Faszinierend aber auch lernintensiv: So beschreiben Medizinstudenten das Fach Anatomie des vorklinischen Studienabschnittes. Kenntnisse der menschlichen Anatomie sind im Studium und darüber hinaus eine absolute Grundlage. Der große Berg an Lernstoff scheint zu Beginn unüberwindbar. Doch sobald man die Ordnung im System geblickt hat, sprüht sogar ein Funken an Faszination auf. So birgt gerade der Präparierkurs den ersten Kontakt zu einem Patienten – wenn dieser auch leblos ist. Dieser Beitrag zur Kopf-Hals-Anatomie gibt Ihnen eine klare Struktur an die Hand, um im scheinbar dunklen und verwirrenden Tunnel der Anatomie doch das Licht am Ende zu erspähen. Ebenfalls weiter helfen Ihnen unsere Beiträge zur ventralen und infrahyalen Halsmuskulatur.

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diese abbildung zeigt die halswirbelsaeule

Bild: “Cervical Spine” von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0


Anatomie und Funktion des Halses

Der Hals ist das Bindeglied zwischen Kopf und Rumpf. Er beinhaltet zahlreiche Organe sowie Leitungsbahnen und wird von Muskulatur stabilisiert, die den Hauptbestandteil des Halses bildet. Die Halswirbel ermöglichen als Bestandteile der Wirbelsäule die Bewegung des Kopfes und ermöglichen damit eine Erweiterung des Aktionsradius für unsere Wahrnehmung.

Als Verbindungsstück ist der Hals sowohl kranial in Richtung des Kopfes als auch kaudal in Richtung des Rumpfes begrenzt. Palpierbare Knochenpunkte liefern dabei sichere Anhaltspunkte. Die kraniale Begrenzung besteht aus einer gedachten Verbindungslinie zwischen der Mandibula nach ventral und den Procc. mastoideii sowie der Protuberantia occipitalis externa nach dorsal.

Kaudal wird der Hals von markanten Punkten des Schultergürtels und des Brustbeines begrenzt. Von ventral grenzen Clavicula und Manubrium sterni, von dorsal Acromion und Vertebra prominens des Proc. spinosus den Halsbereich vom Rumpf ab.

Des Weiteren ist von außen die Prominentia laryngea, eine Knorpelplatte des Kehlkopfes, gut zu ertasten, welche im Volksmund auch als „Adamsapfel“ bezeichnet wird. Darüber liegt das Os hyoideum (Zungenbein), welches beim Schluckakt sichtbar wird.

diese abbildung zeigt bewegungen des halses

Bild: “Movements of the Body, Part 1” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0. Es wurden Änderungen vorgenommen: Die Bewegungen a), b), d) und e) wurden entfernt.

Gliederung des Halses durch Faszien

Das Thema „Faszie“ ist in der heutigen Zeit zu einem beliebten Trend von Fitnessfreunden und Sportwissenschaftlern geworden. Oft werden verhärtete Faszien des Menschen als Ursache zahlreicher Gelenkschmerzen genannt. Der Boom um das Faszienfitness-Geschäft steigt und die angebotenen Kurse zur Stabilisierung der bindegewebigen Struktur ebenso.

Der Hals wird aus drei Lagen der Halsfaszie (Fascia cerevicalis bzw. -colli) in mehrere Tiefenbereiche gegliedert und stabilisiert damit die in jedem Segment verlaufenden Leitungsbahnen und Organe. Im Fitness Geschäft ist dieser Bereich eher „uncool“ sowie wenig profitabel und wird daher größtenteils außer Acht gelassen – ein Grund genug das jetzt nachzuholen.

Faszien sind ein körpereigenes bindegewebiges Netzwerk, welches die strukturelle Integrität erhält und den gesamten Körper als ein umhüllendes und verbindendes Spannungswerk durchdringt.

Die Lamina superficialis (oberflächliches Blatt) hat ihren Ansatz an der Mandibula, der Clavicula und dem Manubrium sterni, verschmilzt kaudal mit der Fascia pectoralis (Brustfaszie) und dorsal mit der Fascia nuchae (Nackenfaszie). Als oberflächlichste aller drei Blätter bedeckt sie somit alle Strukturen am Hals und zählt zu der oberflächlichen Körperfaszien. Auf ihrer Oberfläche verzweigen sich die oberflächlichen Hautarterien und -venen.

Die unter der Lamina superficialis liegende Lamina pretrachealis (mittleres Blatt) hat ihren Ursprung am Os hyoideum, Manubrium sterni und an den Claviculae und wird von kranial nach kaudal in ihrer Ausdehnung breiter. Sie liegt topografisch, wie ihre Bezeichnung schon vermuten lässt, vor der Trachea und ist seitlich mit den Sehnen der Mm. omohyoidei und der Vagina carotica verwachsen.

Die Lamina pretrachealis umhüllt folgende Strukturen: Larynx, Trachea, Schilddrüse, Pharynx, Oesophagus, infrahyale Muskulatur und die Vagina carotica mit der A. carotis communis bzw. interna, V. jugularis interna und N. vagus.

Die Lamina prevertebralis (tiefes Blatt) erstreckt sich von der Schädelbasis bis zur Höhe des dritten Brustwirbels und liegt damit direkt vor der Wirbelsäule. Sie umhüllt die tiefen Halsmuskeln, den Truncus sympathicus mit den drei Halsganglien (Ganglion cervicale superius, medium und inferius), den Plexus brachialis, die A. subclavia und den N. phrenicus.

Oberhalb der Lamina superficialis liegt das Platysma, ein Hautmuskel der die Halshaut zwischen Gesicht und Brust spannt und auch der kieferöffnenden Muskulatur zugerechnet wird (zieht die Mandibula herunter).

Anatomie und Funktion der Halsregion

Anatomen lieben es, die Einteilung des Körpers in topografische Räume um Nerven- und Gefäßverläufe in ihrer Lage und Ausdehnung ganz genau wie in einem Koordinatensystem verorten zu können. Die einzelnen Regionen sind größtenteils nach der topografischen Lage bzw. nach den in ihnen verlaufenden Strukturen benannt – das hilft auch Ihnen sich in der Halsanatomie zurechtzufinden.

Es wird eine Unterteilung in oberflächliche und tiefe Halsregionen sowie in eine Mundbodenregion vorgenommen:

Oberflächliche Regionen

Fossa temporalis

diese abbildung zeigt die fossa temporalis

Bild: “Fossa Temporalis modified to German” von Anatomist90. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Fossa temporalis enthält die folgenden Strukturen:

Musculus temporalis

Der stärkste Einzelmuskel der Kaumuskulatur ist ein Skelettmuskel und nimmt seinen Ursprung an der Facies temporalis der Schädelseitenfläche, um mit einer starken Sehne am Proc. coronoideus der Mandibula anzusetzen. Seine Funktion ist der Kieferschluss. Innerviert wird er von den Nn. profundi aus dem N. mandibularis (V3 des N. trigeminus).

Nervus auriculotemporalis

Aus dem Vdes N. trigeminus stammend schlingt sich der „Ohr-Schläfen-Nerv“ um die A. meningea media und gibt parasympathische Fasern an die Glandula parotidea (Parotis; Ohrspeicheldrüse) ab. Er enthält nur sensorische Fasern, mit denen er die Schläfenhaut, die Ohrmuschel, den Meatus acusticus externus und die Trommelfellaußenseite innerviert.

Arteria temporalis superficialis

Als einer von zwei Endästen der A. carotis externa (der andere Endast ist die A. maxillaris) wird sie vom N. auriculotemporalis begleitet und spaltet sich kranial in einen Ramus frontalis und einen Ramus parietalis auf. Der R. parietalis gibt seine Äste an die Parotis, das Kiefergelenk und den M. masseter ab.

Arteriae temporalis profundae

Diese Arterie stammt aus der A. maxillaris und teilt sich in einen anterioren und einen posterioren Teil auf. Beide Teile anastomosieren mit der A. temporalis superficialis und sind für die Versorgung des M. temporalis verantwortlich. Die A. maxillaris posterior anastomosiert zusätzlich noch mit der A. lacrimalis.

Regio parotideo-masseterica und Regio buccalis

Diese Region entspricht grob der ganzen Wange. Topografisch korrekt wird diese Region unterhalb des Ramus zygomaticus (Jochbeinbogen) und der Regio infraorbitalis verortet.

Musculus buccinator

Der M. buccinator hat seinen Ursprung an der Außenfläche der Molaralveolarfortsätze des Ober- und Unterkiefers und verflechtet sich mit dem M. orbicularis oris. Er liegt im Bereich des Corpus adiposum buccae und wird von den Ramii buccales des N. facialis (VII. Hirnnerv) innerviert.

Bei der Kontraktion des Muskels ziehen sich die Wangen zusammen, wodurch die Nahrung zwischen den Zahnreihen hin und her geschoben werden kann.

Des Weiteren erhält der M. buccinator den Tonus der Ober- und Unterlippe während des Pfeifens oder Spielens eines Blasinstrumentes. Im Säuglingsalter spielt der Muskel bei der Saugbewegung des kindlichen Mundes an der Mamma eine wichtige Rolle. Die Wangenhaut wird anterior durch den N. buccalis und posterior vom N. zygomaticus innerviert.

Tiefe Halsregionen

Fossa infratemporalis

Die Begrenzungen dieser Region sind beliebt bei mündlichen Prüfungen, ein Verständnis über die topografische Lage ist daher notwendig.

Medial des Arcus zygomaticus und kaudal der Fossa temporalis gelegen wird diese Region ventral durch die Tuber maxillae, dorsal vom Tuberculum articulare des Os temporale und von der Spina angularis des Os sphenoidale begrenzt.

Kranial bilden das Ala major ossis sphenoidale, medial die Lamina lateralis des Proc. pterygoideus und lateral sowohl der Arcus zygomaticus als auch der Ramus mandibularis die anatomische Begrenzung.

Folgende Strukturen sind von Bedeutung:

Musculus pterygoideus medialis

Der Innere Flügelmuskel entspringt in der Fossa pterygoidea und setzt am Tuberculum pterygoidea an. Die Innervation erfolgt durch den N. pterygoideus medialis des N. mandibularis. Bei einer gleichzeitigen Kontraktion erfolgt der Kieferschluss, bei einer einseitigen Kontraktion eine Protrusion, die dem Zermahlen der Nahrung dient.

Musculus pterygoideus lateralis

Der Äußere Flügelmuskel ist der einzige Kieferöffner (!) aller Kaumuskeln. Zusammen mit dem M. masseter bildet er eine Muskelschlinge, die mehr Kaukraft als der M. temporalis aufbringen kann.

Des Weiteren besteht der Muskel aus zwei Köpfen. Der obere Kopf setzt am Ala major des Os sphenoidale an, der untere Kopf an der Lamina lateralis des Proc. condylaris der Mandibula. Die Fasern des oberen Kopfes strahlen in die Gelenkkapsel des Kiefergelenks und in den Discus articularis ein. Die Innervation beider Köpfe erfolgt durch den N. pterygoideus lateralis des N. mandibularis (V3).

Die Mundöffnung besteht aus einer Protrusionsbewegung des Mandibulakopfes (Kontraktion des unteren Kopfes) und einer Verlagerung des Discus nach ventral (Kontraktion des oberen Kopfes). Kontrahieren beide Köpfe gleichzeitig, wird der Unterkiefer protrudiert – bei einer einseitigen Kontraktion bewegt sich der Unterkiefer zur Gegenseite und erzeugt eine Mahlbewegung.

Arteria maxillaris

Die „Kieferschlagader“ versorgt als einer von zwei Endästen der A. carotis externa die Weichteile des Gesichtes. Sie entspringt im Bereich der Fossa retromandibularis, durchzieht die Fossa pterygopalatina und verläuft im Weiteren nahe des Ganglion pterygopalatinums.

Ihr Verlauf wird in drei Abschnitte unterteilt: Pars mandibularis, Pars pterygoidea und Pars pterygopalatina. In jedem Abschnitt verzweigt sich die A. maxillaris in weitere Äste.

Im Pars mandibularis findet die Aufzweigung in die A. alveolaris inferior, A. meningea accessoria, A. meningea media, A. tympanica anterior und A. auricularis profunda statt. Hier gibt es eine nette Eselsbrücke: MALTA

Im Pars pterygoidea teilt sich die A. maxillaris in die A. masseterica, Rr. pterygoidei, A. temporalis profunda und die A. buccalis.

Im Pars pterygopalatina findet die Aufteilung in die A. sphenopalatina, A. palatina descendens, A. infraorbitalis, A. alveolaris superior posterior, A. pharyngealis und A. canalis pterygoidea statt.

Plexus venosus pterygoideus

Dieser Venenplexus wird gespeist von der V. ophthalmica inferior, V. alveolaris inferior, V. sphenopalatina, Vv. temporalis profundae und der Vv. meningeae mediae. Über ein Verbindungsstück, der V. maxillaris, fließt der Venenplexus in die V. tetromandibularis ab und hat ferner einen Anschluss an den Sinus cavernosus.

Klinik: Sinus-cavernosus-Thrombose. Ursächlich dafür ist eine bakterielle Infektionen im Gesicht mit einer zusätzlichen Keimverschleppung.

Nervus mandibularis

Der dritte Ast des N. trigeminus teilt sich in dieser Region in seine Äste auf. Das sind recht viele, die in jedem Lehrbuch schnell nachzuschlagen sind.

Ganglion oticum

Das parasympathische Ganglion liegt unterhalb des Foramen ovale und enthält motorische, sympathische und parasympathische Fasern. Im Ganglion werden allerdings nur die parasympathischen Fasern verschaltet, für die motorischen und sympathischen Fasern ist das Ganglion nur eine Durchgangsstation.

Fossa pterygopalatina

Die „Flügelgaumengrube“ wird durch folgende Strukturen begrenzt und in ihrer Lage definiert: Kranial liegt das Os sphenoidale, kaudal der Proc. pyramidalis des Os palatinum, anterior die Facies infratemporalis der Maxilla, posterior das Ala major ossis sphenoidale und medial die Lamina perpendicularis des Os palatinum.

Folgende Strukturen sind hier zu finden: das Ganglion pterygopalatinum, die A. maxillaris, der N. maxillaris und die Anfänge des N. zygomaticus und des N. infraorbitalis.

Die Fossa pterygopalatina kommuniziert über zahlreiche Fissuren und Foramina mit der Umgebung – gelegentlich ist dies ein Prüfungsthema.

Fossa retromandibularis

Auch Parotisloge genannt. Es ist empfehlenswert, die Begrenzungen in der Prüfungen parat zu haben: Kranial liegt der Meatus acusticus externus, ventral der Ramus mandibulae, medial der Pharynx, dorsal der M. sternocleidomastoideus und kaudal der M. digastricus sowie M. stylohyoideus.

Diese Strukturen sind prominent in der Fossa retromandibularis:

  • Die Glandula parotidea, eine der drei großen Speicheldrüsen im Kopfbereich. Sie wird von der V. retromandibularis und dem Nervengeflecht des N. facialis in einen oberflächlichen und einen tiefen Anteil zerlegt. Der oberflächliche Anteil (Außenlappen) berührt den Jochbogen und überkreuzt den Vorderrand des M. masseter. Die seitliche Ausdehnung reicht bis zum Unterkiefer. Der untere Anteil (Innenlappen) ist deutlich massiger und füllt die Fossa retromandibularis komplett aus.
  • Die V. retromandibularis, die als Zusammenschluss der Vv. maxillaris und Vv. temporalis superficiales in die V. jugularis interna abfließt.
  • Der Plexus parotideus ist die Aufspaltung des N. facialis in seine Äste zur Versorgung der mimischen Muskulatur.
  • Der Ductus parotideus als Ausführungsgang der Parotis mündet gegenüber der zweiten Molaren.
  • Die A. carotis externa teilt sich hier in ihre zwei Endäste A. maxillaris und A. temporalis superficialis auf.

Klinik: Parotitis epidemica. Eine Schwellung der Ohrspeicheldrüse, wie sie bei der Krankheit Mumps auftritt, verursacht einen Druckanstieg in der Fossa retromandibularis, welcher zu schwerwiegenden Nervenirritationen und Schmerzen führt.

Spatium peripharyngeum

Dieser Bindegewebsraum dient als Halsverschieberaum und umgibt lateral und medial den Pharynx. Ein Septum teilt diese Region in zwei Anteile:

  • Ein unpaares Spatium retropharyngeum (Retropharyngealraum)
  • Ein paariges Spatium lateropharyngeum (Latero-/Parapharyngealraum)

Mundbodenregion:

Trigonum submentale mit Lymphknoten

Diese dreieckig geformte Region befindet sich in der Regio cervicalis anterior. Die kraniale Begrenzung bildet der Vorderrand des Unterkiefers, die laterale Begrenzung der M. digastricus, Venter anterior und die kaudale Begrenzung das Os hyoideum. Den Boden bildet der M. mylohyoideus.

Zu den erwähnenswerten Strukturen gehören ein bis zwei Lymphknoten, die Nodii lymphatici submentales aus der Zungenspitze, den unteren Schneidezähnen und der medialen Unterlippe. Kleine Venen speisen die V. jugularis anterior.

Trigonum submandibulare

Die Begrenzung der ebenfalls in der Regio cervicalis anterior gelegenen dreieckförmigen Region wird durch folgende Strukturen gegeben: Kranial der inferiore Rand des Unterkiefers, ventral der M. digastricus, Venter anterior, dorsal der M. digastricus, Venter posterior und der M. stylohyoideus und kaudal das Os hyoideum.

Das Trigonum submandibulare wird in einen oberflächlichen, mittleren und tiefen Anteil gegliedert.

Zum oberflächlichen Anteil gehört das Platysma, die V. facialis und der R. marginalis mandibularis des N. facialis. Die Glandula submandibulare füllt den mittleren Anteil aus. In der tiefen Region verlaufen A. facialis, N. mylohyoideus, Ganglion submandibulare, Ductus submandibularis, A. lingualis, N. hypoglossus, M. mylohyoideus und M. hyoglossus.

Trigonum caroticum

Das Karotisdreieck wird kranial vom M. digastricus, Venter posetrior, dorsal vom Vorderrand des M. sternocleidomastoideus und ventral vom M. omohyoideus begrenzt.

Zu den wichtigsten Strukturen gehören:

  • A. carotis externa und -interna
  • A. thyroidea superior
  • A. lingualis
  • A. facialis
  • A. pharyngea ascendens
  • A. occipitalis
  • V. jugularis externa, -interna und -anterior
  • V. retromandibularis, -facialis und -thyroidea superior
  • N. glossopharyngeus, -hypoglossus, -vagus und -accessorius
  • Ansa cervicalis

Die Radix superior der Ansa cervicalis ist hier dem N. hypoglossus angelagert und innerviert den M. thyrohyoideus und M. geniohyoideus.

Anatomie und Funktion der Halswirbelsäule und Kopfgelenke

Die menschliche Wirbelsäule besteht aus 22–24 Wirbeln, die in fünf Abschnitte eingeteilt werden: Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowie Kreuz- und Steißbein. Im Sagittalschnitt sind vier Krümmungen zu sehen, die eine Doppel-S-Form bilden. Krümmungen nach dorsal bezeichnet man als Kyphosen, Krümmungen nach ventral als Lordosen.

Merke: Überall wo ein L im Namen steht (z.B. die Hals- oder Lendenwirbelsäule) sieht man eine Lordose.
diese abbildung zeigt die halswirbelsaeule

Bild: “Cervical Spine” von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

Prinzipiell besteht jeder Wirbel aus einem Wirbelkörper, einem Wirbelbogen und Wirbelbogenfortsätzen. Ihre Funktion ist es, die Last der oberen Körperbereiche auf den Beckenring zu übertragen. Entsprechend der zunehmenden Last nehmen die Wirbel von kranial nach kaudal in ihrer Größe zu.

Die Halswirbelsäule besteht bei allen Säugetieren aus sieben Wirbeln – auch bei einer Giraffe. Die ersten beiden Wirbel der Halswirbelsäule (Atlas und Axis) unterscheiden sich ebenso wie die letzten vier bis fünf Wirbel des Steißbeines morphologisch vom Rest der Wirbel. Charakteristisch ist das Querfortsatzloch, das Foramen transversum, welches nur im Abschnitt der HWS vorkommt.

Zusammen mit dem Os occipitale bilden sechs Gelenke (zwei am oberen Kopfgelenk, vier am unteren Kopfgelenk) eine funktionelle Einheit, die eine große motorische Beweglichkeit des Kopfes in allen drei Raumebenen ermöglicht.

Das Os occipitale (Hinterhauptbein) hat zwei konvex nach unten geformte Gelenkflächen (Condyli occipitales) seitlich des Formen magnums.

Der erste Halswirbel (Atlas, CI) hat keinen Dornfortsatz und keinen Wirbelkörper. Namensgebend für den zweiten Halswirbel (Axis, CII) ist ein Knochenzapfen (Dens axis) auf dem Wirbelkörper, welcher zwei Gelenkflächen aufweist (Facies articularis anterior und posterior). Ansonsten gleicht der Aufbau der regulären Morphologie der anderen Wirbel. Der siebte Halswirbel besitzt den längsten Dornfortsatz und wird demzufolge als Vertebra prominens bezeichnet.

Im Kopfbereich haben wir zwei echte Gelenke, das Articulatio atlantooccipitalis (oberes Kopfgelenk) und das Articulatio atlantoaxialis (unteres Kopfgelenk). Disci intervertebralis (Zwischenwirbelscheiben) zwischen den drei Gelenkanteilen (Axis, Atlas und Hinterhaupt) fehlen.

diese abbildung zeigt das atlantoaxialgelenk

Bild: “Atlantoaxial Joint” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Im Articulatio atlantooccipitalis artikulieren die beiden Hinterhauptkondylen mit den Facies articularis superiores des Atlas.

Ein Atlas ist also an zwei Stellen mit dem Os occipitale verbunden. Das Gelenk ermöglicht Nickbewegungen nach ventral und dorsal (insgesamt 30°) und Neigungen des Kopfes zur Seite (10–15°). Dieses Gelenk hat zwei Freiheitsgrade: Dadurch kann der Kopf „Ja-sagen“ und erhält die Bezeichnung Ellipsoid- oder „Ja-Gelenk“.

Das Articulatio atlantoaxialis besteht aus vier Einzelgelenken, die zusammen als Rad-/Zapfengelenk bezeichnet werden und als Hauptbewegung die Rotation des Atlas um die Längsachse des Dens axis ermöglichen (insgesamt 45°). Die zwei Gelenkanteile bestehen aus der Articulatio atlantoaxialis mediana und der Articulatio atlantoaxialis lateralis. Die Drehung des Atlas um den Fortsatz der Axis ermöglicht das „Nein-sagen“ („Nein-Gelenk“).

Aufgrund der fehlenden Zwischenwirbelscheiben ist die Beweglichkeit der Kopfgelenke zwar am umfangreichsten, bedingt dadurch aber eine insgesamt geringere Stabilität als die sich anschließenden Abschnitte der Wirbelsäule. Die Nähe zu lebenswichtigen nervalen und kapillären Strukturen (z.B. Medulla oblongata) erfordert daher eine feste Sicherung aus Bändern. Diese Kopfgelenkbänder sollten Sie kennen:

Band Ursprung Ansatz Funktion
Membrana atlantooccipitalis posterior Atlasbogen posterior Foramen magnum Hemmung,Ventralflexion
Membrana atlantooccipitalis anterior Atlasbogen anterior Foramen magnum Hemmung,Dorsalextension
Membrana tectoria Hinterfläche Axiskörper Clivus des Os occipitale Hemmung,Ventralflexion
Fasciculi longitudinales Hinterfläche Axiskörper Foramen magnum Hemmung,Ventralflexion
Lig. transversum atlantis zwischen den Massae laterales des Atlas zwischen den Massae laterales des Atlas Hemmung,Ventralflexion
Ligg. alaria Dens Hinterhauptkondylen und Foramen magnum Rotationsbegrenzung in Art. atlantoaxialis,Hemmung,Ventralflexion
Lig. apicis dentis Apex dentis Foramen magnum Hemmung,Ventralflexion

(Quelle: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage, Thieme Verlag, S. 225)

Untersuchungsmöglichkeiten der Halswirbelsäule

  • Röntgendiagnostik: Mit Hilfe dieser bildgebenden Diagnostik kann die Knochen- und Gelenkanatomie anhand ihrer Struktur, Form und Stellung beurteilt werden.
  • MRT: Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie können das Rückenmark und osteoligamentare Verletzungen erkannt werden.
  • CT: Die Computertomografie ermöglicht eine genauere Darstellung knöcherner Verletzungen. Durch eine rechnerbasierte Auswertung mehrerer aus verschiedenen Richtungen aufgenommener Röntgenaufnahmen werden Schnittbilder erzeugt.
  • Palpation: Muskuläre oder bindegewebige Einschränkungen können bereits durch ein einfaches „Hand-auflegen“ ertastet werden.

Anatomie und Funktion der Halsorgane

Der Pharynx (Rachen)

Der Pharynx erlaubt es uns, Atemluft, feste Nahrung und Flüssigkeiten in unseren Körper zu transportieren. Er schließt an den hinteren Teil der Mundhöhle (als Verbindung zum Verdauungstrakt) und der Nase (als Verbindung zum Atmungssystem) an. Er ist ein mit Schleimhaut ausgekleideter Muskelschlauch.

diese abbildung zeigt den rachen


Bild: “Pharynx” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Im oberen Teil bildet der Rachen eine feste Nahtstelle mit der Schädelbasis. Der untere Bereich verbindet ihn elastisch mit dem Kehlkopf. Innerhalb des Rachens befinden sich die Wege für die Luft und die Nahrungsaufnahme, die am unteren Ende am Epiglottis (Kehlkopfdeckel) aufgeteilt werden.

Die Wände des Rachenschlauches bestehen aus quer gestreifter Muskulatur. Die Schleimhaut in seinem Inneren hält die Oberfläche stets angefeuchtet.

Beim Aufbau des Rachens unterschieden wird zwischen Oropharynx (Mundrachen), Nasopharynx (Nasenrachen) und Laryngopharynx (Halsrachen):

  • Der Nasopharynx liegt im oberen Bereich des Rachens und zählt noch nicht zum Hals.
  • Der Oropharynx ist ein Teil der Atemwege. Doch hier erfolgt bereits ein Teil des Schluckvorganges bei der Aufnahme von fester Nahrung und von Flüssigkeiten. Im Mundrachen sitzen die paarigen Tonsillae palatinae (Gaumenmandeln). Diese sind, genauso wie die unpaarige Rachenmandel, ein Teil des lymphatischen Systems (Waldeyer-Rachenring) und dienen der Immunabwehr.
  • Der Laryngopharynx (Hals- oder Kehlkopfrachen) stellt den unteren Teil des Rachens dar. Als Halsrachen wird der Abschnitt zwischen dem Os hyoideum (Zungenbein) und dem Larynx (Kehlkopf) beziehungsweise dem Beginn des Ösopharynx (Speiseröhre) benannt. Hier findet der eigentliche Akt des Schluckens statt.

Der Larynx (Kehlkopf)

Der Kehlkopf ermöglicht die Stimmbildung. Außerdem hat er die Funktion den Atemweg vom Ösopharynx zu trennen.

Der Larynx besteht aus einem röhrenförmigen Knorpelgerüst. Er erhält seine Festigkeit dadurch, dass die Knorpelabschnitte durch Muskeln und Bänder miteinander verbunden sind. Der größte Knorpel im Aufbau des Larynx ist der Cartilago thyroidea (Schildknorpel), welcher dem gesamten Kehlkopf die Form eines Dreiecks gibt. Auf dem oberen Rand des Schildknorpels sitzt der Kehldeckel, die Epiglottis.

Die Epiglottis spielt beim Schluckakt eine entscheidende Rolle: Er kann den Kehlkopf verschließen, damit bei der Nahrungsaufnahme keine Bestandteile in die Luftwege geraten können.

Unterhalb des Schildknorpels befindet sich der Cartilago cricoidea (Ringknorpel), welcher die Basis für die paarigen Cartilagines arytaenoidae (Stellknorpel) bildet. Diese sind verantwortlich für die Stellung und Spannung der Stimmbänder (Ligamentum vocale) und damit für die Stimmerzeugung.

Mit Ausnahme der Epiglottis und der Stimmbänder besitzt der gesamte Kehlkopf eine Schleimhaut, welche die Atemluft befeuchtet und von kleinen Staubpartikeln reinigt.

Die Trachea (Luftröhre)

diese abbildung zeigt die luftroehre

Bild: “Trachea” von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

Die Trachea ist ein etwa elf Zentimeter langer Verbindungsschlauch zwischen dem Larynx und dem Bronchialsystem der Lunge. Stabilisiert wird die Luftröhre durch hyaline hufeisenförmige Knorpelspangen, die direkt unterhalb des Cartilago cricoidea beginnen und untereinander durch elastisches Bindegewebe verknüpft sind.

Die Innenauskleidung besteht aus respiratorischem Epithel (Flimmerepithel und Becherzellen). Die Becherzellen sorgen für die Befeuchtung durch eine Sekretion von mukösem Schleim. Flimmerhärchen halten winzige Fremdkörper zurück und befördern diese wieder zurück in Richtung Mund oder Nase. Die Wand der Trachea liegt dorsal dem Ösophagus an.

Der Ösophagus (Speiseröhre)

Der etwa 25 cm lange Muskelschlauch verbindet den Rachen mit dem Magen und dient dem Transport von fester und flüssiger Nahrung. Er beginnt auf Höhe des sechsten Wirbelkörpers der Halswirbelsäule. Der Verlauf im Bereich des Halses ist demnach eher kurz. Topografisch liegt der Ösophagus zwischen der Trachea nach ventral und der Wirbelsäule nach dorsal.

Der gerichtete Transport wird durch die Peristaltik (Eigenbewegung) des Muskelschlauches verstärkt. Die histologisch aus mehreren Schichten zusammengesetzte Speiseröhre wird luminal ebenfalls mit einer Schleimhaut abgeschlossen.

Glandula thyroidea (Schilddrüse)

Unterhalb des Larynx liegend wiegt dieses Organ durchschnittlich 20 Gramm und erinnert in der Form an einen Schmetterling. Die zwei Seitenlappen liegen rechts und links dem paarigen Cartilago thyroidea des Larynx an und sind über eine Gewebebrücke, dem Isthmus, miteinander verbunden. Die Drüsenfollikel sind in Läppchen gegliedert.

diese abbildung zeigt die schilddruese

Bild: “Thyroid Gland” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Hauptfunktion der Schilddrüse besteht in der Produktion der iodhaltigen Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) sowie des Peptidhormons Calcitonins.

An der Rückseite beider Schilddrüsenlappen liegt die Glandulae parythyroideae (Nebenschilddrüse). Hierbei handelt es sich um vier kleine Knötchen, die das Parathormon produzieren, welches am Kalzium- und Phosphathaushalt des Organismus beteiligt ist.

diese abbildung zeigt die nebenschilddruesen

Bild: “Parathyroid Glands” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Überblick über Kopf-Hals-Tumore

Laut den Veröffentlichungen der Deutschen Krebsgesellschaft auf der Plattform Onko Internetportal werden unter dem Begriff „Kopf-Hals-Tumoren“ verschiedene Krebsarten zusammengefasst, die in allen anatomischen Bereichen des Kopf-Hals Bereiches auftreten können.

Auftreten können sie etwa in der Mundhöhle (Mundhöhlenkarzinom), im Rachen (Pharynxkarzinom), im Kehlkopf (Larynxkarzinom), in der Nase, den Nasennebenhöhlen und den äußeren Halsbereichen, insbesondere der Schilddrüse.

Diese Tumore beginnen ihre maligne Entartung meistens an den oberflächlichen Zellschichten (Plattenepithelkarzinom). Seltener sind Adenotumore aus drüsenartigem Gewebe und Sarkome aus Weichteilgewebe.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist der Kehlkopfkrebs mit jährlich 3600 erkrankten Männern und 500 erkrankten Frauen der häufigste Krebs im Kopf-Hals-Bereich. Der durchschnittliche Erkrankungszeitpunkt liegt bei 68 Jahren. Geschätzt wird, dass pro Jahr in Deutschland insgesamt etwa 50 von 100.000 Einwohnern erkranken.

Im Vergleich dazu sind es beim Dick- und Mastdarmkrebs etwa 180 von 100.000 Einwohnern (Frauen und Männer zusammengenommen), beim Brustkrebs, der häufigsten weiblichen Krebserkrankung, 136 von 100.000 Einwohnern und beim Prostatakrebs, der häufigsten männlichen Krebsform 145 von 100.000 Einwohnern.

Die Entstehung maligner Tumoren wird von vielen Faktoren beeinflusst, worunter das Rauchen, regelmäßiger Alkoholgenuss, Umgang mit Schadstoffen (z.B. Asbest, chrom- und nickelhaltige Farben sowie Lacke) und virale Infektionen (z.B. humanes Papillomvirus, HIV) zählen.

Chronische Schleimhautrupturen, UV-und radioaktive Strahlung, schlechte Mundhygiene sowie ein geschwächtes Immunsystem haben hingegen einen schwachen Einfluss.

Krebsvorstufen: Leukoplakien

Krebsvorstufen, sogenannte Präkanzerosen, bilden den Boden bösartiger Tumore. Zu den Präkanzerosen gehören Leukoplakien – auch „Weißschwielenkrankheit“ genannt.

Leukoplakien kommen bevorzugt in der Mundhöhlen-, Rachen- und Kehlkopfschleimhaut vor. Oberflächlich zu sehen sind weiße, nicht abwischbare Bezirke, die durch eine krankhafte Verdickung der äußeren Schleimhautschicht verursacht sind und dazu neigen in bösartige Tumore überzugehen.

Diese weißen Punkte sind zwar oft nicht größer als Stecknadelköpfe aber sollten vom HNO- oder Zahnarzt dennoch gut und frühzeitig zu erkennen sein.

Quellen

Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage (Thieme Verlag)

PROMETHEUS Kopf, Hals und Neuroanatomie, 3. Auflage (Thieme Verlag)

Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie, 3. Auflage (Thieme Verlag)

Fossa retromandibularis via flexikon.doccheck.com

Fossa temporalis via flexikon.doccheck.com

Regio parotideomasseterica via flexikon.doccheck.com

Fossa pterygopalatina via flexikon.doccheck.com

Kranio-zervikaler Übergang und Halswirbelsäule via teaching.thehumanbrain.info

Regio retromandibularis, Glandula parotis, Plexus parotideus via teaching.thehumanbrain.info

 

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Ein Gedanke zu „Kopf-Hals-Anatomie

  • Kruse- Andreasson

    Sehr umfangreich, aber absolut nachvollziehbar.
    Danke!!!