Der erste Eindruck einer Person entsteht innerhalb von Sekundenbruchteilen – und den größten Anteil an diesem Eindruck hat die Körpersprache. Das ist das Erbe unserer Vorfahren und stammt noch aus einer Zeit, in der es überlebensnotwendig war, sofort zu wissen in welcher Verfasstheit oder Absicht sich das Gegenüber nähert. Blick, Mimik, Gestik, Haltung und der Gang haben wesentlichen Einfluss darauf, wie andere Sie wahrnehmen. Hier erfahren Sie die Basics.
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Bild: “Angry tiger” von Guyon Morée. Lizenz: CC BY 2.0


Gute 95% unserer Einschätzung beruhen auf der unbewussten Interpretation von non- und paraverbalen Signalen: Wie kleidet sich eine Person, in welcher Haltung und Gangart begegnet sie uns, was sagt ihre Gestik und Mimik aus? In welcher Stimmlage und Geschwindigkeit spricht sie? Der Inhalt des Gesagten spielt dabei nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Kleine Unterschiede, große Wirkung

Sie können selbst einen kleinen Versuch machen, indem Sie Ihren Lieblingskollegen morgens mit einem ungewöhnlichen Inhalt, aber in derselben Modulation wie immer begrüßen. Insbesondere, wenn der Kollege auf etwas anderes konzentriert ist, wird es ihm nur in den wenigsten Fällen zu Bewusstsein kommen, dass Sie gerade „Guten Morgen, ist das heute ein schönes Gitter, wie die Sonne scheint!“ gesagt haben. Sprechen Sie jedoch in einer deutlich veränderten Weise (langsamer, traurig,…), wird das den meisten Menschen sofort auffallen.

Da der Körpersprache eine so große Bedeutung zukommt, ist es gewinnbringend, sich etwas eingehender mit ihr zu beschäftigen. Schließlich hat sie wesentlichen Einfluss darauf, wie Kunden, Vorgesetzte, Kollegen und Mitarbeiter Sie wahrnehmen. Da sie in verschiedenen Kulturen unterschiedlich interpretiert wird, bezieht sich der Artikel auf westliche Gesellschaften (insbesondere Deutschland). Hier gelten zumindest dieselben Grundlagen, wenn auch einzelne Gesten verschieden interpretiert werden können, je nachdem, ob Sie Italienerin oder Pole sind.

Der Blick

Möchten Sie Ihrem Gegenüber vermitteln, dass sie ihm oder ihr gerade aufmerksam zuhören, freundlich gesonnen sind und sich interessieren, dann sollten Sie Blickkontakt halten. Jemand der uns nicht in die Augen schaut, zeigt damit gleichgültiges Desinteresse oder möglicherweise auch Scham. Hier entsteht ein häufiges Missverständnis bei Gesprächen mit türkischstämmigen Personen – in deren Herkunftskultur gilt der gesenkte Blick als Respektsbezeugung.

Allerdings sollten Sie Ihre Gesprächspartner nicht längere Zeit direkt und unbeweglich anstarren, da Menschen das als aggressiv und aufdringlich empfinden – daher rührt auch das unbehagliche Gefühl, das viele dadurch bekommen. Kurze Unterbrechungen des Blickkontaktes während einer deutschen Konversation sind daher normal und sinnvoll.

Wenn Sie mit jemandem sprechen der stark schielt, und nicht sicher sind, wohin Sie Ihren Blick fixieren sollen, konzentrieren Sie sich auf das Auge, das in Ihre Richtung ausgerichtet ist. Alternativ können Sie auch auf den Nasenrücken zwischen den Augen blicken.

Übrigens: Wenn Sie jemandem eine Frage stellen und er beim Nachdenken nach rechts oben schaut, ist es recht wahrscheinlich, dass er eine Antwort konstruiert, das heißt möglicherweise lügt. Erinnert man sich, geht die Blickrichtung tendenziell eher nach links oben. Aber Achtung! Für Linkshänder gilt genau das Gegenteil.

Die Mimik

Bei aller kultureller Unterschiedlichkeit sind die grundlegenden Emotionsausdrücke bei allen Menschen gleich – vollkommen egal, ob Sie einen Maori oder eine Südamerikanerin überrascht haben: Beide werden den Mund ein wenig öffnen, die Augen aufreißen und die Augenbrauen nach oben ziehen. Auch Wut, Freude, Ekel, Angst und Trauer sind als Basisemotionen gleich.

Wenn Sie jemandem also freundlich lächelnd begegnen, ist das immer ein Signal dafür, dass Sie in positiver Absicht und friedlich gesonnen auf ihn zukommen. Insbesondere Frauen in Führungspositionen sollten aber darauf achten, nicht zu viel zu lächeln: Wenn Sie jemandem einen Arbeitsauftrag erteilen, dann signalisiert dieses Lächeln (häufig noch mit schief gelegtem Kopf), dass es sich mehr um eine Bitte als um einen klaren Auftrag handelt. An dieser Stelle wäre es also besser, auf ein Lächeln zu verzichten und das Gegenüber schweigend anzusehen, nachdem man die Aufgabe deutlich gemacht hat.

Die Gestik

Wann immer Menschen sprechen, unterstreichen sie das Gesagte mit Handbewegungen. In aller Regel geschieht das nicht bewusst. Achten Sie einmal darauf, wie Sie Ihre Hände im Gespräch einsetzen. Wichtig ist vor allem, dass Ihr Gesprächspartner Ihre Hände sehen kann – versteckte Hände – egal, ob unter dem Tisch oder in der Hosentasche – werden negativ bewertet.

Nutzen Sie bevorzugt Gesten, die offen und freundlich wirken. Keinesfalls sollten sich diese unterhalb der Taille abspielen, wenn sie das erreichen wollen. Neutrale Gesten finden auf Höhe der Taille statt, alle darüber angeordneten Handbewegungen interpretieren Menschen als freundlich.

Gesten zum Hals oder in der Gesichtsregion sollten Sie jedoch vermeiden, hier signalisieren Sie eventuell Unaufrichtigkeit oder andere negativ bewertete Dinge. Die Handflächen sollten nach außen zeigen, da der Handrücken ebenso wie überkreuzte Arme als „mauern“ empfunden wird. Auch vor der Brust gefaltete Hände kommen nicht gut an, da diese Position Unsicherheit vermittelt.

Die Haltung

Begegnen Sie anderen Menschen in einer aufrechten, geöffneten Haltung, um Offenheit und Selbstbewusstsein zu signalisieren. Im Stehen sollten beide Füße fest und etwa Hüftbreit auf dem Boden stehen, so dass sich das Körpergewicht gleichmäßig verteilen kann. Diese Position gewährleistet einen sicheren, ruhigen Stand und ist auch aus physiologischer Sicht positiv zu bewerten.

Im Sitzen gilt es ebenfalls, auf eine aufrechte Position zu achten, so dass Sie Ihrem Gegenüber gerade in die Augen sehen können. Die Füße parallel zueinander leicht nach vorne gestellt wirken Sie auch hier sicher. Wenn Sie sich leicht nach vorne beugen, bringen Sie damit Interesse und Aufmerksamkeit zum Ausdruck.

Der Gang

Setzen Sie Ihre Schritte fest, nicht kurz und zögerlich. Sie können, wenn Sie beispielsweise das Büro eines Vorgesetzten betreten, kurz stehen bleiben, und auf die Aufforderung warten, Platz zu nehmen. Treten Sie dazu aber entschlossen durch den Türrahmen hindurch, bleiben Sie nicht im Eingang stehen. So nehmen Sie den Raum wortwörtlich ein.

Ein leichter Gang in beschwingtem Tempo vermittelt Anderen, dass Sie positiv gestimmt sind und mit Energie zu Werke gehen. Auch in Bewegung sollten Sie Ihren Körperschwerpunkt in einer aufrechten Haltung ausbalancieren. Nach vorn gebeugt wirkt man leicht ängstlich und angespannt, nach hinten gelehnt eher arrogant.

Fazit

Beachten Sie diese Tipps, haben Sie eine gute Grundlage für die positive Wahrnehmung Ihrer Person geschaffen. Vergessen Sie aber nicht, dass eine wirkungsvolle äußere Erscheinung vor allem dadurch authentisch wirkt, dass Sie stimmig zu Ihrer inneren Einstellung ist. Wer sich gut fühlt und anderen wohlgesonnen ist, der wird sich viel leichter damit tun, das seinem Gesprächspartner auch glaubwürdig zu vermitteln.

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