Heutzutage gehört er in der Medizin fast zum guten Ton – der Doktortitel. In keinem anderen Fach wird so munter promoviert, wahrscheinlich auch, weil es vergleichsweise leicht geht. Dennoch kann man auch hier in diverse Fallen tappen. Es lässt sich eine Menge Aufwand ersparen, wenn man schon vor Beginn über einige wichtige Fakten Bescheid weiß. Welche das sind, das erfahren Sie hier.
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Bild: “BMC Labs at TIFF Bell Lightbox” von Canadian Film Centre. Lizenz: CC BY 2.0

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1. Rechtzeitig beginnen

Hier gilt tatsächlich die Devise: je früher, desto besser. So viel freie Zeit wie während des Studiums hat man nie wieder zur Hand. Vorausgesetzt, man bringt etwas Organisationstalent mit sich und besucht nicht jede noch so unwichtige fakultative Lehrveranstaltung, lassen sich leicht Zeitblöcke frei räumen, in denen an der Promotion gearbeitet werden kann. Auch die langen Semesterferien eignen sich perfekt, um das Projekt voranzutreiben.

Steht man einmal im Beruf, fehlt neben der Zeit vor allem die Energie, zu promovieren. Nach einer langen Schicht noch im Labor zu stehen oder am Schreibtisch Akten zu wälzen ist zum Scheitern verurteilt, oder braucht zumindest sehr lange.

Der ehemalige Dekan der Medizinischen Fakultät in Leipzig, Prof. Thiery, riet in seiner Vorlesung, direkt nach dem 1. Staatsexamen (Physikum), also im 5. oder 6. Semester zu beginnen. So sei auch genug Raum nach hinten für Unvorhergesehenes – etwas womit man bei medizinischen Doktorarbeiten fest rechnen kann.

Ein weiterer Vorteil, noch im Studium zu promovieren, ist, dass viele nützliche Programme für die Promotion von der Universität noch frei oder kostengünstig zur Verfügung gestellt werden, wie das Statistikprogramm SPSS, während man im Beruf die Lizenzen selber erwerben muss.

2. Den richtigen Typ Doktorarbeit und das richtige Thema finden

Für Mediziner gibt es grob gesehen drei verschiedene Typen von Doktorarbeiten: die experimentellen, die klinischen und die statistischen Arbeiten. Bei den experimentellen Arbeiten erhebt man im Labor Daten, indem man Versuche durchführt. Sie sind aufwendig, und man erlernt meist bestimme Methoden wie Western-Blots, PCRs, etc. Bei den klinischen Arbeiten erhebt man Patientendaten wie Blutwerte oder die Beweglichkeit nach einer OP.

Dies kann sowohl rückwirkend (retrospektiv) aus Patientenakten geschehen, als auch vorrausschauend (prospektiv) an neuen Patienten. Bei den statistischen Arbeiten schließlich wertet man  vorhandene Daten aus, die schon erhoben wurden, und setzt sie mit dem aktuellen Wissensstand aus der Literatur in Bezug.

Außerdem besteht die Möglichkeit, eine Monografie zu schreiben (die „klassische“ Doktorarbeit) oder eine kumulative Dissertation abzuleisten, also durch Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten in Fachjournalen, bei denen man einen erkennbaren Eigenanteil erbracht hat. Die Kriterien hierfür sind in Deutschland bis jetzt noch nicht einheitlich geregelt, oft wird jedoch Erstautorenschaft bei Papern und die Veröffentlichung in Fachjournalen mit genügend hohem Einflussfaktor (Impact Factor) gefordert.

Der Nachteil ist, dass man hierfür stark vom seinem Betreuer bzw. dem betreuenden Institut abhängig ist und schlechter planen kann.

Die Art der Doktorarbeit sollte man vor allem darauf ausrichten, was man später für eine Karriere anstrebt. Mit einer aufwändigen klinischen oder experimentellen Arbeit hält man sich alle Türen offen, während statistische Arbeiten weniger gut angesehen sind. Diese eignen sich z.B. wenn man keine Universitätskarriere anstrebt oder sich niederlassen will.

Wer unbedingt in die Forschung will, sollte noch höher zielen: hier sind Veröffentlichungen ein Muss. Auch sollte man beachten, dass sich der Aufwand oft in der Bewertung widerspiegelt. Hier schneiden statistische Arbeiten ebenfalls meist schlechter ab.

Das Thema sollte man in einem Fachgebiet wählen, das einen interessiert und/oder in dem man sich später seinen Facharzt vorstellen kann. Wichtig sind hier die Methoden, die man dabei lernt, beispielsweise ein EKG zu schreiben und fachmännisch auszuwerten oder eine PCR durchzuführen. Das sind die Dinge, die einen späteren Arbeitgeber interessieren. Der Rest soll vor allem zeigen, dass man in der Lage ist, eigenständig wissenschaftlich zu arbeiten.

Zu einer Promotionsstelle kommt man, indem man Ausschreibungen der Uni folgt oder gezielt bei Abteilungen oder Instituten nachfragt. Bei einem vereinbarten Gesprächstermin kann man alle wichtigen Fakten klären, wie Umfang, Zeitrahmen, angewendete Methoden und Anlaufstellen. Man muss nicht unbedingt dem ersten Angebot zusagen, sondern kann sich ruhig umschauen, mit anderen austauschen und Fragen stellen – schließlich arbeitet man mit seinem Betreuer auf gleicher Ebene zusammen und es ist niemandem geholfen, wenn man nicht hinter dem Projekt steht. Man sollte das Gefühl haben, dass der Betreuer sich engagiert und dass man alles (vor allem Schwierigkeiten) besprechen kann.

3. Die Promotionsordnung der Fakultät – wichtiger Leitfaden

Unbedingt zu beachten ist die Promotionsordnung der jeweiligen Universität. Hier werden alle wichtigen Leitlinien festgelegt, wie Umfang, Aufbau, und Zulassungsvoraussetzung. Man erfährt außerdem, wie man seine Promotion richtig bei der Universität anmeldet. Auch bieten viele Unis einen Publikationsserver, auf dem man sich bereits verteidigte Doktorarbeiten durchlesen kann.

4. Vor Beginn – Lesen, lesen, lesen

Für die Auswahl des Themas ist man zwangsläufig auf die Hilfe des Betreuers angewiesen. Als Professor verfügt er über genügend Wissen über den aktuellen Forschungsstand und die passenden Methoden für die Fragestellung. Man könnte also einfach loslegen, ohne einen Plan zu haben, was man genau macht. Das ist verlockend, aber keine gute Idee. Lieber sollte man schon knöcheltief im Wissen stehen und die wichtigsten Paper zu seiner Fragestellung gelesen haben. So geht man anders an die Experimente ran, beachtet Dinge die sonst nicht aufgefallen wären und kommt evtl. noch darauf, andere Daten mitzuerheben, was sich im Nachhinein als sehr mühsam gestaltet.

5. Literaturverwaltungssysteme – nützliche Helfer im Wissensdschungel

Ein unverzichtbarer Teil der Doktorarbeit ist das Literaturverzeichnis. Gutes wissenschaftliches Arbeiten verlangt es, genau anzugeben, woher man sein Wissen bezieht. Dazu listet man am Ende alle Quellen auf, auf die man seine Arbeit stützt. Auf keinen Fall sollte man auf die Idee verfallen, dies per Hand zu erstellen. Die Gefahr, dass Angaben dabei verloren gehen und man am Ende den Durchblick verliert, ist groß – vom Aufwand ganz zu schweigen.

Eine praktische Lösung bieten Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, Mendeley oder EndNote. Sie unterstützen die Literaturrecherche und/oder Verwaltung von Quellen. Oft läuft dies automatisch und man spart sich damit viel Arbeit. Bei Citavi kann man mit einem Rechtsklick beispielsweise eine Funktion aufrufen, die Paper von wissenschaftlichen Datenbanken wie Pubmed direkt in das Verzeichnis lädt und die Angaben automatisch einträgt.

Man kann dort auch leicht PDF-Dateien oder andere Formate einspeichern und immer wieder darauf zugreifen, Zusammenfassungen schreiben, einzelne Quellen nach Relevanz ordnen oder ihnen Aufgaben zuordnen. Die wichtigste Funktion ist jedoch sicherlich das automatische Erstellen eines Literaturverzeichnisses und der unkomplizierte Wechsel zwischen verschiedenen Zitierstilen.

Mendeley gibt es kostenlos und auch für Mac kompatibel, EndNote ist kostenpflichtig, ebenso Citavi. Allerdings haben fast alle Universitäten Lizenzen für solche Programme. So gibt Citavi auf seiner Internetseite beispielsweise an, das es von 81% der Universitäten aus frei zugänglich sei.

6. Zu guter Letzt – ab an den Schreibtisch

Das Schreiben ist für viele sicher der mühsamste Teil, er kann aber auch Spaß machen, wenn die Voraussetzungen stimmen. Mit Word kann man sich leicht ein Inhalts-, Tabellen- und Abbildungsverzeichnis erstellen. Wie das geht, zeigen zahlreiche Online-Tutorials, viele Unis bieten aber auch Kurse.

In der Promotionsordnung ist meist die Einteilung in Kapitel schon vorgegeben. Wer nicht gerne schreibt, kann auch Kurse zum wissenschaftlichen Schreiben besuchen und sich dort Rat holen. Meist hilft es, mit dem Material- und Methodenteil zu beginnen, da dieser schon vor Beginn festgelegt ist und leicht von der Hand geht. So ist man motiviert für schwierigere Teile und der ersehnte Doktortitel rückt in greifbare Nähe.





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