Der Diebstahl gemäß § 242 StGB spielt gerade in Anfängerklausuren und Hausarbeiten oft eine tragende Rolle. Im späteren Stadium der Ausbildung wird eine sichere Prüfung des § 242 StGB grundsätzlich vorausgesetzt. Der folgende Beitrag hilft Anfängern bei der Einarbeitung in die Materie und Fortgeschrittenen bei der überblicksartigen Aufarbeitung.
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Bild: “Diebstahl” von Dierk Schaefer. Lizenz: CC BY 2.0


I. Das geschützte Rechtsgut des § 242 StGB

Der Diebstahl ist in § 242 StGB geregelt und zählt zu den Eigentumsdelikten:

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird […] bestraft.

  • Nach einer Ansicht ist auch nur das Eigentum das von § 242 geschützte Rechtsgut.
  • Nach Ansicht der Rechtsprechung und eines überwiegenden Teils der Literatur werden durch diese Vorschrift dagegen sowohl das Eigentum als auch der Gewahrsam als selbstständiges Rechtsgut geschützt.

Für die zweite Ansicht kann man unter anderem argumentieren, dass der Diebstahl (§ 242 StGB) einen höheren Strafrahmen als die in § 246 StGB geregelte Unterschlagung aufweist. Hierin kommt das erhöhte Tatunrecht zum Ausdruck, das darin begründet ist, dass bei einer Verwirklichung des § 242 StGB zusätzlich zum Eigentum auch der Gewahrsam als zweites Rechtsgut verletzt wird. Demnach ist die zweite Ansicht vorzugswürdig. Dies hat zur Konsequenz, dass auch der Dieb selbst bestohlen werden kann.

II. Schema: Diebstahl, § 242 StGB

  • I. Tatbestand des § 242 StGB
    • 1. Objektiver Tatbestand
      • a) fremden beweglichen Sache
      • b) Wegnahme (fremder Gewahrsam, neuer Gewahrsam, Bruch)
    • 2. Subjektiver Tatbestand
      • a) Vorsatz
      • b) Zueignungsabsicht
    • 3. Rechtswidrigkeit der erstrebten Zueignung
    • 4. Vorsatz bzgl. der Rechtswidrigkeit der erstrebten Zueignung
  • II. Rechtswidrigkeit
  • III. Schuld
  • IV. Strafzumessung: besonders schwerer Fall des Diebstahls, § 243 StGB

III. Der objektive Tatbestand, § 242 StGB

Der objektive Tatbestand des § 242 Abs. 1 StGB erfordert die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache.

1. Fremde bewegliche Sache

Es müsste also zunächst eine fremde, bewegliche Sache iSd. § 242 Abs. 1 StGB vorliegen.

Definition: Eine Sache ist ein körperlicher Gegenstand im Sinne des § 90 BGB.

Beachte: Elektrische Energie fällt nicht unter den Sachbegriff iSd. § 242 Abs. 1 StGB. Um ihren Diebstahl zu sanktionieren, wurde § 248 c StGB geschaffen.

Definition: Die Fremdheit der Sache erfordert, dass sie nicht im Alleineigentum des Täters steht, nicht herrenlos und verkehrsfähig ist.
Definition: Die Sache ist außerdem beweglich, wenn sie tatsächlich fortbewegt werden kann. Es reicht dabei aus, wenn sie erst für die Wegnahme beweglich gemacht wurde.

Nach herrschender Meinung ist eine Leiche eine Sache, die aber grundsätzlich herrenlos ist. Etwas anderes kann beispielsweise nur im Rahmen einer Organspende oder der Zurverfügungstellung des Körpers für anatomische Untersuchungen gelten.

Lebende Menschen sind selbstverständlich keine Sachen. Nach herrschender Ansicht gilt dies auch für Körperteile und Implantate, die mit ihnen untrennbar verbunden sind. Bei ihrer Abtrennung werden sie hingegen als Sachen angesehen. Tiere fallen ebenfalls unter den Sachbegriff, vgl. § 90a BGB.

2. Wegnahme

Definition: Die Wegnahme ist der Bruch fremden und die Begründung neuen, nicht notwendig tätereigenen Gewahrsams.

Diebstahl, § 242 StGB

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a) Fremder Gewahrsam

Definition: Der Gewahrsam ist die von einem natürlichen Herrschaftswillen getragene tatsächliche Sachherrschaft eines Menschen über die Sache.

Die Frage, ob Gewahrsam vorliegt, richtet sich nach der Verkehrsauffassung. Auch Kinder, Geisteskranke, Bewusstlose und Schlafende können einen solchen natürlichen Herrschaftswillen haben.

Wichtig: Der Gewahrsam iSd. § 242 Abs. 1 StGB kann nicht mit dem zivilrechtlichen Besitz gleichgesetzt werden.

Haben mehrere Menschen Gewahrsam an einer Sache, ist zu differenzieren: Für die Wegnahme reicht der übergeordneten Gewahrsams sowie gleichrangigen Mitgewahrsams aus. Dagegen genügt der untergeordneten Gewahrsams nicht für eine Wegnahme.


Diebstahl, § 242 StGB

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b) Begründung neuen Gewahrsams

Der Täter begründet neuen Gewahrsam über eine Sache, wenn er die tatsächliche Sachherrschaft über diese derart erlangt hat, dass er sie ungehindert durch den bisherigen Gewahrsamsinhaber ausüben kann und Letzterer nicht mehr über sie verfügen kann, ohne die Verfügungsmacht des Täters zu beseitigen.

Wie die Definition der Wegnahme bereits aussagt, ist auch eine Gewahrsamsbegründung bei Dritten ausreichend.

c) Gewahrsamsbruch

Schließlich muss auch ein Bruch des Gewahrsams gegeben sein.

Definition: Ein Bruch fremden Gewahrsams liegt vor, wenn dieser gegen oder ohne den Willen des bisherigen Inhabers aufgehoben wird.

Der Bruch fremden Gewahrsams wird daher durch ein tatbestandsausschließendes Einverständnis des Gewahrsamsinhabers ausgeschlossen.

IV. Der subjektive Tatbestand, § 242 StGB

Der subjektive Tatbestand des § 242 Abs. 1 StGB verlangt Vorsatz bezüglich aller objektiven Tatbestandsmerkmale sowie die Zueignungsabsicht des Täters. Letztere hat keine Entsprechung im objektiven Tatbestand. Es handelt sich bei dem Diebstahl also um ein Delikt mit überschießender Innentendenz.

1. Vorsatz

Der Vorsatz wird bekanntermaßen als Wissen und Wollen der tatbestandlichen Verwirklichung definiert.

2. Zueignungsabsicht

Die Zueignungsabsicht des § 242 Abs. 1 StGB besteht aus zwei unterschiedlichen Komponenten:

Der Täter muss zum einen dolus eventualis bezüglich einer dauerhaften Enteignung und dolus directus 1. Grades im Hinblick auf eine zumindest vorübergehende Aneignung aufweisen. Er kann dabei die Absicht haben, sich die Sache selbst oder einem Dritten anzueignen. Die Drittaneignungsabsicht ist jedoch subsidiär zu prüfen.

Erforderlich ist folglich ein Enteignungsvorsatz sowie eine Aneignungsabsicht.


Diebstahl, § 242 StGB

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Der mögliche Gegenstand der erstrebten Zueignung lässt sich anhand der sogenannten Vereinigungsformel bestimmen. Danach kann der Täter die Absicht haben, sich die Sache selbst (sog. Substanztheorie) oder einen in ihr verkörperten oder innewohnenden Sachwert (sog. Sachwerttheorie) zuzueignen.

Hier finden sich die wichtigsten Qualifikationen des Diebstahls §§ 242, 244 StGB

V. Die Rechtswidrigkeit der erstrebten Zueignung und der darauf bezogene Vorsatz

Anschließend folgt die Prüfung der Rechtswidrigkeit der erstrebten Zueignung und des dazugehörigen Vorsatzes des Täters.
Dabei ist zu beachten, dass die Rechtswidrigkeit entfällt, wenn der Täter einen fälligen und einredefreien Anspruch auf die Übereignung der Sache hat. Geht es dagegen um eine Drittzueignung, ist auch ein solcher Anspruch des Dritten ausreichend.

Wird eine Sache weggenommen, die Gegenstand einer Stückschuld ist, entfällt die Rechtswidrigkeit also. Bei Gattungsschulden ist dies nicht der Fall, wenn vorher keine Konkretisierung (§ 243 Abs. 2 StGB) auf die betroffene Sache stattgefunden hat.

Eine Besonderheit ergibt sich bei Geldschulden. Der BGH nimmt hier einen Tatbestandsirrtum des Täters an, wenn er aufgrund einer Parallelwertung in der Laiensphäre irrtümlich davon ausgegangen ist, einen Anspruch auf das Geld zu haben, das das Opfer gerade bei sich trägt. Dagegen könnte man einwenden, dass es bei Geldschulden nicht darauf ankomme, dass diese mit bestimmten Scheinen bezahlt werden.

Nach der in der Literatur vertretenen Wertsummentheorie entfällt deshalb die Rechtswidrigkeit der erstrebten Zueignung auch bei Geldschulden, wenn der Täter einen Anspruch auf die Wertsumme des entnommenen Geldes hat.

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