Die Rechtswissenschaften gehören zu den beliebtesten Studienfächern in Deutschland. Mit dem Staatsexamen in der Tasche steht es den Absolventen offen, einen der klassischen Juristenberufe wie Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt oder Notar zu ergreifen. Jenseits der Gerichte und Kanzleien werden Juristen in zahlreichen – teilweise auch unerwarteten – Bereichen eingesetzt. Um die Qual der Wahl ein wenig zu erleichtern, erhalten Sie hier einen Überblick sowohl über die klassischen, als auch über die alternativen juristischen Berufsmöglichkeiten.

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Bild: „Crossroads: Success or Failure“ von Chris Potter. Lizenz: CC BY 2.0


Aktuelle Arbeitsmarktsituation

Jährlich strömen etwa 1.200-1.300 frischgebackene Rechtswissenschaftabsolventen auf den Arbeitsmarkt. Allerdings werden von den 260.000 tätigen Juristen nur um die 6000 jährlich bis 2019 in den Ruhestand gehen.

Aus einer Statistik der Bundesanwaltkammer aus dem Jahr 2012 geht zudem hervor, dass die in Deutschland zugelassenen Anwälte mit ihren durchschnittlich 50 Jahren vergleichsmäßig jung sind. Mit einer Ruhestandswelle ist damit in den nächsten Jahren nicht zu rechnen. Hinzu kommt, dass im öffentlichen Dienst zukünftig immer weniger Stellen  besetzt werden sollen. Die Situation am Arbeitsmarkt ist also eher angespannt und der Konkurrenzdruck hoch. [Quelle: jobampel.de]

Der Klassiker: Richter

richter-mit-hammerEinmal auf dem Richterstuhl zu sitzen und reale Fälle nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden, ist sicherlich der Traum vieler Jurastudenten. Verwirklichen können diesen aber nur die Allerbesten, denn das Richteramt ist nicht nur ein Job, sondern eine Aufgabe mit weitreichender gesellschaftlicher Verantwortung.

Aufgaben und Tätigkeiten als Richter

Als Beamter bekleidet der Richter das Richteramt in sämtlichen Gerichtszweigen, also in der ordentlichen Gerichtsbarkeit, der Arbeitsgerichtsbarkeit, der Verwaltungsgerichtsbarkeit sowie in der Finanzgerichtsbarkeit und der Sozialgerichtsbarkeit.

Die Aufgabe eines Richters ist es in erster Linie, in gerichtlichen Verfahren unabhängig und unparteiisch darüber zu entscheiden, welche der Parteien die Gesetze eingehalten hat. Der Richter ist unabhängig und nur dem Recht unterworfen (Art. 97 iVm. Art.1 GG, § 1 GVG, § 25 DRiG). Eine Dienstaufsicht ist nur insoweit zulässig, wenn seine richterliche Unabhängigkeit dadurch nicht beeinträchtigt wird (§ 26 I DRiG).

Der Richter leitet an den Sitzungstagen die Verhandlungen, an den übrigen Tagen sind Urteile anzufertigen, Sitzungen vorzubereiten oder Dezernatsarbeit zu erledigen. Insbsondere Berufseinsteiger haben dabei mit einer hohen Arbeitsbelastung zu rechnen.

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Bild: „Bundesverfassungsgericht Karlsruhe 1989″ von Bundesarchiv, B 145 Bild-F083310-0001 / Schaack, Lothar. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Es gibt aber auch einige besondere Dienstpflichten, die das Richteramt mit sich bringt. Dazu gehören die Pflicht, den Richtereid zu leisten (§ 38 DRiG) und das Mäßigkeitsgebot, also die Pflicht, sich innerhalb und außerhalb des Dienstes so zu verhalten, dass das Vertrauen in die Unabhängigkeit nicht gefährdet wird (§ 39 DRiG). Weiterhin ist der Richter verpflichtet, über Beratungen und Abstimmungen zu schweigen (§ 43 DRiG).

Wenn der Richter das Recht vorsätzlich falsch anwendet, kann er sich wegen Rechtsbeugung gemäß § 339 StGB strafbar machen. Dazu kann eine Strafbarkeit wegen Strafvereitelung im Amt, Freiheitsberaubung und Nötigung in mittelbarer Täterschaft treten, allerdings nur, wenn der Tatbestand der Rechtsbeugung erfüllt wurde.

Unfehlbarkeit wird übrigens von keinem Richter verlangt, dafür sind in bestimmten Fällen Revisionen von Urteilen vorgesehen, die dann vor einem höherinstanzlichen Gericht erörtert werden.

Der Richteralltag ist aufgrund der Einzigartigkeit der Fälle und der Beteiligten äußerst spannend und abwechslungsreich. Zudem winkt – nach einmal überstandener Probezeit – eine Einstellung auf Lebenszeit. Wurde ein Richter einmal eingestellt, kann ihm damit praktisch nicht gekündigt und er nicht gegen seinen Willen versetzt werden.

Ausbildung und formale Voraussetzungen für den Beruf als Richter

Ein angehender Richter muss das erste und zweite Staatsexamen vorweisen können. Volljuristen mit zwei Prädikatsexamina haben in der Regel gute Chancen. In den Fachgerichtsbarkeiten sind die Einstellungskriterien jedoch zum Teil strenger. Zudem können Promotion, Auslandsaufenthalt oder vorherige anwaltliche Praxis hilfreich sein, sie sind jedoch kein Muss. Sinnvoll ist es ebenfalls schon während des Studiums und Refendariats Praktika bei Gerichten abzulegen.

Wer Richter werden möchte, kann sich nicht einfach beim Gericht bewerben. Die Bewerbung ist an das Justizministerium des jeweilgen Bundeslandes zu richten, welches dann in einem internen Verfahren geeignete Stellenanwerber auswählt.

Obwohl ein Berufseinsteiger von Anfang an die volle Verantwortung hat, wird er zunächst nur als Richter auf Probe eingestellt. Erst wenn eine sogenannte Planstelle frei wird und der neue Richter innerhalb der Probezeit gut bewertet wurde, kann er seine Probezeit beenden und sich auf eine solche Planstelle bewerben. Nach drei Jahren hat jeder Proberichter ein Recht auf eine Planstelle. Hat man diese erst einmal inne, kann man nur mit Zustimmung versetzt werden und ist Richter auf Lebenszeit.

Persönliche Qualifikationen und Eigenschaften eines Richters

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Bild: „Richterroben am Bundesverfassungsgericht“ von Evilboy. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Im Gerichtssaal dürfen dem Richter zur Urteilsfindung ausschließlich Beweise, Zeugenaussagen und Akten dienen. Er muss in allererster Linie das geltende Recht beachten und darf sich nicht durch Bestechung, Medien, Vorurteile, Lobbyisten oder andere Sachverhalte leiten lassen.

Ein Richter sollte zudem analytisch denken und entsprechend selbstbewusst auftreten und kommunizieren können. Ein gutes Zeitmanagement und Organisationstalent sollten hierbei auch nicht fehlen, da alle Akten einer bestimmten Frist unterliegen und bis zu einem bestimmten Termin abgearbeitet sein müssen.

Unverzichtbar ist es, dass der Richter sich seiner Verantwortung gegenüber den Beteiligten bewusst ist und auch aus einer schwierigen Situation heraus eine klare Entscheidung treffen kann.

Spezialisierungsmöglichkeiten für den Richter-Beruf

Je nachdem, in welchem Rechtsgebiet der Richter tätig ist, ist er für unterschiedliche Bereiche und Dezernate zuständig. Ein Richter am Zivilgericht muss sich um alle Prozesse rund um das Zivil- und Strafrecht kümmern. Übt ein Richter seinen Beruf beispielsweise in Familiensachen aus, kümmert er sich um Scheidungen und führt Unterhaltsberechnungen durch.

Um in einem Spezialgebiet arbeiten zu können, muss der Richter Lehrgänge und Seminare besuchen. Schließlich ist das Jurastudium relativ allgemein gehalten und wer sich während des Referendariats noch nicht für ein bestimmtes Rechtsgebiet entscheiden konnte, kann dies nun nachholen.

Amtsbezeichnungen eines Richters

Die Amtsbezeichnungen richten sich nach § 19a DRiG:

Einzelrichter, besitzende Richter und Richter kraft Auftrag tragen die Bezeichnung Richter am …gericht“. Der vorsitzende Richter eines Kollegialspruchkörpers kann sich Vorsitzender Richter am …gericht“ nennen. Direktor des …gericht“ ist die Bezeichnung für den Leiter eines Amts-, Arbeits- oder Sozialgerichts. Der Leiter eines anderen Gerichtes oder eines Präsidialgerichtes trägt die Bezeichnung Präsident des …gerichts“. Dessen Vertreter wird als Vizepräsident des …gerichts“ bezeichnet.

Gehalt als Richter

Die Besoldung der Richter richtet sich nach der Besoldungsordnung R und beinhaltet die Besoldungsgruppen R1-R10. Das durchschnittliche Jahreseinstiegsgehalt eines Richters liegt damit bei 42.000-44.400 Euro. Spitzenverdiener verdienen bis zu 99.600 Euro im Jahr. Seit 2006 sind im Zuge der Föderalismusreform die Länder für die Höhe der Richterbesoldung verantwortlich. Am meisten verdienen die Richter in den Bundesländern Bayern und Hamburg. Die geringste Besoldung gibt es dagegen im Saarland. [Quelle: juristenkoffer.de]

Staatsanwalt

Das öffentliche Interesse vertreten und dabei noch auf tariflicher Basis vergütet werden – für eine Menge Jurastudenten ist der Beruf des Staatsanwalts ein absolutes Traumziel. Doch auch hier muss man sich auf eine große und hochqualifizierte Konkurrenz einstellen.

Aufgaben und Tätigkeiten als Staatsanwalt

Die Aufgaben eines Staatsanwalts drehen sich um die Strafverfolgung und -vollstreckung.

Entgegen einer verbreiteten Ansicht muss die Staatsanwaltschaft nicht mit allen Mitteln versuchen, die Schuld des Verdächtigten zu beweisen. Vielmehr hat sie auch zugunsten des Beschuldigten zu ermitteln. Daher ist sie auch keine Partei im Strafprozess und arbeitet weder mit dem Gericht zusammen noch gegen den Angeklagten oder seinen Verteidiger.

Wird der Staatsanwalt vom Verdacht der Begehung einer Straftat informiert, prüft er zunächst den Sachverhalt und leitet anschließend die Ermittlungen. Um sich ein genaues Bild von der Lage zu verschaffen, kann er Behörden, Zeugen und Beschuldigte durch die Polizei oder den Zoll befragen lassen. Manchmal ist der Staatsanwalt auch direkt bei den Ermittlungen am Tatort dabei.

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Bild: „Scales Of Justice“ von Clyde Robinson. Lizenz: CC BY 2.0

Bei manchen polizeilichen Maßnahmen, wie zum Beispiel einer Wohnungsdurchsuchung, einer Telefonüberwachung oder einer Blutabnahme, werden die Grundrechte von den verdächtigten Personen beeinträchtigt. Diese unterliegen zwar grundsätzlich einem Richtervorbehalt und sind damit nicht ohne richterlichen Beschluss durchführbar, bei Gefahr im Verzug kann der Staatsanwalt diese Maßnahmen jedoch selbst anordnen und diese im Nachhinein durch einen Richter bestätigen lassen.

Sind die Ermittlungen abgeschlossen, muss der Staatsanwalt entscheiden, ob er die Anklageschrift beim Strafgericht einreicht, oder – falls ihm die Beweislage nicht als ausreichend erscheint – er weitere Untersuchungen anordnet, beziehungsweise die Anzeige zurückzustellt.

Kommt es zur Hauptversammlung, ist der Staatsanwalt Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft. Im Laufe der Gerichtsverhandlung verliest er die Anklageschrift, führt die Beweisaufnahme durch und hält zum Schluss ein Plädoyer.

Auch wenn der Beschuldigte schließlich verurteilt ist, kann der Staatsanwalt den Fall noch nicht zu den Akten legen. Er kümmert sich nach dem gefälltem Urteil um die Strafverfolgung, das heißt, er achtet darauf, dass der Verurteilte seine Haft antritt oder sein Bußgeld zahlt. Geschieht dies nicht, erlässt er einen Haftbefehl.

Ausbildung und formale Voraussetzungen für den Beruf als Staatsanwalt

Da es für den höheren Justizdienst extrem viele Bewerber gibt – etwa 42 pro Staatsanwaltsstelle –  werden meistens nur solche in Betracht gezogen, die zwei Prädikatsexamina und bestenfalls noch einen Doktortitel vorweisen können.

Die Ausbildung verläuft genau wie die des Richters, weil die Bewerber in fast allen Bundesländern 3 bis 5 Jahre als Richter auf Probe tätig gewesen sein müssen, um anschließend als Staatsanwalt ernannt zu werden. Ein Wechsel zwischen den Ämtern des Staatsanwalts und des Richters ist möglich und erwünscht.

Weiterhin gibt es, abhängig von der jeweiligen Staatsanwaltschaft, unterschiedliche Altersgrenzen. Oft dürfen die Bewerber nicht älter als 35 bis 40 Jahre sein.

Unerlässlich ist für die Bewerber außerdem ein leeres Vorstrafenregister.

Persönliche Qualifikationen und Eigenschaften für den Beruf als Staatsanwalt

Natürlich braucht ein Staatsanwalt umfangreiches Fachwissen über das Rechtswesen. Er muss zudem die rechtlichen Spielräume und Vorgaben kennen, Anträge verfassen und Gutachten einholen können. Ein Staatsanwalt sollte die oft komplizierten und komplexen Sachverhalte zutreffend analysieren und diese allgemein verständlich vor Gericht vortragen können.

Da der Staatsanwalt im Rahmen der Ermittlungen die Polizei delegieren muss, sollte er gewisse Teamführungsfähigkeiten aufweisen (hier gibt es 6 Tipps für erfolgreiche Teamleiter). Empathie, Kommunikationskompetenzen und eine gute Menschenkenntnis sind ebenfalls wichtig.

Die Entscheidungen eines Staatsanwalts greifen oft tief in das Leben von Tätern, Opfern und Angeklagten ein. Zudem hat er in seinem Beruf oft mit schwierigen Charakteren und traurigen Einzelschicksalen zu tun – das alles verlangt eine hohe psychische Belastbarkeit.

Weiterhin müssen Staatsanwälte oft Überstunden akzeptieren und neben den normalen Bürozeiten auch einen Bereitschaftsdienst leisten, da auch während der Nacht oder am Wochenende immer einige Staatsanwälte erreichbar sein müssen, beispielsweise wenn dringend ein Haftbefehl erlassen werden muss.

Spezialisierung für den Staatsanwalt-Beruf

Grundsätzlich ist eine Staatsanwaltschaft für die Verfolgung aller Straftaten in einem bestimmten Bezirk zuständig. In einigen Bundesländern gibt es aber auch deliktspezifische Schwerpunktstaatsanwaltschaften, die Bezirk übergreifend ermitteln.

Doch auch in den Bundesländern, in denen es solche Schwerpunktstaatsanwaltschaften nicht gibt, sind die Staatsanwaltschaften in unterschiedliche Abteilungen und Aufgabengebiete untergliedert. Solche Abteilungen kann es beispielsweise für Wirtschaftsstrafsachen, Wettmanipulation, Computerkriminalität, Umweltstrafsachen, Medizinkriminalität, Doping, Lebensmittelstrafrechtsachen oder Delikte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands aus DDR-Zeiten geben.

Spezialisierte Staatsanwälte können bei Jugendkriminalität, organisierter Kriminalität, Straftaten innerhalb der Familie und Kapitalverbrechen eingesetzt werden. Solche Spezialkenntnisse kann sich der Staatsanwalt durch Weiterbildungen und Seminare sowie bereits von ihm bearbeitete Fälle aneignen.

Zudem gibt es in den meisten Staatsanwaltschaften bezüglich der Aufgabenverteilung und Organisation eine Hierarchie: Jede Abteilung hat einen Oberstaatsanwalt als Abteilungsleiter und je nach Größe der Einrichtung einen oder mehrere Gruppenleiter.

Gehalt als Staatsanwalt

Genau wie bei den Richtern, richtet sich auch bei Staatsanwälten die Höhe der Besoldung nach der Besoldungsordnung R und den Besoldungsgruppen R1-R10. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Staatsanwalts liegt bei 41.600-46.320 Euro. Spitzenverdiener verdienen bis zu 112.800 Euro im Jahr.

Rechtsanwalt

Der Beruf des Anwalts hat oftmals kein gutes Image: Nicht selten werden Anwältinnen und Anwälte als geldgierige Paragraphenreiter dargestellt, dabei sind sie es doch, die Menschen, die in eine Konfliktlage geraten sind, Beistand leisten, was mit einer enormen Verantwortung einhergeht. Jedenfalls gibt es gute Gründe dafür, dass sich viele Rechtswissenschaftsabsolventen nach überstandenem Studium für den Anwaltsberuf entscheiden.

Aufgaben und Tätigkeiten als Rechtsanwalt

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Bild: „Blick aus dem Zuschauerbereich in einen Gerichtssaal des Justizzentrums Aachen.“ von ACBahn. Lizenz: CC BY 3.0

Bei Gerichtsterminen vertreten und beraten Anwälte ihre Mandanten. Außerhalb des Gerichtssaals empfängt der Anwalt Mandanten in seinem Büro oder besucht sie – je nach Aufwand – auch zu Hause.

Insgesamt kann der Arbeitsalltag eines Anwaltes stressig werden. Die Fristen und Abgabetermine werden nicht nach Belieben des Anwalts festgelegt, deshalb sind auch Überstunden und Arbeitswochen von 70-80 Stunden üblich.

Die meisten Anwälte arbeiten in einer Anwaltskanzlei, aber auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie große Unternehmen und Verbände beschäftigen Rechtsanwälte. Sie sind dann entweder angestellt oder als Partner und Unternehmens- und Kanzleiinhaber aktiv.

Der Anwalt trägt aufgrund seiner beratenden Funktion eine hohe Verantwortung für die Einzelschicksale seiner Mandanten. In welchem Maße Berufseinsteiger selbstständig arbeiten dürfen, ist daher je nach Größe des Betriebs sehr unterschiedlich. In großen Kanzleien ist es üblich, dass ein Berufsanfänger die ersten zwei Jahre seiner Festanstellung lediglich Zuarbeit für seine Vorgesetzten leistet, die dann die Arbeiten überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.

Der große Teil der derzeit tätigen Anwälte arbeitet in einer mittelständischen Kanzlei mit etwa 5 bis 100 Anwälten, wobei die Zahl derer, die in einer Großkanzlei mit über 500 beschäftigten Anwälten arbeiten, stetig steigt.

Ausbildung und formale Voraussetzungen eines Rechtsanwalts

Freie Anwaltsstellen sind sehr begehrt, deshalb sind gute Noten im Studium von entscheidender Bedeutung: Mindestens in einem der zwei Examina sollte der Bewerber mit Prädikat abgeschlossen haben. Außerdem sollten ein lückenloser Lebensaufbau und einige Praktika im Lebenslauf auftauchen. Auch auf einen Doktortitel und LL.M. wird oft Wert gelegt. Überzeugt der Bewerber dann noch mit guten Englischkenntnissen oder Kenntnissen einer anderen Fremdsprache, stehen seine Chancen gut, eine der hart umkämpften Anwaltsstellen zu ergattern. Pro Stelle gibt es etwa 30 Bewerber.

Es muss zudem eine Zulassung durch die Rechtsanwaltskammer erfolgen. Diese darf aber nur aus bestimmten Gründen unterbleiben.

Möchte der Anwalt einen zusätzlichen Fachanwaltstitel in einem bestimmten Rechtsgebiet erwerben, muss er an einem Fachanwaltslehrgang teilnehmen.

Persönliche Qualifikationen und Eigenschaften für den Beruf als Rechtsanwalt

Pünktlichkeit und Organisationstalent ist für einen Anwalt das A und O: Alle Fälle, die zu bearbeiten sind, unterliegen einer bestimmten Frist und müssen zu einem festgelegten Termin fertig sein. Für Berufseinsteiger ist eine 70-Stunden-Woche fast immer der Regelfall und oftmals ruft der Aktenstapel auch abends und am Wochenende noch, weshalb ein Anwalt Überstunden und Abstriche an seiner Freizeit akzeptieren sollte. Eine wichtige Eigenschaft des Anwalts ist somit eine hohe Belastbarkeit und Durchhaltevermögen.

Des Weiteren kann sich ein Anwalt seine Mandanten oft nicht aussuchen. Auch wenn er als Strafverteidiger einen Mörder verteidigen muss, sollte ihm dies keine Gewissensbisse verschaffen. Ein Anwalt sollte seine Emotionen stets unter Kontrolle behalten und überzeugend für seinen Mandanten einstehen.

Ein selbstbewusstes Auftreten und ausgezeichnete Kommunikations- und Sozialkompetenzen sind für einen Anwalt unerlässlich. Wie gut können Sie kommunizieren? Machen Sie jetzt den Selbst-Test und finden Sie in 10 Praxis-Situationen heraus, wie gut Sie Gespräche führen können.

Spezialisierung des Rechtsanwalt-Berufs

Ein Anwalt kann sich dazu entscheiden, einen oder mehrere Fachanwaltstitel zu erwerben. In insgesamt 22 Bereichen kann man in Deutschland einen Fachanwaltstitel erwerben:

  • Handels- und Gesellschaftsrecht
  • Sozialrecht
  • Agrarrecht
  • Arbeitsrecht
  • Bank- und Kapitalmarktrecht
  • Bau- und Architektenrecht
  • Erbrecht
  • Familienrecht
  • Gewerblicher Rechtsschutz
  • Informationstechnologierecht
  • Insolvenzrecht
  • internationales Wirtschaftsrecht
  • Medizinrecht
  • Miet- und Wohnungseigentumsrecht
  • Steuerrecht
  • Strafrecht
  • Transport- und Speditionsrecht
  • Urheber- und Medienrecht
  • Verkehrsrecht
  • Versicherungsrecht
  • Verkehrsrecht

Gehalt als Rechtsanwalt

Das Einstiegsgehalt hängt von der Größe der Kanzlei ab. In kleinen Kanzleien, die nur 1-5 Anwälte beschäftigen, liegt es bei durchschnittlich 39.900 Euro im Jahr. Bei Großkanzleien mit mehr als 500 Anwälten kann es bei bis zu 60.000 Euro jährlich liegen. Die Spitzenverdiener unter den Anwälten können bis zu 96.000 Euro im Jahr verdienen.

Ortstechnisch gesehen, verdienen Rechtsanwälte in den Großräumen München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und Berlin durchschnittlich am meisten, da hier die meisten Top-Kanzleien angesiedelt sind.

Notar

Diejenigen, die keine große Lust haben, sich vor Gericht zu streiten, sollten sich den Beruf des Notars einmal genauer anschauen. Der Notar ist – im Gegensatz zu Staatsanwälten, Richtern und Rechtsanwälten – im Prinzip dazu da, einer Rechtsstreitigkeit vorzubeugen.

Aufgaben und Tätigkeiten eines Notars

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Bild: „1931 Title Documents“ von Tony Webster. Lizenz: CC BY 2.0

Notare kümmern sich beispielsweise um die Beurkundung von Grundstücksverträgen und Hypotheken, Gründungen von Aktiengesellschaften und GmbHs, Eheverträgen und Scheidungs- vereinbarungen sowie Testamenten und Erbvertägen.

Der Arbeitsalltag eines Notars findet hauptsächlich am Schreibtisch statt, da die Mandanten in den allermeisten Fällen im Notarbüro empfangen werden. Da der Notar seine Mandantentermine selbst festlegen kann, ist er nicht an feste Arbeitszeiten gebunden. Dennoch sollte man sich als angehender Notar auf 10 Stunden Arbeitszeit am Tag und gelegentliche Wochenend-Termine einstellen.

Ausbildung und formale Voraussetzungen für den Notarberuf

Auch für den Job als Notar braucht man sehr gute Noten, das heißt, man sollte mindestens eins der beiden Examina mit „voll befriedigend“ bestanden haben und zudem einen lückenlosen Lebenslauf und Praktika sowie sehr gute Deutsch- und Fremdsprachenkenntnisse vorweisen können. Im Allgemeinen ist eine vorherige anwaltliche Tätigkeit von Vorteil.

In den meisten Bundesländern fangen die Berufseinsteiger zunächst als Notarassessor an. Während des zwei- bis dreijährigen Assessorats arbeiten sie einem Notar zu. Anschließend dürfen sie sich selbst als Notar bezeichnen und ihr eigenes Notarbüro leiten. Auch hier bewirbt man sich nicht direkt bei einem Notarbüro, sondern auf eine der Stellen, die von der zuständigen Behörde des jeweiligen Bundeslandes ausgeschrieben wurden.

Persönliche Qualifikationen und Eigenschaften eines Notars

Organisiertheit und Pünktlichkeit sind für den Notarberuf sehr wichtig. Auch hier kommt es darauf an, alle Fälle innerhalb bestimmter Fristen zu bearbeiten und termingerecht fertig zu stellen. Natürlich muss der Notar stets alle Mandantentermine im Blick haben und darf sich auf keinen Fall verzetteln.

Das ist für viele gar nicht einfach, denn Notare dürfen sich als Freiberufler grundsätzlich selbst heraussuchen, wie viele Mandanten sie in einem bestimmten Zeitraum bearbeiten – das Pensum sollte demnach weder über- noch unterschritten werden. Grundsätzlich muss der Notar aber aufgrund der Rechtsgewährungspflicht erst einmal jeden Mandanten und Auftrag annehmen.

Menschenkenntis ist zudem eine der wichtigsten Eigenschaften eines guten Notars. Mit der Zeit lernt er, seinen Mandanten die richtigen Fragen zu stellen, um die richtigen Antworten zu erhalten.

Spezialisierung im Notarberuf

Notare können sich auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisieren, indem sie entsprechende Weiterbildungen besuchen und Fachprüfungen ablegen. Ein Notar für Familienrecht setzt beispielsweise Eheverträge auf und beurkundet Eheschließungen und Scheidungen. Um die Eintragungen von Gesellschaften kümmert sich dagegen ein Notar für Handelsrecht.

Gehalt eines Notars

Berufseinsteiger verdienen durchschnittlich 45.600 bis 48.000 Euro, Spitzenverdiener bis zu 96.000 Euro im Jahr.

Verwaltungsjurist

Auch in der Verwaltung werden Juristen beschäftigt. Beruhigend für diejenigen, die keine zwei Prädikatsexamina in der Tasche haben: Hier kommt es nicht so sehr auf die Abschlussnote an.

Aufgaben und Tätigkeiten als Verwaltungsjurist

Verwaltungsjuristen übernehmen verwaltende, rechtsberatende und -gestaltende Tätigkeiten bei Behörden und führen in juristischen Streitfällen Klärung herbei. In erster Linie finden Verwaltungsjuristen im höheren Dienst bei Behörden des Bundes, der Länder oder der Gemeinden Beschäftigung – wie beispielsweise bei der Polizei, Ministerien oder Landratsämtern.

Ausbildung und formale Anforderungen für den Beruf des Verwaltungsjuristen

Vereinzelt reicht das erste Staatsexamen aus, um sich für einen Job als Jurist in der Verwaltung zu bewerben. Im Regelfall werden aber Volljuristen eingestellt.

Persönliche Qualifikationen und Eigenschaften

Die Fähigkeit zur selbstständigen Bearbeitung auch komplexer Sachverhalte sowie Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsstärke sind die wichtigsten Eigenschaften eines Verwaltungsjuristen.

Gehalt eines Verwaltungsjuristen

Verwaltungsjuristen verdienen durchschnittlich 48.000 Euro im Jahr, Spitzenverdiener kommen auf bis zu 60.000 Euro.

Jurist in einer polizeilichen Behörde

Der Beruf des Polizisten ist für viele ein Kindheitstraum. Doch auch Juristen können ihn sich noch erfüllen. Die Einsatzmöglichkeiten sind dabei vielfältig und die Karriereleiter kann bis nach ganz oben führen. Die Weichen dafür sollten allerdings schon während des Studiums gelegt werden.

Aufgaben und Tätigkeiten als Jurist in einer polizeilichen Behörde

Bei der Polizei finden sich einerseits die klassischen Aufgaben eines Verwaltungsjuristen, also beispielsweise die Bearbeitung von Dienstbeschwerden, Fragen des Beamten- und Arbeitsrechts sowie Datenschutzangelegenheiten. Andererseits können Juristen einer Polizeibehörde dazu eingesetzt werden, die Polizei bei gerichtlichen Prozessen zu vertreten, beispielsweise bei der Überprüfung einer polizeilichen Maßnahme vor dem Verwaltungsgericht.

Zusätzlich werden auch im höheren Polizeivollzugsdienst oder im höheren Kriminaldienst Juristen gern eingestellt.

Ausbildung und formale Anforderungen für den Juristenberuf in einer polizeilichen Behörde

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Bild: „Polizei Verkehrsschild“ von Metropolico.org. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Auch bei der Polizei werden vorrangig Volljuristen eingestellt. Mitunter reicht aber auch ein bestandenes erstes Staatsexamen aus. Wenn im Studium und Referendariat der Ausbildungsschwerpunkt auf Strafrecht, Verwaltungsrecht oder Kriminologie gelegt wurde, kann dies von Vorteil sein.

Um die erforderlichen Zusatzqualifikationen zu erwerben, gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann der Bewerber an einer mehrmonatigen Einweisung in die speziellen Aufgaben des Polizeivollzugsdienstes direkt in der jeweiligen Behörde teilnehmen. Er wird dabei unter anderem in die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei und in die polizeiliche Bewältigung von Verkehrslagen eingewiesen und lernt, wie beispielsweise die Organisation von Staatsbesuchen und die Planung von Großeinsätzen vonstatten geht.

Zum anderen kann die Zusatzqualifikation durch die Teilnahme an einem einjährigen Kurs an der Hochschule der Deutschen Polizei in Münster-Hiltrup erworben werden.

Persönliche Qualifikationen und Eigenschaften für den Jurist in einer polizeilichen Behörde

Arbeitet der Jurist hauptsächlich in der Verwaltung einer Polizeibehörde, sind eine selbstständige Arbeitsweise, schnelle Auffassungsgabe, Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationskompetenzen die wichtigsten persönlichen Voraussetzungen.

Um in den höheren Polizeivollzugsdienst oder den höheren Kriminaldienst zugelassen zu werden, müssen die Bewerber zudem gewisse gesundheitliche Anforderungen erfüllen und körperlich fit sein.

Spezialisierung

Die Einsatzmöglichkeiten für Juristen bei der Polizei sind vielfältig: Denkbar sind neben Tätigkeiten als Leiter einer größeren Dienststelle der Schutz- oder Kriminalpolizei auch eine Dozentenstelle an einer Ausbildungseinrichtung oder eine Stelle als Referent in der Polizeiabteilung des Innenministeriums.

Oft stehen Juristen, die sich einmal in den Vollzugsdienst integriert haben, auch Türen zu höchsten Ämtern – bis hin zum Polizeipräsidenten oder Polizeiinspekteur – offen.

Gehalt als Jurist in einer polizeilichen Behörde

Polizeibeamte im höheren Dienst verdienen etwa zwischen 42.000 und 73.200 Euro im Jahr. Spitzenbeamte können bis zu 102.000 Euro verdienen.

Volljurist in der Wirtschaft

Juristen, die es nicht ans Gericht oder in eine Kanzlei zieht, finden im Consulting, in Unternehmen oder auch in der Steuerberatung spannende Jobalternativen, denn juristisches Know-How ist in diesen Branchen von enormer Wichtigkeit.

Aufgaben und Tätigkeiten des Juristen in der Wirtschaft

Juristen in Rechtsabteilungen von Unternehmen unterstützen die Geschäftsleitung bei der Lösung von verschiedenen Rechtsfragen. Zu ihren Aufgaben gehört beispielsweise die Beratung bei Firmenübergabe, das Prüfen von Verträgen sowie Beratung in Bezug auf Marken-, Urheber- und Lizenzrecht.

Auch im Personalwesen – eigentlich einem klassischen Arbeitsfeld für Betriebswirte – werden teilweise Juristen eingesetzt, die sich besonders gut mit Arbeitsrecht auskennen.

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Bild: „paperwork2“ von Isaac Bowen. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung sind weitere Berufsmöglichkeiten für Juraabsolventen. Wirtschaftsprüfer prüfen Jahresabschlüsse von Kapitalgesellschaften auf ihre formelle und materielle Richtigkeit.

Steuerberater sind für Privatpersonen und Unternehmen Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Steuer und finanzielle sowie betriebswirtschaftliche Fragen. Sie bearbeiten Steuerangelegenheiten, fertigen Steuererklärungen und Prüfungsberichte an, stellen Steuer- und Handelsbilanzen auf und vertreten ihre Mandanten in außergerichtlichen und finanzgerichtlichen Verfahren.

Jobaussichten für Juristen finden sich weiterhin in der Finanzberatung. Hier beraten sie Akademiker zu Themen wie Vorsorge, Vermögen sowie private und betriebliche Finanzen.

Ausbildung und formale Anforderungen für den Juristenberuf in der Wirtschaft

Vorausgesetzt werden das erste und das zweite Staatsexamen. Meist wird die Note des zweiten Examens als wichtiger eingestuft. Ein Doktortitel oder ein LL.M. werden gern gesehen. Englisch- und andere Fremdsprachenkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil und auch auf Praktika und Auslandserfahrungen wird oft Wert gelegt.

Die Zusatzqualifikationen werden für gewöhnlich mittels interner Fortbildungen erworben. Wer Steuerberater werden möchte, muss zunächst eine kosten- und zeitintensive Prüfung ablegen.

Persönliche Qualifikationen und Eigenschaften des Juristen in der Wirtschaft

Für einen Juristen in der freien Wirtschaft sind ausgeprägte analytische Fähigkeiten, Problemlösungskompetenz, Kommunikationstalent, leistungs- und zielorientierte Arbeitsweise sowie juristische Fachsprachenkenntnisse in Englisch wichtige Eigenschaften. Dazu treten fundierte Kenntnisse im Handels- und Gesellschaftsrecht sowie im Wirtschaftsrecht. Bei einem Steuerberater sollten zusätzliche Kenntnisse im Steuerrecht sowie ein ausgeprägtes Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen vorliegen.

Gehalt als Wirtschaftsjurist

Einen sehr guten Verdienst für Wirtschaftsjuristen versprechen momentan die Automobilbranche sowie die Banken. Als Berufseinsteiger ohne Berufserfahrung kann man hier mit einem Einstiegsgehalt von 50.000-51.000 Euro jährlich rechnen. Aber auch in der Chemie- und Pharmabranche werden Wirtschaftsjuristen mit 45.800-48.900 Euro überdurchschnittlich bezahlt. [Quelle: Staufenbiel/Azurstudie(Juve)]

Es kommt aber auch auf den Sitz des Unternehmens an: Dort, wo sich die meisten DAX-Konzerne niedergelassen haben, also in den Großräumen München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und Berlin, liegen die Gehälter oft deutlich über dem Durchschnitt.

Zwar liegen bei Unternehmen die Fixgehälter durchschnittlich niedriger als in den Kanzleien, sie können aber durch die variablen Anteile schnell steigen. Außerdem wächst mit Führungsverantwortung in DAX-Unternehmen der Anspruch auf Nebenleistungen in Form von Aktienbeteiligungen, die das Gehalt nochmals erheblich steigern können.

Juristen in der Wissenschaft

Für diejenigen, die Lust auf eine wissenschaftliche Karriere haben, klingt der Beruf des Hochschulprofessors geradezu traumhaft: Ein Professor kann sich seine Tätigkeiten zum großen Teil selbst heraussuchen, einen Chef gibt es nicht und die langweiligen Aufgaben übernehmen Lehrstuhlmitarbeiter.

Bis dieser Punkt erreicht ist, müssen angehende Professoren jedoch eine Menge Arbeit und Zeit in ihre wissenschaftliche Karriere investieren, denn Professor ist kein Beruf, den man so einfach lernen kann. Es gibt keine geregelte Ausbildung und der Weg zur Professorenstelle sieht für jeden Nachwuchswissenschaftler anders aus.

Aufgaben und Tätigkeiten des Juristen in der Wissenschaft

Hochschulprofessoren und Privatdozenten arbeiten in vielfältiger Weise in der Lehre und in der Forschung. Wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten am Lehrstuhl des Professors, dem sie zugeordnet wurden. In der Regel bearbeiten sie Forschungsprojekte und führen auch Lehrveranstaltungen durch.

Ausbildung und formale Anforderungen für den Juristenberuf in der Wissenschaft

Ein bestandenes erstes und zweites Staatsexamen sind verpflichtend. Des Weiteren muss die Promotion, also die Doktorarbeit, und die Habilitation erfolgen. Welche genauen Anforderungen hieran gestellt werden, ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Die Details sind in den Promotion- und Habitilationsordnungen der jeweiligen juristischen Fakultät geregelt.

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Bild: „ISC Orientation Week 2nd Meeting Fall 2011“ von Jirka Matousek. Lizenz: CC BY 2.0

Mit der Promotion allein kann man sich bereits auf Dozentenstellen an einer Hochschule bewerben. Wer die Habilitation erfolgreich abgelegt hat, darf an deutschen Hochschulen selbstständig forschen und lehren und den Titel Privatdozent tragen.

Die Habilitation ist die Voraussetzung, um als Professor an einem Lehrstuhl berufen zu werden. Statt einem Bewerbungsgespräch gibt es eine Probevorlesung vor einer Berufungskommission – umgangssprachlich auch „Vorsingen“ genannt. Die Kommission wählt dann ihren Favoriten aus, der anschließend den „Ruf“ erhält und sich fortan „Professor“ nennen darf.

Persönliche Qualifikationen und Eigenschaften des Juristen in der Wissenschaft

Nachwuchswissenschaftler müssen ein überdurchschnittliches Interesse an der Forschung in einem bestimmten Rechtsgebiet haben. Zudem sollten sie gerne im Team arbeiten, aber auch Teamführungsqualitäten aufweisen. Natürlich sollten auch die Lehre und der Umgang mit Studenten eine gewisse Freude bereiten.

Weiterhin sollten Absolventen, die sich für eine wissenschaftliche Karriere entscheiden, durchhaltevermögend sein und sich nicht schnell entmutigen lassen, weil der Weg zur Professur oft langwierig und zeitintensiv ist: Zum Zeitpunkt der Berufung sind die meisten Professoren bereits um die 40 Jahre alt.

Gehalt eines Juristen in der Wissenschaft

Wissenschaftliche Mitarbeiter und Privatdozenten verdienen bei Berufsantritt, wenn sie in Vollzeit arbeiten, ca. 40.800 Euro jährlich. Viele von ihnen haben allerdings nur eine 50 % Stelle am Lehrstuhl, wodurch sich der Verdienst auch auf die Hälfte reduziert. Hochschulprofessoren verdienen zwischen 54.000 und 67.200 Euro jährlich.

Mit Wissen und Erfahrung zum juristischen Traumberuf

Die Rechtswissenschaften bieten so viele Berufsmöglichkeiten wie kaum ein anderer Studiengang. Gerade deshalb ist es wichtig, sich schon frühzeitig mit den möglichen Arbeitsfeldern auseinanderzusetzen. Überlegen Sie also, wo Ihre Stärken und Interessenschwerpunkte liegen und absolvieren Sie möglichst viele Praktika in verschiedenen Bereichen.

Während des Studiums können dann bereits entsprechende Schwerpunkte belegt und vertieft werden. Und auch das Referendariat bietet eine gute Möglichkeit, in den verschiedenen Stationen Erfahrungen zu sammeln und den individuellen Wunschberuf zu konkretisieren.

 

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Ein Gedanke zu „Jurastudium und dann? – Überblick über verschiedene juristische Berufsmöglichkeiten

  • Paulina Eder

    Ich finde den Beruf vom Wirtschaftsjuristen sehr interessant. Ich den Bereich wäre ich gerne gegangen, aber leider hatte ich nicht die Möglichkeit zu Studieren und mit Mitte 30 möchte ich jetzt auch kein Studium mehr beginnen.
    Aber eine andere Frage zum Notar. Wie viele Mandanten muss man denn mindestens annehmen? Mir war gar nicht klar, dass man in der ersten Zeit dazu verpflichtet is, alle an zu nehmen.
    Beste Grüße
    Paulina Eder