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Bild: “Baustellen In Birmenstorf AG” von Felix5413. Lizenz: CC BY 2.0


Das Bauplanungsrecht gehört zum absoluten Pflichtfachstoff im Baurecht. In Klausuren kann es dabei vorkommen, dass – als Hauptaufgabe oder aber inzident – die Rechtmäßigkeit eines Bebauungsplans zu prüfen ist. Dies bereitet Studenten erfahrungsgemäß Probleme, da die Regelungen auf den ersten Blick unübersichtlich erscheinen.

Rechtmäßigkeitsvoraussetzungen eines Bebauungsplans

Ermächtigungsgrundlage

Die Ermächtigungsgrundlage für die Aufstellung eines Bebauungsplans findet sich in §§ 1 III, 2 I BauGB.

Formelle Rechtmäßigkeit

Normalerweise ist die formelle Rechtmäßigkeit in Klausuren eher kurz abzuhandeln, weil sich i.R.d. Verfahrens keine Probleme ergeben. Anders ist dies beim Bebauungsplan. Da kann die Prüfung der formellen Rechtmäßigkeit durchaus einmal den Hauptschwerpunkt der Begründetheitsprüfung bilden.

1. Zuständigkeit

Zuständig für den Erlass eines Bebauungsplans ist gem. § 2 I BauGB die Gemeinde. Wer innerhalb der Gemeinde zuständig ist, bestimmt sich nach dem jeweiligen Landesrecht (i.d.R. ist das der Gemeinderat).

2. Verfahren

Das Aufstellungsverfahren ist in den §§ 2 ff. BauGB geregelt.

Aufstellungsbeschluss, § 2 I 2 BauGB

Mit dem Aufstellungsbeschluss beschließt die Gemeinde, das Planverfahren zu beginnen. Bildlich gesprochen sagt die Gemeinde also „Jetzt geht’s los“. Nach Ansicht des BVerwG ist der Aufstellungsbeschluss jedoch nicht zwingend, sodass ein fehlender Aufstellungsbeschluss keine formelle Rechtswidrigkeit nach sich zieht.

Merke: 214 BauGB ist hier nicht erforderlich!

Frühzeitige Beteiligung, §§ 3 I, 4 I, 4a BauGB

Die Öffentlichkeit und die betroffenen Behörden sind möglichst frühzeitig zu beteiligen, vgl. § 3 I BauGB. Auch dies ist jedoch keine zwingende Wirksamkeitsvoraussetzung, wie sich im Umkehrschluss aus § 214 BauGB ergibt (dort sind die § 3 I sowie § 4 I BauGB nicht genannt; zur Systematik der §§ 214, 215 BauGB siehe unten).

Auslegungsbeschluss

Das anschließende Auslegungsverfahren wird durch den Auslegungsbeschluss der Gemeinde eingeleitet. Die Auslegung ist wesentlicher Bestandteil der förmlichen Bürgerbeteiligung.

Auslegung des Bebauungsplans, § 3 II BauGB

Der Bebauungsplan ist gem. § 3 II BauGB für die Dauer eines Monats öffentlich auszulegen. Die Auslegung ist zudem eine Woche vorher ortsüblich bekannt zu machen. Im Rahmen des Auslegungsverfahrens werden in der Klausur öfters Probleme eingebaut. So ist beispielsweise fraglich, für welche Dauer der Bebauungsplan täglich ausliegen muss.

Förmliche Beteiligung, §§ 3, 4, 4a BauGB

Im Anschluss folgt die förmliche Beteiligung der betroffenen Behörden, die Ihre Anliegen und Bedenken äußern können.

Ermittlung und Bewertung des Abwägungsmaterial, § 2 III BauGB

Gem. § 2 III BauGB ist das Abwägungsmaterial zu ermitteln und zu bewerten.

Die Einordnung dieses Absatzes ist seit seiner Änderung durch das EAG Bau vom 24.06.2004 umstritten. Denn neben § 2 III BauGB schreibt auch der § 1 VII BauGB vor, dass die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander gerecht abzuwägen sind.

Die zu § 1 VII BauGB entwickelte Abwägungsfehlerlehre anerkennt den Gemeinden einen grundsätzlichen Entscheidungsspielraum bei der Abwägung der verschiedenen Belange. Die Grenzen dieser Freiheit sind Rechtsverstoße durch Abwägungsfehler. Diese gleichen im Wesentlichen den Ermessensfehlern. Die Abwägung nach § 1 VII BauGB ist also eine Frage der materiellen Rechtmäßigkeit. Fraglich ist deshalb, ob dies auch für § 2 III BauGB gilt.

§ 2 III BauGB enthält mit den Wörtern „Ermitteln“ und „Bewerten“ zwei Begriffe, die denen der Abwägungsfehlerlehre ( „Einstellen“ und „Einschätzen“) sehr ähnlich sind. Davon ausgehend ist streitig, ob der Gesetzgeber nun einen Teil der Abwägungsfehler in die formelle Rechtmäßigkeit verlagert hat oder ob die betroffenen Abwägungsfehler jetzt einen formell-materiellen Doppelcharakter haben.

Nach der Begründung des zugrundeliegenden Gesetzesentwurfs ist der § 2 III BauGB als „Verfahrensgrundnorm“ gedacht. Dieser Wille des Gesetzgebers spricht dafür, einen Teil der Abwägungsfehler vorzuverlagern in die formelle Rechtmäßigkeit.

Damit sind im Rahmen des § 2 III BauGB folgende Abwägungsfehler zu prüfen:

  • Abwägungsausfall
  • Abwägungsdefizit
  • Abwägungsfehleinschätzung

Eine andere Ansicht ist hier in der Klausur selbstverständlich vertretbar, insbesondere in Hinblick auf § 214 III 2 2.HS BauGB. Wichtig ist, wie so oft, vor allem die Argumentation.

Satzungsbeschluss, § 10 I BauGB

Der Bebauungsplan wird gem. § 10 I BauGB als Satzung beschlossen. Hier lassen sich in der Klausur noch wunderbar kommunalrechtliche Probleme einbauen.

Materielle Rechtmäßigkeit

Der Bebauungsplan ist materiell rechtmäßig, wenn er mit höherrangigem Recht vereinbar ist, insbesondere den Vorschriften des BauGB.

Erforderlichkeitsgebot, § 1 III BauGB

Ob die Aufstellung eines Bebauungsplans gem. § 1 III BauGB erforderlich ist, bemisst sich nach der planerischen Konzeption der Gemeinde. Diese ist Teil der Planungshoheit der Gemeinde und damit Ausdruck von Art. 28 II GG, sodass die Erforderlichkeit gerichtlich nur eingeschränkt überprüfbar ist.

Die Gemeinde hat insoweit also einen Entscheidungsspielraum. Unzulässig ist dabei in jedem Fall eine reine Negativplanung, also die Aufstellung eines Bebauungsplans um damit ein Vorhaben zu verhindern.

Entwicklungsgebot, § 8 II 1 BauGB

Der Bebauungsplan ist aus dem Flächennutzungsplan zu entwickeln. Die Gemeinde muss bei der Aufstellung also die planerische Grundkonzeption des Flächennutzungsplans beachten.

Anpassungsgrundsatz, § 1 IV BauGB

Der Bebauungsplan ist den Zielen der Raumordnung anzupassen.

Numerus clausus der Festsetzungen, § 9 BauGB

§ 9 BauGB legt fest, was ein Bebauungsplan seinem Inhalt nach festsetzen darf. Diese Aufzählung ist abschließend und muss eingehalten werden.

Gebot der gerechten Abwägung, § 1 VII BauGB

Aufgrund des § 2 III BauGB ist an dieser Stelle nur noch zu prüfen, ob die Gemeinde den Ausgleich zwischen den Belangen in einer Weise vorgenommen hat, die zu dem Gewicht der Belange außer Verhältnis steht (Abwägungsdisproportionalität).

Die Rechtsprechung hat zur Konkretisierung einzelne Planungsgrundsätze entwickelt, die die Maßstäbe für die gerichtliche Überprüfung der Abwägung bilden sollen:

  • Gebot der Rücksichtnahme
  • Gebot der Konfliktbewältigung

Rechtsfolge von Mängeln

Ist ein Bebauungsplan aus einem oder mehreren Gründen formell und/oder materiell rechtswidrig, so bedeutet das noch nicht, dass der Bebauungsplan insgesamt als nichtig anzusehen ist. Das BauGB sieht in den §§ 214, 215 BauGB Heilungsmöglichkeiten für formelle wie für materielle Fehler vor.

Dies ist angesichts der Dauer und des Aufwandes eines Planverfahrens auch notwendig. Würde jeder formelle oder materielle Fehler den Bebauungsplan automatisch nichtig machen, wäre von der Planungshoheit der Gemeinde faktisch nicht mehr sehr viel übrig. Die Systematik der §§ 214, 215 BauGB ist dabei folgende:

  • Formelle Fehler sind grundsätzlich unbeachtlich, außer sie sind in § 214 I BauGB genannt;
  • Materielle Fehler sind grundsätzlich beachtlich, außer sie sind in § 214 II BauGB genannt;

Zudem besteht noch die Möglichkeit einer Heilung im ergänzenden Verfahren, § 214 IV BauGB.


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