Lebenslanges Lernen – das ist längst kein bloßes Ideal mehr, sondern in vielen Unternehmen schon Realität. Mit Hilfe von Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen können Mitarbeiter sich noch bis ins hohe Alter weiterentwickeln. Die Motivation und Bereitschaft, sich zu verändern und Neues zu lernen, muss also keinesfalls nach der Schulzeit versiegen. Allerdings ist das Budget für Weiterbildungen oft knapp und die zur Verfügung gestellte Zeit gering. Da ist es ein naheliegender Gedanke, die Lerngeschwindigkeit der Teilnehmer zu erhöhen und an das zu vermittelnde Pensum anzupassen. Im Folgenden stellen wir Ihnen vier Methoden vor, wie ein solches Vorhaben gelingen kann.
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Bild: “Philadelphia Bike Race” von joiseyshowaa. Lizenz: CC BY 2.0


Grundsätzliches zur Lerngeschwindigkeit

Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass sich die Lerngeschwindigkeit von Mensch zu Mensch individuell unterscheidet. Nicht jeder lernt gleich schnell und auch nicht gleich effektiv. Dies ist von zahlreichen Faktoren abhängig: Es spielen nicht nur die Aufnahmekapazität des Gehirns, die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses und der Grad an Übung eine entscheidende Rolle, sondern auch Komponenten wie die Beachtung des eigenen Biorhythmus und die Lernmotivation.

Zudem wurde festgestellt, dass die Lerngeschwindigkeit auch überindividuell ab einem gewissen Alter abnimmt. Mit etwa 17 Jahren erreicht das Gehirn im Schnitt seinen Höhepunkt an effektiver Aufnahmefähigkeit; danach wird die objektive Geschwindigkeit, mit welcher das Hirn Informationen verarbeitet und abspeichert, graduell abnehmen. Das heißt: Je älter man wird, desto langsamer lernt man auch! Dies gilt es vor allem bei Fortbildungen in stark altersgemischten Gruppen zu beachten.

Der Neurobiologe und Hirnforscher Manfred Spitzer betont jedoch: Die Abnahme an Schnelligkeit beim Lernen ist nur eine Seite der Medaille.

Ältere Menschen häufig gründlicher als jüngere Menschen.

Es gehen tendenziell mehr und detailliertere Informationen vom Arbeits- ins Langzeitgedächtnis über, als dies bei jungen Menschen der Fall ist. Das liegt daran, dass Ältere aufgrund ihres Altersvorsprungs bereits viel mehr Einzelinformationen aufgenommen haben, als dies bei jüngeren Menschen der Fall ist, und deshalb Neues einfacher und nachhaltiger in ihr neuronales Wissensnetz integrieren können.

Vor diesem Hintergrund stellt sich demnach die Frage, ob eine reine Steigerung der Lerngeschwindigkeit ohne Beachtung anderer Faktoren überhaupt sinnvoll ist. Bevor Sie also blind Maßnahmen ergreifen, um die Effektivität Ihrer Mitarbeiter im Lernen zu steigern, sollten Sie sehr genau untersuchen, ob diese Maßnahmen zur relevanten Lerngruppe passen.

Methoden zur Steigerung der Lerngeschwindigkeit

Gerade, wenn Sie sich im Internet auf die Suche nach geeigneten Methoden machen, um die Lerngeschwindigkeit Ihrer Mitarbeiter zu erhöhen, werden Sie unweigerlich auf viele (selbsternannte) Lerncoaches stoßen, die für angeblich wenig Geld beeindruckende Resultate versprechen. Ein Tipp: Seien Sie hier vorsichtig und recherchieren Sie genau, als wie seriös diese Angebote tatsächlich sind. Gibt es Erfahrungsberichte? Rezensionen? Denn nichts ist ärgerlicher, als Geld für eine Maßnahme auszugeben, die keinerlei Ergebnisse erzielt.

Im Folgenden stellen wir Ihnen jedoch 4 Methoden vor, die entweder als bewährt gelten oder von der aktuellen Hirnforschung gestützt werden und Ihren Mitarbeitern helfen können, das eigene Lernen effizienter zu gestalten.

1. Superlearning

Diese Methode wurde bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt und geht auf die Forschungsergebnisse des ungarischen Psychiaters Georgi Lozanov zurück. Die Grundaussage dieses Ansatzes besteht in der Annahme, dass effektives Lernen nur über ganzheitliches Lernen zu erreichen sei. Dies bedeutet: Die Kapazitäten der rechten Gehirnhälfte (kreatives, phantastisches, akausales Denken) sowie der linken Gehirnhälfte (logisches Denken) werden über parallele Stimulation durch Faktenwissen einerseits und Musik andererseits zeitgleich angesprochen.

So kann der zu vermittelnde Inhalt auf mehreren Kanälen im Hirn verarbeitet und schneller in neuronale Verbindungen umgesetzt werden. Hierfür hat Lozanov einen idealtypischen Lernvorgang entwickelt:

Passivität/Entspannung – Abbau von Lernhemmungen – lebendige Präsentation des Lernstoffs – Lernkonzert – passive Wiederholung des Lernstoffs.

2. Accelerated Learning

Diese Methode hat sich in den 80er Jahren aus den Grundideen des Superlearnings heraus entwickelt und wurde maßgeblich durch den Amerikaner Dave Meier geprägt. Er ging davon aus, dass sich über das Ausschöpfen des vollen Lernpotentials eines Individuums sowohl die Lernerfolge erhöhen als auch die Trainingszeiten verkürzen lassen. Dies funktioniert Meier zufolge am ehesten, wenn alle Aufnahmekanäle des Menschen gleichzeitig angesprochen werden.

Am effektivsten sind demnach Lernarrangements, die somatische (Bewegung und Tun), auditive (Sprechen und Hören), visuelle (Beobachten und Vorstellen) sowie intellektuelle (Nachdenken und Problemlösen) Aktivitäten verbinden. Grundidee hierbei:

Lernen ist Kreieren, nicht Konsumieren!

Deshalb definiert sich der Ansatz auch über die erzielten Ergebnisse und nicht über ein festes Set an Methoden. Im Mittelpunkt steht immer das Individuum mit dem nur ihm eigenen Potential, das es auszuschöpfen gilt.

3. Selbsthypnose

Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Selbsthypnose. Vertreter dieser Methode gehen davon aus, dass über Autosuggestion das Gehirn in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit versetzt werden kann, was die Aufnahmefähigkeit und -geschwindigkeit deutlich erhöhen soll. Die zugrundeliegende Annahme ist, dass beim Lernen häufig unbewusste Blockaden auftreten oder nicht die dem Lerntyp entsprechenden Kanäle angesprochen werden, sodass das eigentliche Lernen ins Stocken gerät.

Unter Hypnose hingegen wird das Gehirn auf einer bestimmten Frequenz stimuliert, die es erlaubt, die Konzentration zu erhöhen und den Fokus gezielt auszurichten. Auch die Integration der neuen Informationen in bereits vorhandene Wissensbestände soll hierüber leichter möglich sein, sodass sich insgesamt die Lerngeschwindigkeit erhöhen lässt.

4. Anpassung der Unternehmenskultur

Allerdings hängt die Lerngeschwindigkeit gerade in Unternehmen nicht allein von den individuellen Voraussetzungen der Mitarbeiter ab, sondern ebenso von der vorherrschenden Lern- und Unternehmenskultur. Denn:

Die Motivation und Bereitschaft der Mitarbeiter, sich fortzubilden, hängt ganz maßgeblich vom Firmenklima ab.

In Betrieben, die generell die Autonomie ihrer Mitarbeiter stützen und ihnen eigenständige Entscheidungen zutrauen, werden auch Lernprozesse schneller ablaufen. Daran gekoppelt ist das innerhalb des Unternehmens favorisierte Lernparadigma: handlungsorientierte, selbstgesteuerte, autonome Lernprozesse werden langfristig zu einem höheren Lernerfolg führen als autoritäre, behavioristisch orientierte Lernsettings.

Erst analysieren, dann eingreifen

Deshalb kann es sich durchaus lohnen, vor dem Ergreifen irgendwelcher am einzelnen Mitarbeiter ansetzenden Maßnahmen zunächst einmal die generelle Einstellung des Unternehmens gegenüber Fortbildungsmaßnahmen zu analysieren und kritisch zu betrachten. Die erfolgversprechendsten Methoden werden kaum Erfolg zeigen, wenn innerhalb der Firma keine wertschätzende, lernförderliche Atmosphäre herrscht.

 

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