In Zeiten der Globalisierung und der Internationalisierung des Rechtssystems kommt es für Juristen mehr denn je auf Fremdsprachenkenntnisse und Auslandserfahrung an. Doch wo können Sie schon während des Studiums fachbezogene Fremdsprachenkenntnisse erwerben? Und wie lässt sich ein Auslandsaufenthalt am besten realisieren? Wir zeigen Ihnen, wie Sie bereits in Ihrem Jurastudium interkulturelle Kompetenzen erwerben können.
Tipp: Mit unserem Online-Repetitorium zum 1. Staatsexamen können Sie sich bestmöglich, flexibel und kostengünstig auf die erste juristische Staatsprüfung vorbereiten. Jetzt kostenlos starten.

Bild: “Sasaki Associates - American University Campus 05” von Forgemind ArchiMedia. Lizenz: CC BY 2.0

Bild: “Sasaki Associates – American University Campus 05” von Forgemind ArchiMedia. Lizenz: CC BY 2.0


Das komplette Studium im Ausland

Vielleicht haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, das ganze Studium im Ausland zu absolvieren? So bieten etwa einige niederländische Universitäten, wie die Radboud Universiteit Nijmegen oder die Rijksuniversiteit Groningen, juristische Studiengänge an. Andere Studienanwärter spielen hingegen mit dem Gedanken, in England oder den USA den Einstieg in die Juristerei zu wagen.

Sie sollten dabei jedoch beachten, dass Sie mit einem Jurastudium im Ausland zunächst einmal auf den jeweiligen ausländischen Arbeitsmarkt festgelegt sind und dort dann auch Ihre berufliche Zukunft sehen sollten. Unter gewissen Voraussetzungen ist zwar eine Anerkennung ausländischer Juraabschlüsse in Deutschland möglich. Sie sollten sich dennoch bewusst sein, dass es für Sie eher schwer werden wird, einen „klassischen“ juristischen Beruf (wie Staatsanwalt oder Richter) zu ergreifen.

Doppel-Studiengänge – Zwei Fliegen mit einer Klappe

Eine weitere Möglichkeit sind Studienprogramme, bei denen Sie gleichzeitig einen deutschen und einen ausländischen Hochschulabschluss erwerben. So bietet etwa die Universität Mainz zwei integrierte deutsch-französische Studiengänge an.

Hier können die Studierenden einen Bachelor-Master-Studiengang mit integriertem Auslandsstudium in Dijon absolvieren und parallel dazu die Erste juristische Prüfung ablegen. Dabei wird das Studium in Frankreich als Schwerpunktbereich „Französisches Recht“ angerechnet.

Auch der ebenso integrierte Studiengang Mainz – Nantes/Paris-Est Créteil (DFH) wird laut der Internetseite der Universität in Zukunft mit dem Abschluss Bachelor of Law angeboten werden. Weitere deutsch-französische Studiengänge gibt es unter anderem an den Universitäten Potsdam, der Ludwigs-Maximilian-Universität München, der Uni Köln sowie an den Universitäten des Saarlandes und Erlangen-Nürnberg.

Ein englisch-deutsches Jurastudium mit einem Aufenthalt am King’s College London kann hingegen an der Humboldt-Universität Berlin absolviert werden. Eine interessante Perspektive bietet außerdem die deutsch-polnische Juristenausbildung an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder.

Vielleicht haben Sie sich auch schon immer zu den Niederlanden oder Italien hingezogen gefühlt? An der Universität Münster kann man mit einem Rechtsstudium in Deutschland und dem jeweiligen Zielland zugleich die Erste juristische Prüfung und einen niederländischen bzw. einen italienischen Jura-Abschluss erwerben. Ab dem Wintersemester 2014/15 kann in Bayreuth außerdem ein Studienabschluss im deutschen und spanischen Recht erlangt werden.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend und die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. Sie sollten sich vor Ihrer Entscheidung für oder gegen einen Doppel-Studiengang jedoch genau informieren, welche Abschlüsse Sie im Einzelnen mit dem jeweiligen Programm erwerben.

Warum nicht einfach Erasmus?

Erasmus steht für European Action Scheme for the Mobility of University Students und fördert seit 1987 Studierende bei ihrem Vorhaben, einen Auslandsaufenthalt an einer anderen europäischen Universität zu absolvieren. Laut einer Pressemitteilung der Europäischen Kommission aus dem Juli 2013 hatten bis dato über drei Millionen Studierende an dem Programm teilgenommen.

Seit Januar 2014 heißt das Programm Erasmus +. Grundsätzlich können Studierende damit an einer Partneruni ihrer Heimuniversität ein bis zwei Auslandssemester verbringen. Finden Sie also am besten noch vor Ihrer Immatrikulation heraus, welche Kooperationsverträge Ihre Wunschuniversität abgeschlossen hat.

Außerdem besteht auch die Möglichkeit, sich um ein Promos-Stipendium des DAAD zu bewerben. Darüber sind unter anderem Studienaufenthalte mit bis zu sechs Monaten Dauer, Praktika und Sprachkurse förderbar, wobei die jeweilige Hochschule entscheidet, welche Fördermöglichkeiten sie für ihre Studierenden auswählt.

Weitere Austauschprogramme

Neben den genannten Möglichkeiten bieten viele Universitäten auch weitere Austauschprogramme im Fachbereich Jura an. So entsendet die Universität Halle jährlich 10 Studenten der Wirtschafts- und der Rechtswissenschaft zum Studium an eine chinesische Partneruni.

Auch über die Universität Freiburg kann man in China studieren, daneben sind auch Aufenthalte in Argentinien, Brasilien und Chile möglich. Die Uni Regensburg hat drei australische Partneruniversitäten, während die Universität Jena die Möglichkeit bietet, ein Semester in Chicago zu verbringen. Es lohnt sich daher, frühzeitig herauszufinden, wie gut Ihre Wunschuni international vernetzt ist und welche Auslandaufenthalte den Studierenden hier ermöglicht werden können.

Fachspezifische Fremdsprachenausbildung, Zertifikatsprogramme und Moot Court

Wer nicht gleich den Schritt in ein anderes Land wagen möchte, kann neben dem herkömmlichen Studium eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung absolvieren. Die Bandbreite ist dabei riesig und reicht über Englisch, Französisch und Spanisch (etwa an der Uni Osnabrück), Chinesisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Tschechisch (zum Beispiel an der Uni Passau) bis hin zu Türkisch und Japanisch (beispielsweise an der Uni Trier).

Meist muss für die Zulassung zur Ersten juristischen Prüfung die Teilnahme an einer fremdsprachigen Juraveranstaltung nachgewiesen werden. Diesen Nachweis haben Sie mit einer der Fremdsprachenausbildungen in der Regel schon in der Tasche.

Daneben gibt es noch weitere interessante Angebote. In diese Kategorie fällt das studienbegleitende Zertifikatsprogramm „Osteuropäisches Recht“, das eine Kooperation zwischen der Uni Köln, der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der HU Berlin, der Unis Regensburg, Passau und Hamburg sowie der Paris-Lodron-Universität Salzburg darstellt. Die zugehörigen Veranstaltungen ermöglichen es den Studierenden, vertiefte Kenntnisse in den osteuropäischen Rechtsordnungen zu erwerben. Darüber hinaus gibt es einige englischsprachige Angebote, wie etwa in Düsseldorf der Begleitstudiengang im Anglo-Amerikanischen Recht oder das „Law & Language“-Programm der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Wenn Sie sich heute bereits auf das Verhandeln vor Gericht freuen, ist vielleicht auch die Teilnahme an einem Moot Court das Richtige für Sie. Hier wird in Teams eine Gerichtsverhandlung zu einem konkreten Fall simuliert, wobei einige Moot Courts als internationaler Wettbewerb veranstaltet werden.

So gilt auf dem Gebiet des Wirtschaftsrechts der in Wien und Hongkong abgehaltene Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot als besonders renommiert. Im Völkerrecht bietet sich eine Teilnahme an der angesehenen Philip C. Jessup International Law Moot Court Competition an. Letzterer ist der größte Moot Court weltweit. In beiden Wettbewerben wird Englisch gesprochen. Informieren Sie sich, ob auch Ihre Uni Teams in das Rennen schickt.

Fazit

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um sein Jurastudium von vornherein mit einem ansprechenden Auslandsbezug zu gestalten. Informieren Sie sich frühzeitig über die einzelnen Optionen, die Ihnen die Universitäten bieten. Auch für Studierende höherer Semester lohnt sich vielleicht sogar ein Wechsel, wenn sie an einem anderen Studienort ihr Wunschprogramm entdeckt haben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *