Die Komplexität des Muskelskelettsystems ist oft ein großes Problem für Medizinstudenten. Um Muskeln effektiv lernen zu können, bedarf es einer übersichtlichen und logischen Gruppierung in Systemen mit eindeutigen Strukturen. Neben der ausführlichen Beschreibung von Ursprung, Ansatz, Funktion und Innervation erhalten Medizinstudenten in diesem Beitrag eine Übersicht in Tabellenform zur Visualisierung der Muskelgruppierungen. Achtung: Aufgrund widersprüchlicher Angaben von Ursprung und Ansatz in der Primärliteratur empfiehlt es sich immer die aktuellsten Exemplare zum Lernen zu benutzen.

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Muskeln des Nackens und Rückens - 2

Bild: “Deep Muscles of the back (posterior view)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0


Die Autochthone Rückenmuskulatur: Erläuterungen

Die Autochthone Rückenmuskulatur wird auch Primäre Rückenmuskulatur genannt. In anderer Literatur findet sich diese Muskelgruppe auch unter den Namen Musculus errector spinae und Musculus errector trunci. Errector spinae ist in der funktionellen Anatomie die gebräuchlichste Terminologie der autochthonen Rückenmuskulatur, da diese die Primärfunktion der Muskelgruppe spezifisch beschreibt: die Aufrichtung der Wirbelsäule bzw. des Rumpfes.

Sie teilt sich in einen medialen und einen lateralen Trakt mit insgesamt fünf (5) Systemen, in denen Muskeln bzw. Muskelfaserzüge benannt werden. Die Namen der Systeme (Muskelgruppen) beinhalten die ossären Fixationspunkte der jeweiligen Muskeln, was beim Lernen ein deutlicher Vorteil sein kann.

Bei gezielter Innervation eines Teilabschnittes des Systems können zusätzlich Lateralflexion und Rotation induziert werden – diese Bewegungen sind allerdings als Sekundärbewegungen zu betrachten. Weiterhin hat die primäre Rückenmuskulatur einen signifikanten Einfluss auf die Atemfunktion, da sie durch ihre Ansätze an Wirbelsäule und Rippen sowohl Inspiration als auch Exspiration durchführen können. Die einzige Funktion, die die autochthone Rückenmuskulatur nicht bedient, ist die Flexion.

Merke: Die einzige Funktion, die die autochthone Rückenmuskulatur nicht bedient, ist die Flexion. Dieser Fakt ist eine gern gestellte Prüfungsfrage und wird oft falsch beantwortet.

Ausnahmslos alle Teile der primären Rückenmuskulatur werden von den Rami dorsales der Spinalnerven innerviert.

Merke: Der mediale Trakt bedient den medialen Abschnitt, der laterale Trakt entsprechend den lateralen Abschnitt.

Das Sakrospinale System der autochthonen Rückenmuskulatur

Das sakrospinale System ist der Teil mit den kräftigsten Muskelfaserzügen. Es gehört zum lateralen Trakt und beschreibt die intertransversalen Muskeln. Es wird in die Iliocostalis– und die Longissimus-Gruppe unterschieden.

Sakrospinales System: Iliocostalis-Gruppe

Muskeln des Nackens und Rückens - Iliocostalis-Gruppe

Bild: “Deep Muscles of the back (posterior view)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Iliocostalisgruppe besteht aus drei Muskeln, deren Name auch die Lokalisation beschreibt: M. iliocostalis lumborum, M. iliocostalis thoracis und M. iliocostalis cervicis.

M. iliocostalis lumborum

Der M. iliocostalis lumborum entspringt vom Labium externum der Crista iliaca sowie der Dorsalfläche des Os scarum und der Fascia thorcolumbalis. Er inseriert am Angulus costae der 6.-12. Rippe und macht bei beidseitiger Innervation durch die Rami dorsalis (Th9-L1) Extension in BWS und LWS.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion ist er ein Atemhilfsmuskel der Exspiration und macht bei einseitiger Innervation Lateralflexion in BWS und LWS.

M. iliocostalis thoracis

Der thorakale Teil der Iliocostalis-Gruppe hat seinen Ursprung am Angulus costae der 7.-12. Rippe und seinen Ansatz am Angulus costae der 1.-6. Rippe. Er wird durch die Rami dorsales (Th2-Th9) innerviert und macht Extension der BWS.

Besonderheiten: Bei manchen Menschen kann der M. iliocostalis thoracis zusätzlich von den Segmenten Th1 und Th10 der Rami dorsales innerviert werden.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion ist er ein Atemhilfsmuskel der Exspiration und macht bei einseitiger Innervation Lateralflexion in der BWS.

M. iliocostalis cervicis

Ursprung des M. iliocostalis cervicis ist der Angulus costae der 3.-7. Rippe, sein Ansatz das Tuberculum posterius der Processi transversi des 4.-6. Halswirbels. Seine Innervation erfolgt durch die Rami dorsales (Th1-Th2) und er fungiert als Extensor der HWS und oberen BWS.

Besonderheiten: Bei manchen Menschen kann der M. iliocostalis cervicis zusätzlich von den Segmenten C8 und Th3 der Rami dorsales innerviert werden.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion ist er ein Atemhilfsmuskel der Inspiration und macht bei einseitiger Innervation Lateralflexion in HWS und oberer BWS.

Sakrospinales System: Longissimus-Gruppe

Muskeln des Nackens und Rückens - Longissimus-Gruppe

Bild: “Deep Muscles of the back (posterior view)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Longissismus-Gruppe besteht aus drei verschiedenen Muskeln: M. longissimus thoracis, M. longissimus cervicis und M. longissismus capitis.

M. longissimus thoracis

Dieser Muskel entspringt von der Dorsalfläche des Os scarum, sowie den Processi spinosi der LWS und unteren BWS und inseriert an den Processi accessori der LWS, den Processi transversi der BWS und medial des Angulus costae der 2.-12. Rippe. Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (Th3-Th5) extendiert der die LWS und BWS.

Besonderheiten: Bei manchen Menschen kann der M. longissimus thoracis zusätzlich vom Segment Th2 der Rami dorsales innerviert werden.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion ist er ein Atemhilfsmuskel der Exspiration und macht bei einseitiger Innervation Lateralflexion in LWS und BWS.

M. longissimus cervicis

Der M. longissimus cervis hat seinen Ursprung an den Processi transversi des 1.-6. Brustwirbels und hat seinen Ansatz am Tuberculum posterius der Processi transversi des 2.-5. Halswirbels. Er wird durch die Rami dorsales (C3-Th2) innerviert und agiert als Extensor der HWS und oberen BWS.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion macht er bei einseitiger Innervation Lateralflexion in HWS und oberer BWS.

M. longissimus capitis

Von den Processi transervsi von BWK 1-3 und HWK 4-7 ausgehend, inseriert dieser Muskel am Processus mastoideus des Os temporale. Er erhält seine neuronale Versorgung durch die Rami dorsales (C1-C3) und agiert als Extensor der HWS und Kopfgelenke.

Besonderheiten: Dieser Muskel ist inkonstant und nicht bei jedem Menschen angelegt. Des Weiteren kann er, sofern er angelegt ist, bei manchen Menschen zusätzlich vom Segment C4 der Rami dorsales innerviert werden.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion macht er bei einseitiger Innervation Lateralflexion und Rotation zur innervierten Seite in HWS und Kopfgelenken.

Das Spinotransversale System der autochthonen Rückenmuskulatur

Das spinotranservale System findet sich nur im Bereich der oberen Brust- sowie der Halswirbelsäule und besteht aus lediglich drei Muskeln: den Mm. splenii cervicis et capitis und dem M. obliquus capitis inferior, welcher ab und an auch in der Muskelgruppe der Kurzen Nackenmuskulatur aufgeführt wird.

Muskeln des Nackens und Rückens - spinotransversales system

Bild: “Deep Muscles of the back (posterior view)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

M. splenius cervicis

Ursprung des M. splenius cervicis sind die Processi spinosi des 3.-6. Brustwirbels sowie das Lig. supraspinale. Er inseriert am Tuberculum posterius der Processi transversi der Halswirbelkörper 1-2. Er wird durch die Rami dorsales (C1-C6) innerviert und macht Extension der HWS.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion macht er bei einseitiger Innervation ipsilaterale Lateralflexion und Rotation in der HWS.

M. splenius capitis

Der M. splenius capitis entspringt an den Processi spinosi des Halswirbelkörper 4 bis Brustwirbelkörper 3, sowie am Lig. supraspinale. Er findet seinen Ansatz an der lateralen Hälfte der Linea nuchalis superior und am Processus mastoideus. Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (C1-C6) fungiert er als Extensor der HWS und Kopfgelenke.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion macht er bei einseitiger Innervation ipisilaterale Lateralflexion und Rotation der HWS und Kopfgelenke.

M. obliquus capitis inferior

Obliquus capitis inferiorDieser Muskel entspringt am Processus spinosus des Axis (HWK 2) und inseriert am Processus transversus des Atlas (HWK 1). Er wird durch den N. occipitalis major (Ramus dorsalis C2) innerviert und dient als Primärstabilisator des Atlantoaxialgelenkes.

Besonderheiten: Bei manchen Menschen kann der M. obliquus capitis inferior zusätzlich vom N. suboccipitalis (Ramus dorsalis C1) innerviert werden.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion macht er bei einseitiger Innervation eine ipsilaterale Rotation des Atlas.

Das Intertransversale System der autochthonen Rückenmuskulatur

Die Muskeln des intertransversalen Systems verbinden die Querfortsätze der Wirbelsäule miteinander. Das System unterteilt sich in eine Intertransversarii- und eine „Sonstige“-Gruppe.

Intertransversales System: Intertransversarii-Gruppe

Muskeln des Nackens und Rückens - Intertransversari-Gruppe

Bild: “Deep Muscles of the back (posterior view)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Diese Gruppe besteht aus drei Muskelreihen: Mm. intertransversarii mediales lumborum, Mm. intertransversarii thoracis und Mm. intertransversarii posteriores cervicis.

Mm. intertransversarii mediales lumborum

Diese Muskeln entspringen von den Processi mammillares und Processi accessorii aller Lendenwirbel und inserieren jeweils an den benachbarten ossären Strukturen der LWS. Sie werden durch die Rami dorsales (L1-L5) innerviert und machen Lateralflexion in der LWS.

Mm. intertransversarii thoracis

Beginnend an den Processi transversi von BWK 10-12 finden diese Muskeln ihren Ansatz an den Processi transervsi von BWK 11-12 sowie dem Processus mammillaris et accessorius von LWK 1. Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (Th10-Th12) fungieren sie als Lateralflexoren der BWS.

Besonderheiten: Diese Muskeln sind nicht bei jedem Menschen angelegt.

Mm. intertransversarii posteriores cervicis

Diese Muskeln haben ihren Ursprung am Tuberculum posterius der Processi transversi von HWK 1-7 und inserieren an den Tuberculi posteriori der jeweils benachbarten Halswirbel. Sie werden durch die Rami dorsales (C2-C7) innerviert und machen Lateralflexion in der HWS.

Intertransversales System: „Sonstige“-Gruppe

Diese Gruppe umfasst Muskeln, die dem intertransversalen System zugehörig sind, aber selbst keine eigene funktionelle Muskelgruppe sind. Dazu gehören die Mm. levatores costarum breves et longi, sowie der M. obliquus capitis superior, welcher gerne auch zur kurzen Nackenmuskulatur gezählt wird.

Mm. levatores costarum breves et longi

Levatores costarumDie Mm. levatores costarum breves et longi entspringen an den Processi transerversi von HWK 7 und BWK 1-11 und inserieren jeweils an den darunterliegenden Rippen. Die Breves-Anteile inserieren an der Rippe, die jeweils ein (1) Segment tiefer, die Longi-Anteile an der Rippe, die jeweils zwei (2) Segmente tiefer angelegt ist. Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (C8-Th11) machen sie Extension in der BWS.

Besonderheiten: Bei manchen Menschen können die Mm. levatores costarum breves et longi anteilig von den Rami ventrales (C8-Th11) innerviert werden.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion fungieren diese Muskeln durch ihre Funktion als Rippenheber als Atemhilfsmuskel der Inspiration. Weiterhin können sie die BWS lateralflektieren.

M. obliquus capitis superior

Obliquus capitis superiorUrsprung des M. obliquus capitis superior ist der Processus transversus des Atlas, sein Ansatz das laterale Dritte der Linea nuchae inferior des Os occipitale. Er wird durch den Nervus suboccipitalis (Ramus dorsalis C1) innerviert und führt Extension im Atlantooccipitalgelenk durch.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion kann er bei einseitiger Innervation auch ipsilaterale Lateralflexion und kontralaterale Rotation durchführen.

Das Transversospinale System der autochthonen Rückenmuskulatur

Das transversospinale System stellt die mitunter größte Muskelgruppe der primären Rückenmuskulatur (medialer Trakt) dar. Sie besteht aus der Semispinalis-, der Multifidi– und Rotatores-Gruppe. Die Muskeln verbinden die Querfortsätze (Homologae) mit den Dornfortsätzen. Sie verlaufen daher schräg von caudo-lateral nach cranio-medial.

Transversospinales System: Semispinalis-Gruppe

Muskeln des Nackens und Rückens - Semispinales System

Bild: “Deep Muscles of the back (posterior view)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Sie Semispinales-Gruppe umfasst drei Muskeln: M. semispinalis thoracis, M. semispinalis cervicis und M. semispinalis capitis.

M. semispinalis thoracis

Der M. semispinalis thoracis entspringt von den Processi transversi der Brustwirbellkörper 6-12 und inseriert an den Processi spinosi von HWK 6 bis BWK 4, wobei er 5-7 Wirbel überspringt. Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (Th3-Th6) agiert er als Extensor der BWS.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion kann er bei einseitiger Innervation eine kontalaterale Rotation der BWS induzieren.

M. semispinalis cervicis

Ursprung des M. semispinalis cervicis sind die Processi transversi von BWK 2-7, sein Ansatz die Processi spinosi von HWK 6-2, wobei er 5-7 Wirbel überspringt. Er wird durch die Rami dorsales (C3-C7) innerviert und extendiert die HWS und obere BWS.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion kann er bei einseitiger Innervation eine kontalaterale Rotation in HWS und oberer BWS durchführen.

M. semispinalis capitis

Von den Processi transversi von HWK 3 bis BWK 6 entspringend, zieht der M. semispinalis capitis zum Os occipitale und inseriert zwischen der Linea nuchae superior und der Linea nuchae inferior. Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (C1-C4) extendiert er die obere BWS, die HWS und die Kopfgelenke.

Funktioneller Hinweis: Neben seiner Primärfunktion kann er bei einseitiger Innervation eine kontalaterale Rotation sowie Lateralflexion in oberer BWS, HWS und Kopfgelenken durchführen.

Transversospinales System: Multifidi-Gruppe

Muskeln des Nackens und Rückens - Multifidus-Gruppe

Bild: “Deep Muscles of the back (posterior view)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Mm. multifidi hat multiple Ursprungspunkte: Facies dorsalis ossa sacri, Ligg. sacroiliaca posteriora, Crista iliaca, Processi mammillares (LWK 1-5), Processi transversi (BWK 1-12) und Processi articulares (HWK 4-7). Sie inserieren an den Processi spinosi von HWK 2 bis Os Sacrum und überspringen dabei 2-5 Wirbel. Sie extendieren die komplette Wirbelsäule, sofern sie von den Rami dorsales (C3-S3) innerviert werden.

Funktionelle Hinweise: Neben ihrer Primärfunktion sind sie bei einseitiger Innervation auch zu einer kontralateralen Rotation der gesamten Wirbelsäule fähig.

Transversospinales System: Rotatores-Gruppe

Insgesamt drei Muskeln bilden die Rotatores-Gruppe: Mm. rotatores lumborum, Mm. rotatores thoracis und Mm. rotatores cervicis.

Mm. rotatores lumborum

Die Mm. rotatores lumborum entspringen an den Processi mammillaris der LWS und inserieren an der Basis der Processi spinosi des nächsthöheren Wirbels. Sie werden von den Rami dorsales (L1-L5) innerviert und extendieren die LWS.

Besonderheiten: Diese Muskeln sind inkonstant und daher nicht bei jedem Menschen angelegt.

Funktionelle Hinweise: Neben ihrer Primärfunktion sind sie auch ein schwacher kontralateraler Rotator der LWS.

Mm. rotatores thoracis

Ursprung der Mm. rotatores thoracis sind die Processi transversi der BWS, ihr Ansatz die Processi spinosi des nächsthöheren Wirbels. Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (Th1-Th12) extendieren sie die BWS.

Funktionelle Hinweise: Neben ihrer Primärfunktion agieren sie als kontralaterale Rotatoren der BWS.

Mm. rotatores cervicis

Diese Muskeln entspringen von den Processi transversi et articulares der HWS und finden an den Processi spinosi des nächsthöheren Wirbels ihren Ansatz. Sie erhalten ihre neuronale Versorgung durch die Rami dorsales (C2-C8) und sind Extensoren der HWS.

Besonderheiten: Diese Muskeln sind inkonstant und daher nicht bei jedem Menschen angelegt.

Funktionelle Hinweise: Neben ihrer Primärfunktion sind sie auch kontralaterale Rotatoren der HWS.

Das Spinale und Interspinale System der autochthonen Rückenmuskulatur

Die Muskeln des spinalen und interspinalen Systems bilden die tiefe Schicht des medialen Traktes und liegen direkt auf den ossären Strukturen auf. Sie wird in drei Gruppen unterschieden: Interspinales-, Spinalis– und Recti-Capitis-Gruppe. Sie verbinden die Dornfortsätze der Wirbelsäule in senkrechtem Verlauf.

Muskeln des Nackens und Rückens - Spinales und Interspinales Gruppe

Bild: “Deep Muscles of the back (posterior view)” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Spinales und interspinales System: Interspinales-Gruppe

Die Interspinales-Gruppe umfasst drei Muskeln: Mm. interspinales lumborum, Mm. interspinales thoracis und Mm. interspinales cervicis.

Mm. interspinales lumborum

Ursprung dieser Muskeln sind die Processi spinosi von LWK 1-5, ihr Ansatz die Processi spinosi von LWK 2 bis Processus spinosus des . Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (L1-L5) extendieren sie die Lendenwirbelsäule.

Mm. interspinales thoracis

Die Mm. interspinales thoracis entspringen an den Processi spinosi von BWK 2 bis LWK 1, wobei sie in der mittleren BWS häufig fehlen. Sie inserieren an den Processi spinosi von BWK 1-12 und extendieren die BWS, sofern sie von den Rami dorsales (Th1-Th12) aktiv innerviert werden.

Mm. interspinales cervicis

Von den Processi spinosi von HWK 2-7 ausgehend, inserieren die Mm. interspinales cervicis an den Processi spinosi von HWK 3 bis BWK 1. Sie werden von den Rami dorsales (C3-C8) innerviert und extendieren die komplette HWS.

Spinales und interspinales System: Spinalis-Gruppe

M. spinalis thoracis, M. spinalis cervicis und M. spinalis capitis sind die drei Muskeln der Spinalis-Gruppe.

M. spinalis thoracis

Dieser Muskel entspringt von den Processi spinosi von BWK 10 bis LWK 3 und inseriert an den Processi spinosi von BWK 2-8. Er erhält seine neuronale Versorgung durch die Rami dorsales (Th1-Th12) und ist ein Extensor der BWS.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion kann er bei einseitiger Innervation zusätzlich eine Lateralflexion in der BWS durchführen.

M. spinalis cervicis

Der M. spinalis cervicis hat seinen Ursprung an den Processi spinosi von HWK 6 bis BWK 2 und inseriert an den Processi spinosi von HWK 2-4. Er wird durch die Rami dorsales (C2-C4) innerviert und extendiert die HWS.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion ist er bei einseitiger Innervation auch zu einer Lateralflexion der HWS fähig.

M. spinalis capitis

Von den Processi spinosi der unteren HWS und oberen BWS ausgehend, inseriert der M. spinalis capitis zwischen der Linea nuchae superior und der Linea nuchae inferior am Os occipitale. Bei aktiver Innervation durch die Rami dorsales (C1-C2) führt er eine Extension der HWS und Kopfgelenke aus.

Besonderheiten: Dieser Muskel ist inkonstant, daher nicht bei jedem Menschen angelegt.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion dient er als kontralateraler Rotator von HWS und Kopfgelenken, wenn er seine Innervation einseitig erfährt.

Spinales und interspinales System: Recti-Capitis-Gruppe

M. rectus capitis posterior major und M. rectus capitis posterior minor bilden die Recti-Capitis-Gruppe im spinalen und interspinalen System. Beide Muskeln zählen auch zur Gruppe der kurzen Nackenmuskeln.

M. rectus capitis posterior major

Rectus capitis posterior majorDieser Muskel entspringt vom Processus spinosus des Axis und inseriert am mittleren Drittel der Linea nuchae inferior des Os occipitale. Er wird durch den N. suboccipitalis (Ramus dorsalis C1) innerviert und ist ein Extensor des oberen und unteren Kopfgelenkes.

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion kann er bei einseitiger Innervation zusätzlich ipsilaterale Rotation und Lateralflexion im oberen und unteren Kopfgelenk durchführen.

Rectus capitis posterior minorM. rectus capitis posterior minor

Der „kleine Bruder“ des Rectus capitis posterior major hat seinen Ursprung am Arcus posterior sowie dem Tuberculum posterius des Atlas. Er inseriert am medialen Drittel der Linea nuchae inferior des Os occipitale und extendiert das Atlantooccipitalgelenk bei aktiver Innervation durch den N. suboccipitalis (Ramus dorsalis C1).

Funktionelle Hinweise: Neben seiner Primärfunktion kann er das Atlantooccipitalgelenk ipsilateral rotieren sowie lateralflektieren, wenn er einseitig innerviert wird.

Die Authochthone Rückenmuskulatur: Tabellarische Übersicht

Muskelsysteme Muskelgruppen Muskeln
Sakrospinales System Iliocostalis-GruppeLongissmus-Gruppe M. iliocostalis lumborumM. iliocostalis thoracisM. iliocostalis cervicis

M. longissimus thoracis

M. longissimus cervicis

M. longissimus capitis

Spinotransversales System (keine) M. splenius cervicisM. splenius capitisM. obliquus capitis inferior
Intertransversales System Intertransversarii-Gruppe“Sonstige“-Gruppe Mm. intertransversarii mediales lumborumMm. intertransversarii thoracisMm. intertransversarii posteriores cervicis

Mm. levatores breves et longi

M. obliquus capitis superior

Transversospinales System Semispinalis-GruppeMultifidi-GruppeRotatores-Gruppe M. semispinalis thoracisM. semispinalis cervicisM. semispinalis capitis

Mm. multifidi

Mm. rotatores lumborum

Mm. rotatores thoracis

Mm. rotatores cervicuis

Interspinales und spinales System Interspinales-GruppeSpinalis-GruppeRecti-Capitis-Gruppe Mm. interspinales lumborumMm. interspinales thoracisMm. interspinales cervicis

M. spinalis thoracis

M. spinalis cervicis

M. spinalis capitis

M. rectus capitis posterior major

M. rectus capitis posterior minor

Mögliche Prüfungsfragen zur Autochthonen Rückenmuskulatur

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Aus wievielen Systemen besteht die autochthone Rückenmuskulatur?

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5

2. Welche der aufgeführten Funktionen übernimmt die autochthone Rückenmuskulatur nicht?

  1. Flexion
  2. Extension
  3. Lateralflexion
  4. Rotation
  5. Stabilisation im Atlantoaxialgelenk

3. Welcher der aufgeführten Muskeln überspringt in seinem Verlauf 2-5 Segmente?

  1. M. semispinalis thoracis
  2. M. semispinalis cervicis
  3. M. semispinalis capitis
  4. Mm. multifidi
  5. Mm. rotatores lumborum

Quellen

Acker, H. (2000). Muskeltabellen des Bewegungsapparates. Konstanz: Herbert Acker.

Bommas-Ebert, U., Teubner, P. & Voß, R. (2006). Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie. Stuttgart: Thieme.

Platzer, W. (1999). Taschenatlas der Anatomie Bd. 1: Bewegungsapparat. Stuttgart: Thieme.

Putz, R. & Pabst, R. [Hrsg.] (2004). Sobotta 1+2 – Atlas der Anatomie des Menschen, limitierte Jubiläumsausgabe. München: Urban & Fischer.

Netter, Frank H. (2006). Atlas der Anatomie des Menschen – 3. Auflage. Stuttgart: Thieme.

Richtige Antworten: 1E, 2A, 3D

 

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2 Gedanken zu „Die autochthone Rückenmuskulatur – Anatomie des Rumpfes

  • T.W.

    Hier stimmen beispielsweise die Ursprünge und Ansätze der Muskeln nicht mit den Angaben mehrerer anderer Quellen überein!

    1. Maria Jaehne

      Hallo,
      vielen Dank für Ihren Kommentar! Wir werden das überprüfen und ggfs. ändern.
      Viele Grüße,
      Maria von Lecturio.