Häufig kommt es vor, dass bei einem Raubüberfall ein Mensch verstirbt. In diesem Fall ist unter Umständen der Raub mit Todesfolge gemäß § 251 StGB einschlägig. Hierbei handelt es sich um eine Erfolgsqualifikation. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, worauf Sie bei der Prüfung achten müssen.
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Strafrecht-Kurs.

Bild: “Murder's weapon on the table” von Maarten Van Damme. Lizenz: CC BY 2.0

Bild: “Murder’s weapon on the table” von Maarten Van Damme. Lizenz: CC BY 2.0


I. Tod eines anderen Menschen

Durch die Tat muss der Tod eines anderen Menschen eingetreten sein. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn einer der Tatbeteiligten getötet wird. Es muss aber nicht zwangsläufig das Opfer der Wegnahme betroffen sein. Auch ein Dritter, der beispielsweise von einer fehlgegangenen Kugel umgebracht wird, ist ein taugliches Tatopfer [Kindhäuser, StrafR BT II, § 15 Rn. 2].

II. Kausalität

Daneben muss das durch den Täter eingesetzte, qualifizierte Nötigungsmittel kausal für den Eintritt der schweren Folge gewesen sein.

Beispiel: T bedroht O mit einer Waffe, woraufhin dieser vor Schreck einen Herzinfarkt erleidet und verstirbt [Kindhäuser, StrafR BT II, § 15 Rn. 3].

Es ist dagegen nicht ausreichend, wenn ein Kausalzusammenhang zwischen der Wegnahme und dem Todeseintritt besteht [Kindhäuser, StrafR BT II, § 15 Rn. 4].

Beispiel: T stiehlt O in der Wüste seinen letzten Wasserkanister. O verdurstet daraufhin.

Die Kausalität wird nach der Äquivalenztheorie bestimmt [Joecks, Studienkommentar StGB, § 251 Rn. 2]. Demnach ist jede Handlung kausal für den Erfolg, die nicht hinweg gedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele [Gropp, StrafR AT, § 4 Rn. 35].

III. Spezifischer Gefahrzusammenhang

Abgesehen von der Kausalität muss zwischen dem Raub und dem Tod des Opfers ein spezifischer Gefahrzusammenhang bestehen. Der Tod des Opfers muss dabei aus der besonderen Gefahr resultieren, die durch die Raubhandlung geschaffen wurde [Joecks, Studienkommentar StGB, § 251 Rn. 3].

Dieser Zusammenhang kann entfallen, wenn ein atypischer Kausalverlauf vorliegt oder die Schädigung durch einen Dritten erfolgt, der seinerseits nicht zur Abwendung der Wegnahme agiert [Kindhäuser, StrafR BT II, § 15 Rn. 6]. Stirbt das Opfer in Folge einer Selbstschädigung, kann auch dies dem Täter unter Umständen zuzurechnen sein. Dies ist etwa der Fall, wenn es auf eine risikoreiche Art und Weise versucht, dem Täter zu entkommen [Wessels/Hillenkamp, StrafR BT II, Rn. 388].

Beispiel: O steigt auf der Flucht vor T auf ein Fenstersims und versucht, mit einem Sprung das Dach des Nachbarhauses zu erreichen. Dieser Versuch misslingt und O stürzt in die Tiefe, woraufhin er verstirbt.

Das gleiche gilt, wenn eine andere Person versucht, auf vernünftige Art und Weise Hilfe zu leisten und daraufhin verstirbt. Nicht zurechenbar ist jedoch der Tod einer Person, die während einer Verfolgungsjagd des Täters bei einem Unfall stirbt [Wessels/Hillenkamp, StrafR BT II, Rn. 388].

Beispiel: Die Polizeibeamten A und B verfolgen den Fluchtwagen des Räubers R in einem Streifenwagen. Dabei kommen sie von der Straße ab und versterben.

Daneben ist fraglich, in welchem Zeitraum die Handlung erfolgen muss, namentlich, ob auch noch eine den Tod verursachende Handlung zwischen Vollendung und Beendigung ausreichend ist.

Die Rechtsprechung und ein Teil der Literatur sind der Ansicht, dass auch eine Handlung in diesem Zeitraum ausreichend ist, um eine Strafbarkeit gemäß § 251 StGB nach sich zu ziehen. Der Großteil der Literatur lehnt dies jedoch ab [Joecks, Studienkommentar StGB, § 251 Rn. 4].

Das lässt sich mit der gesetzlichen Formulierung, dass der Tod des anderen Menschen „durch den Raub“ verursacht werden muss, begründen. Mit dem Raub ist dabei das qualifizierte Nötigungsmittel gemeint. Hinzukommend kann es auch einen räuberischen Diebstahl mit Todesfolge geben, wenn das Opfer in der Beendigungsphase verstirbt. Demnach findet § 251 bezogen auf den Raub in der Beendigungsphase keine Anwendung mehr [Joecks, Studienkommentar StGB, § 251 Rn. 5].

Einigkeit besteht ferner darüber, dass es nicht ausreicht, wenn die Handlung während der Vorbereitungsphase erfolgt [Wessels/Hillenkamp, StrafR BT II, Rn. 388].

IV. Leichtfertigkeit einer Handlung

Schließlich muss der Täter, abweichend von § 18 StGB, den Tod des Opfers wenigstens leichtfertig verursachen. Leichtfertigkeit bedeutet grobe Fahrlässigkeit. Diese muss im Hinblick auf den konkreten Tod des Opfers festgestellt werden. Es genügt in der Klausur nicht, einfach nur darauf zu verweisen, dass die Leichtfertigkeit sich aus dem Raub ergibt [Wessels/Hillenkamp, StrafR BT II, Rn. 389].

Aus der Formulierung „wenigstens leichtfertig“ geht hervor, dass auch die vorsätzliche Verursachung durch den Täter tatbestandsmäßig ist [Wessels/Hillenkamp, StrafR BT II, Rn. 390].

Prüfungsschema

In der Klausur können Sie sich an diesem Prüfungsschema orientieren [nach Wessels/Hillenkamp, StrafR BT II, Rn. 392]:

I. Tatbestandsmäßigkeit
1. Verwirklichung eines Grunddelikts nach §§ 249, 250, 252, 255 StGB
2. Eintritt der schweren Folge: Tod eines anderen Menschen
3. Kausalzusammenhang
4. Spezifischer Gefahrzusammenhang
5. Leichtfertigkeit im Hinblick auf den Tod des anderen Menschen
II. Rechtswidrigkeit
III. Schuld
Vor allem subjektive Vorhersehbarkeit des Eintritts der schweren Folge sowie des spezifischen Gefahrzusammenhangs

Vertiefungsvorschläge

Hat man sich einmal näher mit dem Raub mit Todesfolge befasst, ist § 251 StGB in der Vorbereitung gut in den Griff zu bekommen. Der Beitrag zu den erfolgsqualifizierten Delikten allgemein bietet Ihnen einen guten Einstieg in die Thematik. Ein wichtiges Sonderproblem des Erfolgsqualifizierten Versuchs kann Ihnen ebenfalls in der Prüfung begegnen. Mithilfe des Beitrags „Strafrecht Basics: Der erfolgsqualifizierte Versuch“ können Sie sich optimal auf diese Situation vorbereiten.

Quellen

Gropp, Walter: Strafrecht Allgemeiner Teil, 4. Aufl., Berlin 2015
Joecks, Wolfgang: Studienkommentar StGB, 11. Aufl., München 2014
Kindhäuser, Urs: Strafrecht Besonderer Teil II, 8. Aufl., Baden-Baden 2014
Wessels, Johannes/Hillenkamp, Thomas: Strafrecht Besonderer Teil 2 Straftaten gegen Vermögenswerte, 37. Aufl., Heidelberg [u.a.] 2014

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *