Schon während des Jurastudiums bietet er Ihnen eine gute Möglichkeit, sich in Ihrem Wunschrechtsgebiet fortzubilden: Der Schwerpunktbereich. Vielleicht wird Ihnen dabei sogar klar, dass Sie in diesem Feld später tätig werden möchten. Sie sollten seine Auswahl deshalb nicht dem Zufall überlassen. Wir informieren Sie schon vor Studienbeginn darüber, was der Schwerpunktbereich ist und welche Vertiefungsmöglichkeiten Sie haben.
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Bild: “decisions” von Martin Fisch. Lizenz: CC BY-SA 2.0

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Was ist eigentlich der Schwerpunktbereich?

Der Schwerpunktbereich hat nicht schon immer in der Juristenausbildung existiert. 2002 ersetzte er das frühere Wahlfach im Zuge des Gesetzes zur Reform der Juristenausbildung. Seither wird nicht mehr von der „Ersten juristischen Staatsprüfung“ sondern von der „Ersten juristischen Prüfung“ gesprochen.

Diese setzt sich zu 70% aus der Note der staatlichen Pflichtfachprüfung und zu 30 % aus der universitären Schwerpunktbereichsprüfung zusammen.

Was muss ich im Schwerpunktbereich leisten?

Während diese Frage für den staatlichen Teil der Ersten juristischen Prüfung noch relativ leicht zu beantworten ist (fünf bis sieben schriftliche und eine mündliche Prüfung, eventuell mit einem Kurzvortrag), sieht dies hier schon anders aus. Jede Universität kann frei entscheiden, was sie den Studierenden im Schwerpunkt abverlangt.

Das Schwerpunktbereichsstudium wird in der Regel nach der Zwischenprüfung, also ab dem 5. Semester, absolviert. Je nach Universität variiert seine Dauer von zwei (zum Beispiel an der Universität Bayreuth) bis hin zu vier Semestern (etwa an der Universität Heidelberg). So unterschiedlich wie die vorgesehene Semesterzahl sind auch die Prüfungsleistungen, die erbracht werden müssen.

Häufig setzen sich diese aus einer Hausarbeit, einer Klausur und einer mündlichen Prüfung zusammen. So etwa an der Universität Hamburg: Hier muss der Kandidat eine vierwöchige Hausarbeit anfertigen, eine fünfstündige Klausur schreiben und eine fünfzehnminütige mündliche Prüfung absolvieren. Ganz anders schaut es an der Universität Bonn aus: Sieben Abschlussklausuren und eine Hausarbeit warten hier auf die Studierenden.

Einige legen die Schwerpunktbereichsprüfung bereits vollständig vor der staatlichen Pflichtfachprüfung ab, andere währenddessen oder auch erst danach. Aber Vorsicht ist geboten:

Nicht an jeder Uni kann man frei entscheiden, wie lang man seine Schwerpunktbereichsprüfung hinauszögern möchte.

So darf sie an der Uni Halle etwa nicht nach dem staatlichen Teil absolviert werden.

Es lohnt sich aber durchaus, das Schwerpunktstudium schnell hinter sich zu bringen, da einige Universitäten (wie Greifswald und Jena) eine „Freischuss“-Regelung parat halten: Wenn man die Prüfung bis zum Ende des 9. Fachsemesters vollständig ablegt und nicht besteht, gilt der Versuch als nicht unternommen.

Welche Schwerpunktbereiche gibt es?

Prinzipiell lässt sich festhalten, dass es ein sehr weites Spektrum an Schwerpunktbereichen gibt, beispielsweise aus den Gebieten Strafrecht, Wirtschaftsrecht, Zivilrecht, Grundlagen des Rechts, internationales Recht, Medienrecht, Arbeits- und Sozialrecht, öffentliches Recht (etwa Staats- und Verwaltungsrecht) usw. Die individuellen Ausformungen und Akzentuierungen an den jeweiligen Unis sind dabei nahezu unüberschaubar.

Als sehr interessant ist auch das an der Universität Mainz angebotene Kombinationsmodell hervorzuheben, bei dem aus zwei Teilschwerpunkten ein Schwerpunkt zusammengestellt wird. Dies bietet die Möglichkeit, sich in zwei verschiedenen Bereichen zu vertiefen. Auch spezielle Zusatzausbildungen können dem Studium eine besondere Note geben. So wird etwa an der Uni Bayreuth ein technikwissenschaftliches Zusatzstudium für Jurastudenten angeboten.

Welcher ist der richtige für mich?

Zunächst einmal richtet sich dies nach Ihren persönlichen Interessen. Wohlmeinende Tipps Studierender höherer Semester nach dem Motto „Im SB xy bekommst du maximal 6 Punkte“ sollten Sie nicht davon abhalten, Ihren Vorlieben nachzugehen, da ein Interesse an der Materie ganz entscheidend für Ihren Erfolg sein wird.

Darüber hinaus können Sie sich überlegen, ob Sie einen Schwerpunkt wählen möchten, der viele Überschneidungen mit dem Pflichtstoff für den staatlichen Teil der Ersten juristischen Prüfung aufweist. Unter Umständen können Sie Ihr im Schwerpunkt erworbenes Wissen dann schon für diese nutzen.

Zehn Schwerpunktbereiche im Überblick

Um Ihnen einen Eindruck von der Bandbreite der verschiedenen Schwerpunktbereiche zu vermitteln, haben wir zehn besonders interessante Spezialisierungsmöglichkeiten für Sie recherchiert:

  • „Einwanderung und soziale Integration“ an der Universität Bielefeld ist ein deutschlandweit einzigartiges Angebot aus einer Kombination von Einwanderungs- und Sozialrecht. Unter anderem werden hier das Staatsangehörigkeits- und das Asylrecht sowie das Sozialversicherungs- und Sozialhilferecht gelehrt.
  • Der interdisziplinär angelegte Studienschwerpunkt „Bio-, Gesundheits- und Medizinrecht“ an der Universität Augsburg bietet eine gute Gelegenheit, sich mit aktuellen Fragestellungen in diesen Bereichen auseinanderzusetzen und hierdurch seinen juristischen Horizont zu erweitern. Ganz nebenbei erhöht man seine Berufschancen im Gesundheitssektor. An der Uni Bremen kann man einen ähnlichen Schwerpunkt wählen: „Informations-, Gesundheits- und Medizinrecht“.
  • Der später als Anwalt tätig werden möchte, kann im Schwerpunkt „Anwaltliche Rechtsberatung und Anwaltsrecht“ an der Uni Hannover schon wichtiges Know-how unter anderem im Bereich Prozessführung und Kanzleimanagement erwerben. Hier ist insbesondere eine strafrechtliche, öffentlich-rechtliche oder zivilrechtliche Spezialisierung möglich.
  • „Ökonomische Analyse des Rechts“ heißt der Schwerpunkt an der Universität Hamburg, der Nachwuchsjuristen wertvolles Schnittstellenwissen zwischen Wirtschaft und Recht vermittelt.
  • An der Universität Heidelberg kann man den Schwerpunkt Steuerrecht belegen und sich hierdurch in einem Rechtsbereich vertiefen, in dem Expertise nach wie vor sehr gefragt ist. Auch die Ruhr-Universität Bochum bildet hier aus. Es kann der Schwerpunkt „Steuern und Finanzen“ belegt werden.
  • Welche theoretischen und philosophischen Grundlagen liegen unserer Rechtsordnung eigentlich zugrunde? Wer sich diese Frage stellt, sollte einen genaueren Blick auf den Schwerpunkt „Grundlagen des Rechts“ an der Uni Potsdam werfen. Dieser kann sogar mit der Vertiefung Kirchenrecht belegt werden, welches nicht an vielen Unis gelehrt wird.
  • Die Universität Konstanz bietet den Schwerpunktbereich „Strafrechtspflege: Wirtschaftsstrafrecht, Kriminologie, Europäisierung und Praxis“ an. Hier kann man sich – neben den genannten Bereichen- im deutschen, europäischen und internationalen Strafprozessrecht weiterbilden.
  • Kenntnisse im internationalen Recht kann man an der Uni Tübingen im Schwerpunkt „Recht der internationalen Beziehungen“ erwerben. Dabei stehen unter anderem Veranstaltungen zum Völkerrecht auf dem Plan.
  • An der Uni Würzburg kann man den Schwerpunkt „Politik, Regierung, Verwaltung“ studieren und sich im Staats- und Verwaltungsrecht vertiefen.
  • Die Humboldt-Universität Berlin bietet die Option, den Schwerpunkt im Ausland zu absolvieren. Dabei kann in Genf, London, Paris und demnächst auch in Dublin studiert werden.

Fazit

Sie sehen, dass Sie die unterschiedlichsten Möglichkeiten haben, wenn es darum geht, einen passenden Schwerpunktbereich auszuwählen. Die oben genannten Bereiche sollen dabei ausdrücklich nur als Beispiel dienen und werden meist auch noch ähnlich an anderen Unis angeboten.

Informieren Sie sich deshalb bei den von Ihnen favorisierten Fakultäten darüber, was für ein Angebot im Einzelnen besteht. Dann steht einem interessanten und gewinnbringenden Schwerpunktstudium nichts mehr im Weg.





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