Der Club 27 mit u.a. Jim Morrison, Janis Joplin und Jimi Hendrix wird von einigen Psychiatern mit dem Borderline-Syndrom in Verbindung gebracht: Selbstdestruktives Verhalten, Gefühl der inneren Leere, extreme Stimmungsschwankungen und suizidale Handlungen. 

Wer schon einmal eine Famulatur oder sein PJ-Tertial in der Psychiatrie gemacht hat, weiß, dass dies Hauptsymptome sind, unter denen Patienten mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung leiden. Zwei Formen werden hierbei unterschieden: Impulsiver Typus und Borderline-Typus. Wie sieht das klinische Bild des Borderline-Patienten aus? Was sollte jeder Mediziner wissen, auch wenn er Unfallchirurg statt Psychiater werden will? Verschaffen Sie sich einen Überblick!

Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Psychiatrie-Kurs.

auf-diesem-bild-ist-ein-graffiti-von musikern.png

Bild: “Psychedelic Haight Street Mural; Joplin, Hendrix, Garcia” von Tony Fischer. Lizenz: CC BY 2.0


Fallbeispiel

Eine 26-jährige Patientin berichtet Ihnen über seit dem 17. Lebensjahr bestehende, häufige stark ausgeprägte Stimmungsschwankungen. Das Leben komme ihr leer und sinnlos vor, sie fühle sich aufgefressen von Selbstzweifeln und habe wiederholte Suizidgedanken. Partnerschaften erlebe sie zwar sehr intensiv, doch alles würde ihren Bemühungen zum Trotz wieder in einem Scherbenhaufen aus Enttäuschungen enden.

Mittels Alkohol und Benzodiazepinen habe sie versucht, „diese Hölle zu vergessen“, was wiederholt zu Aufnahmen in der Notfallambulanz geführt habe. Bei der körperlichen Untersuchung fallen Ihnen zahlreiche superfizielle Hautveränderungen an beiden Unterarmen auf, die sie als Narben von Schnitt- und Brandverletzungen identifizieren.

Definition und Genese

Der Begriff „Borderline“ (= „Grenzlinie“) ist auf die frühere Klassifikation in neurotische und psychotische Erkrankungen zurückzuführen und dementsprechend dazwischen angesiedelt worden. Die genaue Genese ist wie bei vielen psychiatrischen Erkrankungen unklar, von Traumata in Kindheit und Jugend ist bei zwei Dritteln der Erkrankten auszugehen. Dazu gehört vor allem sexueller Missbrauch. Diskutiert wird auch eine Störung im Dopaminsystem.

Etwa 75 % der betroffenen Patienten sind Frauen.

Diagnostische Kriterien

Nach ICD-10 müssen folgende Kriterien zur Diagnose der Borderline-Störung erfüllt sein:

Emotional instabile Persönlichkeitsstörungen (3 von 5 Kriterien müssen zutreffen)

  • Emotionale Ausbrüche
  • Handeln ohne Berücksichtigung der Konsequenzen
  • Launenhaftigkeit („Alles-oder-Nichts-Denken“)
  • Mangelnde Impulskontrolle, Neigung zu Ausbrüchen von Wut und Gewalt
  • Konfliktsuche und Streitsucht

Borderline-Typus (2 von 5 Kriterien müssen zutreffen)

  • Chronisches Gefühl von Leere
  • Intensive, aber unbeständige Beziehungen
  • Störungen des Selbstbilds, der Ziele und inneren Präferenzen
  • Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten (autoaggressive Verletzungen) und/oder entsprechenden Drohungen
  • Angst vor dem Verlassen werden und übertriebene Bemühungen, dies zu vermeiden

Nicht jeder, der temporär unter den genannten Kriterien leidet, ist sofort als „Borderliner“ zu klassifizieren. Gerade bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen kommt dies oft einer „Sinnkrise“ gleich, oft in Verbindung mit Drogenabusus.

Symptome

Die Hauptsymptome werden im obigen Fall gut zusammengefasst. Selbstverletzendes Verhalten, Parasuizidalität und Suizidalität um innerlich empfundene Spannungszustände abzubauen, sind kennzeichnend für die Borderline-Störung. Zudem besteht meist eine Störung des Selbstbildes, das von Betroffenen als negativ wahrgenommen wird. Depressionen sind nicht selten und führen zum Gefühl der inneren Leere. Die Gefahr einer Substanzabhängigkeit ist entsprechend hoch. Suchtmittel sind vor allem Alkohol, Benzodiazepine und Opiate.

Innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen agieren Borderline-Patienten häufig ambivalent: Ein Wechselspiel aus Nähesuchen und Zurückstoßen ist typisch. Das sexuelle Verlangen kann massiv gesteigert sein und polyorientiert ausgelebt werden.

Komorbiditäten, die im Zusammenhang mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung gehäuft beobachtet werden, sind Angststörungen, Zwangsstörungen, dissoziative Störungen und Essstörungen (Anorexie, Bulimie).

Therapie

Dialektisch-behaviorale Therapie: Marsha Linehan hat die dialektisch-behavioriale Therapie auf der Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie und Zen-Meditation speziell für den Borderline-Typus geschaffen. Diese Einzel- oder Gruppentherapie hat fünf Angriffspunkte, an denen gearbeitet wird:

  • Innere Achtsamkeit
  • Emotionsregulation
  • Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Stresstoleranz
  • Zwischenmenschliche Fähigkeiten

Medikamentöse Therapie: SSRIs können bei Angst-/Zwangsstörungen und depressiven Verstimmungen eingesetzt werden, Antipsychotika bei wahnhaften Symptomen.

Da ein sehr hohes Suchtpotential besteht, sollte auf Benzodiazepine verzichtet werden!

Quellen

AMBOSS, MIAMED GmbH

 



So bekommen Sie bessere Noten im Medizinstudium!

Verbessern Sie Ihre Prüfungsergebnisse! Lernen Sie mit dem kostenlosen Lerncoaching für Mediziner:

Effektive Lerntechniken

Individuelle Hilfestellungen

Anwendungsbeispiele für den Alltag

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *