Die mittelbare Täterschaft zeichnet sich dadurch aus, dass die Tat durch einen nicht voll deliktisch handelnden Vordermann begangen und von einem überlegenen Hintermann beherrscht wird. Kompliziert wird diese Konstellation, wenn der Hintermann einem Irrtum unterliegt. 
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Strafrecht-Kurs.

Bild: “Always watch your back !” von Craug Sunter. Lizenz: CC BY 2.0


Die mittelbare Täterschaft

Nach § 25 I 2.Alt. StGB wird als Täter bestraft, wer die Tat durch einen Anderen begeht. Das StGB legt damit eigentlich etwas sehr Erstaunliches fest: Täter eines Totschlags kann demnach auch derjenige sein, der die Tötungshandlung nicht selbst ausführt. Es wird dem Hintermann also eine objektive Handlung eines Anderen zugerechnet. Voraussetzung für eine Bestrafung als (mittelbarer) Täter ist, dass er Tatherrschaft inne hat.

Tatherrschaft ist das vom Vorsatz umfasste In-den-Händen-Halten des tatbestandlichen Geschehens.

Bei der mittelbaren Täterschaft liegt in der Regel Tatherrschaft kraft überlegenen Wissens oder Wollens vor (Wissens- oder Willensherrschaft). Der mittelbare Täter nutzt den „Mangel“ des Tatmittlers bewusst und zu seinen Gunsten aus.

 Der Irrtum des Hintermanns

Davon ausgehend, erschließt sich auch die Problematik des Irrtums beim Hintermann: wenn der Hintermann einem Irrtum unterliegt, kann dann noch von Tatherrschaft in Form der Willens- oder Wissensherrschaft gesprochen werden? Oder ist vielmehr die Tatherrschaft zu verneinen, sodass nur eine Teilnahmestrafbarkeit in Frage kommt? Hierfür gibt es aufgrund der verschiedenen möglichen Konstellationen keine allgemein gültige Antwort, vielmehr ist nach den jeweiligen Einzelfällen zu unterscheiden.

Konstellation 1: Irrtum bezüglich Schuld des Werkzeugs

Die erste mögliche Konstellation umfasst Fälle, in denen der Hintermann irrigerweise annimmt, das Werkzeug handele schuldhaft.

Beispiel: A überredet B, dem C aufzulauern und dessen Geldbeutel zu entwenden. Dabei geht A davon aus, B sei voll zurechnungsfähig. Tatsächlich ist B jedoch geisteskrank und weiß gar nicht, was er da macht.

Mittelbare Täterschaft setzt nicht nur eine Zurechnung auf objektiver Ebene aufgrund von Tatherrschaft voraus, sondern auch, dass der Hintermann auf subjektiver Ebene einen anderen als Werkzeug benutzen will. Geht er davon aus, der Vordermann handele voll deliktisch, so fehlt es ihm am Vorsatz hinsichtlich des Benutzen eines Werkzeugs. In der Folge scheidet eine Strafbarkeit wegen mittelbarer Täterschaft aus. Stattdessen ist der Hintermann wegen Anstiftung nach § 26 StGB zu bestrafen.

Konstellation 2: Irrtum über Schuld des Werkzeugs

Die nächste Konstellation ist genau anders herum: Der Hintermann geht irrigerweise davon aus, das Werkzeug würde schuldlos handeln.

Beispiel: A trifft abends in der Kneipe des B. B macht einen so verwirrten Eindruck, dass A irrigerweise annimmt, er sei geisteskrank. Tatsächlich hat B an dem Tag einfach nur Fieber. A überredet B, dem C eine Tracht Prügel zu verpassen. B ist ohnehin in aggressiver Stimmung und kommt dem deshalb nach.

In einem solchen Fall geht der Hintermann davon aus, er habe Tatherrschaft über den Vordermann, tatsächlich fehlt es ihm jedoch an der Tatherrschaft. Ohne Tatherrschaft scheidet aber auch eine Bestrafung wegen mittelbarer Täterschaft logischerweise aus. Es bleibt also wieder (nur) die Anstiftung, § 26 StGB.

 Konstellation 3: Irrtum über Vorsatz des Werkzeugs

Schließlich gibt es noch den Fall, dass der Hintermann irrigerweise glaubt, das Werkzeug handele vorsätzlich.

Beispiel: A überredet den B, den C zu verprügeln. Dabei geht er irrigerweise davon aus, auch B selbst möchte den C verprügeln, da die beiden einen heftigen Streit hatten. Tatsächlich möchte B selbst die Prügelattacke gar nicht machen, er tut dies nur dem A zuliebe.

Eine mittelbare Täterschaft scheidet in einem solchen Fall aus, weil es dem Hintermann am Vorsatz auf Benutzen eines Werkzeugs fehlt. Es bleibt also nur die Anstiftung. Diese setzt jedoch eine vorsätzlich begangene, rechtswidrige Haupttat voraus. Handelt der Vordermann vorsatzlos, fehlt es am Anknüpfungspunkt für die Anstiftung. In Frage kommt dann also allenfalls eine Bestrafung wegen versuchter Anstiftung nach § 30 StGB.

 Konstellation 4: Irrtum über Vorsatz des Werkzeugs

Und natürlich ist auch dieser Fall genau anders herum denkbar: Der Hintermann nimmt irrtümlich an, das Werkzeug handele vorsatzlos.

Beispiel: A überredet den B, den Geldbeutel des C zu entwenden. Dabei geht er davon aus, dass C dies eigentlich gar nicht möchte. In Wahrheit möchte jedoch auch C selbst den Geldbeutel des C entwenden, um diesen zu verärgern.

In einem solchen Fall fehlt es wieder an der Tatherrschaft. Und auch hier gilt: Ohne Tatherrschaft (und damit Täterqualität) auch keine Bestrafung wegen mittelbarer Täterschaft. In Frage kommt jedoch eine Strafbarkeit wegen Anstiftung gem. § 26 StGB, da in dieser Konstellation die vorsätzlich begangene, rechtswidrige Haupttat vorliegt.

Wenn Sie noch mehr über strafrechtliche Irrtümer erfahren wollen, dann lesen Sie unseren ultimativen Übersichtsartikel zu Irrtümern im Strafrecht oder holen Sie sich das kostenlose eBook zum Thema.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *