Er ist allgegenwärtig in unserer Gesellschaft, gleichzeitig lästiger Begleiter und Freund – ohne Stress scheint nichts mehr zu gehen. Experten sagen heute voraus, dass die gesundheitlichen Folgeschäden von Stress schon in ein paar Jahren für unser Gesundheitssystem nicht mehr tragbar sein werden. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Phänomen gut auszukennen. Punkten Sie in der Diskussion um Stress mit diesen erstaunlichen Fakten aus der Stressforschung.
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Stress Irrtümer

Bild: “right” von Christian Heilmann. Lizenz: CC BY 2.0


Über Stress wird viel geschrieben und diskutiert. Dabei gibt es einige Vorurteile und Mythen, die sich hartnäckig halten – mit diesen wollen wir nun aufräumen und Ihnen erstaunliche Fakten vorstellen, die Sie die stressige Momente vielleicht einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten lässt.

Mythos 1: Stress ist schädlich

Zuallererst sollte man sich bewusst machen, dass Stress per se eigentlich nichts Schlechtes ist. Im Gegenteil, Stress ist eine lebenswichtige Funktion des Körpers, auf Belastung adäquat zu reagieren. Ein erhöhter Puls, geweitete Pupillen und schnellere Atmung sind die Folgen von Adrenalin. Das ist ein Hormon, welches getriggert durch das autonome Nervensystem (dem Sympathikus) aus der Nebennierenrinde ausgeschüttet wird, um die Handlungsbereitschaft gegenüber der Umwelt zu erhöhen. Dieser Mechanismus war schon für unsere Vorfahren hilfreich, um vor einem Bären zu flüchten, um nicht gefressen zu werden.

Der Körper ist allerdings nicht darauf ausgerichtet, permanenten Belastungen standzuhalten, wie einem aggressiven Vorgesetzten oder einem nicht endenden Prüfungsmarathon. Wer Wochen- oder monatelang vor dem Bären wegrennen soll, ist irgendwann erschöpft.

Stresshormone wie Cortisol wirken zudem auf lange Sicht katabol, das heißt es werden Energie abbauende Stoffwechselwege aktiviert und das Immunsystem heruntergefahren – wir sind anfälliger für Infekte. Konstant hohe Blutspiegel an Stresshormonen schädigen also unseren Körper.

Auf Anspannung muss Entspannung folgen, dann ist Stress nicht schädlich, sondern ein normaler und gesunder Mechanismus des Körpers.

Mythos 2: Nichtstun führt zu Erholung

Dass man sich am besten erholt, wenn man einfach die Beine hochlegt, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Dafür gäbe es keine wissenschaftlichen Anhaltspunkte, so der Autor Christoph Eichhorn in seinem Buch „Gut erholen – besser Leben“, im Gegenteil. Reines Nichtstun als Erholungsstrategie funktioniert nur mit einer Ausnahme: wenn davor Sport getrieben wurde oder Bewegung stattgefunden hat.

Auch die Ergebnisse einer neueren Studie der University of Virginia bestätigt das: sie ließen Studenten alleine in ihrem Zuhause mit der Aufgabe, 15 Minuten lang nichts zu tun. Der Großteil empfand diese Situation als schwierig, und die Hälfte der Probanden gaben an, sie nicht genossen zu haben.

Weit über die Hälfte der männlichen Probanden verabreichten sich sogar lieber selbst Elektroschocks, die sie zuvor als sehr unangenehm eingestuft hatten, als die 15 Minuten Nichtstun auszuhalten.

Anstatt sich unter Druck zu setzen, wird empfohlen Tätigkeiten nachzugehen, die den alltäglichen Belastungen entgegenstehen: also z.B. mit Freunden bowlen zu gehen, wenn man sonst alleine in der Bibliothek hockt, und die Ruhe bei einem Spaziergang zu genießen, wenn man sonst immer Lärm um sich hat.

Stressige Situationen benötigen Ausgleich – verbringen Sie Zeit mit dem Stress entgegenstehenden Aktivitäten, aber nicht mit bloßem Nichtstun.

Mythos 3: Die Bewertung von Stress ändert nichts an der körperlichen Reaktion

Dass unsere Einstellung gegenüber Stress tatsächlich Einfluss auf unsere körperliche Reaktion haben kann, zeigt die Forschung der amerikanischen Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal. Basierend auf der Tatsache, dass man höhere Todeszahlen bei Menschen fand, die ihren erlebten Stress zuvor als gesundheitsschädlich eingestuft hatten, führte sie weitere Studien zur Stressbewertung durch.

Diese zeigten, dass sich die Gefäßwände der das Herz versorgenden Arterien weniger stark verengten, wenn die Probanden Stress als hilfreich und leistungsfördernd bewerteten, als wenn sie Stress als schädlich ansahen. Verengte Herzkranzgefäße werden mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Damit bringt sie gleichzeitig eine höchst praktikable Bewältigungsstrategie hervor: wenn man sich angewöhnt, Stress als hilfreiche Aktivierung von Ressourcen anstatt als Bedrohung zu sehen, kann man die Auswirkungen von Stress auf die eigene Gesundheit womöglich positiv beeinflussen.

Positiver Stress kann entstehen, wenn Sie ihn als hilfreich für Ihre Arbeit einstufen.

Mythos 4: Frauen und Männer reagieren gleich auf Stress

Die Stressbelastung mag teilweise gleich sein, trotzdem wirkt sie sich bei Frauen und Männern oft unterschiedlich aus. Das zeigt eine groß angelegte Befragung zur „Stresslage der Nation“, die von der Techniker Krankenkasse im Herbst 2013 in Auftrag gegeben wurde. Bei Frauen führte Stress häufiger zu psychischen Leiden wie Schlafstörungen (38%) und Erschöpfung (35%), fast doppelt so häufig wie bei Männern. Auch gaben Frauen häufiger an, ihr Privatleben bleibe auf der Strecke.

Männer hingegen bauen Stress ganz anders ab, als Frauen, sie greifen erschreckend häufig zum Alkohol (38%) und beschäftigen sich mehr mit ihren Hobbies, als Frauen. Frauen hingegen lesen deutlich häufiger und gehen spazieren, um zu entspannen.

Hören Sie in sich hinein und bekämpfen Sie Ihre individuellen Stresssymptome, denn es gibt kein Universalrezept.

Mythos 5: Stress entsteht durch äußere Umstände

Das mag auf den ersten Blick stimmen. Wenn die Deutsche Bahn ihrem Ruf mal wieder alle Ehre macht, man unter Zeitdruck gerät, oder eine Prüfung ansteht, fühlt man sich überrollt und machtlos, der Stresspegel steigt. Was aber viel mehr stresst als die Umstände, ist die eigene Bewertung der Situation, das hat die Stressforschung gezeigt. Das erklärt warum einige kaum beeinträchtigt sind von Prüfungen, während manche schon Wochen vorher nicht schlafen können.

Dabei schätzt man seine Fähigkeiten, mit der Situation umzugehen, meist schlechter ein, als sie tatsächlich sind. Wenn man die Vergangenheit mit Abstand betrachtet, fallen einem meist kaum Situationen ein, in denen man tatsächlich gescheitert ist, der Stress war also völlig umsonst. Oft stecken unrealistische Glaubenssätze dahinter, wie „Wenn ich nicht immer alles perfekt mache, rechtzeitig zum Job komme, die Prüfung beim ersten Anlauf schaffe, verliere ich meinen Job, verbaue meine Zukunft, etc.“ Sich solche Fehleinschätzungen bewusst zu machen, reduziert das Stresslevel meist schon enorm, ganz nach Epikur:



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