Die Abkürzung SCORM steht für Sharable Content Object Reference Model und betitelt ein Referenzmodell für austauschbare, elektronische Lerninhalte der Advanced Distributed Learning (ADL) Initiative. Wir erklären Ihnen, was es damit auf sich hat.
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Bild: “Knowledge sharing” von Ewa Rozkosz. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Erklärung und Ziele des Projekts SCORM

Beim SCORM Projekt handelt es sich um eine abgestimmte (Variablen-) Sammlung von Standards und Spezifikationen aus verschiedenen Quellen. Ermöglicht werden soll die eine einfache Austauschbarkeit, der allgemeinen Zugriff und die Wiederverwendbarkeit von webbasierten Lerninhalten, also E-Learning-Lösungen, in verschiedenen Umgebungen. Damit erfüllt es einige grundlegende Anforderungen der heutigen Zeit.

SCORM versteht sich als eine Art „Komplett“-Lösung und versucht, bereits bestehende Standards zusammenzufassen. Das primäre Medium des Projekts ist das Internet. Es basiert dementsprechend auf Web Standards sowie Web Infrastrukturen. Seine Motivation ist die Erstellung von wiederverwendbaren Inhalten, einer geeigneten, technischen Systemumgebung und der Aufbau eines Content-Speichers.

Außerdem fokussiert SCORM die Bereitstellung von Beispiel-Implementierungen und Testumgebungen für die verwendeten Standards. Zudem ist es ein Zertifizierungsprogramm für kompatible Produkte. Die aktuelle Version ist die SCORM 2004 3rd Edition.

Die sechs grundlegenden Merkmale von SCORM

Es gibt sechs grundlegende Ziele beziehungsweise Merkmale, durch die sich SCORM auszeichnet und nach denen es ausgerichtet ist.

  1.  Alle E-Learning-Kurse, die mit SCORM erstellt werden, sollen maximale Erreichbarkeit aufweisen und von verschiedenen Standorten aus abrufbar sein.
  2. Die Instruktionen in einem Lernmodul sollen die Möglichkeit zu individueller und organisationsbezogener Anpassung bieten.
  3. Es soll eine Minimierung von Zeit- und Kostenaufwand erreicht werden, um eine Steigerung der Effizienz und Produktivität in der Herstellung der Administration von Lernmodulen zu bewirken.
  4. Veränderte Betriebssysteme und Software dürfen kein kostenintensives Redesign, eine Neukonfiguration und/oder langwierige Umprogrammierung der E-Learning-Kurse verursachen; SCORM soll beständig sein.
  5. Darüber hinaus sollen die Kurse, die SCORM befolgen, auf verschiedenen Plattformen und Learning Management Systems funktionieren und auch in anderen Programmen und auf anderen Trägermedien wie CD-ROM oder DVD verwendbar sein.
  6. Kurz gefasst ist SCORM eine flexible, interoperable und wiederverwendbare Allround-Lösung für die Erstellung von E-Learning-Kursen.

Die Geschichte des Projekts SCORM

1997 fand der Zusammenschluss der Forschung und Industrie durch das White House Office of Science and Technology Policy (OSTP) und das Office of the Secretary of Defense (OSD) der Vereinigten Staaten von Amerika statt. Im Anschluss wurde die Advanced Distributed Learning Initiative, kurz ADL-Initiative, gegründet.

Ihr Ziel ist die Entwicklung von Lern- und Informationstechnologien, welche dann zur Modernisierung von Bildung und Ausbildung sowie der Entwicklung von E-Learning-Standards in Zusammenarbeit mit anderen Initiativen genutzt werden soll. 1999 lief das SCORM-Projekt in einem ersten Entwurf an, um bereits existente und zukünftige E-Learning-Standards zu bündeln und zu vereinheitlichen.

Ursprünglich war es für militärische Zwecke gedacht. Das US-Verteidigungsministerium nutzt die gewonnenen Erkenntnisse für die Ausbildung der US-Teilstreitkräfte. Marine, Luftwaffe und Heer können so Lerninhalte frei austauschen, kombinieren und wiederverwenden. Erst drei Jahre später, 2002, wurde SCORM erstmals für die Öffentlichkeit freigegeben.

Die Bestandteile des Referenzmodells SCORM

SCORM besteht aus vier wesentlichen Dokumenten, den sogenannten „Büchern“:

Overview

Der Overview bietet einen Überblick über die Hintergründe des SCORM-Projekts. Es erklärt die Entstehung sowie die Ziele, welche die ADL-Initiative mit SCORM erreichen möchte, fasst die Standards und Spezifizierungen auf denen SCORM basiert zusammen, führt die SCORM-Bücher ein, gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen und stellt Kompatibilitätstests sowie Zertifizierungen bereit.

Content Aggregation Model (CAM)

Das SCORM Content Aggregation Model (CAM) beschreibt, wie Inhalte zusammengefasst werden um sie ausliefern und austauschen zu können. Es gliedert sich in drei Unterbereiche:

  1. Das Inhaltsmodell, welches aus einer Datei besteht, in der die Struktur und die Beziehung oder auch Organisation zwischen den Inhaltselementen beschreibt. Inhaltselemente sind Sharable Content Objects (SCO) und Sharable Content Assets (SCA).
  2. CAM Metadaten, die die Auszeichnung von Inhaltselementen für die Suche und Klassifizierung gewährleisten.
  3. Content Packaging, in dem die Inhalte mit Struktur- und Metadaten in sogenannten Packaging Interchange Files (PFI) gebündelt sind.

Run-Time Environment (RTE)

Das Run-Time Environment garantiert die Interoperabilität zwischen Learning Management Systems und Sharable Content Objects. Hier wird das laufzeitbezogene Verhalten eines LMS, die Schnittstelle vom LMS zu bereits im Content Aggregation Model bestimmten Lernpaketen und die Verwendung von Benutzerdaten zur Laufzeit beschrieben.

Auf diese Weise können beispielsweise Lernfortschritte gespeichert und Lernziele determiniert werden. Auch dieses Buch besteht aus drei Teilen:

  1. Der erste Teil betrifft das Management beziehungsweise Launch. Dort wird definiert, wie SCOs die Programmierschnittstelle (API) finden können und wie die Inhalte durch das Learning Management System geladen und entladen werden. So werden Fehlerbehandlung und Aufzeichnung der erfassten Daten organisiert.
  2. Die eben angesprochene Programmierschnittstelle Application Programming Interface (API) dient zur Kommunikation zwischen dem Learning Management System und dem Sharable Content Object.
  3. Der dritte und letzte Teil des Run-Time Environment ist das Data Model. Hier werden die Daten definiert, die zwischen LMS und SCO ausgetauscht werden können.

Das vierte Buch des Projekts SCORM ist Sequencing and Navigation. Wie bereits erwähnt, wurde es erst mit der 2004er Version eingeführt. Es behandelt die Ablaufsteuerung und Navigation der Lerninhalte, speziell, wie Inhalte durch Navigationsereignisse und die Vorgaben eines Autors durchlaufen werden können.

Diese Navigationsereignisse werden durch das System oder den Lernenden evoziert und durch die Vorgaben des Autors beim Design der Lerninhalte definiert. Dementsprechend beschreibt dieses Buch, wie die Präsentation der Lerninhalte von der Navigation eines Benutzers beeinflusst werden kann und welche Grenzen diesem Einfluss gesetzt sind.

Der Autor schreibt sogenannte Aktionsbäume, die mögliche Reihenfolgen von Lerninhalten abhängig von Benutzeraktionen festlegen. Durch Einbezug dieser vier Bücher des SCORM-Projekts werden Lerneinheiten aus einzelnen Bausteinen zusammengesetzt, um ein maximales Maß an Unabhängigkeit und Kombinierbarkeit zu erreichen. Insgesamt weist der Content eine Baumstruktur auf.

Sequencing and Navigation (SN).

Letzteres wurde erst mit der 2004er Version von SCORM eingeführt und stellt somit das jüngste Buch dar. Alle Bücher werden eigenständig weiterentwickelt und versioniert.

Die Vorteile von SCORM

SCORM ist mittlerweile ein etablierter Standard, weil es selbst auf gesicherten Standards basiert. Es ermöglicht die Integration neuer Inhalte in ein Learning Management System, ohne umfangreiche Anpassungen vorzunehmen, sowie den Aufbau von Content-Speichern. Dank der SCORM Version von 2004 sind darüber hinaus auch didaktisch anspruchsvolle Methoden anwendbar.

 

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