In der heutigen Informationsgesellschaft kommt der Vermittlung von Wissen eine immer größere Bedeutung zu. Die Notwendigkeit, Neues zu lernen, besteht nicht mehr nur während der Erstausbildung – auch mitten im Berufsleben steigt der Druck, sich kontinuierlich weiterqualifizieren zu müssen. Neben zahlreichen Angeboten, die sich mitunter stark voneinander unterscheiden, ist die Offline-Schulung eine klassische Form. Was es damit auf sich hat, lesen Sie im Folgenden.
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Schulunterricht

Bild: “School“ von Moyan Brenn. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Was bedeutet „Offline-Schulung“?

Der Begriff „Offline-Schulung“ bezeichnet zumeist Fortbildungsangebote, die im Rahmen einer klassischen Präsenzlehre durchgeführt werden.

Das bedeutet: Dozent und Teilnehmer kommen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zusammen, um dort gemeinsam Kurse, Seminare oder ähnliches durchzuführen. Die Kommunikation erfolgt face-to-face. Die Lerninhalte sind vorab festgelegt worden und werden durch den Lehrenden bewusst und intentional vermittelt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine „Offline-Schulung“ zwangsläufig in Form eines Vortrages stattfinden muss. Es sind im Gegenteil sehr vielfältige Sozial- und Interaktionsformen denkbar: Gruppenarbeit, Diskussionszirkel, Teilnehmerreferate etc. können ebenso Teil eines Präsenzseminares sein.

Damit unterscheidet sich die klassische „Offline-Schulung“ signifikant von neuartigen E-Learning-Methoden, in welchen der soziale Austausch nur selten eine Rolle spielt. Welche Vor- und Nachteile bei der Entscheidung für die richtige Schulungsform außerdem bedacht werden müssen, wird im Folgenden dargelegt.

Welche Vorteile bieten „Offline-Schulungen“?

1. Traditionelle Lehrform

Bei der Präsenzlehre handelt es sich um ein etabliertes Konzept mit jahrhundertelanger Tradition. Dies ist der Grund, warum sie in vielen Bildungseinrichtungen noch immer zum Standard zählt. Der Grad an Akzeptanz ist zielgruppenübergreifend noch weitaus höher als bei neuartigen Lernformen wie z. B. dem E-Learning.

2. Unmittelbare Kommunikation

Da sowohl die Schulungsteilnehmer als auch der Schulungsleiter an einem Ort zusammenkommen, ist eine direkte face-to-face-Kommunikation möglich. Dies bedeutet, dass Fragen sofort gestellt und Unklarheiten zeitnah beseitigt werden können. Der Dozent kann auf Irritationen noch im Gesprächsverlauf eingehen, statt mit einer zeitlichen Verzögerung, wie dies bei der Fernlehre zwangsläufig der Fall wäre.

Auch der (unbewusste) Einsatz von Gestik und Mimik können zu den Vorteilen gezählt werden. Ziehen Sie im Rahmen einer Offline-Schulung die Augenbrauen hoch, weil Sie etwas nicht verstanden haben, wird der Dozent dies höchstwahrscheinlich bemerken und flexibel darauf reagieren; bei einem Online-Training sind solche Möglichkeiten nicht gegeben.

3. Soziale Interaktion

Eng mit dem letzten Punkt hängt die Möglichkeit zur sozialen Interaktion zusammen. Die Teilnehmer sitzen nicht allein vor einem Computerbildschirm, sondern können sich austauschen, gemeinsam Probleme bearbeiten, sich bei Fragen gegenseitig unterstützen und vom oft sehr unterschiedlichen Wissensfundus der anderen profitieren. Dies kann zu einem verstärkten Zusammengehörigkeitsgefühl und einer schnelleren Vertrauensbildung führen. Soft-Skills wie soziale Kompetenz lassen sich im Rahmen von Präsenzseminaren somit fast wie nebenbei mitschulen, ohne, dass es dafür eines Extra-Lehrgangs bedürfte.

4. Dynamisch-kreative Prozesse

Durch den hohen Grad an Interaktion kommen kreative Lösungsfindungsprozesse schneller zustande. Der direkte Austausch miteinander bietet für jeden Teilnehmer Raum und Möglichkeit, die eigenen Praxiserfahrungen einzubringen und damit das Seminar zu bereichern. Aus der Summe aller dieser Anekdoten kann im günstigsten Fall eine vollkommen neue Lösung entstehen, die sich sofort diskutieren und weiterbearbeiten lässt. Vorschläge können unmittelbar angenommen oder verworfen werden, was die Dynamik innerhalb des Problemlösungsprozesses deutlich erhöht.

5. Individueller Zuschnitt

Dadurch, dass der Schulungsleiter eine zuvor festgelegte Gruppe betreut, können die Fortbildungsinhalte gemäß der für die Teilnehmer relevanten Zielvorstellungen angepasst werden. Eine Akzentuierung von bestimmten Kernproblemen ist sowohl im Vorneherein als auch während der Schulung noch möglich. Aufgrund des direkten Austauschs kann zudem auf eventuelle Probleme einzelner Teilnehmer individuell eingegangen, die Lehrgeschwindigkeit angepasst oder die Komplexität abgestimmt werden. Dies sichert möglicherweise einen besseren Lernerfolg, als es bei bestimmten Formen von schematisierten Online-Lehrgängen der Fall sein mag.

Welche Nachteile bringen Offline-Schulungen mit sich?

Obwohl die Vorteile klar auf der Hand liegen, bedeutet dies jedoch nicht, dass eine Offline-Schulung auch für die Bedürfnisse Ihres Unternehmens die richtige Wahl sein muss. Denn es gibt, neben allen Pro-Argumenten, auch Nachteile, die mitbedacht werden müssen.

1. Zeit- und Ortsabhängigkeit

Der große Vorteil der Präsenzschulung, nämlich das Zusammenkommen aller Beteiligten an einem Ort, kann ebenso einen Nachteil darstellen. Denn auf diese Weise lassen sich Schulungstermine schwer verlegen, falls doch etwas dazwischen kommt. Erkranken Teilnehmer vorab oder sind aus anderen Gründen verhindert, gibt es keine Möglichkeit, die verpassten Inhalte nachzuholen. Auch im Falle von Anreiseschwierigkeiten, wie zum Beispiel einem Flughafen- oder Bahnstreik, lässt sich die versäumte Zeit nur schlecht oder gar nicht kompensieren. Dadurch entstehen eventuell Zusatzkosten, die vorab nicht einkalkuliert wurden.

Zudem können Fragen oft ausschließlich während der Schulungstermine selbst beantwortet werden. Entstehen im Nachhinein Unklarheiten, sind in vielen Fällen die Schulungsleiter nur schwer oder gar nicht mehr zu erreichen. Da die zur Verfügung stehende Zeit für eine Präsenzschulung meist ohnehin knapp bemessen ist, wird dadurch möglicherweise eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den jeweiligen Inhalten erschwert. Die Gefahr, dass die dargebotenen Informationen oberflächlich aufgenommen und nicht verarbeitet werden, besteht demnach durchaus.

2. Erschwerter Wissenstransfer

Grundsätzlich handelt es sich bei Offline-Schulungen um sogenannte Off-the-Job Angebote, das heißt: Die Fortbildung findet abseits des eigentlichen Arbeitsumfeldes statt. Somit ist das Lernen nicht in die alltäglichen Arbeitsprozesse eingebunden, sondern vollzieht sich hauptsächlich theoretisch. Die eigentliche Anwendbarkeit des erworbenen Wissens ist deshalb nicht in jedem Fall sicher gestellt. Je nach Qualität und Ausrichtung des Schulungsangebot kann es demnach zu einem erschwerten Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis kommen.

3. Schwankende Lehrqualität

Aufgrund der Abhängigkeit vom jeweiligen Schulungsleiter kann die Lehrqualität von Fortbildung zu Fortbildung stark variieren. Inhalte und Methoden sind nicht standardisiert, sondern werden für die jeweilige Gruppe individuell ausgewählt. Kommen die Teilnehmer und der Dozent jedoch schlecht miteinander zurecht und entsteht eine negative Dynamik, lässt diese sich nur schwer auffangen.

Fazit

Es zeigt sich also: Nicht für jede Zielgruppe und jeden Schulungsbedarf muss die klassische Offline-Schulung das Richtige sein. Es lassen sich ebenso Nachteile aufzeigen, die nicht so einfach von der Hand zu weisen sind, ja sogar garvierend sind. Überlegen Sie deshalb vorab genau, für welchen Zweck Sie eine Schulung anbieten wollen, und ob die Präsenzform sich dazu eignet oder nicht.

 

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