Das Sabbatical bezeichnet ein spezielles Arbeitszeitmodell, bei dem sich der Arbeitnehmer eine einjährige Auszeit nimmt, eine Teilzeitarbeit anstrebt oder sich als Hochschuldozent der Forschung widmet. Den Vorgesetzten von der Notwendigkeit der Auszeit zu überzeugen, ist eine Kunst. Wir erklären Ihnen, worauf es ankommt und geben Tipps zur Überzeugungsarbeit.
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Gründe für die Auszeit kann es viele geben – allerdings müssen diese nicht explizit beim Antrag erläutert werden. Meist nutzen Arbeitnehmer die Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen, eine berufliche Neuorientierung, möchten sich speziellen Lebensphasen intensiver widmen (Familienphase, Altersteilzeit) oder sehen im Sabbatical eine Prävention gegen ein Burnout.

Doch wie kommt ein Arbeitnehmer in den Genuss der Auszeit? Einfacher haben es an dieser Stelle die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Hier ist das Thema allerdings meist nicht ausnahmslos vertraglich geregelt. Dennoch ist eine diesbezügliche Verankerung im Arbeitsvertrag die einzige Möglichkeit, einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical zu bekommen. Nur wenn es Teil des (Tarif-)Vertrages ist oder wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einigen können, wird die Auszeit mit dem religiös anmutenden Namen möglich.

Ihre finanzielle Absicherung während des Sabbaticals

Auch wenn die Auszeit, welche meist einen Zeitraum von drei bis 12 Monaten umfasst, vertraglich geregelt oder zumindest im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber geregelt sein sollte, gibt es eine rechtliche Grundlage: Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) ermöglicht drei flexibel gestaltbare  Arbeitszeitmodelle.

  1. Nach dem Anspar- und Freizeitmodell lassen Sie sich beispielsweise nur 75% ihres monatlichen Lohns auszahlen. Der Arbeitgeber legt die restlichen 25% zurück. Nach 4 Jahren gehen Sie in die einjährige Freizeitphase über. Das Modell hat den großen Vorteil, dass Sie sich um die Sozialversicherung keine Gedanken machen müssen. Außerdem ist die langfristige Planung beste Grundlage den Chef zu überzeugen, da er Zeit bekommt, sich auf den Ausfall einzustellen.
  2. Das Führen eines Arbeitszeitkontos ermöglicht das Ansparen von Überstunden und nicht genutzter Urlaubszeit. Auch Sonderzahlungen lassen sich in Arbeitszeit umwandeln und auf diese Weise gutschreiben. Ob es für ein Sabbatical reicht, ist abhängig von der getroffenen Abmachung mit dem Chef. Denkbar aber ist eine Kombination mit Modell 1, um die Ansparphase zu verkürzen.
  3. Im Falle einer Arbeitsfreistellung kommt es auf die individuelle Vereinbarung mit dem Arbeitgeber an. Struktureller Schwachpunkt des Freistellungsmodells ist, dass die Kosten für die Sozialversicherungen grundsätzlich vom Arbeitnehmer getragen werden müssen.

Wenn Sie eine lange Auszeit in Betracht ziehen, dann sollten Sie im Gespräch mit ihrem Arbeitgeber die Modelle jeweils reflektieren können und einen Vorschlag unterbreiten, wie Sie das Sabbatical organisieren wollen.

Leider sieht es in der Praxis häufig so aus, dass der Arbeitnehmer unbezahlten Urlaub beantragt. Dadurch ändert sich der Status und man muss ohne eigenes Einkommen selbst für die Kranken-, Pflege und Rentenversicherung aufkommen.

So überzeugen Sie den Chef

„Ich brauche eine Auszeit!“ – aus Sicht des Arbeitnehmers sicherlich eine rationale Antwort. Schwieriger wird es, wenn der Arbeitgeber zustimmen soll. Schließlich will man den eigenen Job nicht riskieren. Kündigung sollte der letzte Ausweg sein.

Unternehmen, die saisonal bedingt Auftragsschwankungen unterliegen, sind in den umsatzschwachen Monaten sicherlich offen für Vorschläge zur Erhöhung der Motivation. Eine unbezahlte Auszeit hat für den Arbeitgeber dann auch einen Liquiditätseffekt, wenn betriebsbedingt auf die Arbeitskraft vorübergehend verzichtet werden kann. Wer mit Energie und Schaffenskraft aus dem Sabbatical zurückkehrt, wird außerdem erfolgreicher arbeiten.

Gibt es in ihrem Unternehmen Kurzarbeit? Dann klären Sie den Arbeitgeber über das Sabbatical als sinnvolle Alternative zur Kurzarbeit auf und machen Sie ihm klar, dass das Sabbatical als Institution die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber steigert. In der Außenwirkung macht es einen Unterschied, ob ein Unternehmen ausschließlich mit Kurzarbeit arbeitet oder ob es in das Humankapital seiner Mitarbeiter investiert. Eine Weiterbildung während der Auszeit ist ein sehr gutes Argument für das Sabbatical.

Wenn ihr Chef noch nie etwas von einem Sabbatical gehört hat, dann ist Vorsicht geboten. Denn wer weiß, wie ihr Chef reagiert, wenn er von einer mehrmonatigen Auszeit hört. Eine geschickte Strategie um das herauszufinden ist, den Vorgesetzten in einen netten Plausch zu verwickeln und allgemein über das Sabbatical zu erzählen: „Wussten Sie, dass an Universitäten Professoren alle 4 Jahre die Möglichkeit haben, ein Semester für Forschungszwecke zu pausieren?“ Eventuell hat bereits ein anderer Mitarbeiter einen Antrag gestellt. Nutzen Sie diese wertvollen Erfahrungen.

Planung, Planung und nochmals Planung

Rennen Sie dem Chef nicht die Tür ein, sondern gehen Sie das Sabbatical mit Bedacht an. Arbeitgeber schätzen es, wenn Mitarbeiter in gestressten Situationen die Ruhe bewahren, von Zielen, Aufgaben und Projekten sprechen und sachliche Argumente bringen.

Das Stecken von Zielen ist dabei wichtig, um die eigene Zielstrebigkeit nicht verkümmern zu lassen. Definieren Sie daher im Vorfeld Aufgaben und Projekte sowie den zeitlichen Rahmen, der dafür benötigt wird. Ein Projekt könnte zum Beispiel eine Weiterbildung im Ausland sein, um sich inhaltlich und sprachlich weiter zu entwickeln, aber auch um Körper und Geist nach unzähligen Überstunden im Betrieb wieder aufzufrischen. Vielleicht ermöglicht das Sabbatical auch den eigenen Lebenstraum zu verwirklichen – so richten Sie einen verständnisvollen Appell an den Chef. Sofern aus ihrer Argumentation Vorteile für den Arbeitgeber klar hervorgehen, wird dieser auch eher geneigt sein sich auf einen Deal einzulassen.

Berechnen Sie Ihre Ausgaben. Wichtig ist, genau zu erfassen, was die Auszeit Sie kostet und ob dies finanziell abgedeckt werden kann, wenn das Einkommen je nach Modell nur reduziert ausbezahlt wird oder gar kein Einkommen zu erwarten ist.

5 Tipps zur Planung und Organisation für das Sabbatical

  1. Treffen Sie unbedingt eine schriftliche Vereinbarung, denn es gibt kein grundsätzliches Recht auf eine unbezahlte Auszeit. Prüfen Sie auch ihren Arbeitsvertrag auf eine Sabbatical-Klausel.
  2. Regeln Sie in der schriftlichen Vereinbarung nicht nur die Dauer der Auszeit, sondern auch Urlaubsansprüche. Sie sollten ihren Chef nicht damit verärgern, dass Sie nach Rückkehr aus dem Sabbatical gleich ihren Jahresurlaub nehmen können.
  3. Klären Sie die Frage der Betriebszugehörigkeit während der Auszeit.
  4. Berechnen Sie auf Basis aller drei vorgestellten Arbeitszeitmodelle die Kosten des Sabbaticals und entscheiden Sie sich für ein Modell. Machen Sie die Kosten zu einem Teil ihrer Argumentation.
  5. Legen Sie sich eine Antwort auf folgende Frage zurecht: „Welchen Vorteil hat ihr Chef von einem Sabbatical?“
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