Fanden sich bis vor wenigen Jahren allenfalls Stellenausschreibungen im Internet, wird heute oft der gesamte Bewerbungsprozess online abgewickelt. Wenn sich potentielle Bewerber über ein Unternehmen und die dort aktuell zu vergebenden Stellen informieren möchten, sind nur wenige Klicks nötig. Damit sie diese auf Ihrer Webseite und nicht bei Wettbewerbern machen, müssen Sie sich ihnen als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Gestaltung Ihrer Karriereseite. Wir liefern Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie Ihr Unternehmen optimal vermarkten.
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Bild: “Fridge Magnets” von Sarnil Prasad. Lizenz: CC BY 2.0


Karriereseiten ziehen Bewerber an

Qualifizierte Mitarbeiter sind nicht leicht zu finden. Aus diesem Grund sollten Unternehmen nichts dem Zufall überlassen und sich aktiv darum bemühen, potenzielle Bewerber anzuziehen. Sie müssen zeigen, was Sie ihnen zu bieten haben.

Ohne eine attraktive Online-Präsenz hat ein Unternehmen in der heutigen Zeit keine Chance auf dem hart umkämpften Fachkräftemarkt. Der Karriereteil der eigenen Webseite ist die wichtigste Plattform für das Personalmarketing.

Wie wichtig es ist, sich über den Aufbau und die Inhalte der eigenen Karriereseite Gedanken zu machen, wird aus Erhebungen zum Nutzerverhalten deutlich. Unabhängig davon, ob das Interesse der Bewerber bei einer Jobbörse, in den sozialen Netzwerken oder über Suchmaschinen geweckt wurde, mindestens einmal besucht jeder von ihnen auch die Karriereseite eines Unternehmens.

Karriereseiten sind der erste Anlaufpunkt für Bewerber, die sich über einen möglichen Arbeitgeber informieren möchten oder bereits nach konkreten Stellen suchen. Laut der Social-Media-Personalmarketing-Studie 2014 schauen sich 73 Prozent der Interessenten die Karriereseite an, um sich ein Bild von künftigen Arbeitgebern zu machen. An dieser Stelle wird direkt die Entscheidung gefällt, ob man sich bewerben wird oder nicht.

Die Karriereseite ist jedoch nicht bloßer Recruitingkanal. Ihre Bedeutung geht weit darüber hinaus: Bewerber sammeln dort Informationen über das Unternehmen. Ob diese für sie zufriedenstellend ausfallen, steht auf einem anderen Blatt.

Ein Interessent, der keine passende Stelle für sich findet, schaut aber eventuell zu einem späteren Zeitpunkt wieder vorbei, wenn ihn das, was er über das Unternehmen selbst in Erfahrung bringen konnte, emotional angesprochen hat.

Die Karriereseite ist die virtuelle Visitenkarte eines Unternehmens. Durch sie erhalten Kandidaten einen ersten Eindruck und für diesen gibt es bekanntlich keine zweite Chance.

Schon in einer Studie aus dem Jahr 2009 konnte nachgewiesen werden, dass Interessenten um so eher eine positive Einstellung zur Karriereseite eines Unternehmens entwickeln, je mehr relevante Informationen über den Arbeitgeber und die Stellenangebote auf der Karriereseite zu finden waren. Das beeinflusse auch die Entscheidung, sich früher oder später einmal zu bewerben. [1]

Eine gut strukturierte Karriereseite hebt Sie positiv von Wettbewerbern ab

Mit einer attraktiven Karriereseite können Sie Ihre Arbeitgeber-Marke stärken. Die Seite fungiert gleichsam als Werbung für die Arbeit in Ihrem Unternehmen. Zeigen Sie interessierten Bewerbern, wofür Ihr Unternehmen als Arbeitgeber steht und was es einzigartig macht.

Durch einen sympathischen und zugleich kompetenten Auftritt können Sie sich von Wettbewerbern abheben, Ihre Bekanntheit steigern und die besten Kandidaten erreichen.

Mit Hilfe der auf der Karriereseite vermittelten Informationen machen sich potenzielle Bewerber ein Bild von dem dahinterstehenden Unternehmen. Als Externe können sie nur sehen und bewerten, was ihnen dort präsentiert wird. Aus diesem Grund ist eine ansprechende Gestaltung ebenso wichtig wie die Qualität der Inhalte selbst.

Nur eine professionell aufbereitete Karriereseite kann überzeugen. Findet der Bewerber die Seite attraktiv, steigt die Chance, dass er Bewerbungsabsichten entwickelt.

Was zeichnet eine gute Karriereseite aus?

Die wichtigste Aufgabe einer Webseite ist es immer, den Bedürfnissen des Nutzers nachzukommen. Dazu ist es zunächst erst einmal nötig, dass die Seite in den Weiten des Internets überhaupt zu finden ist. Durch einen klaren Aufbau, ein ansprechendes Design und eine einfache Bedienbarkeit soll die Seite dann möglichst schnell die gewünschten Informationen vermitteln.

1. Zugänglichkeit

Natürlich zählt an erster Stelle, dass Ihre Karriereseite überhaupt gefunden wird. Sorgen Sie mit entsprechenden SEO-Maßnahmen dafür, dass die Inhalte in den Suchmaschinen prominent platziert sind. Um geeignete Keywords zu finden, können Sie etwa auf Google Analytics oder das Google AdWords Keyword Tool zurückgreifen.

Natürlich sollte ein Nutzer auch von Ihrer Firmenwebseite zur Karriereseite gelangen können. Setzen Sie hierfür einen eindeutig benannten („Jobs“, „Karriere“) und gut sichtbaren Link, am besten direkt im Hauptmenü.

2. Navigation

Ist der Besucher auf Ihre Seite gelangt, geht es darum, ihn nicht wieder zu verlieren. Die beste Karriereseite nützt nichts, wenn sich darauf niemand zurechtfindet. Was nicht logisch strukturiert ist, wird nicht beachtet. Von großer Bedeutung ist darum eine auf den ersten Blick erkennbare und verständliche Navigation.

Generell sollte die Navigationstiefe flach sein und nicht mehr als drei Ebenen umfassen. Sonst droht die Gefahr, dass der User die Orientierung verliert. Als Faustregel gilt, dass er spätestens beim dritten Klick auf die gewünschte Information stoßen muss.

Die Navigationsebenen sollten klar erkennbar sein. Das gelingt durch eine sich logisch entwickelnde Hierarchie und durch verständliche Hinweise, die den Nutzer auch „zurück“ führen.

Der Nutzer muss immer sehen können, wo er sich gerade befindet und wie er dort hingekommen ist. Das gewährleisten Sie durch aufklappbare Menüs oder so genannte ‚breadcrumbs‘. Daneben empfiehlt es sich, innerhalb einer Seite themenbezogene Querverweise zu setzen, zum Beispiel in Form von Infokästen.

Üblicherweise werden Navigationsleisten horizontal im oberen Drittel der Seite angeordnet. Sie erleichtern dem Nutzer die Orientierung, wenn Sie sich an derartige Konventionen halten. Das gilt nicht nur für den Aufbau der Seite, sondern auch für die Benennung der Menüpunkte.

Verwenden Sie präzise Begriffe und vermeiden Sie ungewöhnliche Formulierungen. Was vom allgemeinen Sprachgebrauch abweicht, verwirrt den Nutzer.

3. Inhalte

Die Karriereseite ist der zentrale Anlaufpunkt für Bewerber. Sie kann nur dann erfolgreich genutzt werden, wenn sie gut strukturierte und leicht zu überblickende Informationen bereithält.

Wenn Interessenten genau prüfen können, ob ein Unternehmen ihre Erwartungen erfüllt und ob sich das eigene Profil mit den Stellenanforderungen deckt, hat das für Sie als Arbeitgeber einen entscheidenden Vorteil: Sie erhalten überwiegend Bewerbungen von tatsächlich geeigneten Kandidaten. Je spezifischer also das Informationsangebot der Karriereseite, umso größer ist die Chance auf Passgenauigkeit der Bewerber.

Zielgruppenspezifische Informationen

Überlegen Sie, welche unterschiedlichen Karrierewege in Ihrem Unternehmen möglich sind. Es empfiehlt sich, eine Einstiegsseite anzubieten, wo sich Besucher einer Zielgruppe zuordnen können – Schüler, Studenten, Absolventen, Berufseinsteiger, Berufserfahrene – um dann mit wenigen Klicks zu den für sie relevanten Rubriken zu gelangen.

Informationen über den Arbeitgeber

Von besonderer Bedeutung für Bewerber sind zunächst Informationen über das Unternehmen. Geben Sie Auskunft über die Unternehmenskultur sowie die unterschiedlichen Unternehmensbereiche und die jeweils zuständigen Ansprechpartner. Zudem sollten Sie Ihre Mitarbeiter vorstellen, sodass die Kandidaten bereits ihre zukünftigen Kollegen kennenlernen können.

Unter den allgemeinen Informationen über den Arbeitgeber sollten Bewerber auch Antworten auf folgende Fragen finden: Warum sind wir der ideale Arbeitgeber für Sie? Was haben wir Ihnen zu bieten? Wie sind die Arbeitsbedingungen in unserem Unternehmen? Welche Entwicklungsmöglichkeiten bieten sich Ihnen bei uns?

Verwenden Sie nicht nur Texte, Bilder und Videos, sondern bauen Sie auch interaktive Elemente ein. Anwendungen mit denen die Bewerber testen können, welche Tätigkeit zu ihnen passen könnte, oder Blogs, über die sie sich mit den Mitarbeitern austauschen können, vermitteln einen authentischen Einblick in die Arbeitsbedingungen und stärken den Wert der Arbeitgebermarke.

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Auch die Verknüpfung mit sozialen Netzwerken sollten Sie nicht vernachlässigen. Laut der Social-Media-Personalmarketing-Studie 2014 werden diese ein immer wichtigeres Kriterium der Arbeitgeber-Attraktivität.

Immerhin 58 Prozent der Bewerber erklärten, die Social-Media-Maßnahmen von Unternehmen im Bereich Recruiting deutlich wahrgenommen zu haben. Und 26 Prozent der Befragten gaben an, dass mindestens ein Unternehmen durch seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken an Attraktivität gewonnen habe.

Informationen über offene Stellen

Neben den allgemeinen Arbeitgeberinformationen sind natürlich die aktuell ausgeschriebenen Stellen für Bewerber von großem Interesse. Achten Sie darauf, die Stellenanforderungen sowie das gewünschte Profil des neuen Mitarbeiters so detailliert wie möglich zu beschreiben.Interessierte Bewerber müssen genau erkennen können, welche Aufgaben und Verantwortungsbereiche ihnen im Rahmen ihrer Tätigkeit zufallen.

Bewerber, die im Moment kein passendes Stellenangebot finden, können Sie sich für einen späteren Einstieg ‚warmhalten‘, indem Sie sie regelmäßig per Newsletter über neue Karrieremöglichkeiten informieren. Sie können den Interessenten auch anbieten, ihren Lebenslauf zu hinterlegen, sodass ihr Profil dann durch die Recruiter regelmäßig mit offenen Stellen abgeglichen werden kann.

Informationen über Bewerbungsmodalitäten

Eine gute Karriereseite ermöglicht die direkte Bewerbung über ein Online-Formular oder gibt zumindest Auskunft über die gewünschte Bewerbungsform sowie den Ablauf des Bewerbungsverfahrens.

Sie führt Tipps auf, aus denen hervorgeht, wie die Bewerbungsunterlagen gestaltet sein sollten und worauf das Unternehmen besonderen Wert legt. Auch FAQ-Listen und die Nennung von Ansprechpartnern sind hilfreich für Bewerber.

Diese Punkte sollte Ihre Karriereseite beinhalten

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Best-Practice-Beispiele deutscher Unternehmen finden sich im jährlich erscheinenden Ranking der schwedischen Unternehmensberatung Potentialpark.

Career Website Ranking 2015

  1. Deutsche Telekom
  2. Fresenius
  3. EY
  4. Allianz
  5. ThyssenKrupp
  6. Deloitte
  7. ProSiebenSat.1 Media
  8. Otto
  9. Deutsche Post DHL
  10. Accenture

Zur Bewertung der Unternehmen ziehen die Mitarbeiter von Potentialpark ausschließlich inhaltliche Kriterien heran. Das Ranking gibt somit Auskunft über das Vorhandensein bestimmter Informationen, zeigt jedoch nicht, ob diese verständlich sind und die gewünschte Botschaft übermitteln. Die Qualität der Inhalte wird also nicht beurteilt.

4. Sprache

Linguisten der Christian-Albrechts-Universität Kiel kamen bereits 2011 zu der Feststellung, dass die Sprache als Kernbestandteil der Bewerberkommunikation von vielen Unternehmen vernachlässigt werde.

Sie entwickelten das „Kieler Modell zur Analyse von Texten auf Karrierewebsites“ (KIMATEK). Bei der Untersuchung sprachlicher Aspekte wie Orthographie, Grammatik, Stilistik, Adressatenorientierung und Glaubwürdigkeit entdeckten sie erhebliche Mängel auf Karriereseiten, darunter auch einige der im Ranking von Potentialpark aufgeführten Unternehmen.[2]

Machen Sie sich bewusst, dass auch die Sprache einen entscheidenden Einfluss auf die Nutzer-Erfahrungen (Candidate Experience) und damit auf das Arbeitgeber-Image hat. Behalten Sie darum die Zielgruppe im Blick und bleiben Sie authentisch.

Vermeiden Sie Bandwurmsätze und Passivkonstruktionen sowie den Nominalstil. Zudem gilt: Fassen Sie sich kurz. Wer im Netz gelesen werden will, muss mit wenigen aussagekräftigen Wörtern auskommen.

Fazit

Wer potenzielle Bewerber nicht wie seine wichtigsten Kunden behandelt, wird ihnen nichts „verkaufen“ können.

Eine nutzerfreundliche Karriereseite zeichnet sich durch eine leichte Zugänglichkeit aus, verfügt über eine klare Struktur und bietet zielgruppengerecht aufbereitete Inhalte in einer verständlichen Sprache. Wenn Sie diese grundlegenden Hinweise beachten, ist Ihnen ein guter erster Eindruck bei Ihren Kandidaten gewiss – der bestenfalls zu einer Bewerbung anregt.

Quellen:

[1] Brian R. Dineen, Raymond A. Noe: Effects of customization on application decisions and applicant pool characteristics in a web-based recruitment context, in: Journal of Applied Psychology 94 (2009), S. 224-234.

[2] Markus Hundt u. a.: Der sprachliche Auftritt börsennotierter Unternehmen aus dem Energie- und Finanzdienstleistungssektor – Personalrekrutierung durch Sprache. Trends und Tendenzen in der sprachlichen Gestaltung von Karrierewebseiten (KIMATEK 2010), Mainz 2011.

Weiterführende Links:

 

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