Was von manchen als abgeschlossenes System des Gehirns bezeichnet wird, gilt anderen als ein historisches Artefakt. Das limbische System zieht sich strukturell vom Großhirn übers Zwischenhirn bis ins Mittelhirn. Da die funktionellen und anatomischen Zusammenhänge nach wie vor unklar sind, wird das limbische System beim Lernen gern außen vor gelassen. Um den Überblick zu behalten, finden Mediziner hier die wichtigsten Fakten.
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limbisches system

Bild: “Emotion” von Joe Shlabotnik. Lizenz: CC BY 2.0


Neben den fünf Lappen des Großhirns wird auch das limbische System zum Teil als eigener Hirnlappen bezeichnet. Dieses ist an emotionalen Prozessen beteiligt.

Woher kommt der Begriff?

Das limbische System ist ein Terminus, der eher funktionell als strukturell zu umreißen ist. Gemeint sind Nervenstrukturen, die emotionale und viszerale Prozesse betreffen. Dies ist jedoch nicht ausschließlich so zu verstehen. So werden Emotionen und Triebverhalten noch in vielen weiteren Gehirnzentren be- und verarbeitet.

Es handelt sich eher um eine historische Begrifflichkeit, die Paul Broca im 19. Jahrhundert für diesen Saum (Limbus: lat. Saum) um den Balken herum fand. Dementsprechend unterschiedlich sind die Strukturen, die dem limbischen System zugerechnet werden. Einigkeit besteht bezüglich folgender Strukturen:

Wichtige Strukturen des limbischen Systems

Kortikale Bestandteile
Hippocampus Gedächtnis, Verhalten, Emotion, vegetative Steuerung
Gyrus cinguli vegetative Steuerung, motorischer Antrieb
Gyrus parahippocampalis Gedächtnis, Input von sensorischen Informationen, Weiterleitung
Subkortikale Bestandteile
Mandelkern (Corpus amygdaloideum oder Amygdala) Affektverhalten, emotionales Lernen, vegetative Steuerung, sexuelle Funktionen
Corpus mamillare Gedächtnis, Affektverhalten, Beeinflussung der sexuellen Funktionen

Welche Strukturen umfasst das limbische System?

Diese primär dem Archaeocortex und dem Paleocortex entstammenden Strukturen befinden sich zwischen Neocortex und Hirnstamm. Sie sind in der Nähe des Balkens, des Corpus callosums, zu finden und bilden seinen Saum. Aber auch Teile des Zwischenhirns (insbesondere Thalamus) sind am limbischen System beteiligt.

Die Amygdala ist ein aus mehreren Kernen bestehender Komplex im Temporallappen und ist eng mit limbischen und neokortikalen Strukturen verbunden. Sie soll den Hypothalamus und damit wesentliche vegetative Steuerungsmechanismen beeinflussen. Weiter initiiert sie evolutionär alte Verhaltensprogramme (Flucht- und Angstreaktionen). Auch Lachen und Weinen sind nur im Zusammenhang mit der Amygdala möglich.

Der Hippocampus integriert sensorische und somatosensible Informationen. Dabei spielt er zusammen mit den anderen limbischen Strukturen eine wichtige Rolle für das Abspeichern von Gedächtnisinhalten.

Merke: Das limbische System ist für Emotion, Gedächtnis, Motivation und viszerale Prozesse zuständig. Es integriert Teile des Telencephalons wie des Diencephalons und weiterer Hirnteile. Wichtigste Strukturen sind Amygdala und Hippocampus.

Papez-Neuronenkreis

Ein spezieller, in sich geschlossener Neuronenkreis, der Papez-Neuronenkreis, sorgt für die Übertragung von Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis bzw. für das emotionale Lernen und Erleben.

Heutzutage wird der Begriff des limbischen Systems vielenorts kritisch betrachtet. Weder funktionell noch anatomisch seien diese Hirnregionen genügend gegenüber anderen abzugrenzen. Manche Wissenschaftler verstehen darunter eher so etwas wie das dominierende Zentrum der Gefühle.






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Ein Gedanke zu „Warum das limbische System mehr als das Zentrum der Emotionen ist

  • Mu Schi

    ein sehr gutes und inforeiches System!
    chapeu
    weiter so