Jeder kennt diese Situation: Man kauft ein Möbelstück bei einem großen schwedischen Möbelhaus und baut es dann in mühsamer Kleinstarbeit zu Hause auf. Danach ist man stolz auf sein Werk und fühlt sich, als hätte man gerade das achte Weltwunder erschaffen. Komischerweise sehen andere jedoch trotzdem nichts weiter als ein einfaches Regal. Woher kommen diese Unterschiede in der Wahrnehmung?
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Bild: “IKEA” von Missy S. Lizenz: CC BY-ND 2.0

Bild: “IKEA” von Missy S. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Eigene Erzeugnisse werden überschätzt

Der Ikea-Effekt besteht darin, dass man Dinge, die man selbst erschaffen hat, ganz besonders wertschätzt. Sie bekommen einen höheren Stellenwert, weil man sie selbst hergestellt hat. Dies ist allerdings nur der Fall, wenn der Prozess auch erfolgreich abgeschlossen wird. Dinge, die andere Menschen erschaffen haben, werden hingegen viel geringer gewürdigt.

Ein Forscherteam um den Wissenschaftler Michael Norton kam dem Ikea-Effekt mit verschiedenen Experimenten erstmals auf die Spur.  Die Probanden sollten beispielsweise Origami-Figuren basteln und am Ende des Experiments entscheiden, wie viel Geld sie für die eigenen Figuren und für die der anderen Teilnehmer bereit sind zu zahlen. Das Ergebnis: Für die eigenen Figuren würden sie mehr Geld ausgegeben. Sie erschienen ihnen besser gelungen und höherwertig als die anderen Figuren – unabhängig von der wirklichen Qualität der Erzeugnisse.

Der Ikea-Effekt im Berufsleben und wie man ihn vermeidet

Der Ikea-Effekt lässt sich nicht nur im Alltag finden, sondern schlägt besonders oft auch im Berufsleben zu. Der Chef, der von seinem neuen Projekt besonders überzeugt ist oder der Kollege, der glaubt, seine Präsentation würde das Unternehmen neu erfinden – Alltag in den meisten Büros. Doch auch man selbst ertappt sich oft dabei, wie man auf Kritik an der eigenen Idee empfindlich reagiert. Man ist so überzeugt von seinem Konzept, dass man Kritik nur schwer objektiv betrachten kann.

Dabei kann genau das zum Problem werden. Wenn jeder auf seinen Ideen und Vorschlägen beharrt, ist eine unvoreingenommene Entscheidungsfindung nicht möglich und es besteht ein hohes Potenzial für Konflikte. Es ist deshalb wichtig, dass Sie konstruktive Kritik auf keinen Fall persönlich nehmen und möglichst objektiv über die Einwände nachdenken. Sie werden wahrscheinlich sehen: Ihr Kollege hatte nicht ganz Unrecht.

Auf der anderen Seite sollten Sie darauf achten, auch die Vorschläge Ihrer Kollegen wertzuschätzen und deren Arbeit zu loben. Nicht nur Sie haben sich für ein Projekt besonders ins Zeug gelegt, auch Ihre Kollegen haben vielleicht gute Ideen entwickelt. Versuchen Sie, dies zu würdigen und nicht nur Anerkennung für Ihre Ideen zu erwarten. So umgehen Sie den Ikea-Effekt und vermeiden Konflikte.

Wenn Ihnen etwas nicht gefällt, sollten Sie die Kritik immer sachlich formulieren. Haben Sie immer im Hinterkopf, dass Ihr Kollege sich wahrscheinlich ebenfalls viel Mühe mit der Ausarbeitung gegeben hat und von seinem Konzept überzeugt ist. Machen Sie sich klar, dass Ihr Kollege von seiner Idee besonders überzeugt ist und zeigen Sie ihm behutsam Verbesserungsvorschläge auf.

Quellen

Ikea-Effekt – Warum eigene Ideen heikel sind via Alltagsforschung

Der Ikea-Effekt – Was wir selber zusammenbauen wird sofort wertvoller via Karrierebibel

Sechsjährige kennen den Wert harter Arbeit via WiWo

 

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