In der Schwangerschaft ist eine Entartung des Embryo-umhüllenden Gewebes möglich. Typische Manifestationsformen sind die Blasenmole und das Chorionkarzinom. Diese Tumoren sind schwierig zu diagnostizieren und legen den Nachweis von beta-HCG zugrunde. Die Therapie enthält die vollständige Entfernung der Raumforderung. Im Folgenden werden die Tumoren näher beschrieben.
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Blasenmole im axialen Computertomographiebild

Bild: “Blasenmole im axialen Computertomographiebild” von Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Die Blasenmole

Definition der Blasenmole

Blasenmole im sagittalen Computertomographiebild

Bild: “Blasenmole im sagittalen Computertomographiebild” von Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Blasenmole entspricht einer hydropischen Entartung der plazentaren Chorionzotten. Die Vaskularisation der entarteten Zotten ist vermindert und kann sogar komplett fehlen. Es gibt zwei verschiedene Formen der Blasenmole, zum einen die vollständige Blasenmole und zum anderen die partielle.

Fetale Anteile sind bei der vollständigen Blasenmole nicht enthalten. Hydropische Trophoblastenveränderungen und fetale Anteile mit dem Nachweis eines Embryos sind bei der partiellen Form vorhanden.

Epidemiologie der Blasenmole

In Ländern wie Südostasien oder China ist das Auftreten einer Blasenmole etwa 20-mal so häufig wie in den USA oder in Europa. Jedoch sind auch Frauen unter 20 Jahren oder über 40 Jahren im Allgemeinen deutlich häufiger betroffen.

Ätiologie der Blasenmole

Die tumoröse Veränderung entsteht aufgrund einer defekten Keimanlage mit dem Verlust des genetischen Materials der Mutter. Der väterliche Chromosomensatz ist verdoppelt (häufig in Form einer XX-Konstellation). Bei partiellen Blasenmolen liegen häufig triploide Chromosomensätze vor.

Pathogenese der Blasenmole

Histologisches Bild einer Blasenmole. HE-Färbung

Bild: “Histologisches Bild einer Blasenmole. HE-Färbung” über Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei der Blasenmole entstehen hydropische bzw. flüssigkeitsgefüllte Zotten. Diese sind meistens haselnussgroß und über kleine Stiele miteinander verbunden. Da die Zotten im Rahmen der Proliferation kaum vaskularisiert sind, resultiert eine mangelnde Blut- und Sauerstoffversorgung. Diese Situation macht den Embryo nicht mehr lebensfähig.

Aufgrund der Proliferation des Trophoblasten wird vermehrt beta-HCG freigesetzt, sodass eine höhere Konzentration des Hormons im Serum nachweisbar ist als sonst üblich.

Klinik der Blasenmole

In der Frühschwangerschaft lassen sich vaginale Blutungen feststellen. Damit ist die Blasenmole eine wichtige Differentialdiagnose für Blutungen während der Schwangerschaft. Dabei gibt es die Besonderheit, dass sich im blutigen Abgang wasserhelle Bläschen finden lassen.

Aufgrund der übermäßigen Produktion von beta-HCG bilden sich an den Ovarien Luteinzysten aus. Unspezifische Symptome wie einer Hyperemesis gravidarum und Übelkeit sind auch möglich.

Diagnostik der Blasenmole

In der Regel liegt eine Diskrepanz zwischen Uterusgröße und Gestationsalter vor. Dementsprechend ist der Uterus deutlich zu groß. Sonografisch sieht der Untersucher unregelmäßige echoarme (= zystische) und echoreiche (= solide) Anteile.

Bei der vollständigen Blasenmole sind keine fetalen Anteile nachweisbar und bei der partiellen werden Anomalien sichtbar. Diese können zum Beispiel eine Wachstumsretardierung oder andere Fehlbildungen sein. Einen wichtigen Befund stellt auch ein stark erhöhtes beta-HCG im Serum dar und ist quantitativ etwa doppelt so hoch als bei einer normalen Schwangerschaft. Es entspricht dem Tumormarker der Blasenmole.

Differentialdiagnose der Blasenmole

Diagnostisch sollte auch eine Abklärung eines Abortes erfolgen, da auch hierbei Blutungen in der Frühschwangerschaft auftreten können.

Therapie der Blasenmole

Bei leichten Blutungen würde zunächst konservativ behandelt werden. Dabei wird eine Spontanausstoßung mittels Prostaglandinen oder Oxytocin angewandt. Danach erfolgt eine Nachkürettage sehr vorsichtig, um möglichst nicht die Gebärmutterwand zu perforieren. Bei stärkeren Blutungen wird als Therapie der Wahl als erstes kürettiert. Ultima ratio stellt die Hysterektomie dar.

Da sich aus einer Blasenmole ein Chorionkarzinom entwickeln kann, sind regelmäßige Kontrollen des beta-HCG notwendig.

Blasenmole Behandlung

Bild: “ Post molar pregnancy gestational trophoblast tumour. Pre and post treatment MRI scans of the pelvis showing a large uterine mass prior to treatment and a normal scan at completion. The treatment graph shows the fall and normalisation of the hCG level with low dose methotrexate chemotherapy treatment. The patient has completed treatment, gone on to have a healthy baby and has been cured of this malignancy.” von openi. Lizenz: CC BY 4.0

Die Invasive Blasenmole

Definition der invasiven Blasenmole

Die invasive Blasenmole ist ein benigner Tumor. Sie macht häufig durch das invasive Wachstum einen malignen Eindruck. Die Bezeichnung als Chorionepitheliom ist auch üblich.

Epidemiologie der invasiven Blasenmole

In Asien ist diese Erkrankung deutlich häufiger als in der westlichen Welt, dort fällt etwa eine von 20.000 Geburten mit einem Chorionepitheliom auf. Risikofaktoren für diese Erkrankung sind ältere Schwangere und Erstgebärende.

Ätiologie der invasiven Blasenmole

In der Hälfte aller Fälle entsteht sie nach einer vorangegangenen nichtinvasiven Blasenmole. Außerdem kommt die tumoröse Veränderung auch nach Aborten oder einer Extrauteringravidität vor. Seltener entsteht es während der Schwangerschaft spontan.

Die Entwicklung der invasiven Blasenmole entsteht aufgrund eines Durchtritts der Trophoblastzellen in das Endometrium. Sobald die Trophoblastzellen die Blutbahn erreichen, kommt es zu einer Metastasierung. Eine Manifestierung in Lunge, Knochen, Leber, Gehirn und Vagina sind dabei typisch. Diese sind jedoch in der Regel gut rückläufig.

Klinik der invasiven Blasenmole

Typischerweise wird ein großer, weicher Uterus beschrieben, der sich nicht zurückbildet. Zum anderen treten rezidivierende vaginale Blutungen auf, trotz Blasenmolen- oder Abortausräumung. Im Blut lässt sich weiterhin ein deutlich erhöhtes beta-HCG nachweisen. Nach erfolgter Metastasierung kommen ebenfalls typische organspezifische Symptome vor.

Diagnostik der invasiven Blasenmole

Zunächst sollte eine Bestimmung des beta-HCG Wertes erfolgen. Sonografisch zeigt sich ein ähnlicher Befund wie bei der Blasenmole. Außerdem werden unregelmäßige Tumoranteile im Myometrium sichtbar.

Histologisch kann die invasive Blasenmole von der kompletten Blasenmole durch eine zunehmende Trophoblastproliferation und Invasion des Myometriums unterschieden werden. Gesichert wird die Diagnose mittels Abrasio. Diese ist jedoch nicht immer möglich. Abhängig vom Metastasierungsort sollte eine weitere Diagnostik wie ein Röntgenthorax durchgeführt werden.

Therapie der invasiven Blasenmole

Mittel der Wahl stellt die Chemotherapie dar. Trotz Metastasierung hat dieser Tumor eine gute Prognose. Nach einjähriger Tumornachsorge besteht auch keine Kontraindikation für eine Schwangerschaft mehr.

Das Chorionkarzinom

Definition des Chorionkarzinoms

Stufe 1 Chorionkarzinom

Bild: “Diagram showing stage 1 choriocarcinoma” von Cancer Research UK. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das Chorionkarzinom ist ein maligner Trophoblastentumor. Er besteht aus chorialen Zellen, die entartet sind. Histologisch lassen sich keine Zotten mehr nachweisen. Es sind ausschließlich anaplastische Zellen vorhanden.

Epidemiologie des Chorionkarzinoms

Das Chorionkarzinom ist eines der seltensten Karzinome im weiblichen Genitaltrakt. Es macht etwa 1 % aller weiblichen Tumore aus.

Ätiologie des Chorionkarzinoms

Die Chorionkarzinome entwickeln sich häufig aus einer Blasenmole, nach Spontanaborten oder nach einer normalen Schwangerschaft. Dabei muss die Raumforderung nicht unbedingt kurz nach der Schwangerschaft auftreten. Die Latenzzeit kann nicht nur Monate betragen, sondern viele Jahre andauern.

Risikofaktoren sind das Alter der Frau, Erstgebärende und stattgefundene Aborte.

Klinik des Chorionkarzinoms

Klinisch lässt sich das Chorionkarzinom nicht von der invasiven Blasenmole unterscheiden. Auch hier ist die Gebärmutter weich und vergrößert, was sich nur verzögert zurückbildet. Typisch sind auch vaginale Blutungen und bei Metastasen in der Vagina sind in der klinischen Untersuchung blaue bzw. hämorrhagische Metastasen sichtbar. Eine B-Symptomatik mit Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gewichtsabnahme kann häufig auch verzeichnet werden.

Unbedingt sollte an ein Chorionkarzinom gedacht werden, wenn eine Latenzzeit  von 4 – 6 Monaten zwischen Schwangerschaft und Tumor besteht, eine stark erhöhte beta-HCG Konzentration gemessen wurde und hämatogene Metastasen in Leber, Knochen und ZNS nachgewiesen wurden.

Diagnostik des Chorionkarzinoms

Diagnostisch wird ähnlich wie bei der invasiven Blasenmole verfahren. Wichtig ist es eine Abrasio durchzuführen und die beta-HCG Konzentration zu bestimmen. Außerdem würde auch hier ein Röntgenthorax, Schädel-MRT und eine Sonografie des Abdomens Bestandteil der Diagnostik sein.

Therapie des Chorionkarzinoms

Die Behandlung des Chorionkarzinoms basiert auf einer Chemotherapie. Eine wichtige Substanz stellt das Methotrexat dabei dar. Therapeutisch werden ca. 5 – 6 Zyklen zytostatische Therapie angesetzt. Dies ist abhängig vom beta-HCG. Die Konzentration des Hormons sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, da es ein Tumormarker ist.

Beliebte Prüfungsfragen zu Trophoblastentumoren

Die Antworten befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Welcher der folgenden Lokalisationsorte ist nicht typisch für die hämatogene Metastasierung eines Chorionkarzinoms?

  1. Lunge
  2. Leber
  3. Gehirn
  4. Nebenniere
  5. Rückenmark

2. Was ist Therapie der Wahl zur Behandlung einer Blasenmole?

  1. Chemotherapie mit Methotrexat
  2. Kombinationschemotherapie
  3. Abrasio
  4. Hysterektomie
  5. Beta-HCG

3. Welcher Risikofaktor ist weniger prädisponierend für ein Chorionkarzinom?

  1. Erstgebärende
  2. Erhöhtes Alter der Schwangeren
  3. Intrauterinpessar
  4. Abortus imminens
  5. Abortus incipiens

Quellen und Leitlinie zu Trophoblastumoren

Leitlinie der Trophoblasttumoren

Duale Reihe: Staube, Weyerstahl – Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. Auflage, 2005.

Antworten zu den Prüfungsfragen: 1D, 2C, 3C



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Ein Gedanke zu „Blasenmole und Chorionkarzinom – Trophoblastentumoren

  • Axel Fehr

    Es ist ungewöhnlich, dass ein gutartiger Turmor (Blasenmohle) metastasiert. Der Begriff Metastasierung sollte bösartigen Neubildungen vorbehalten sein. Ausserdem wäre bei infiltativen Wachstum eine Metastasierung besonders schnell agressiv. Wenn es kein klare begriffliche Trennung gibt zwischen Mestastsierung ja/ nein, bösartiger Tumor ja/nein, Blasenmohle/Chorionkartzinom, dann ist es nach meiner medizinischen Erfahrung ein Zeichen dafür, dass der Grad des nötigen Verständnisses noch nicht optimal ist.