Verabschieden Sie sich schon einmal von Lehrbüchern und Kurszertifikaten. Auf die wird es in Zukunft nicht mehr ankommen, wenn es um Weiterbildung am Arbeitsplatz geht. Dafür gibt es zu viele neue Entwicklungen im Selbstverständnis Ihrer Mitarbeiter, in der Bildung und Technologie. Eine der Hauptrollen spielt dabei die Hackingkultur.
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hacker

Bild „Syrian hacker“ von Andersson 18824. Lizenz: CC BY 4.0


Was verstehen wir unter Hacking?

Etwas zu hacken bedeutet im Englischen eigentlich, in etwas einzudringen. Bekannt ist der Begriff vor allem in der Informatik. Dort ist ein Hacker eine Person, die Software oder Hardware erstellt oder verändert. Manche dringen in fremde Systeme ein und nutzen sie für ihre eigenen Zwecke.

Als hacks werden Funktionserweiterungen und Änderungen oder Zweckentfremdungen bezeichnet. Und das lässt sich auch auf andere Bereiche außerhalb der Informatik übertragen. Sogenannte life hacks meinen Tricks, Tipps, Anwendungen oder neue Methoden, die in allen Bereichen des Lebens einen Mehrwert schaffen, sei es Effektivität, Produktivität, Effizienz oder einfach nur Spaß.

Wer bei YouTube den Begriff hacks eingibt, wird mitten hinein gesogen in eine Welt der guten Ratschläge, die für die Generation Y und Z schon längst Alltag sind: Beauty, Computerspiele, Kochen, Mode, Technik, Sport, Reisen – für jeden Lifestylebereich gibt es die passenden Hacks. Life Hacking ist eine Ergänzung der schon länger bestehenden DIY-Kultur:

Wir machen es selber, anders und besser.

Warum wird Hacking so wichtig?

Um zu verstehen, warum diese Entwicklung auch für Arbeitgeber, Weiterbildungsanbieter und HR-Manager bedeutsam ist, müssen wir einen Blick auf die Mitarbeiter der Zukunft werfen, die Cornelia Kelber in ihrem Artikel Future Learning: kreativ und flexibel so treffend beschrieben hat.

Demnach legen Kreativarbeiter keinen Wert mehr auf die eine, geradlinige Karriere, auf große Autos und dicke Lohntüten, sondern auf die Erweiterung ihrer beruflichen Erfahrungen und Kompetenzen, auf die Entfaltung ihrer Talente und den Einklang mit ihrem Privatleben. Der Lebenslauf ist nicht mehr zielgerichtet, sondern situativ beeinflusst.

Das begründet sich neben vielen anderen gesellschaftlichen Faktoren auf den jetzt schon bestehenden Fachkräftemangel, der Bewerbern eine stärkere Position verschafft, um mehr vom Arbeitgeber zu verlangen. Ohnehin können Betriebe nicht mehr die Sicherheit einer lebenslangen Beschäftigung oder steigende Löhne bieten. Mehrere beruflichen Stationen, auch die Abkehr von einst erlernten Berufen sind daher schon längst keine Seltenheit mehr.

Was bedeutet Hacking für die Bildung?

Vor diesem Hintergrund ändert sich auch die Art und Weise, wie wir für die Arbeit und für das Leben insgesamt lernen. Den Spruch „man lernt nie aus“ gibt es schon seit Ewigkeiten, und doch erlangt er gegenwärtig eine neue Tiefe. Denn Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber können sich nicht mehr auf das einst angesammelte Wissen aus Ausbildung oder Studium verlassen, wenn die berufliche Laufbahn so viele Kurven, Baustellen und Überholspuren haben wird.

Theoretisches Wissen mag den Grundstein bilden, doch zukünftig dominiert die praktische Anwendbarkeit, die Kompetenzerweiterung durch das Tun, das situative Lernen. Wir bewerben uns nicht mehr mit Zeugnissen, sondern mit Arbeitsproben. Wichtigstes Stichwort: Problemlösungskompetenz. Cornelia Kelber fasst es so zusammen:

Problemlösungskompetenz ist die wertvollste Ressource der Wissensgesellschaft von morgen.

Und hier schließt sich der Kreis des eingangs beschriebenen Hackings als neue, alltägliche Kulturtechnik, denn sie zielt eben auf jene spontane Problemlösungskompetenz ab: kurze, knackige Lern- und Lebenshilfen statt ausgedehnte Behandlung eines Themenbereichs. Und ganz nebenbei geschieht die Auflösung eingefahrener Denkstrukturen, die Umfunktionierung von Dingen, die Erweiterung ihrer Nutzung – genauso, wie Hacking in der IT eingesetzt wird.

Was bedeutet Hacking für die betriebliche Weiterbildung der Zukunft?

An diese Entwicklungen muss sich auch die betriebliche Weiterbildung anpassen. Niemand möchte seine wertvolle Zeit in Wissen investieren, das er gar nicht braucht. Gerade am Arbeitsplatz spielt der Wissenstransfer in die praktische Anwendung und das Lösen von Problemen eine wichtige Rolle.

Es müssen sich also sowohl die Inhalte und ihre Aufbereitung als auch der Zugang zu ihnen ändern. Denn wer nach der Lösung eines Problems sucht, wird sich das hierfür nötige Wissen aus eigenem Antrieb situativ und on-the-job aneignen. Der größte Vorteil: Das Wissen bleibt auch wirklich im Kopf und bringt dem Unternehmen einen Mehrwert.

Deswegen noch einmal der Appell: Verabschieden Sie sich von mehrtägigen Einheitsbreikursen und telefonbuchstarken Manuals. Investieren Sie Ihr Weiterbildungsbudget lieber in neue Kanäle des betrieblichen Lernens, des informellen Lernens wie Mobile Learning, Micro Learning, Social Learning, Wikis, Online-Foren, Video-Tutorials, das 70:20:10-Modell und so weiter und so fort – die Angebote sind längst da, doch sind sie auch schon in den Personalabteilungen angekommen?

Quellen

Cornelia Kelber: Future Learning: Kreativ und flexibel. Via Zukunftsinstitut

Prof. (FH) Mag. Dr. Helmut Siller: Hacker, via Gabler Wirtschaftslexikon

 

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