In der Lerntheorie werden unterschiedliche Formen des Lernens und Lernmodelle beschrieben. Hierzu gehören das Signallernen (Klassische Konditionierung), das Lernen am Erfolg (Operante Konditionierung) sowie das kognitive Lernen, das Beobachtungslernen und Lernen durch Einsicht. Lernen ist auch Teil der Kognition. Die Kognition umfasst alle Prozesse der Wahrnehmung und des Erkennens. Zu ihr gehören also auch das Bewusstsein, Denken und Erinnern.
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Lernleitfaden
Medizin ➜
Der Physiologe und Begründer des Prinzips der klassischen Konditionierung P. Pawlow stieß mithilfe seines Hund-Glocke-Speichel-Experimens eher zufällig auf die Reaktion-Reiz-Kette, das sogenannte respondente Modell. Er kombinierte die Aktion des Fütterns der Hunde mit einem Glockenton und stellte fest, dass nach einiger Zeit die Hunde bereits beim Hören des Glockentons Speichel produzierten, obwohl ihnen noch gar kein Futter vorgesetzt wurde.
Der ursprünglich unkonditionierte Stimulus (Futter), der eine unkonditionierte Reaktion auslöste (Speichelfluss) wurde mit einem neutralen Reiz kombiniert. Mit der Zeit löst dieser neutrale Reiz die unkonditionierte Reaktion aus: Der neutrale Reiz ist zum konditionierten Stimulus geworden.

Klassische Konditionierung
Bild von LecturioDiese konditionierte Reaktion kann auch wieder gelöscht werden (Extinktion), indem der konditionierte Reiz weggelassen wird. Wird der Reiz spontan wieder gesetzt, kann die gelöschte Reaktion wieder auftreten, allerdings in abgeschwächter Form (spontane Erholung).
Wenn ähnliche Reize die gleiche Reaktion auslösen, spricht man von Reizgeneralisierung. Können ähnliche Reize trotzdem unterschieden werden, wird der Begriff Reizdiskrimination verwendet.
Der US-amerikanische Psychologe B. F. Skinner ist unweigerlich mit dem Begriff der operanten Konditionierung verknüpft (Skinnerbox). Die operante Konditionierung beschreibt das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern:
„Wie passen wir unser ursprünglich spontanes Verhalten durch Belohnung und Bestrafung an?“
Die folgenden Begriffe sind wichtig bei der operanten Konditionierung:
Achtung:
Skinnerbox: Apparatur für Tierexperimente mit einem angebrachten Hebel. Wenn dieser gedrückt wird, wird die Ratte mit einer Futterpille für ihr Verhalten belohnt. Das Verhalten der Ratte (Herunterdrücken des Hebels) wird verstärkt und so die Aktion öfter ausgeführt. Erhalten die Tiere bei Drücken des Hebels einen Schmerzreiz, unterlassen sie dieses Verhalten nach kurzer Zeit.

Aufbau der Skinnerbox
Bild von Lecturio| Verhaltenskonsequenz | Reaktion bei Hinzufügen | Reaktion bei Entfernt |
|---|---|---|
| Positiver Verstärker (Belohnung) | Verhalten wird häufiger | Verhalten wird seltener |
| Negativer Verstärker (Bestrafung) | Verhalten wird seltener | Verhalten wird häufiger |
| Begriff | Erklärung | Beispiel |
|---|---|---|
| Primärer Verstärker | Befriedigung primärer Bedürfnisse | Nahrung, Schlaf, Ruhe |
| Sekundärer Verstärker | Kopplung an primäre Verstärker (sozial, materiell, etc.) | Lob, Bewunderung, Geld |
| Emittiertes Verhalten | Spontan auftretende Verhaltensweisen, die nach Auftreten verstärkt werden können | Hund hebt seine Pfote, wird dann belohnt und tut dies wieder. |
| Promting | Hilfestellungen durch das Anstoßen von Verhaltensweisen von außen | Spracherwerb |
| Fading | Allmähliches Ausblenden der Prompts im Lauf des Konditionierungsprozesses | Lehrer gibt Tipps, um die richtige Antwort zu erlangen und reduziert diese Tipps im Verlauf. |
| Shaping | Stufenweises Erlernen von komplexen Verhaltensweisen durch Belohnung von Teilsequenzen | Kleinkind lernt sich die Schuhe zu binden |
| Chaining | Komplexe Verhaltensketten erlernen, meist wird das letzte Element zuerst verstärkt | Zähneputzen: Paste auf Bürste, verschiedene Bereiche putzen, ausspülen, Zahnseide, etc. |
| Premack-Prinzip | Kopplung einer weniger favorisierten Tätigkeit mit einer beliebten | „Erst isst du den Salat, dann gibt es den Nachtisch!“ |
Die Verstärkerpläne bezeichnen die konsistente Beziehung zwischen Verhalten und Konsequenz = Kontingenz.
Eine hohe Kontingenz ist gegeben, wenn nach fast jedem Verhalten eine Konsequenz folgt. Niedrige Kontingenz hingegen, dass nur manchmal eine Konsequenz folgt. Bei der kontinuierlichen Verstärkung wird jede einzelne gewünschte Verhaltensweise verstärkt. Bei der intermittierenden Verstärkung wird nur eine bestimmte Anzahl aller gewünschten Verhaltensweisen verstärkt. Es wird in Quotenpläne und Intervallpläne unterschieden:
| Festgelegte Quotenpläne | Konsequenz erfolgt nach fixierter Quote, z. B. jedes 3. Mal |
|---|---|
| Variable Quotenpläne | Konsequenz erfolgt nach variabler Quote, z. B. nach dem 2., dann 5., dann 10. Mal |
| Festgelegte Intervallpläne | Konsequenz erfolgt nach fixiertem Zeitintervall, z. B. immer nach 5 Minuten |
| Variable Intervallpläne | Konsequenz erfolgt nach variablem Zeitintervall, z. B. nach 5, dann 10, dann 15 Minuten |
Wichtig: Kontinuierliche Verstärkung sorgt zwar für schnelles Lernen, erfolgt die Verstärkung allerdings nur intermittierend, ist das Gelernte löschungsresistenter.
Das Lernen durch Einsicht meint, dass Menschen zu einer Lösung kommen, indem sie einen Sachverhalt verstehen. Die Person kommt also durch reine Überlegung zu einer Lösung, nicht durch eine nach außen hin sicht- und beobachtbare Erfahrung. Das „Aha-Erlebnis“ wird dem Lernen durch Einsicht zugeordnet: Ein plötzlicher „Geistesblitz“ führt zu einem Verständnis und entsprechendem lösungsorientiertem Verhalten. Dieser Lösungsweg kann dann auch auf andere Situationen übertragen werden (z. B. Mathematikaufgaben).
Verhaltensweisen werden hier mit möglicherweise positiven oder negativen Konsequenzen an einem Modell erlernt: Andere werden beobachtet und das Verhalten wird nachgeahmt und auf diese Weise erlernt. So finden für die Beobachtenden aber weder Verstärkung noch Konsequenzen statt.
Viele pro- und antisoziale Verhaltensmuster werden durch Lernen am Modell erklärbar.
Beispiele:
Verhaltensweisen werden initial durch Modell-Lernen und operante Konditionierung erlernt. Auf der Basis dessen erstellen Menschen eigene Erwartungsmuster an sich selbst. Die intrinsischen Faktoren Selbstkontrolle, Selbstkritik und Selbstbekräftigung ersetzen nun äußere Verstärkung und Bestrafung.
Beispiel: Ein Kind wird so erzogen, dass es sich Freizeitaktivitäten immer nur dann erlauben kann, wenn es etwas „geleistet“ hat. Als erwachsene Person gesteht dieser Mensch sich nur Pausen zu, wenn das selbst erstellte Tagespensum erfüllt wurde, sonst nicht.
| Habituation | Gewöhnung an einen wiederkehrenden Reiz. Reaktionsintensität bei Wiederholung eines Reizes lässt nach. (Allerdings: keine Habituation an Schmerz) | Kontaktlinsen im Auge, taktile Reize der Kleidung |
|---|---|---|
| Dishabituation | „Entwöhnung von der Gewöhnung“ Wiederauftreten der Reaktion nach Habituation durch eingestreuten, andersartigen Reiz | Ändert sich der permanente Sirenenton eines Krankenwagens plötzlich, wird das bereits ausgeblendete Geräusch wieder wahrgenommen. |
| Sensitivierung | Gegenteil von Habituation. Zunahme der Reaktionsintensität, die bei Wiederholung zunimmt | Ein Kind, das Angst vor Gewitter hat, gerät bereits bei Auftreten von dunklen Wolken und Regen in Panik. |
Besonders bei Angststörungen (Phobien) kommt die Verhaltenstherapie zum Einsatz. Bei der Entstehung von Angst spielen die klassischen Konditionierungsvorgänge die Hauptrolle, die Aufrechterhaltung wird jedoch durch die operante Konditionierung geschaffen. Die Reiz-Reaktions-Verknüpfung (z. B. Angst vor schwarzen Autos aufgrund eines Unfalls) kann unter Umständen über Jahre durch Vermeidung des einst Angst auslösenden Stimulus erhalten werden.
Therapeut*innen erstellen eine Verhaltensanalyse angelehnt an das SORCK-Modell (Beispiel: Angst vor schwarzen Autos).
| S | Stimulus | Anblick von schwarzen Autos |
|---|---|---|
| O | Organismus | Negative Erfahrung mit schwarzen Autos in der Kindheit |
| R | Reaktion | Starke Angstgefühle, Vermeidungsreaktion, Stimuluskontrolle |
| C | Kontingenz | Stärke des Zusammenhangs zwischen R und C |
| K | Konsequenz | Nachlassen der Angst durch Vermeidungsreaktion (negative Verstärkung) |
Sind diese Bedingungen der Angst genau diagnostiziert, versuchen Therapeut*innen eine Verhaltensmodifikation einzuleiten. Die Löschung der Angst kann erwirkt werden, wenn die betroffene Person sich dem gefürchteten Objekt aussetzt und merkt, dass hiervon keine Gefahr ausgeht: Konfrontationstherapie.
Systematische Desensibilisierung
Die systematische Desensibilisierung beschreibt ein Vorgehen in drei Stufen:
Flooding
Die Reizüberflutung geht nicht stufenweise vor, sondern stellt eine sofortige intensive Konfrontation mit dem Angstobjekt/der Angstsituation dar. Flooding soll den Betroffenen beweisen, dass keine reale Gefahr vom Stimulus ausgeht.
Unter Kognition (lat. cognoscere: erfahren, erkennen) wird der Komplex aus u. a. Wahrnehmung, Bewusstsein, Denken, Erkennen und Erinnern verstanden.
Aufmerksamkeit: gesteigerte Vigilanz und selektive Orientierung von Wahrnehmung, Denken und Handeln → ein Zustand konzentrierter Bewusstheit
Wahrnehmung: Über die Wahrnehmung werden Informationen aus Außen- und Innenwelt gewonnen. Exterozeption bezeichnet die Umgebungswahrnehmung durch Sinnesorgane, Interozeption die Innenwahrnehmung der eigenen körperlichen Prozesse.
Die Wahrnehmung kann selektiv, verstärkt, unterschwellig oder gestört ablaufen. Zu den Wahrnehmungsstörungen gehört:
Sprache dient der zwischenmenschlichen Kommunikation von Gedanken, Wünschen und Gefühlen und bedient sich dabei vieler Symbole. Broca-Areal und Wernicke-Areal sind für Sprachproduktion und Sprachverständnis zuständig. Zentrale Sprachstörungen heißen Aphasie. Sind sowohl Sprachverständnis als auch Sprachproduktion gestört, wird von einer globalen Aphasie gesprochen.
| Funktion | Lokalisation | Aphasie | |
|---|---|---|---|
| Broca-Areal | Sprachproduktion | Frontalwindungen der dominanten Hemisphäre (bei Rechtshändern links) | Motorische, expressive Aphasie (Sprachverständnis ist intakt) |
| Wernicke-Areal | Sprachverständnis | Parietaler Temporallappen der dominanten Hemisphäre | Sensorische, rezeptorische Aphasie, (Sprachverständnis ist gestört) |

Broca und Wernicke Areal im Gehirn
Bild: „Brocas and Wernickes Areas“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0