Im Frühling stehen die schriftlichen Abiturprüfungen an und viele Schüler überlegen bereits, wie es nach ihrem Abschluss weitergehen soll. Vielleicht sind auch Sie an einem Jurastudium interessiert, haben aber noch keine konkrete Vorstellung, was Sie dabei eigentlich erwartet? Dann geht es Ihnen wie den meisten Außenstehenden, die sich fragen, was sich paukende Nachwuchsjuristen in der Bibliothek eigentlich den lieben langen Tag zu Gemüte führen. Zeit, den Schleier des Nichtwissens zu lüften.
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Bild: “Books HD” von Abhi Sharma. Lizenz: CC BY 2.0


Die Rolle des Gesetzes

Das gängigste Vorurteil im Hinblick auf die rechtswissenschaftliche Ausbildung ist höchstwahrscheinlich, dass Jurastudenten den ganzen Tag Paragraphen auswendig lernen. Welcher Jurist hat nicht im Laufe seines Studiums das ungläubige Erstaunen befreundeter Studenten anderer Fachrichtungen erlebt, die entsetzt auf seinen Schönfelder starrten und fragten:

Das müsst ihr alles auswendig können?

Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: Nein! Der Inhalt des Jurastudiums besteht natürlich nicht darin, möglichst viele Gesetze auswendig aufsagen zu können. Stattdessen darf man sie während den Klausuren sogar benutzen.

Was sind die Inhalte des Jurastudiums?

Das oberste Ziel ist es, die Anwendung von Gesetzen zu lernen, sie zu verstehen und richtig auslegen zu können. Der Gesetzestext ist das Werkzeug, um zur vertretbaren Lösung einer Problemstellung zu gelangen.

Das Auswendiglernen von Fakten nimmt eher eine nachrangige Rolle ein. Natürlich sollte man beispielsweise die eine oder andere Definition möglichst wörtlich parat haben. Aber auch hier macht Übung den Meister: Hat man einen Satz mehrfach niedergeschrieben, behält man ihn automatisch im Kopf – stupides Auswendiglernen (größtenteils) Fehlanzeige!

Im Rahmen des Jurastudiums beschäftig man sich mit dem Zivilrecht, dem Strafrecht und dem Öffentlichen Recht. In den Vorlesungen werden einem wichtige Gesetze erklärt und vor allem auch Fallkonstellationen präsentiert, deren Lösung nicht eindeutig ist bzw. über die zum Teil heftig gestritten wird. Derartige Meinungsstreitigkeiten sind ein zentraler Bestandteil des Studiums. Es geht beim Lernen also auch um Dinge, die gerade nicht im Gesetz stehen.

So setzt man sich mit (höchstrichterlicher) Rechtsprechung und Kommentaren auseinander und lernt, ein Gespür für juristische Zusammenhänge zu entwickeln. Dabei gilt es auch, einen Überblick über die Gesetzessystematik zu erlangen. Dies befähigt einen später dazu, sich schnell in neue Rechtsgebiete einzuarbeiten.

Das Gelernte muss dann bei der Erstellung eines Gutachtens zu einem Sachverhalt umgesetzt werden. Dies geschieht im berühmt-berüchtigten Gutachtenstil. Auch dieser muss am Anfang eingeübt und gefestigt werden. Während der eine Student von Beginn an gut damit zurechtkommt, braucht der andere etwas länger, um ihn sauber anzuwenden.

Da die Klausuren im juristischen Bereich aber fast ausschließlich aus Gutachten bestehen, ist man gezwungen, ihn möglichst schnell zu beherrschen. Übungen und Tutorien helfen einem dabei auf die Sprünge.

Auch Grundlagenfächer sind (gerade in den ersten Semestern) ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Rechtsgeschichte, -philosophie und -soziologie helfen einem dabei, das „große Ganze“ etwas besser zu verstehen, also Fragen wie etwa „Woher kommt das Recht?“ oder „Wozu brauchen wir es eigentlich?“.

Ist Jura trocken?

Jura? Das ist aber trocken!

Das ist wohl eine der gängigsten Reaktionen, wenn man seine Studienwahl neuen Bekannten gegenüber präsentiert. Das Jurastudium kann einem sicherlich wie eine einzige Durststrecke vorkommen, wenn man keinerlei Begeisterung für seine Inhalte aufbringen kann. Dann sollte man aber rechtzeitig die Notbremse ziehen und sich ein anderes Studienfach suchen.

Die Aussage, dass Jura trocken sei, stimmt in ihrer Pauschalität dagegen keineswegs. Zwar wird die Theorielastigkeit des Jurastudiums oft kritisiert, durch die häufige Konfrontation mit realen Gerichtsentscheidungen und aktuellen gesellschaftlichen Themen geht der Praxisbezug jedoch nie ganz verloren – auch wenn der Besuch von Vorlesungen allein einen kaum auf die Tätigkeit als Anwalt vorbereitet.

Das Schöne an diesem Studium ist aber gerade der Umstand, dass es immer und immer wieder um das Lösen von Fällen mit realem Hintergrund geht.

Wem es dennoch zu theoretisch zugeht, kann bereits studienbegleitend als Hilfskraft in einer Anwaltskanzlei tätig werden oder sich an einer der studentischen Rechtsberatungen beteiligen, die im angloamerikanischen Raum seit langem etabliert sind und auch in Deutschland mehr und mehr Zuspruch finden.

Was benötige ich für das Jurastudium?

Jeder kennt natürlich auch die gängigsten Klischees über Aussehen und Habitus der Jungjuristen, die schon zum Einführungstag im Cabrio vorfahren und sich in den beruflichen Erfolgen ihrer Eltern sonnen. Doch wie in allen Studiengängen und anderen Lebensbereichen auch, treffen hier die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander.

Viel wichtiger als der familiäre und der finanzielle Background sind gewisse Eigenschaften, die Ihnen gerade den Studienbeginn maßgeblich erleichtern werden:

  • Durchhaltevermögen: Auch wenn in den ersten Semestern durchaus Zeit für die ein oder andere Party bleibt, wird es früher oder später doch sehr anstrengend. Gerade wenn die Noten am Anfang nicht so ausfallen, wie erhofft, sollten Sie nicht verzagen, sondern am Ball bleiben – schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
  • Logisches Denken: Jura bedeutet gleichzeitig auch, Argumentationsstränge logisch stringent verfolgen zu können. Es kann dementsprechend nicht schaden, wenn Sie in der Schule gewisse Sympathien für Mathe gehegt haben. Aber keine Panik: Gerade das logische Argumentieren kann man durchaus erlernen.
  • Lesekompetenz: Während des Jurastudiums sind Sie gezwungen, sehr viel zu lesen und sich große Mengen Stoff in relativ kurzer Zeit anzueignen. Setzen Sie sich am besten gleich zu Beginn des Studiums mit Lern- und Lesetechniken auseinander. Das hilft Ihnen, den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren und nicht in unnötigen Detailfragestellungen zu versinken.
  • Coolness: Auch wenn es erst einmal komisch klingt: Ein gewisses Maß an Lässigkeit ist definitiv angebracht, um das Studium fokussiert, aber nicht zu verbissen anzugehen. Das schont die Nerven und wirkt sich deshalb auch durchaus positiv auf die Ergebnisse aus. Damit ist nicht gemeint, erst mittags aufzustehen und zwei Tage vor den Prüfungen mit der Klausurvorbereitung zu beginnen. Sie sollten jedoch frühzeitig lernen, auch mit Frustration angemessen umzugehen und sich hiervon nicht sofort aus der Bahn werfen zu lassen.

Fazit

Das Jurastudium ist ein sehr interessantes und vielfältiges Studium, das Ihnen dabei hilft, viele gesellschaftliche Zusammenhänge besser verstehen und einordnen zu können. Lassen Sie sich nicht von Vorurteilen abschrecken, sondern nutzen Sie stattdessen die Gelegenheit, selbst an mehreren Vorlesungen teilzunehmen und sich ein Bild davon zu machen, ob die Inhalte Ihren Vorstellungen entsprechen.



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Ein Gedanke zu „Muss man im Jurastudium wirklich nur Paragraphen auswendig lernen?

  • MB

    Sehr, sehr gut, vielen Dank! Hat mich sehr bestaetigt!