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das ist ein affe beim stehlen

Bild: “thief” von Rennett Stowe. Lizenz: CC BY 2.0


Ist in der Klausur die Strafbarkeit wegen Raubes zu prüfen, ist der schwere Raub oft nicht weit. Mit seinen zahlreichen Varianten wirkt er auf den ersten Blick nicht gerade leicht überschaubar. Dies ist dennoch kein Grund zum Verzagen: Einen kurzen Überblick über seine wichtigsten Voraussetzungen vermittelt Ihnen der folgende Beitrag.

Die Relevanz des § 250 StGB

Bei § 250 handelt es sich um eine Qualifikation des § 249 StGB. Seine Bedeutung darf allein schon deshalb nicht unterschätzt werden, weil sowohl in § 252 (räuberischer Diebstahl) als auch in § 255 StGB (räuberische Erpressung) angeordnet wird, dass der Täter „gleich einem Räuber“ zu bestrafen ist. Demnach qualifiziert § 250 StGB auch diese Tatbestände (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 1).

§ 250 I StGB

§ 250 I enthält Qualifikationstatbestände, die eine Freiheitsstrafe von nicht unter drei Jahren nach sich ziehen.

Nr. 1 a

Gemäß § 250 I Nr. 1 a ist ein schwerer Raub anzunehmen, wenn der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt. Die Vorschrift hat den gleichen Wortlaut wie § 244 I Nr. 1 a StGB, sodass auch die dort vorhandenen Probleme an dieser Stelle relevant werden (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 3).

Der Begriff der Waffe umfasst nur Waffen im technischen Sinne, also Gegenstände, die objektiv gefährlich und sowohl ihrer Art als auch ihrer Bestimmung nach zur Herbeiführung erheblicher Verletzungen grundsätzlich geeignet sind (BeckOK StGB/Wittig StGB § 244 Rn. 3).

Dagegen ist die Definition des gefährlichen Werkzeugs hochgradig umstritten. Nach der (in der Klausur gut vertretbaren) konkret-subjektiven Betrachtungsweise ist damit jedes Mittel gemeint, das der Täter im Bedarfsfall in einer Weise zu benutzen gedenkt, die den Tatbestand des § 224 I Nr. 2 erfüllen würde (Schramm, JuS 2008, 773 (778)).

Er führt die Waffe oder das Werkzeug bei sich, wenn ihm das Mittel während der Tat zur Verfügung steht, sich also derart in seiner räumlichen Nähe befindet, dass er es ohne nennenswerten Zeitaufwand und ohne besondere Schwierigkeiten nutzen kann (Rengier, StrafR BT I, § 4 Rn. 43).

Nr. 1 b

§ 250 I Nr. 1 b qualifiziert außerdem die Situation, dass der Täter sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden.

Es handelt sich dabei um eine zu § 244 I Nr. 1 b StGB parallele Vorschrift. Dementsprechend wird hiervon das Beisichführen von Gegenständen, die nicht unter Nr. 1 a fallen, wie etwa Tüchern oder Klebebändern (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 4), bzw. Scheinwaffen umfasst (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 5).

Ausgenommen von der Anwendbarkeit dieser Regelung sind jedoch solche Gegenstände, die bereits nach ihrem äußeren Erscheinungsbild aus der Sicht eines objektiven Betrachters offensichtlich ungefährlich sind (Rengier, StrafR BT I, § 4 Rn. 69).

Vergessen Sie außerdem nicht, im subjektiven Tatbestand die Verwendungsabsicht zu prüfen, die der Täter aufweisen muss (vgl. dazu Rengier, StrafR BT I, § 4 Rn. 75).

Nr. 1 c

Nach § 259 I Nr. 1 c macht sich derjenige eines schweren Raubes strafbar, der eine andere Person durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt. Die Gefahr muss dabei konkret sein (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 11).

Der Begriff der schweren Gesundheitsschädigung umfasst Erfolge, wie sie die schwere Körperverletzung nach § 226 StGB unter Strafe stellt und solche, die ähnlich schwer wiegen (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 12).

Beachten Sie außerdem, dass zwischen dem Raub und der Gefahr ein Unmittelbarkeitszusammenhang bestehen muss: Der Täter muss mit dem Raub eine charakteristische Gefahrenlage geschaffen haben, die sich in der konkreten Gefahr realisiert hat (Tofahrn, StrafR BT II, S. 101/102 Rn. 311).

Nr. 2

Ein schwerer Raub gemäß § 250 I Nr. 2 liegt vor, wenn der Täter den Raub als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begeht. Diese Vorschrift entspricht derjenigen in § 244 I Nr. 2.

Bei einer Bande handelt es sich um einen Zusammenschluss von mindestens drei Personen, welche sich mit dem Willen verbunden haben, künftig für eine gewisse Dauer mehrere selbstständige, im Einzelnen noch ungewisse Straftaten der §§ 242, 249 StGB zu begehen (BeckOK StGB/Wittig StGB § 244 Rn. 14).

Beachten Sie an dieser Stelle, dass auch die Verwirklichung der §§ 252, 255 und 316 a einen tauglichen „Raub“ im Sinne dieser Vorschrift darstellt (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 13).

§ 250 II StGB

Die in § 250 II normierten Qualifikationstatbestände haben demgegenüber eine Freiheitsstrafe von nicht unter fünf Jahren zur Folge.

Nr. 1

§ 250 II Nr. 1 ist einschlägig, wenn der Täter oder ein anderer Beteiligter bei der Tat eine Waffe (Var. 1) oder ein anderes gefährliches Werkzeug (Var. 2) verwendet.

Ein Verwenden liegt vor, wenn der Täter die Waffe oder das gefährliche Werkzeug in einer dem Nötigungszweck dienenden Weise tatsächlich in Gebrauch nimmt, sie also als zur Gewaltanwendung oder als Drohmittel einsetzt (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 15).

Zu beachten ist außerdem, dass die Rechtsprechung den Begriff des gefährlichen Werkzeugs in Rahmen des § 250 II Nr. 1 Var. 2 anders bestimmt als in § 250 I Nr. 1 a Var. 2 (s. dazu Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 17).

Nr. 2

§ 250 II Nr. 2 greift ein, wenn der Täter oder ein anderer Beteiligter in den Fällen des § 250 I Nr. 2 eine Waffe bei sich führt.

Nr. 3 a

Wenn eine andere Person bei der Tat körperlich schwer misshandelt wird, sind die Voraussetzungen des § 250 II Nr. 3 a erfüllt. Eine körperlich schwere Misshandlung setzt einen schwerwiegenden Eingriff in die körperliche Integrität voraus, der erhebliche Schmerzen nach sich zieht bzw. erhebliche Folgen für die Gesundheit hat (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 25).

Nr. 3 b

§ 250 II Nr. 3 b verlangt, dass der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub eine andere Person durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt. Wie bei § 250 I Nr. 1 c handelt es sich um ein konkretes Gefährdungsdelikt, das jedoch eine Todesgefahr voraussetzt (Rengier, StrafR BT I, § 8 Rn. 26).

Quellen:

  • Heintschel-Heinegg, Bernd (Hrsg): Beck’scher Online-Kommentar Strafrecht, Stand: 10.11.2014
  • Rengier, Rudolf: Strafrecht Besonderer Teil I, Vermögensdelikte, 15. Aufl. München 2013
  • Schramm, Edward: Grundfälle zum Diebstahl JuS 2008, 773 ff.
  • Tofahrn, Sabine: Strafrecht Besonderer Teil II, Straftaten gegen Vermögenswerte, 3. Aufl. Heidelberg (u.a.) 2013








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