Manch einer merkt nach fünf oder mehr Jahren Studium, dass er doch nicht mehr seinem Kindheitstraum folgen und Anwalt werden möchte. Andere haben von vornherein nicht mit dem Ziel studiert, Richter, Anwalt oder Notar zu werden oder erkennen erst im Referendariat, dass sie hier keine Erfüllung finden. Was tun, wenn dem so ist? Ob Sie gerade das 1. oder 2. Staatsexamen abgeschlossen haben, der folgende Beitrag zeigt 6 alternative Tätigkeitbereiche für Juristen.
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Bild: “Day 2” von spencerdax. Lizenz: CC BY-ND 2.0


I. Tätigkeit in einem Wirtschaftsunternehmen

Für junge Absolventen kann die Tätigkeit in der Rechtsabteilung eines Wirtschaftsunternehmens eine gute Alternative zu den juristischen „Kernberufen“ darstellen. Hier werden das analytische Denkvermögen und die strukturierte Arbeitsweise von Juristen geschätzt. Einsteigen können Sie bereits nach dem 1. Staaatsexamen.

Um sich von der Masse an Mitbewerbern abzuheben und den Einstieg zu schaffen, sollte man sich jedoch so früh wie möglich um (betriebs-)wirtschaftliches Know-how bemühen. Dieses kann auch hilfreich sein, wenn man sich später doch noch zur Selbständigkeit als Anwalt entschließt.

Einen ersten Einblick in die Branche können dabei Praktika bieten. Darüber hinaus sollte man die Stationen im Referendariat entsprechend wählen und hierdurch bereits erste Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Wer seinem Profil noch das gewisse Extra verleihen möchte, kann sich mit einem MBA zusätzlich qualifizieren.

II. Polizei

Die Polizei hält für Juristen ebenfalls interessante Aufgabengebiete bereit, auch wenn bisher nur wenige von ihnen hier tätig sind. In einigen Bundesländern ist der Einstieg in den gehobenen Vollzugsdienst möglich. Bestenfalls sollte hierfür bereits im Studium ein strafrechtlicher Schwerpunkt gewählt werden.

Darüber hinaus kann man sich bei der Polizei auch als Verwaltungsjurist betätigen. Abhängig  von der angestrebten Position variieren die Einstellungsvoraussetzungen. So werden teilweise körperliche Mindestanforderungen sowie das Bestehen eines Sporttests gefordert. Je nach der ausgeschriebenen Stelle ist es möglich, schon nach dem 1. Staaatsexamen einzusteigen.

III. Mediation

Eine weitere interessante Möglichkeit für Juristen ist die Ausbildung zum Mediator. Der Begriff Mediation stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Vermittlung“. Das Mediationsverfahren basiert auf freiwilliger Basis, wobei der Mediator als dritte unabhängige Person die Parteien bei der Konfliktlösung unterstützt und versucht, mit ihnen ein für alle Seiten interessengerechtes Ergebnis zu erzielen. Auch der strafrechtliche Täter-Opfer-Ausgleich fällt in diesen Bereich.

Mittlerweile wurde die Mediation flächendeckend an deutschen Gerichten etabliert. Darüber hinaus sind viele Rechtsanwälte auch als Mediatoren tätig.

Nach § 7 a der Berufsordnung der Rechtsanwälte darf sich als Mediator jedoch nur bezeichnen, wer durch eine geeignete Ausbildung nachweisen kann, dass er die Grundsätze des Mediationsverfahrens beherrscht. § 5 Mediationsgesetz gibt zusätzlich Auskunft über die erforderlichen Ausbildungsinhalte. In Deutschland gibt es zahlreiche Angebote für die Ausbildung zum Mediator, bspw. bei der Deutsche Anwalt Akademie. Hier können Sie nach dem 2. Staatsexamen einsteigen.

IV. Berufsbetreuung

Wer sich für eine Tätigkeit im sozialen Bereich interessiert, könnte als Berufsbetreuer gut aufgehoben sein. Hierbei geht es darum, erwachsenen Menschen zur Seite zu stehen, die aus vielfältigen Gründen nicht für sich selbst sorgen können.

Das Aufgabenspektrum beinhaltet dabei unter anderem die Regelung der Vermögensangelegenheiten des Betreuten sowie die Vertretung seiner Interessen gegenüber Behörden, ist aber insgesamt als sehr vielfältig zu beurteilen.

Hinsichtlich des Ziels, Berufsbetreuer zu werden, gibt es keinen vorgefertigten Ausbildungsweg. Für Juristen ist dieses Berufsfeld interessant, weil sich der Berufsbetreuer vertieft im Betreuungsrecht auskennen muss. Auch ein breites Fachwissen zu den Themenbereichen Mietrecht und Geschäftsfähigkeit sollte vorhanden sein. Einsteigen können Sie nachd em 2. Staatsexamen.

Weitere Informationen zu den Anforderungen an Berufsbetreuer findet man auf der Internetseite des Bundesverbands für Berufsbetreuer/innen.

V. Lektor im juristischen Fachverlag

Für Juristen mit journalistischer Vorbildung kann auch eine Tätigkeit als Lektor in einem juristischen Fachverlag interessant sein. Verlagspraktika können bei einem Einstieg helfen, ebenso kann eine hier absolvierte Wahlstation im Referendariat einen Einblick in diesen Tätigkeitsbereich bieten. Nach dem 1. Staatsexamen können Sie hier bereits einsteigen.

Auch in einem Fachverlag warten ganz unterschiedliche Aufgaben auf den Berufseinsteiger, wie beispielsweise redaktionelle Tätigkeiten, die Sichtung von Manuskripten oder die Autorenakquise. Juristische Expertise ist dabei genauso gefragt wie ein hervorragendes schriftliches Ausdrucksvermögen und gute Kommunikationsfähigkeiten.

VI. Berufsschullehrer

Eventuell haben Sie im Laufe des Studiums bzw. Referendariats aber gemerkt, dass Sie lieber in einem pädagogischen Bereich tätig werden möchten. Wie wäre es dann mit einer Tätigkeit als Berufsschullehrer?

Aufgrund von akutem Lehrermangel ist in einigen Bundesländern der Seiten- bzw. Quereinstieg in das Lehramt möglich. Seiteneinstieg meint dabei, dass der Bewerber kein Referendariat und auch kein vorheriges Lehramtsstudium abgeschlossen hat. Im Gegensatz dazu muss man als Quereinsteiger noch das Referendariat absolvieren. Nach dem zweiten Staatsexamen können Sie hier einsteigen.

Für Juristen kommt als Betätigungsbereich beispielsweise eine Lehrtätigkeit für Rechtsanwalts- bzw. Notarfachangestellte an einer Berufsschule in Frage. Über die Einstiegsmöglichkeiten in den einzelnen Bundesländern kann man sich bei den jeweiligen Kultusministerien informieren.

VII. Fazit

Abseits von den juristischen „Kernberufen“ gibt es viele interessante Betätigungsfelder für Absolventen der Rechtswissenschaft. Man sollte jedoch so früh wie möglich versuchen, sich darüber klarzuwerden, welches Ziel man mit dem Jurastudium verfolgt.

Dann können bereits im Studium geeignete Schwerpunkte gelegt und entsprechende Praktika absolviert werden. Auch das Referendariat bietet eine gute Möglichkeit, in den verschiedenen Stationen Erfahrungen zu sammeln, die einem dabei helfen, den individuellen Wunschberuf zu konkretisieren.

Es gilt also: Fragen Sie sich, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen und was Sie von Ihrem späteren Beruf erwarten. Anschließend sollten Sie sich umfassend über die für Sie in Frage kommenden Berufsfelder informieren, um Ihr Ziel möglichst frühzeitig ansteuern zu können.

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