Bei der Unterschlagung handelt es sich um ein Vergehen, das nach §246 StGB strafbar ist. Schon scheinbar harmlose Fälle wie das Einordnen eines ausgeliehenen Buches in das eigene Bücherregal können unter Umständen hierunter gefasst werden. Wir erklären Ihnen, welche Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen Unterschlagung gegeben sein müssen.

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Bild: “Law School” von Tulane Public Relations. Lizenz: CC BY 2.0

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Wie wird die Unterschlagung geprüft?

Die h.M. prüft die Unterschlagung nach folgendem Schema:

I Tatbestand
a) fremde, bewegliche Sache
b) Manifestation der Zueignung
c) Rechtswidrigkeit der Zueignung
II Rechtswidrigkeit
III Schuld

Tatbestand der Unterschlagung

Die Unterschlagung gehört, neben dem Diebstahl und Betrug, zu den sogenannten Eigentumsdelikten. Ganz grundlegend macht sich einer Unterschlagung jeder schuldig, der sich fremdes Eigentum rechtswidrig aneignet (I). Dabei kann es sich sowohl um Gegenstände als auch um Geldbeträge handeln.

Allerdings wird für die Erfüllung des Tatbestandes kein Vermögensschaden vorausgesetzt. Das bedeutet, dass man sich auch bei der rechtswidrigen Zueignung komplett wertloser Gegenstände schuldig macht, solange diese nicht ursprünglich zum eigenen Eigentum gehört haben.

Zueignung bedeutet in diesem Fall, dass der Beschuldigte eine „eigentümerähnliche Herrschaft“ über das Unterschlagungsgut beansprucht (II); eine solche kann beispielsweise gegeben sein, wenn die entwendeten Habseligkeiten unter Verschleierung der wahren Eigentumsverhältnisse verbraucht oder veräußert werden (III). Finden Sie also eine Perlenkette auf der Straße und verkaufen diese, statt sie im Fundbüro abzugeben, können Sie gegebenenfalls wegen Unterschlagung belangt werden.

Hier wird auch der Unterschied zum Tatbestand des Diebstahls deutlich: Während dieser vorsieht, dass der Täter die betreffende Sache einem eindeutigen Dritten entwendet, schließt die Unterschlagung auch Fundsachen ein, die ihrem eigentlichen Besitzer im ersten Moment nicht eindeutig zuzuordnen sind.

In diesem Sinne handelt es sich bei der Unterschlagung um einen sogenannten „Auffangtatbestand“, da er alle Vergehen gegen das Eigentum mit einschließt, die vom Tatbestand des Diebstahls nicht abgedeckt werden.

Sonderfall: Veruntreuende Unterschlagung

Eine sogenannte veruntreuende Unterschlagung liegt vor, wenn dem Täter eine Sache zuvor bereits anvertraut worden war, jedoch unter der Maßgabe, sie getrennt aufzubewahren oder nur zu einem bestimmten Zweck zu verwenden. Werden Sie beispielsweise mit der Überbringung eines Geldbetrages betraut und stecken diesen stattdessen in die eigene Tasche, so wäre dies eine Veruntreuung.

Der Zueignungswille muss deutlich sein

Wie bereits erwähnt, setzt der Tatbestand der Unterschlagung eine rechtswidrige Aneignung voraus. Diese hat allerdings nur dann Bestand, wenn der Aneignungswille bekundet oder auf andere Weise äußerlich sichtbar gemacht wird. Hier spricht man von einer „hinreichenden Manifestation des Zueignungswillens“.

Als Beispiel soll der folgende Fall gelten: Sie finden eine Geldbörse auf der Straße, in der sich Bargeld in Höhe von 200 Euro befindet. Stecken Sie diese in die Tasche, um sie später im Fundbüro vorbei zu bringen, handelt es sich bei der objektiv zu beobachtenden Tat nicht um eine Unterschlagung im eigentlichen Sinne.

Der subjektive Vorsatz, die Geldbörse dem rechtmäßigen Besitzer wieder zuzuführen, entlastet den Verdacht. Wenn Sie allerdings das Geld entwenden und nur die Brieftasche im Fundbüro abgeben, so haben Sie den Geldbetrag effektiv unterschlagen und sich dadurch schuldig gemacht.

Ein anderes Beispiel: Jemand leiht Ihnen zur Klausurvorbereitung ein Fachbuch, das Sie anschließend vergessen, zurückzugeben. Nachdem es einige Monate auf Ihrem Schreibtisch gelegen hat, stellen Sie es in Ihr eigenes Bücherregal mit der Absicht, es zu behalten. In diesem Moment können Sie ebenfalls wegen Unterschlagung belangt werden.

Unerlässlich ist in jedem Fall die verlässliche Betätigung des Aneignungswillens nach außen.

Eine mehrjährige Freiheitsstrafe ist möglich

Das Strafmaß im Falle der Unterschlagung kann ganz unterschiedlich aussehen. Im Gesetzestext ist eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vorgesehen. Bei veruntreuender Unterschlagung kann sich das Strafmaß jedoch auf bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug erhöhen.

Allerdings ist die Verurteilung immer vom Einzelfall und den gegebenen Faktoren abhängig. So kann es zum Beispiel eine Rolle spielen, ob der Beschuldigte bereits einschlägig vorbestraft ist. Auch der Wert der jeweiligen Sache wird bei der Urteilsfindung berücksichtigt. Hat der Täter ein Geständnis abgelegt oder die Beute im Rahmen einer Schadenswiedergutmachung an den eigentlichen Eigentümer zurückgegeben, kann dies positive Auswirkungen auf das letztliche Urteil haben.


 

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4 Gedanken zu „§246 StGB – das müssen Juristen über die Unterschlagung wissen

  • Gerd Vorbeck

    Ich war anderthalb Monate krank geschrieben und habe gekündigt zum Ende des Monats. Das Dienstauto befand sich mit meinem kompletten Werkzeug in der Firma.
    Zur ordnungsgemäßen Übergabe des Dienstautos und dem Werkzeug wurde ich in die Firma bestellt, was ich auch getan habe.
    Als ich in der Firma ankam, musste ich feststellen, das es nur zu einer Werkzeugübergabe kam, da mein Dienstauto ohne mein Beisein ausgeräumt wurde. Es fehlte Werkzeug, was nun von meinem exchef zur Anzeige Unterschlagung gebracht wurde.
    Wie soll ich mich verhalten?

    1. Desiree Linsmeier

      Sehr geehrter Herr Vorbeck.

      Dieser Artikel soll Jurastudenten zur Vorbereitung auf Klausuren und die Examina dienen. Wir führen hier keine allgemeine Rechtsberatung durch.
      Bitte lassen Sie sich zu Ihrem Sachverhalt professionell anwaltlich beraten.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Désirée Linsmeier

  • Michael Moraweck

    ich habe bei meinem ausflug mit meinem sohn und einer mittarbeiterin des jugendamtes mein portmonaise(13-15 Euro) im korb des Kinderwagens vergessen. Meine Exfrau hat bereits nach 5min. abgestritten, es wäre nicht da. Trotz Zeugenaussage der Jugendmittarbeiterin streitet meine Exfrau den Besitz ab.
    Inhalt: 13-15 Euro
    zwei geldkarten
    AOK – Karte sowie Führerschein und Ausweis
    1 Telefon mit Vertragskarte
    Strafanzeige wegen § 246 Unterschlagung
    Fundsachenunterschlagung wurde durch die Polizei
    aufgenommen
    Meine Frage: welches Strafmaß ist zu erwarten?

    1. Maria Jaehne

      Sehr geerhter Herr Moraweck. Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Zu solchen strafrechtlichen konkreten Einzelfällen lässt sich „aus der Ferne“ sehr schwer Stellung beziehen. Wir möchten daher auch in Ihrem Interesse von einer Beantwortung der Frage absehen und Sie bitten, den Gang des Verfahrens abzuwarten. Mit freundlichen Grüßen, die Redaktion.