior cerebelli). Der venöse Abfluss des Gehirns erfolgt über die Sinus durae matris, welche sich zwischen dem Periost der Schädelkalotte und der Dura mater befinden.

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Die arterielle Blutversorgung des Gehirns

Die arterielle Blutversorgung des Gehirns erfolgt über die A. vertrebralis und die A. carotins interna. Beide Stromgebiete sind mittels des Circulus arteriosus cerebri (Willisii) miteinander verbunden.

Arterien des Kopfes und Nackens

Bild: “Arteries Supplying the Head and Neck” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Stromgebiet der Arteria carotis interna

Die A. carotis communis teilt sich etwa auf Höhe des 4. Halswirbels (HWK 4) in die A. carotis externa und interna auf. Diese Stelle wird auch als Karotisgabel (Bifurcatio carotidis) bezeichnet und beinhaltet das Glomus caroticum, welches wiederum Chemorezeptoren enthält, die Änderungen des Sauerstoffgehaltes und pH-Wertes des Blutes registrieren.

Die A. carotis externa teilt sich in ihrem Verlauf in acht weitere Äste auf, wohingegen die A. carotis interna in ihrer Pars cervicalis keine Abzweigungen aufweist. Neben der Pars cervicalis kann die A. carotis interna weiter unterteilt werden in die Pars petrosa, die Pars cavernosa und die Pars cerebralis. Diese Abschnitte, mit Ausnahme der Pars cervicalis, weisen zahlreiche Abgänge von Gefäßen auf. Die intrakraniell verlaufenden Anteile der A. carotis interna werden noch in weitere fünf Segmente (C1 – C5) unterteilt. Die direkte Fortsetzung der A. carotis interna stellt die A. cerebri media dar, ein weiterer Abgang ist die A. cerebri anterior.

Durch die A. carotis interna werden v.a. Frontal-, Parietal- und Temporallappen, sowie Zwischenhirn versorgt. Über die A. ophthalmica, die ebenfalls einen Ast der A. carotis interna darstellt, erfolgt zusätzlich die Versorgung der Augen und Teilen der Nasennebenhöhlen.

Arterien des vertebrobasilären Stromgebiets

Die A. vertebralis verläuft, nach ihrem Abgang aus der A. subclavia, durch die Foramina transversaria der Halswirbel C1-C6. Anschließend durchstößt sie, auf Höhe des Foramen occipitale magnum, die Membrana atlantooccipitalis posterior, die Dura mater, sowie die Arachnoidea, um daraufhin in den Subarachnoidalraum zu gelangen. In ihrem weiteren Verlauf gibt die A. vertebralis die A. inferior posterior cerebelli zur Versorgung des Kleinhirns ab.

Ein weiterer Abgang der A. vertebralis stellt die A. spinalis anterior dar, welche aus beiden Aa. vertebrales versorgt wird. Im Bereich der Pons vereinigen sich die beiden Aa. vertrebrales zur A. basilaris. Die A. basilaris stellt im Gegensatz zu den Aa. vertebrales eine unpaar angelegte Arterie dar, wodurch es v.a. bei ihrem distalen Verschluss zu einem Ponsinfarkt mit dem klinischen Bild eines „Locked-in-Syndroms“ kommen kann.

Die A. basilaris verläuft ventral der Pons und gibt in ihrem Verlauf die A. inferior anterior cerebelli, die Aa. pontis, sowie die A. superior cerebelli ab. Ein weiterer möglicher Abgang der A. basilaris ist die A. labyrinthi zur Versorgung des Innenohrs, wobei diese z.T. auch aus der A. inferior anterior cerebelli hervorgeht. Beim Übergang von der Pons zum Mesencephalon teilt sich die A. basilaris in die paarig angelegte A. cerebri posterior, welche eine der drei großen hirnversorgenden Arterien darstellt.

Über die A. communicans posterior, welche den unmittelbaren Abgang der A. cerebri posterior darstellt, erfolgt eine Anastomose mit der A. carotis interna und damit mit dem Karotisstromgebiet. Diese Anastomose erklärt die Tatsache, dass es nur selten zu Infarkten im Versorgungsgebiet der A. cerebri posterior kommt.

Weitere wichtige Abgänge der A. cerebri posterior sind die Rr. temporales, der R. calcarinus, die Rr. choroidei posteriores medialis und lateralis, sowie die Aa. occipitales medialis und lateralis. Die Aa. occipitalis medialis und laterales dienen der Versorgung des Okzipitallappens, wohingegen der R. calcarinus die Sehrinde versorgt.

Die Plexus choroidei der Seitenventrikel und des dritten Ventrikels werden von den Rr. choroidei posteriores medialis und lateralis versorgt, wobei diese auch zum hinteren Anteil des Mesencephalons, sowie zum Thalamus ziehen. Die Rr. temporales dienen der Versorgung des Temporallappens.

Die einzelnen Abschnitte der A. cerebri posterior können noch weiter in die Segmente P1 – P3 unterteilt werden. Diese Unterteilung ermöglicht u.a. eine genauere Beschreibung der Lokalisation eines möglichen Verschlusses des Gefäßes.

Aufbau des Circulus arteriosus cerebri (Willisii)

Der Circulus arteriosus cerebri stellt einen Anastomosenkreislauf zwischen dem Karotisstromgebiet und dem vertebrobasilärem Stromgebiet dar. Die Verbindung der beiden Stromgebiete erfolgt im Bereich der Hirnbasis über die A. communicans anterior und die Aa. communicantes posteriores. Bei Verschluss einer gehirnversorgenden Arterie ermöglicht der Circulus arteriosus cerebri, dass die jeweiligen Bereiche des Gehirns über die Umgehungskreisläufe weiterhin versorgt werden können.

Der A. communicans anterior kommt klinisch gesehen eine weitere Bedeutung hinzu, da sie die Hauptlokalisation von krankhaften Gefäßerweiterungen (Aneurysmen) darstellt, welche bei Ruptur zu einer Subarachnoidalblutung führen können. Zusätzlich gilt es zu beachten, dass es vom Aufbau her interindividuelle Unterschiede geben kann, d.h. es gibt unterschiedliche Varianten des Circulus arteriosus cerebri.

Blutzirkulation im Kopf

Bild: “Circle of Willis” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Versorgungsgebiet der drei großen Hirnarterien

Von lateral betrachtet wird der Großteil des Gehirns durch die A. cerebri media versorgt. Nahe am Kortex und in Richtung Frontallappen erfolgt die Versorgung hauptsächlich durch die A. cerebri anterior. Eingeschlossen von der Versorgung der A. cerebri anterior ist auch die Mantelkante der sensomotorischen Rinde. Weitere Bereiche die von der A. cerebri media versorgt werden sind z.B. das Broca-Zentrum und das Wernicke-Zentrum, welche zu den Sprachzentren gehören.  Der Bereich des Okzipitallappens hingegen wird durch die A. cerebri posterior versorgt. An dieser Stelle ist u.a. das Sehzentrum lokalisiert. Für eine detailliertere Darstellung der Versorgungsgebiete siehe Abbildung.

Merke: Die arteriellen Blutgefäße verlaufen innerhalb der Sulci

Verschluss einer Hirnarterie im Rahmen eines Schlaganfalls

In Abhängigkeit von dem jeweiligen Versorgungsgebiet der Hirnarterien ergeben sich typische Symptome bei einem ischämischen Schlaganfall, d.h. bei einem Verschluss der jeweiligen Arterie. Zu der typischen Symptomatik bei einem Infarkt im Bereich der A. cerebri anterior gehört eine beinbetonte Hemiparese, welche kontralateral des Verschlusses auftritt. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die A. cerebri anterior die Mantelkante in dem Bereich der sensomotorischen Rinde versorgt, welcher dem Homunculus entsprechend für die Motorik der Beine verantwortlich ist. Zusätzlich kann es bei einem Verschluss der A. cerebri anterior zu Blasenstörungen kommen.

Bei Verschluss der A. cerebri media (Media-Infarkt) kann es zu einer kontralateralen Hemiparese mit Schwerpunkt der Störung auf der Motorik kommen, wobei auch sensorische Defizite auftreten können. In Abhängigkeit von der Seite der Schädigung kann es auch zu einer Sprachstörung in Form einer Aphasie kommen. Zu einer Aphasie kommt es bei einer Schädigung der für die Sprache dominanten Hemisphäre. Bei dem Großteil der Rechtshändler, sowie den meisten Linkshändlern, liegt die dominante Hemisphäre bezüglich der Sprache links, d.h. bei einem linkshemisphärischen Infarkt kann es in diesem Fall zu einer Aphasie kommen.

Bedingt durch die Tatsache, dass die A. cerebri posterior den visuellen Kortex im Sulcus calcarinus des Okzipitallappens versorgt, kann es bei einer Schädigung bzw. einem Verschluss dieser Arterie zu Sehstörungen, z.B. in Form einer Hemianopsie, kommen. Bei Mitbeteiligung des Versorgungsgebietes für den Thalamus kann es zusätzlich zu kontralateralen Sensibilitätsstörungen beispielsweise in Form einer Hypästhesie kommen.

Arterielle Versorgung von Hirnstamm und Kleinhirn

179px-CerebellumArteries.svgDie Versorgung von Hirnstamm und Kleinhirn erfolgt über die A. basilaris, sowie über die Aa. cerebelli. Am Hirnstamm erfolgt die Versorgung entweder direkt aus den beiden genannten Arterien oder deren Ästen. Anhand ihrer Lokalisation und ihrem Versorgungsgebiet unterscheidet man bei den Ästen zwischen medialen, mediolateralen und lateralen Anteilen. Das sich an den Hirnstamm anschließende Rückenmark wird u.a. durch die A. spinalis anterior versorgt, welche wiederum aus der A. vertebralis hervorgeht.

Das Kleinhirn wird durch die A. inferior anterior und posterior cerebelli, sowie durch die A. superior cerebelli versorgt. Die A. inferior anterior cerebelli (AICA) ist der erste Ast der A. basilaris, wohingegen die A. inferior posterior cerebelli (PICA = posterior inferior cerebellar artery) einen Ast der A. vertebralis darstellt. Die A. superior cerebelli (SCA) ist der letzte größere Ast der A. basilaris bevor sich diese weiter in die Aa. cerebri posteriores aufteilt.

Merke: Venen und Arterien haben im Gehirn einen voneinander unabhängigen Verlauf

Tabelle: Aortenbogen, Verzweigung und Hirnkreislauf

Gefäß Beschreibung
A. subclavia Die rechte A. subclavia kommt aus dem Truncus brachiocephalius, während die linke A. subclavia aus dem Aortenbogen kommt; sie führt zu Brustwand, Wirbel und thyrocervicalen Arterien; liefert Blut in die Arme, Brust, Schultern, Rücken und das zentrale Nervensystem.
A. vertebralis Kommt aus der A. subclavia und gelangt durch das Wirbelloch und durch das Foramen magnum in das Gehirn; verbindet sich mit der A. carotis interna, um den arteriellen Kreis zu bilden; liefert Blut zum Gehirn und zum Rückenmark.
A. carotis communis Die rechte A. carotis communis kommt aus der Truncus brachiocephalicus und die linke A. carotis communis kommt aus dem Aortenbogen; jede führt zu den externen und internen Carotisarterien; versorgt die jeweiligen Seiten des Kopfes und des Halses.
A. carotis externa Kommt aus der Halsschlagader; liefert Blut in zahlreiche Strukturen im Gesicht, Unterkiefer, Hals, Speiseröhre und Kehlkopf.
A. carotis interna Kommt aus der A. carotis communies und beginnt mit dem Carotissinusverv; geht durch den Canalis caroticus des Schläfenbeins an der Basis des Gehirns; verbindet sich mit den Zweigen der A. vertebralis, um den arteriellen Kreis zu bilden; liefert Blut zum Gehirn.
Circulus arteriosus cerebri (Willisii) Eine Anastomose an der Basis des Gehirns, die die kontinuierliche Blutversorgung gewährleistet; von den Ästen der A. carotis interna und den Vertebralarterien gebildet; liefert Blut zum Gehirn.
A. cerebri anterior Kommt aus der A. carotis interna; liefert Blut in den Frontallappen des Großhirns.
A. cerebri media Ein weiterer Zweig der A. carotis interna; liefert Blut zum Temporallappen und Scheitellappen des Großhirns.
Augenschlagader Zweig der A. carotis interna; liefert Blut in die Augen.
A. communicans anterior Eine Anastomose der rechten und linken A. carotis interna; liefert Blut zum Gehirn.
A. communicans posterior Äste der A. cerebri posterior, die einen Teil des hinteren Teils des arteriellen Kreises bildet; liefert Blut zum Gehirn.
A. cerebri posterior Zweig der A. basilaris, die einen Teil des hinteren Segments des arteriellen Kreises der Willis bildet; liefert Blut in den hinteren Teil des Großhirns und des Hirnstamms.
A. basilaris Aus der Fusion der beiden Wirbelarterien ausgebildet; sendet verzweigt in das Kleinhirn, den Hirnstamm und die hinteren Hirnarterien; die Hauptblutversorgung des Hirnstamms.

Tabelle: “Aortic Arch Branches and Brain Circulation” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Der venöse Abfluss des Gehirns

Der venöse Abfluss des Gehirns erfolgt über oberflächliche und tiefe Venen, welche beide über die Sinus durae matris drainieren. Die beiden Systeme sind untereinander über Anastomosen verbunden. Am Übergang zwischen zwei Stromgebieten kann es auch zu einer Umkehr des venösen Flusses kommen. Im Gegensatz zu den übrigen Venen im Körper besitzen die Hirnvenen keine Klappen.

Oberflächliche Venen des Gehirns  (Vv. superficiales cerebri)

Zu den oberflächlichen Venen gehören die Vv. superiores cerebri und die V. media superficialis cerebri. Der Abfluss erfolgt über die Vv. superiores cerebri hauptsächlich in den Sinus sagittalis superior und inferior, über die V. media superficialis cerebri in den Sinus cavernosus. Anhand der Richtung der Drainage können die oberflächlichen Venen, die sich lateral befinden, weiter in aszendiere und deszendierende Venen unterteilt werden.

Die aszendierenen Venen drainieren dabei vor allem in den Sinus sagittalis superior, wohingegen die deszendierenden Venen bevorzugt in den Sinus transversus münden. Der Anteil der Venen, der sich zwischen der Arachnoidea und der Dura mater befindet und der die oberflächlichen Venen mit dem Sinussystem verbindet, wird auch als Brückenvene bezeichnet.

Bei Einriss dieser Brückenvenen kann es zu einer Subduralblutung kommen, die meist traumatisch verursacht wird.

Tiefe Venen des Gehirns (Vv. profundae cerebri)

Zum System der tiefen Venen gehören v.a. die paarige V. interna cerebri und die ebenfalls paarig angelegte V. basilaris. Die V. basilaris wird durch den Zusammenschluss der V. anterior cerebri mit der V. media profunda cerebri gebildet. Vergleichbar mit dem arteriellen Kreislauf in Form des Circulus arteriosus cerebri existiert auch ein venöser Kreislauf an der Hirnbasis, welcher durch die Verbindung der beiden Vv. basales (Rosenthal) gebildet wird. Durch die V. communicans anterior wiederum werden die beiden Vv. anteriores cerebri miteinander verbunden, sodass ein geschlossener Kreislauf entsteht.

Die weitere venöse Drainage erfolgt sowohl über die paarige V. interna cerebri, sowie die paarige V. basilaris in die V. magna cerebri (Gallen). Die Stelle an der sich die beiden Venen vereinigen wird auch als Confluens venosus posterior bezeichnet, aus diesem entspringt die V. magna cerebri.

Die V. magna cerebri wiederum stellt eine unpaare Vene dar und mündet in den Sinus rectus. Das Drainagegebiet der V. interna cerebri umfasst den Thalamus, das Striatum, den Plexus choroideus, sowie das Septum pellucidum. Die V. basilaris sammelt das venöse Blut der medialen und basalen Anteile von Frontal- und Temporallappen, Inselrinde, Hypothalamus, sowie dem Mesencephalon.

Sinus durae matris

Die Sinus durae matris stellen venöse Blutleiter dar, welche das Blut der Hirnvenen, sowie das Blut aus dem Bereich der Orbita und der Schädelkalotte in die Vv. jugulares internae drainieren.

Gehirn Arterien

Bild: “Posterior and Lateral Views of the Neck” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Aufbau der Sinus durae matris

Die Sinus durae matris befinden sich zwischen dem periostalem und dem meningealem Blatt der Dura mater, welches aus straffem kollagenen Bindegewebe besteht. Neben dem Bindegewebe der Dura mater besteht die Wand der Sinus durae matris aus Endothel.Vergleichbar mit den übrigen Hirnvenen besitzen auch die Sinus durae matris keine Klappen. An einigen Stellen weisen die Sinus durae matris  Erweiterungen auf, welche als Lacunae laterales bezeichnet werden. Im Bereich der Lakunen erfolgt über Arachnoidalzotten die Liqourresorption.

In die Sinus durae matris münden zum einen, über die Brückenvenen, die oberflächlichen Venen des Gehirns, die Vv. diploicae des umliegenden Periosts, sowie die Vv. emissariae. Die Vv. emissariae verbinden die Sinus durae matris mit den extrakraniellen Venen, die die Kopfhaut drainieren, sowie mit den Vv. diploicae.

Unterteilung der Sinus durae matris

Es wird zwischen einer oberen und einer unteren Gruppe im System der Sinus durae matris unterschieden. Beide Gruppen stehen wiederum über den Sinus marginalis, sowie dem Plexus basilaris mit den Venen des Wirbelkanals in Verbindung. Zu der oberen Gruppe gehören der Sinus sagittalis superior und inferior, der Sinus occipitalis, der Sinus transversus, der Sinus rectus, der Sinus sigmoideus und das Confluens sinuum.

Zur unteren Gruppe gehören der Sinus cavernosus zusammen mit dem Sinus intercavernosus anterior und posterior, der Sinus sphenoparietalis, sowie der Sinus petrosus superior und inferior.

Zu- und Abflüsse der Sinus durae matris

Zufluss erhalten die Sinus durae matris sowohl aus dem oberflächlichen, als auch aus dem tiefen Venensystem des Gehirns. Es existieren zahlreiche Anastomosen, sodass auch größere Verschlüsse im Bereich der Sinus durae matris ohne klinische Symptome bleiben können.

Der Hauptabflussweg der Sinus durae matris erfolgt über die Vv. jugulares internae. Daneben gibt es noch akzessorische Abflüsse zu denen die Vv. emissariae, die V. ophthalmica superior, der Sinus marginalis und der Plexus basilaris, sowie der Plexus venosus foraminis ovalis gehören.

Durch die fehlenden Venenklappen im Bereich der Hirnvenen, sowie der Sinus durae matris kann es auch zu einer Strömungsumkehr im Bereich des Venensystems kommen. So kann es zu einer Ausbreitung einer extrakraniellen Infektion in das Sinussystem kommen. Diese Infektion kann wiederum zu einem Verschluss eines Abschnittes der Sinus durae matris führen, welchen man als  Sinusvenenthrombose bezeichnet.

Klinisch äußert sich eine Sinusvenenthrombose u.a. durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, bis hin zu einer Einschränkung des Bewusstseins. Diese Symptomatik ist im Wesentlichen auf den ansteigenden Hirndruck zurückzuführen, da der venöse Abfluss durch den Verschluss eingeschränkt ist.

Zusätzlich kann sich eine Infektion über die Vv. emissariae, welche eine Verbindung zwischen den Sinus durae matris und den extrakraniellen Venen darstellen, von der Kopfhaut bis zur Dura mater ausbreiten und so eine Meningitis auslösen.

Venöser Abfluss des Hirnstamms

Am Übergang von Rückenmark zu Hirnstamm erfolgt eine kontinuierliche Fortsetzung der Venen, wobei diese mit den basalen Hirnvenen (Vv. basales) verbunden sind. Die Venen des Hirnstamms sind untereinander über ein longitudinales und ein transversales Venennetz verbunden. Man unterscheidet des Weiteren zwischen einem infratentoriellem und einem supratentoriellem venösen System. Die Venen von Medulla oblongata, Pons und Cerebellum gehören zum infratentoriellem System, wohingegen am Übergang zum Mesencephalon das supratentorielle System beginnt. Zwischen diesen beiden Systemen existieren ebenfalls zahlreiche Verbindungen (Anastomosen).

Venöser Abfluss des Kleinhirns

Der venöse Abfluss des Kleinhirns wird grob in einen medialen und einen lateralen Anteil aufgeteilt, wobei ebenfalls zahlreiche Anastomosen zwischen beiden Bereichen existieren. Die Drainage des Kleinhirnwurms (Vermis cerebelli), der umliegenden Kleinhirnhemisphären, sowie der mediale Anteil der Vv. superiores und inferiores cerebelli erfolgt über das mediale System. Der restliche Anteil der Kleinhirnhemisphären drainiert über das laterale System.

Beliebte Prüfungsfragen zur Blutversorgung des Gehirns

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1.  Welche Aussage zur arteriellen Blutversorgung des Gehirns trifft nicht zu?

  1. Die arterielle Blutversorgung des Gehirns erfolgt im Wesentlichen aus drei großen Arterien.
  2. Die arterielle Versorgung des Kleinhirns erfolgt aus drei Arterien.
  3. Die arterielle Versorgung des Hirnstamms erfolgt über die A. basilaris und die Aa. vertebrales.
  4. Venen und Arterien verlaufen parallel zueinander.
  5. Bei Verschluss der A. cerebri media kann es zu einer Aphasie kommen.

2. Welche Aussage zum Circulus arteriosus cerebri trifft zu?

  1. Der Circulus arteriosus cerebri stellt einen venösen Anastomosenkreislauf dar.
  2. Der Circulus arteriosus cererbi verbindet das Karotisstromgebiet mit dem vertebrobasilärem Stromgebiet.
  3. Die Verbindung erfolgt im Bereich der Hirnbasis über die A. communicans lateralis.
  4. Der Großteil der Aneurysmen befindet sich an der A. communicans posterior.
  5. Der Circulus arteriosus cererbi ist bei jedem Menschen gleich aufgebaut.

3. Welche Aussage zu den Hirnvenen trifft nicht zu?

  1. Es wird zwischen oberflächlichen und tiefen Venen differenziert.
  2. Hirnvenen besitzen keine Venenklappen.
  3. Die Sinus durae matris stellen venöse Blutleiter dar.
  4. V. interna cerebri und V. basilaris drainieren in die V. magna cerebri.
  5. Im Gegensatz zum arteriellen System existiert im venösen System kein Umgehungskreislauf.

Quellen

Taschenlehrbuch Anatomie, Kirsch, J. und MA. – Thieme Verlag

Prometheus, Kopf und Neuroanatomie – Thieme Verlag

Neurologie, Gehlen W. und Delank H.-W. – Thieme Verlag

ZNS Teil 2, MEDI-LEARN Skriptenreihe 3. Auflage, A. Martin – MEDI-LEARN

Duale Reihe Neurologie, K. F. Masuhr, M. Neumann – Thieme Verlag (2007)

Lösungen zu den Fragen: 1D, 2B, 3E




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2 Gedanken zu „Neuroanatomie: Blutversorgung des Gehirns

  • Darja

    Welcher Autor hat diese Seite Neuroanatomie: Blutversorgung des Gehirns geschrieben. Müsste das umbedingt wissen. Hoffe sie können mir helfen.

    1. Maria Jaehne

      Hallo Darja,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Alle Artikel stammen von unserem hochqualifizierten Medizin-Team.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Maria von Lecturio.