Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass der „kranke“ Gang zur Arbeit einem Unternehmen teuer zu stehen kommen kann. Demnach macht es wenig Sinn, wenn Beschäftigte sich zur Arbeit quälen und Arbeitgeber stur auf deren Erscheinen beharren. Lernen Sie mit uns, Präsentismus zu erkennen und zu vermeiden – Ihr Unternehmen wird es Ihnen danken!
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Bild: von ZWEISAM. Quelle: Photocase


Präsentismus

Präsentismus ist ein Fachbegriff aus der Arbeitsmedizin und leitet sich vom Lateinischen „praesentia“ ab, was so viel wie Anwesenheit bedeutet. Die Bezeichnung beschreibt das Erscheinen von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz, obwohl sie eigentlich krank sind und sich gesund pflegen müssten. Dem Präsentismus steht der Begriff „Absentismus“ gegenüber, der die krankheitsunabhängige Abwesenheit von der Arbeitsstelle bezeichnet – im Alltag bekannt als „Krankfeiern“.

Gründe und Motive

Es lassen sich ganz unterschiedliche Gründe für Präsentismus finden. Nicht selten führen mehrere Ursachen zur Anwesenheit am Arbeitsplatz, die sich auf gesellschaftliche, persönliche und berufliche Einflüsse zurückführen lassen. Eine eindeutige Diagnose ist daher nicht immer möglich.

Eines der häufigsten Motive dürfte die Angst um den Arbeitsplatz sein. Besonders in konjunkturschwachen Zeiten sorgen sich viele Beschäftige um ihren Job und möchten jeden schlechten Eindruck vermeiden. Dazu gehört auch die Minimierung von Fehltagen – egal, wie gut begründbar diese sein mögen.

Doch selbst wenn die Stelle sicher ist, kann eine Krankheit unter Umständen nicht Grund genug sein, der Arbeit fern zu bleiben. Eine Position mit hoher Eigenverantwortlichkeit erschwert es beispielsweise, Arbeit zu delegieren und sich somit Zeit zu verschaffen. Kann man bestimmte Aufgaben nicht abgeben, die aber dennoch erledigt werden müssen, bleibt nur das Ignorieren körperlicher Beschwerden. Gleiches gilt für Geschäftstermine, die personengebunden oder nicht aufschiebbar sind. Hinter Präsentismus können also höchst uneigennützige Aspekte stecken, wie das Pflichtgefühl dem Unternehmen gegenüber. In diesem Sinne wird häufig die Rücksicht und Loyalität den anderen Mitarbeitern gegenüber genannt, die im Krankheitsfall ihres Kollegen zusätzliche Aufgaben wahrnehmen müssten.

Eine ganz andere Art Präsentismus sogar noch zu fördern, ist eine gängige Praktik aus Argentinien. Dort versuchte der Staat streikenden Lehrkräften zu begegnen, indem ein Großteil des Gehaltes in eine Zulage umgewandelt wurde. Diese Zulage, „Presentismo“ genannt, wird nur ausbezahlt, wenn der betreffende Lehrer keinerlei Fehltage in einem Monat hatte. Ein Fehltag kann hierbei allerdings auch ein Krankheitstag sein. Der Presentismo stellt also einen großen Anreiz dar, trotz Krankheit auf Arbeit zu erscheinen.

Die Folgen

Auf den ersten Blick scheint die durchgehende Anwesenheit des Arbeitnehmers für den Arbeitgeber von Vorteil zu sein. Da der Angestellte jedoch weder über seine vollen körperlich-geistigen Kräfte verfügt, ist seine Produktivität auf einem niedrigerem Niveau als in gesundem Zustand. Durch Krankheit geminderte Fähigkeiten erhöhen zudem die Gefahr von Betriebsunfällen und Fehlern im Allgemeinen.

Ein kranker Mitarbeiter kann somit dem Unternehmen deutlich mehr schaden als ein abwesender. Eine Perspektive, die oftmals nicht beachtet wird: Untersuchungen haben ergeben, dass Fehlzeiten sich deutlich weniger negativ auf die Produktivität auswirken als anwesende und kranke Mitarbeiter. Der Produktivitätsverlust durch einen arbeitenden Kranken war tatsächlich 7,5-mal größer, als wenn dieser erst gar nicht erschienen wäre. In den USA konnte der Produktivitätsverlust mit der enormen Summe von 180 Milliarden Dollar sogar grob geschätzt werden.

Besonders anschaulich wird das, wenn man keine Büroangestellte, sondern Beschäftigte betrachtet, deren körperliche und geistige Fitness ein Garant für ihre eigene Sicherheit und mitunter sogar der von anderen ist. Berufsgruppen wie Bauarbeiter oder Fahrer von Kraftfahrzeugen lassen sich als Beispiele nennen. Ein unkonzentrierter Kranführer oder ein stark geschwächter Busfahrer können immense Schäden an Personen und Sachgegenständen verursachen.

Ferner darf man keinesfalls die Gefahr der Ansteckung außer Acht lassen, wenn man trotz Krankheit an seinem Arbeitsplatz erscheint. Ein Mitarbeiter mit akutem Magen-Darm-Infekt oder Grippevirus kann ganze Abteilungen lahmlegen. Der „heroische“ Durchhaltewillen mutiert dann schnell zum folgenschweren Fehler.

Geeignete Gegenmaßnahme

Die Maßnahmen gegen Präsentismus gestalten sich teilweise sehr schwierig. Oftmals haben die kranken Arbeitskräfte keine unmittelbar zu kurierenden Krankheiten, sondern komplexe Beschwerden, die sich nicht in kurzer Zeit behandeln lassen. Chronische Krankheiten, Rücken- und Gelenkbeschwerden, Atemwegserkrankungen, Migräne oder psychische Erkrankungen wie Depressionen machen eine Aussicht auf schnelle Heilung meist unmöglich.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, als Führungskraft, beziehungsweise als Unternehmensleitung, für ein Arbeitsklima zu sorgen, dass die Mitarbeiter zu einem sensiblen Umgang mit der eigenen körperlichen Konstitution und Gesundheit anhält. Bringen Sie entsprechende Unternehmenswerte deutlich zum Ausdruck. Ganz nach dem Motto: „Nur ein gesundes Unternehmen ist ein erfolgreiches Unternehmen!“ Zeigen Sie als Chef Ihre Sorge um das Wohlbefinden Ihrer Untergegebenen. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und nehmen auch Sie sich eine Auszeit, wenn Sie für alle sichtbar nicht mehr können. Natürlich dienen Sie ebenfalls als Vorbild für Arbeitseinsatz und -wille. Aber die Sorge um die Gesundheit sollte vor allem der Führungsetage ein Begriff sein. Es geht letztlich nicht um „Krankfeiern“, sondern um die bestmögliche Konstitution zum Zwecke einer hohen Produktivität.

Um die Fitness der Belegschaft zu beeinflussen, können Sie gesundheitsfördernde Maßnahmen initiieren. Aktive Beschäftigte sind widerstandsfähiger und bleiben eher gesund. Ein ungesunder Lebenswandel ist häufig ein indirekter Verursacher von Krankheiten. Untersuchungen haben Diabetiker, Raucher und Übergewichtige als große Kostenverursacher identifiziert. Natürlich können Sie Ihren Angestellten nicht einen bestimmten Lebensstil vorschreiben. Dennoch haben Sie die Möglichkeit, innerhalb Ihres Unternehmens die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. So können Sie Rauchen am Arbeitsplatz verbieten, für eine ausgewogene Ernährung in Ihrer Kantine sorgen oder Betriebssportgruppen und andere Aktivitäten an der frischen Luft organisieren.

Besonders heikel sind Krankheiten, die erst durch die Arbeit selbst entstehen. Depression, Ängste und andere psychische Leiden können ihren Anfang am Arbeitsplatz nehmen. Zu großer Druck, Mobbing oder wenig Harmonie im Kollegium können Ursachen dafür sein. Bevor man in diesen Fällen interveniert, gilt es eine umfassende Analyse durchzuführen. Sind die genauen Hintergründe nicht bekannt, könnten gut gemeinte Maßnahmen ins Leere laufen oder gar für weitere Verwirrung sorgen und die Situation verschlimmern.



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