Durch Katalysatoren werden chemische Reaktionen beschleunigt und damit der gesamte menschliche Stoffwechsel in Schwung gebracht. Alles über die verschiedenen Biokatalysatoren und ihre Klassifikation finden Sie hier.
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Biochemie-Kurs.

Bild: “ Induced-fit-Modell” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0


Definition von Enzymen

Enzyme sind Biokatalysatoren, welche chemische Reaktionen beschleunigen und somit eine entscheidende Rolle im menschlichen Stoffwechsel spielen. Fast immer bestehen sie aus Proteinen mit einem Molekulargewicht von ca. 10.000 – 100.000 Dalton und werden in der Zelle im Rahmen der Proteinbiosynthese gebildet.

Eine Ausnahme bilden jedoch katalytisch aktive Nukleinsäuren, sogenannte Ribozyme wie die snRNA. Die Stoffe, welche von Enzymen umgesetzt werden, bezeichnet man als Substrate, das Endergebnis sind die Produkte.

Enzyme als Biokatalysatoren

Biokatalysatoren verändern den Reaktionsweg einer chemischen Reaktion nicht, sondern sie beschleunigen die Reaktion indem sie die Aktivierungsenergie herabsetzen. Bei der Umsetzung von Substraten (S) zu Produkten (P) wird das Enzym (E) nicht verbraucht und liegt nach der Reaktion unverändert vor. Den Reaktionsweg kann man vereinfacht folgendermaßen darstellen:

E + S ↔ ES ↔ E + P

Während der Reaktion von Substraten zu Produkten muss ein Übergangszustand überwunden werden, welcher im Vergleich zum energetischen Zustand von Substrat und Produkt ungünstig ist, das heißt eine höhere freie Energie aufweist. Die Aktivierungsenergie ist also die Differenz der freien Energie von Substrat und Übergangszustand.

Um die Aktivierungsenergie zu reduzieren, gehen Enzyme mit Substraten eine Wechselwirkung ein, auch Enzym-Substrat-Komplex (ES) genannt. Dies stabilisiert den Übergangszustand und dessen freie Energie wird erniedrigt. Die Substratbindung findet am aktiven Zentrum des Enzymes statt.

Aktivierungsenergie

Bild: “Activation Energy” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Das aktive Zentrum

Das aktive Zentrum ist ein dreidimensionaler, speziell gefalteter Bereich aus Aminosäuren und ist meist höhlenförmig angeordnet. Innerhalb dieses Zentrums sind die Bedingungen für die chemische Reaktion begünstigt, unter anderem weil die Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens der Reaktionspartner durch Annährung und optimale Orientierung im Raum verbessert ist.

Die Bindung des Substrates an das aktive Zentrum ist nicht kovalent. Die Substratbindung erfolgt durch:

  • Ionische Wechselwirkung
  • Hydrophobe Wechselwirkung
  • Van-der-Waals-Kräfte
  • Wasserstoffbrückenbindungen

Die Substratbindung funktioniert nach dem Induced-fit-Modell, welches besagt, dass das aktive Zentrum nach Substratbindung seine Konformität so ändert, dass es komplementär zum Substrat ist. Früher nahm man an, dass die Konformität des aktiven Zentrum bereits vor Substratbindung bestand und sprach vom Schlüssel-Schloss-Prinzip, diese Ansicht ist jedoch veraltet. 

 Induced-fit-Modell und Schlüssel-Schloss-Prinzip

Bild: “ Induced-fit-Modell” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die 4 Enzymspezifitäten

Diese Spezifitäten unterscheiden die Enzyme als biologische Katalysatoren von den chemischen Katalysatoren (z.B. Platin). Die 4 Spezifitäten von Enzymen sind:

1. Substratspezifität

Das Induced-fit-Modell bildet die Grundlage der Substratspezifität von Enzymen und bedeutet, dass jedes Enzym nur ein spezielles Substrat umsetzen kann, beispielsweise wandelt die Glukokinase der Leber im Rahmen der Glykolyse nur Glucose in Glucose-6-Phosphat um und andere Hexosen nicht.

2. Stereospezifität

Auch die Stereoisomerie spielt eine wichtige Rolle, zum Beispiel kann die Laktatdehydrogenase nur L-Laktat in Pyruvat umwandeln und ihr Spiegelbild D-Laktat nicht. Die Laktatdehydrogenase ist also stereospezifisch bzw. optisch spezifisch.

3. Gruppenspezifität

Reagiert ein Enzym auf eine bestimmte chemische Gruppe (z.B. Aminogruppe), welche sich am Substrat befindet, spricht man von Gruppenspezifität. Dann ist nicht das Substrat an sich entscheidend, sondern die chemische Gruppe, die es trägt.

4.  Wirkungsspezifität

Die Wirkungsspezifität besagt, dass jedes Enzym nur einen bestimmten Reaktionstyp katalysieren kann. Zum veranschaulichen: Das Enzym X katalysiert die Reaktion E + S ↔ ES ↔ E + P, könnte aber die ähnliche Reaktion E + S ↔ ES ↔ E + P1 + P2 nicht katalysieren.

Klassifikation von Enzymen

Aktuell sind mehr als 2000 Enzyme bekannt. Man unterteilt sie in 6 Hauptgruppen, welche wiederum in Unterklassen aufgeteilt werden. Die nachfolgende Tabelle soll helfen einen guten Überblick zu bekommen:

Hauptgruppe

Wichtige Unterklassen + Beispiel

Kurzerläuterung der katalytischen Reaktion

Oxidoreduktasen Dehydrogenasen (Alkoholdehydrogenase), Oxidasen (Xanthinoxidase), Reduktasen (Glutathionreduktase) Übertragung von Reduktionsäquivalenten (1 Mol Elektronen), der Elektronendonor gibt Elektronen ab und wird oxidiert, der Elektronenakzeptor nimmt die Elektronen auf und wird reduziert
Transferasen Aminotransferasen (ASAT/Aspartat-Aminotransferase), Phosphotransferasen (Glykogenphosphorylase) Übertragung ganzer Gruppen z.B. Aminogruppen
Hydrolasen Esterasen (Acetycholinesterase), Peptidasen/Proteasen (α-Amylase) Molekülabspaltung unter Wasseranlagerung = hydrolytische Spaltung
Lyasen C-C-Lyasen (Aldolase), C-O-Lyasen (Fumarase) Auch Synthasen genannt, keine hydrolytische Spaltung unter Einführung von Doppelbindungen, unabhängig von Energiequellen wie ATP
Isomerasen cis-trans-Isomerasen (PPI/Peptidyl-Prolyl-cis-trans-Isomerase) Umwandlung isomerer Moleküle ineinander ohne Veränderung der Summenformel
Ligasen C-C-Ligasen (Pyruvatcarboxylase), C-N-Ligasen (Glutaminsynthetase) Auch Synthetasen genannt, energieabhängige Knüpfung von Verbindungen, d.h. abhängig von Stoffen wie ATP

Isoenzyme – gleiche Reaktion, andere Struktur

Einige Enzyme katalysieren die gleiche Reaktion, unterscheiden sich jedoch trotzdem geringfügig in ihrem strukturellen Aufbau. Solche Enzyme werden als Isoenzyme bezeichnet. Ihre Aminosäuresequenz ist also unterschiedlich, da sie von unterschiedlichen Genen kodiert werden.

In der Medizin spielen sie eine wichtige Rolle, da verschiedene Isoenzyme typisch für bestimmte Organe sind und somit Rückschlüsse auf Pathologien geben können. Ist ein Isoenzym im Blut erhöht, so kann es ein wertvoller diagnostischer Parameter zur Detektion einer Erkrankung sein.

Das bekannteste Beispiel ist wohl die Creatinkinase (CK). Sie besteht aus 2 Untereinheiten, dem M-Typ (muscle) und B-Typ (brain) und besitzt 3 Isoformen. So lässt zum Beispiel eine Erhöhung der Isoform CK-MB Rückschlüsse auf einen Herzinfarkt zu, da sie vorallem im Herzmuskel lokalisiert ist.

Ein weiteres Beispiel wäre die Laktatdehydrogenase (LDH). Sie besteht aus vier Untereinheiten, die sich zusammensetzen aus dem H-Typ (heart) und M-Typ (muscle). So findet man im Herzmuskel das Isoenzym LDH1 was aus 4 H-Untereinheiten besteht, wohingegen man im Skelettmuskel das Isoenzym LDH5 mit 4 M-Untereinheiten antrifft.

Coenzyme und prosthetische Gruppen

Oftmals sind Enzyme jedoch auf Hilfsmoleküle angewiesen, sogenannte  Coenzyme oder Cosubstrate, ohne die eine Reaktion nicht katalysiert werden könnte. Diese Helfer können:

  1. fest an das Enzym gebunden sein und heißen dann prosthetische Gruppe.
  2. löslich vorliegen.

Die Aufgabe besteht darin, das Enzym zu unterstützen, indem sie beispielsweise zu übertragende Elektronen kurzzeitig übernehmen. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Coenzyme:

Coenzym Funktion Beispiel
NAD+/NADP+ Übertragung von 2e und 1H+ Malatdehydrogenase
FAD Übertragung von 2e und 2H+ Succinatdehydrogenase
Liponamid Übertragung von 2e und 2H+ Pyruvatdehydrogenase
Coenzym Q/Ubichinon Übertragung von 2e und 1H+ Atmungskette
Cytochrome Übertragung von 1e Atmungskette
Biotin Übertragung von Carboxylgruppen Pyruvatdecarboxylase
Tetrahydrofolat (THF) Übertragung von C1-Gruppen Purinsynthese
Coenzym A (CoA) Übertragung von Akylresten α-Ketoglutarat-Dehydrogenase
Thiaminpyrophosphat Übertragung von Hydroxyalkylresten Pyruvatdehydrogenase

Einige Enzyme wie die α-Ketoglutarat-Dehydrogenase des Citratzyklus benötigen gleich mehrere Coenzyme, hier beispielsweise neben CoA auch Thiaminpyrophosphat, Liponamid, FAD und NAD+.

Kinetik der Enzyme

Die Enzymkinetik beschreibt den Ablauf enzymkatalysierter Reaktionen in Abhängigkeit verschiedener Parameter.

Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Temperatur

Hier sollte man sich folgende Faustregel merken: Die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppelt sich pro 10 Grad Temperaturerhöhung. Dies kann natürlich nur innerhalb eines begrenzten Rahmen stattfinden, da Enzyme ein Temperaturoptimum besitzen und bei zu hohen Temperaturen denaturieren.

Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit vom pH-Wert

Eine Faustregel wie bei der Abhängigkeit von der Temperatur gibt es hier leider nicht. Man sollte jedoch wissen, dass Enzyme ein pH-Optimum haben und Veränderungen des pH-Wertes dazu führen, dass funktionelle Gruppen des Enzyms selbst als auch von ihrem Substrat verändert werden.

Dies führt zu Änderungen der Raumstruktur, sodass die Bindung an das aktive Zentrum verbessert bzw. verschlechtert wird. Bei stärkeren pH-Veränderungen kann es sogar zur Denaturierung des Enzyms kommen. Die Enzyme des Magens stellen hier eine Besonderheit dar: Pepsin beispielsweise arbeitet effektiv bei einem pH von etwa 2, hier würden andere Enzyme längst denaturieren.

Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Substratkonzentration

1. Michaelis-Menten-Modell

Michaelis-Menten-Diagramm

Bild: “Michaelis-Menten-Diagramm” von Yikrazuul. Lizenz: Public Domain

Zur Erklärung hat sich das Michaelis-Menten-Modell etabliert. Trägt man in einem Diagramm die Reaktionsgeschwindigkeit der Reaktion E + S ↔ ES ↔ E + P gegen die Substratkonzentration auf, so ergibt sich eine hyperbolische Kurve, welche sich der Maximalgeschwindigkeit vmax annähert.

Ein simples Beispiel zum leichteren Verständnis der Grafik: Hat man 5 Enzyme und gibt 0 Substrate hinzu, so ist die Reaktionsgeschwindigkeit null, da nichts zum Umsetzen vorhanden ist. Gibt man nun allmählich immer mehr Substrat hinzu, so nähert sich die Reaktionsgeschwindigkeit der Maximalgeschwindigkeit an. Sind alle 5 Enzyme mit Substraten besetzt, spricht man von Substratsättigung und die Maximalgeschwindigkeit ist erreicht.

Ein wichtiger Begriff ist in diesem Zusammenhang die Michaelis-Menten-Konstante (KM), sie entspricht der Substratkonzentration bei halbmaximaler Geschwindigkeit (½ vmax). Zu diesem Zeitpunkt sind also die Hälfte aller Enzyme mit Substrat besetzt, d.h. befinden sich in einem Enzym-Substrat-Komplex. Die Michaelis-Menten-Konstante gibt somit die Affinität eines Enzyms zu seinem Substrat an und ist für den jeweiligen Enzym-Substrat-Komplex charakteristisch.

Merke: KM-Wert hoch → Affinität gering und KM-Wert niedrig → Affinität groß

Zur Erklärung: Ist der KM-Wert niedrig, so bedeutet dies, dass die halbmaximale Geschwindigkeit bereits bei geringer Substratkonzentration vorliegt und das Enzym somit stark affin für dieses Substrat ist. Ist der KM-Wert dagegen groß, so wird die halbmaximale Geschwindigkeit erst erreicht, wenn das Angebot an Substraten größer ist, da das Enzym weniger affin für das Substrat ist. Folglich: Je kleiner KM ist, desto stärker nimmt die Reaktionsgeschwindigkeit mit der Substratkonzentration zu.

Die Michaelis-Menten-Konstante ist abhängig von Temperatur und pH-Wert, aber unabhängig von der Enzymkonzentration.

Zur Berechnung der Reaktionsgeschwindigkeit enzymkatalysierter Reaktionen in Abhängigkeit von der Substratkonzentration nutzt man die Michaelis-Menten-Gleichung. Diese lohnt sich durchaus zu merken für das Physikum! Sie lautet:

Michaelis-Menten-Gleichung

Nun gibt es 3 Möglichkeiten:

  1. Die Substratkonzentration S ist deutlich geringer als KM. In diesem Falle kann man die Addition von S zu KM vernachlässigen, da dies den Wert im Nenner nicht maßgeblich erhöhen würde und man erhält die Gleichung: v = vmax · [S]/KM
  2. Die Substratkonzentration ist gleich KM. In diesem Falle kann man den Nenner KM + [S] zu 2 · [S] zusammenfassen, sodass die Gleichung nun v = vmax · [S]/2[S] lautet und sich dies kürzen lässt zu v = ½ vmax
  3. Die Substratkonzentration ist deutlich höher als KM. In diesem Falle kann man im Nenner nun KM bei der Addition vernachlässigen, sodass die Gleichung v = vmax · [S]/[S] entsteht und sich der Bruch rauskürzt zu v = vmax. Denn bei sehr hohen Substratkonzentrationen liegt Substratsättigung vor und die Maximalgeschwindigkeit wird erreicht.

2. Lineweaver-Burk-Diagramm

Lineweaver-Burk-Diagramm

Bild: “ Lineweaver-Burk-Diagramm” von Pro bug catcher. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Auch dieses Diagramm sollte für das Physikum bekannt sein. Es ist lediglich eine andere Darstellung der Reaktionsgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Substratkonzentration. Durch komplizierte Umformung der Michaelis-Menten-Gleichung ergibt sich eine typische Geradengleichung wie y = mx + n. Sie lautet:

Geradengleichung

Merke: Mit Hilfe des Lineweaver-Burk-Diagramm kann man sowohl KM als auch vmax direkt ablesen. Dabei entspricht -1/KM dem Schnittpunkt mit der Abszisse und 1/vmax dem Schnittpunkt mit der Ordinate.

Regulation von Enzymen

Der menschliche Körper ist durch Regulation von Enzymen in der Lage Stoffwechselprozesse anzukurbeln oder zu drosseln. Diese Regulation kann lang- oder kurzfristiger Art sein.

Kurzfristige Regulationsmechanismen sind:

  • Kompetitive Hemmung
  • Nicht-kompetitive Hemmung
  • Unkompetitive Hemmung
  • Interkonversion
  • Allosterische Regulierung.

Zu den langfristigen Regulationsmechanismen gehören dagegen:

  • Gesteigerte Synthese von benötigten Enzymen
  • Gesteigerter Abbau von nicht benötigten Enzymen

 Die Inhibition von Enzymen

Inhibition von Enzymen

Bild: “Inhibition von Enzymen” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Man unterscheidet 3 Arten der Enzyminhibition:

Bei der kompetitiven Hemmung ähnelt der Inhibitor dem Substrat und konkurriert somit mit diesem um die Bindungsstelle am aktiven Zentrum des Enzyms. Der Inhibitor bindet am aktiven Zentrum und blockiert somit diese Bindungsstelle. Der KM-Wert steigt, da nun eine erhöhte Substratkonzentration nötig ist, um die halbmaximale Geschwindigkeit zu erreichen.

Vmax wird jedoch nicht verändert. Durch Substratüberschuss lässt sich der Inhibitor aus der Bindung verdrängen, daher ist diese Inhibition reversibel. Bsp.: ACE-Hemmer, Curare

Bei der nicht-kompetitiven Hemmung muss der Inhibitor keine Substratähnlichkeit aufweisen, da er außerhalb des aktiven Zentrum an das Enzym bindet und dieses hemmt. Das Substrat kann also weiterhin an das aktive Zentrum binden, wird aber aufgrund der zusätzlichen Bindung des Inhibitor nicht umgesetzt, das heißt die Anzahl der funktionsfähigen Enzym-Substrat-Komplexe sinkt.

Damit sinkt Vmax und KM bleibt gleich. Ein Substratüberschuss verdrängt den Inhibitor nicht. Die nicht-kompetitive Hemmung kann reversibel oder irreversibel sein. Bsp.: Acetylsalicylsäure (irreversibel)

Die unkompetetive Hemmung ist eine seltene Form der Enzymhemmung und gekennzeichnet durch spezifische Bindung an den Enzym-Substrat-Komplex. Der Inhibitor bindet ebenso außerhalb des aktiven Zentrum, allerdings erst, wenn bereits der Enzym-Substrat-Komplex entstanden ist. Folge ist eine reversible Konformationsänderung und damit Inaktivierung des Enzyms. KM und vmax werden vermindert.

Allosterische Effekte

Allosterische Effekte

Bild: “Allosterische Effekte” von Philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Allosterische Regulation ist die häufigste Regulationsform und findet mit Hilfe von allosterischen Liganden/Effektoren statt. Diese binden außerhalb des aktiven Zentrum an das Enzym und zwar an das allosterische Zentrum. Dies führt zur Konformationsänderung und damit Aktivierung oder Inaktivierung des Enzyms.

Bei allosterischen Enzymen unterscheidet man 2 Zustandsformen: die inaktive T-Form (tensed) und die aktive R-Form (relaxed). Allosterische Inhibitoren stabilisieren also die T-Form und allosterische Aktivatoren stabilisieren die R-Form. Oftmals stellt das Substrat selbst einen allosterischen Aktivator dar, was Sinn macht, denn das Substrat fördert damit den R-Zustand für seine eigene Umsetzung.

Je nach Art des allosterischen Effektor wird die Maximalgeschwindigkeit oder der KM-Wert verändert. Effektoren vom v-Typ erhöhen/erniedrigen die Maximalgeschwindigkeit und Effektoren vom k-Typ beeinflussen den KM-Wert. Jedoch ist die Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Substratkonzentration bei allosterischen Enzymen nicht hyperbol, sondern sigmoid.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass allosterische Enzyme meist aus mehreren Untereinheiten bestehen und somit mehrere aktive Zentren haben, sodass die Bindung des ersten Substrates, welches gleichzeitig auch allosterischer Aktivator ist, die Bindung des zweiten Substrates erleichtert. Man nennt diesen Effekt auch positive Kooperativität.

Erschwert die Bindung des ersten Substrates jedoch die Bindung des zweiten Substrates, spricht man von negativer Kooperativität. Kooperativität findet sich jedoch nicht nur bei Enzymen, sondern u.a. auch beim Hämoglobin.

Interkonversion

Enzyme können auch durch Interkonversion reguliert werden. Darunter versteht man, dass dem Enzym bestimmte Gruppen (z.B. ein Phosphatrest) angefügt oder abgezweigt werden und sich dadurch der Aktivitätszustand des Enzyms verändert. Die Phosporylierung des Enzyms übernehmen Kinasen und die Dephosphorylierung Phosphatasen.

Enzymdefekte und deren Auswirkung

Phenylketonurie

Enzyme können in ihrer Aktivität eingeschränkt sein oder komplett ausfallen, da beispielsweise ein genetischer Defekt vorliegt. Eine solche Enzymdefekterkrankung stellt beispielsweise die Phenylketonurie (PKU) dar. Hier ist das Enzym Phenylalanin-Hydroxylase defekt, sodass Phenylalanin nicht in Tyrosin umgewandelt werden kann.

Die Anhäufung von Phenylalanin führt zur Entstehung neurotoxischer Stoffe, sodass unbehandelt ab dem 4. Lebensmonat eine geistige Retardierung mit erhöhter Krampfneigung die Folge ist. Therapie der Wahl stellt phenylalaninarme Diät dar. Wird diese bereits im Säuglingsalter begonnen, kann die geistige Retardierung vollständig verhindert werden.

Myasthenia gravis

Patient mit Myasthenia Gravis

Bild: “Patient mit Myasthenia Gravis” von Philschatz. Lizenz: Public Domain

Manchmal möchte man jedoch auch die enzymatische Aktivität gezielt therapeutisch einschränken. Zum Beispiel bei der Erkrankung Myasthenia gravis, die sich in einer erhöhten Muskelermüdbarkeit zeigt.

Bei der Erkrankung richten sich Autoantikörper gegen die Acetylcholinrezeptoren der muskulären Endplatte und blockieren diese. Deshalb verabreicht man Acetylcholinesterase-Hemmer wie Pyridostigmin, damit der Abbau des Transmitters Acetylcholin  im synaptischen Spalt reduziert wird und somit länger und in höherer Konzentration an der muskulären Endplatte vorliegt, um dort Endplattenpotentiale auszulösen.

Beliebte Prüfungsfragen zum Thema Enzyme

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Welche Aussage ist nicht richtig? Die Substratbindung erfolgt über…

  1. van-der-Waals-Kräfte.
  2. Atombindung.
  3. Wasserstoffbrückenbindung.
  4. hydrophobe Wechselwirkung.
  5. ionische Wechselwirkung.

2. Welche Aussage ist falsch?

  1. Oxidoreduktasen übertragen Reduktionsäquivalenten.
  2. Hydrolasen spalten Moleküle unter Wasseranlagerung ab.
  3. Ligasen knüpfen energieunabhängig Verbindungen.
  4. Aminotransferasen übertragen Aminogruppen.
  5. Lyasen spalten energieunabhängig Verbindung durch Einführung von Doppelbindungen.

3. Welche Aussage zur allosterischen Regulation ist richtig?

  1. Allosterische Effektoren wirken stets aktivierend.
  2. Allosterische Enzyme sind in der T-Form aktiv.
  3. Allosterische Effektoren beeinflussen nie den KM-Wert.
  4. Allosterische Regulation tritt nur selten auf.
  5. Oftmals sind die Substrate selbst allosterische Liganden.

Quellen

Königshoff, Brandenburger: Kurzlehrbuch Biochemie, 3. Auflage, Thieme-Verlag

Fung, Althaus, Fischer: Fakten 1. ärztliche Prüfung, 1. Auflage, Urban & Fischer

Prüfungswissen Physikum, Auflage 2009, Thieme-Verlag

Rassow, Hauser, Netzker, Deutzmann: Duale Reihe Biochemie, 2. Auflage, Thieme-Verlag

H. Curth: MEDI-LEARN Skriptenreihe Biochemie 2, 2. Auflage, MEDI-LEARN Verlag

Lösungen zu den Fragen: 1B, 2C, 3E



So bekommen Sie bessere Noten im Medizinstudium!

Verbessern Sie Ihre Prüfungsergebnisse! Lernen Sie mit dem kostenlosen Lerncoaching für Mediziner:

Effektive Lerntechniken

Individuelle Hilfestellungen

Anwendungsbeispiele für den Alltag

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *