Hätten wir nur einige wenige Gelenke zwischen den Knochen, wie würde das Leben wohl aussehen? In der Disco tanzt jeder im Roboterstyle, die Mütter müssten ihre Kinder nicht mehr ermahnen, gerade zu sitzen und wäre das Schreiben und Zeichnen überhaupt möglich? Zum Glück braucht man darüber nicht länger nachdenken und kann sich der Frage widmen: Wie tragen Gelenke zu unserer Beweglichkeit bei?
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Kurs zur makroskopischen Anatomie.

Gelenk

Bild: “Camp crafts – jumping jacks” von Sarah Joy. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Synarthrosen: Die Füllung zwischen den Knochen

Damit sich Knochen geschmeidig gegeneinander bewegen können ohne dass ständige Reibung den Knochen abnutzt, bedarf es einer Verbindungsstruktur. Es werden dabei Synarthrosen, die unechten, von den Diarthrosen, den echten Gelenken unterschieden.

Bei Synarthrosen befindet sich zwischen den Knochen ein Füllgewebe, wobei es sich bei der Junctura (lat. für Gelenk) fibrosa um Bindegewebe und bei der Junctura cartilaginea um Knorpelgewebe handelt. Sie können nochmals untergliedert werden:

Junctura fibrosa:

  • Syndesmosis: kollagenes oder elastisches Bindegewebe
  • Sutura: Rückbildung des Bindegewebes im Laufe des Lebens
  • Schindylesis: Einsenken eines Knochenkamms in eine bestehende Vertiefung
  • Gomphosis: Verbindung zwischen Zahnwurzel und den Alveolen

Junctura cartilaginea:

  • Synchondrosis: aus hyalinem Knorpel
  • Symphysis: aus Faserknorpel

Als 3. Form ist außerdem die Junctura ossea abzugrenzen, die sich durch Verknöcherung der vormals bindegewebigen Verbindung auszeichnet.

Diarthrosen: Gelenke mit Gelenkspalt

Bei Diarthrosen (Synonyme: Junctura synovialis, Articulatio) ist im Gegensatz zu den unechten Gelenken ein Gelenkspalt (oder -höhle) vorhanden. Im Allgemeinen wird dieser durch 2 Gelenkkörper begrenzt, das Caput articulare (Gelenkkopf) und die Fossa articularis (Gelenkpfanne). Die tatsächlich aufeinander liegenden Flächen werden Facies articularis genannt und sind i.d.R. mit hyalinem Knorpel überzogen. Ausnahmen bilden das Kiefergelenk und die Articulatio sternoclavicularis, die Faserknorpel nutzen.

Der Gelenkknorpel besitzt einen hohen Anteil an Proteoglykanen, die eine gute Wasserbindungskapazität haben. Bei Belastung wird die enthaltene Flüssigkeit abgegeben und verdrängt, aber nicht komprimiert, sodass sich eine Art Wassersäule bildet. Sie übt hydrostatischen Druck auf die darunter liegende Fläche aus und sorgt so für eine gleichmäßige Druckverteilung.

Über tangential angeordnete kollagene Fibrillen zwischen Knorpel- und Knochengewebe werden darüber hinaus Scherkräfte abgefangen. Die nur wenige Millimeter dünne Knorpelschicht trägt jedoch kaum zur Federung und Stoßdämpfung bei.

Der mit Flüssigkeit gefüllte Spalt und die artikulierenden Körper werden abgrenzend von einer Gelenkkapsel luftdicht umschlossen. Diese besteht aus 2 Schichten: Die Membrana fibrosa liegt außen an und geht in das Periost des Knochens über. Sie verleiht durch das straffe Bindegewebe Festigkeit und vermittelt die Tiefensensibilität durch zahlreiche Nervenendigungen.

So kann man sich auch bei geschlossenen Augen der Stellung der Extremitäten bewusst werden. Anders als diese kann die innere Membrana synovialis Zotten und Falten zur Oberflächenvergrößerung aufwerfen und ist relativ zellreich. Dazu zählen Typ A- und Typ B-Synoviozyten.

Letztere produzieren die Synovialflüssigkeit, die in den Gelenkspalt abgegeben wird. Neben der Schmierfunktion und der Reduktion von Reibung dient sie der Ernährung des Knorpels. Gleichzeitig besteht eine Filterbarriere zwischen Knorpel und Synovialflüssigkeit, die Lamina splendens. Sie ist mit Glykoproteinen durchsetzt und soll Zellorganellen im Spalt zurückhalten.

Hilfsstrukturen der Gelenke

Wenn die Gelenkflächen inkongruent sind, werden Zwischenscheiben benötigt, um das Unpassende wieder passend zu machen. Dabei unterscheidet man Disci (Einzahl: Diskus), die keinen direkten Kontakt zwischen Gelenkkopf und -pfanne mehr zulassen, und Meniski (Einzahl: Meniskus), die sichel- oder ringförmig sind, die Gelenkflächen also nicht komplett bedecken.

Ein Labrum articulare ist eine Gelenklippe, die die Pfanne ein wenig vergrößern soll. So kann das Caput articulare besser umfasst und die Stabilität erhöht werden.

Aus demselben Grund können Gelenke von einem Ligamentum aus sehr dichten, kollagenen Fasern gestärkt werden.

Um auch die Reibung zwischen Muskeln, Sehnen und Knochen zu minimieren, können Schleimbeutel dazwischen eingebaut sein. Es handelt sich um Gewebesäcke mit Synovialflüssigkeit, die mit dem Gelenkspalt in Verbindung stehen können. Man spricht dann von einer kommunizierenden Bursa, andernfalls von nicht-kommunizierenden Bursae.

Wie lässt sich die Beweglichkeit von Gelenken messen

Zur Vergleichbarkeit und Beurteilung der Beweglichkeit eines Gelenks, beispielsweise nach Sportunfällen, werden für eine Bewegungsrichtung 3 Winkelangaben gemacht. Physiologischer Weise ist die mittlere Zahl 0°. Sie kennzeichnet die Position des Gelenks in der sog. Neutral-Null-Stellung, d.h. der Mensch steht aufrecht mit herabhängenden Armen. Im Vergleich dazu sind bei der anatomischen Normalposition die Hände und Arme nach vorn gedreht.

Der Freiheitsgrad bezeichnet die Anzahl der Achsen, um die sich das Gelenk bewegen kann.

Nur einen Freiheitsgrad besitzen

  • planare Gelenke
  • Scharnier- und
  • Radgelenke.

Zwei senkrecht zueinander stehende Bewegungsachsen finden sich bei der

  • Articulatio ellipsoidea (Eigelenk)
  • Articulatio sellaris (Sattelgelenk)
  • Articulatio bicondylis (2 Gelenkrollen mit unterschiedlicher Krümmung)

Als dreiachsige Gelenke bezeichnet man eigentlich solche, die mehr als 3 Freiheitsgrade besitzen. Diese werden jedoch vereinfacht auf 3 Bewegungsebenen reduziert:

  • Articulatio sphaeroidea (Kugelgelenk)
  • Enarthrosis (Nussgelenk) als besondere Form des Kugelgelenks. Hier wird der Gelenkkopf über seinen Äquator hinaus von der Gelenkpfanne umschlossen.

Für die Bewegungsrichtungen gibt es folgende Begriffe und Begriffspaare:

  • Flexion: Beugung (z.B. im Ellenbogen) / Extension: Streckung
  • Anteversion: Wegführen der Extremität vom Körper nach vorn (z.B. Arm heben) / Retroversion: Wegführen der Extremität vom Körper nach hinten
  • Elevation: Anheben des Armes über 90° (Sonderform)
  • Adduktion: Heranführen in der Frontalebene / Abduktion: Wegführen in der Frontalebene
  • Innenrotation: Einwärtsdrehung / Außenrotation: Auswärtsdrehung
  • Zirkumduktion: Umführbewegung (z.B. Arm kreisen)


Jetzt die allgemeinen Grundlagen der Anatomie lernen!

Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen leicht &
verständlich die Anatomie Grundlagen auf.


Knochen, Gelenke und Muskeln

Gefäße und Gefäßsystem

Nerven und Nervensystem

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *