Noch vor Jahren kam kaum ein Bewerber, der fleißig Stellenanzeigen durchsuchte, an dem Wort „flexibel“ vorbei. Sich schnell auf neue Gegebenheiten einzustellen und einem Ortswechsel nicht abgeneigt zu sein, galt als eine der wichtigsten Eigenschaften eines Mitarbeiters. Seit es für Unternehmen immer schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte für sich zu gewinnen, befinden auch sie sich im Wettstreit. Was früher von Arbeitnehmern erwartet wurde, zeichnet heute zudem einen attraktiven Arbeitgeber aus. Doch wie viel Flexibilität sollte ein Unternehmen zulassen?
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Flexibilität kann die Schutzrechte unterwandern

Die Geschäftsführerin des Berliner Forschungsteams Internationaler Arbeitsmarkt (FIA), Andrea Wagner, äußert Bedenken. Der Einsatz von flexiblen Arbeitzeiten birgt für sie die Gefahr, dass Schutzrechte der Mitarbeiter ausgehebelt werden.

Zudem verweist sie auf soziologische Forschungen, die zeigen, dass lange Arbeitszeiten zu Überlastungen der Arbeitnehmer führen können. Sollte dieser Zustand über längere Zeit anhalten, könnten manche Mitarbeiter ein Burnout erleiden.

Da die erbrachten Leistungen trotz eigenständiger Arbeitseinteilung nicht leiden dürfen, sieht Wagner die erhoffte „Freiheit“ für den Arbeitnehmer als beschränkt. Bei wachsenden Forderungen des Vorgesetzten kann diese Freiheit sogar zum Fluch werden.

Wenn Arbeitnehmer ihre Zeit eigenständig einteilen dürfen, rät die Geschäftsführerin dazu, vorher Regelungen für das Arbeitszeitgesetz und den Arbeitsschutz festzulegen.

Bei eigener Zeiteinteilung arbeiten Mitarbeiter mehr

Ein positives Beispiel zeigt sich bei der Reederei MSC Basel, deren Managing Director René Mägli ist. Als der Unternehmer seine Firma 1981 aufbaute, befanden sich nur Männer im Team. Mittlerweile sind nur noch 5 Männer unter seinen 136 Mitarbeitern. Der Manager beobachtete bei seinen weiblichen Angestellten mehr Teamgeist und Verständnis füreinander. Außerdem gab es weniger Machtkämpfe.

Nur wenn die Frauen Nachwuchs bekommen, beginnt für sie der Spagat zwischen Beruf, Kind und Haushalt. Deshalb überlässt Mägli den Frauen die Entscheidung, ob sie ins Team zurückkehren und für wie viele Stunden sie arbeiten möchten. Im Unternehmen gibt es sogar eine Führungskraft in Teilzeit.

Der Schweizer Manager merkt an, dass die Arbeitzeiten wieder steigen, wenn sein Personal älter wird. Deshalb bekommt er zurück, was er in seine Belegschaft investiert hat. In der Reederei MSC Basel werden die Arbeitszeiten nicht kontrolliert. Homeoffice ist möglich und jeder im Team kann sich seine Zeiten eigenständig organisieren.

Die einzige Bedingunge Mäglis ist das Streben nach höheren Standards und besserer Organisation, um sich durch gehobenen Service von der Konkurrenz abzuheben.

Seine Vorgehensweise scheint die Richtige zu sein, denn er stellt fest, dass seine Mitarbeiterinnen eher mehr als weniger arbeiten. Die Motivation erhalten sie in regelmäßigen Meetings oder bei gemeinsamen Aktionen wie dem gemeinsamen Kochen mit einem 17-Punkte-Koch. René Mäglis Ziel ist es, seine Mitarbeiter zu schützen und zu demonstrieren, dass Arbeit auch anders gestaltet werden kann.

Wie Unternehmen flexibler werden

Die Microsoft-Managerin Brigitte Hirl-Höfer sieht das flexible Arbeitsmodell heute ebenfalls als sehr bedeutenden Wettbewerbsfaktor. Unternehmen mit unbeweglichen Strukturen wirken unattraktiv und schaden deshalb der Arbeitgebermarke.

Auch die Studie „Monitor Familienleben 2012“ bewies das. 74 % der 1617 Befragten forderten Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hirl-Höfer rät deshalb dazu, die eigene Unternehmensstruktur vorerst zu analysieren. Anwesenheit sollte dabei nicht mit Leistung gleichgestellt werden. Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern!

Eine gute Kommunikation im Team und mit den Führungskräften verhindert außerdem Überlastungen und Missverständnisse.

Fazit

Der Schweizer Unternehmer René Mägli zeigt, dass flexible Arbeitsmodelle profitabel sind. Das gelingt jedoch nur, wenn bestimmte Regelungen getroffen werden und eine gute Kommunikation im Team stattfindet.

 

Quellen:

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