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Bild: “Relaxed male bear” von Tambako The Jaguar. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Wu-Wei ist ein Grundgedanke des Taoismus und meint ein Nichthandeln, im Sinne von Verzicht auf gegen einen natürlichen Verlauf gerichtetes Handeln. Kein Eifer, keine eigennützigen Ziele – stattdessen geschehen lassen. Kreative Passivität. Man kann das vor allem bei Künstlern beobachten: Der Musiker tritt hinter die Musik zurück, die Malerin hinter die Malerei, der Autor hinter den Text – sie spielen, malen und schreiben nicht, sie lassen es musizieren, sich kreieren und entfalten.

Lassen Sie den kreativen Strom fließen

Das Ego der Person wird für den Moment außer Kraft gesetzt, und in der entspannten Konzentration fließt der kreative Strom, ungebremst von einem Ego-Ich. Das ist eine der Essenzen aus Wu-Wei, das Gegenteil von blindem Aktionismus: Nichteingreifen. Zulassen. Eine Haltung einzunehmen, in der das Vertrauen in sich selbst und die vitalen Kräfte des Lebens sich entfalten und die Führung übernehmen darf.

Vertrauen darauf, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden, dass das Richtige geschieht. Dass das Leben oder Universum, Gott oder eine höhere geistige Instanz, Ihr Instinkt, o. ä. Sie immer genau mit dem konfrontiert, was gerade Ihrer Entwicklung förderlich ist.

Wie Sie sich erste Schritte aneignen

Wu-Wei ist keine Methode, sondern die Idee einer inneren Haltung zum Leben, die über lange Zeit hinweg entwickelt werden muss, will man sich voll und ganz nach ihr richten. Die ersten Schritte jedoch sind Kleinigkeiten:

Wu-Wei heißt etwa, dem Hund nicht hinterherzurennen, sondern in die andere Richtung wegzugehen, damit er einem folgt. Es meint, die Staude im Garten nicht zu pflanzen, wenn man gerade Zeit hat, sondern dann, wenn die Witterung günstig dazu und das Gewächs dafür im richtigen Stadium ist. Es kann bedeuten, dann zu essen, wenn man hungrig ist, und nicht, wenn gerade jemand gekocht hat.

Wu-Wei bedeutet, nicht in den natürlichen Verlauf einzugreifen, und sich stattdessen an seiner inneren Stimme und den Gegebenheiten zu orientieren. Auf Krafteinsatz reagiert man mit Nachgeben. Gestalten wollen nach den Maßgaben einer westlichen Zivilisation, das ist ein Eingriff in die Ordnung der Dinge, die zum Scheitern verurteilt ist, würden Die Daoisten sagen.

„Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“ – Blaise Pascal

Was im Leben – und im Beruf! – geschieht, hat häufig wenig mit dem zu tun, was ursprünglich geplant war. Zu unvorhersehbar sind die Dinge und ihre Entwicklungen auf lange Sicht. Das bedeutet nun nicht, dass Sie keinen Einfluss auf das Geschehen haben, oder davon absehen sollen, Ihre Marschrichtung zu bestimmen. Es geht nicht darum, lethargisch und passiv zu sein.

Wu-Wei meint im Kern, Handlungen an der Natur der eigenen Individualität auszurichten, anstatt am rein kognitiven, nutzenorientierten Willen. Entscheidungen sollen intuitiv, spontan und zweckdienlich fallen, indem Sie die Gegebenheiten erfassen, den richtigen Moment abpassen und angemessene Mittel zum Einsatz bringen. Vielleicht heißt das manches Mal auch: Nicht (jetzt) agieren. Manchmal sind Nicht-Handeln, Abwarten oder schlichtes Aussitzen einer Angelegenheit gute Alternativen.

Das richtige Timing spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wer mit Gelassenheit abwarten kann, um seine Vorschläge, Ideen oder Produkte ins Spiel zu bringen, hat bessere Chancen auf Erfolg, als jemand, der stets sofort in Aktion tritt.

Das Gefühl, unter Zeitdruck zu arbeiten, führt zu Stress. Stress wiederum ist ursächlich für eine höhere Fehleranfälligkeit und eine Menge Zivilisationskrankheiten. Das menschliche Gehirn reagiert auf Stress nach wie vor damit, auf den uralten Fight-or-Flight-Modus umzustellen, der rationalen, wohlüberlegten Handlungen eher abträglich ist.

„Wenn du auf dem Wasser reisen willst, ist ein Boot dafür geeignet, weil ein Boot sich auf dem Wasser in geeigneter Weise bewegt. Wenn du aber an Land gehst, kommst du damit nicht weiter und wirst nur Ärger haben und nichts erreichen als dir selbst Schaden zuzufügen.“ – Zhuangzi XIV

Segeln Sie auf Ihrem Boot – statt es durch die Wüste zu ziehen

Kann Wu-Wei also in Ihrer täglichen Arbeit eine mögliche Handlungsmaxime sein? Das hängt sicherlich von Ihrem Arbeitsfeld ab. Vom Unternehmen und seinem Leitbild. Vor allem aber von Ihnen. Den Dingen aus dem Weg zu gehen und sie geschehen zu lassen, statt etwas erzwingen zu wollen, kann auch in Bereichen funktionieren, wo es auf den ersten Blick unmöglich scheint. Häufig stellen sich Lösungen dann ein, wenn man loslassen kann.

Das Ganze im Blick zu behalten, statt sich auf Details zu fokussieren, sich zu entspannen, statt verkrampft zu Werke zu gehen, unter Druck lieber eine Pause mehr einzulegen, Freiräume für spontane Entwicklungen offen zu halten, wahrzunehmen, ohne sofort zu beurteilen – das sind grundsätzliche Aspekte einer Haltung, die auch im beruflichen Alltag für den Menschen und Projekte gleichermaßen wohltuend sein kann.

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Ein Gedanke zu „Wu-Wei-Methode: Wie Sie Nichthandeln voranbringt

  • ute horst

    Liebe Leute,
    vielen Dank für diesen hilfreichen Beitrag. leider verfalle ich auch nach 20jähriger WuWei- Praxis in Ego-zentrierten blinden Aktivismus und bekomme prompt eins auf den Deckel. Z.B.: ich wollte in einem Hotel unbedingt ein bestimmtes Zimmer, weil ruhig und mit sonniger Aussicht. Nach etlichen Mails hatte ich das Zimmer aber das Klo war defekt und verursachte permanent Störgeraüsche, so dass ich letztlich wieder ausziehen musste.
    Tja, einfach Pech gehabt oder den Fluss des TAO behindert? Auf jeden Fall angeeckt.