Herr Merker, Sie sind Hauptdozent des neuen Vorbereitungskurses zur Kenntnisprüfung. Können Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang skizzieren und welche Rolle Sie im Lehrgang übernehmen?
Ich bin Medizinpädagoge mit fundierter klinischer und didaktischer Erfahrung sowie Führungskompetenz im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Meine Laufbahn begann in der Praxis als Gesundheits- und Krankenpfleger auf Intensivstationen und spezialisierten Behandlungseinheiten, wodurch ich über umfassende Expertise in der Akutversorgung verfüge.
Anschließend war ich an verschiedenen Pflegeschulen und Bildungseinrichtungen tätig, wo ich Fachseminare konzipierte und unterrichtete, Prüfungen entwickelte und Auszubildende in Theorie und Praxis begleitete. Seit 2021 arbeite ich im Bereich der Qualifizierung internationaler Pflegefachkräfte.
Dabei habe ich Vorbereitungskurse für Kenntnisprüfungen entwickelt, einen Fachbereich Health Education aufgebaut und übernahm als Teamlead und Projektmanager Verantwortung für Personalführung, Prozessoptimierung sowie die Koordination von mehreren hundert Teilnehmenden. Außerdem war ich verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Kurse und Koordination der Prüfung.
Bei Lecturio bin ich bei der Gestaltung des Vorbereitungskurs mitverantwortlich und führe den Kurs als Hauptdozent durch.
Mein Ziel ist es, mit meinen Möglichkeiten einen Beitrag zur Entlastung des Pflegenotstands zu leisten und die Stabilität unseres Gesundheitssystems langfristig zu unterstützen. Sodass wir unser Gesundheitssystem auch weiter so nutzen können, wie wir es kennen.
Die Kenntnisprüfung gilt als große Hürde. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen?
Die Kenntnisprüfung stellt für viele Teilnehmende tatsächlich eine große Herausforderung dar. Aus meiner Sicht liegt das jedoch nur selten an mangelnder Berufserfahrung – viele bringen bereits jahrelange praktische Tätigkeit aus ihrem Herkunftsland mit. Die eigentliche Schwierigkeit besteht vielmehr darin, dass sich pflegerische Standards, Dokumentationsanforderungen, Kommunikationsstrukturen und Verantwortlichkeiten im deutschen Gesundheitssystem deutlich unterscheiden.
Hinzu kommen sprachliche Hürden und die besondere Prüfungssituation selbst: Die Inhalte müssen nicht nur fachlich korrekt beherrscht, sondern auch präzise formuliert und unter Zeitdruck in mündlichen oder praktischen Settings sicher angewendet werden. Zusätzlich spielt der persönliche und kulturelle Hintergrund eine wichtige Rolle. Teilnehmende unterscheiden sich stark in ihrem Auftreten und Lernverhalten – manche sind eher zurückhaltend, andere sehr extrovertiert. Genau darin liegt eine zentrale Herausforderung: Nicht alle sind gleich, und erfolgreiche Vorbereitung bedeutet, individuell auf jede Person einzugehen und sie dort abzuholen, wo sie steht – fachlich, sprachlich und emotional.
Welche Rolle spielt dabei die pflegerische Fachsprache?
Eine zentrale. Die Kenntnisprüfung ist keine reine Wissensabfrage, sondern überprüft die berufliche Handlungsfähigkeit. Wer Maßnahmen fachlich korrekt durchführen kann, sie jedoch nicht klar begründen, einordnen oder dokumentieren kann, gerät schnell in Schwierigkeiten.
Gerade im mündlich-praktischen Prüfungsteil entscheidet die sichere Anwendung der Fachsprache häufig über Bestehen oder Nichtbestehen.
Dabei geht es jedoch nicht nur um die Prüfungssituation selbst. Fachsprache ist auch entscheidend für das Verständnis von Lehr- und Lernmaterialien, für die Zusammenarbeit mit Praxisanleitungen sowie für den professionellen Alltag im direkten Umgang mit Pflegeempfänger:innen und im interdisziplinären Team. Sie ist somit nicht nur Prüfungsanforderung, sondern ein grundlegendes Werkzeug für sicheres, verantwortungsvolles und nachvollziehbares pflegerisches Handeln.
Was war Ihnen bei der Konzeption des Vorbereitungskurses besonders wichtig?
Uns war es besonders wichtig, einen Kurs zu entwickeln, der realistisch auf die Prüfung vorbereitet und gleichzeitig direkt in den klinischen Alltag übertragbar ist. Theorie, Praxis und Sprache sind dabei bewusst eng miteinander verzahnt.
Inhaltlich orientiert sich der Kurs am Pflegeberufegesetz (PflBG) und ist entlang der dort definierten Kompetenzbereiche aufgebaut. Dadurch stellen wir sicher, dass die Inhalte nah an den deutschen Ausbildungsstandards liegen und eine Vergleichbarkeit mit der dreijährigen generalistischen Pflegeausbildung gewährleistet ist. Gleichzeitig bildet das Konzept die Generalistik ab, berücksichtigt unterschiedliche Versorgungssettings sowie verschiedene Altersgruppen von Pflegeempfänger:innen, sodass Teilnehmende ein realistisches Bild der beruflichen Anforderungen erhalten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einem hohen Anteil an Live-Webinaren, intensiver Fallanalyse zur Prüfungsvorbereitung und realitätsnahen Prüfungssimulationen. Dadurch entsteht ein Wiedererkennungswert in den tatsächlichen Prüfungssituationen, was Sicherheit und Handlungskompetenz stärkt. Parallel achten wir gezielt auf die sprachliche Weiterentwicklung der Teilnehmenden sowie auf ein sicheres Verständnis der Lehr- und Lerninhalte.
Unser klares Ziel ist es, die Teilnehmenden so vorzubereiten, dass sie die Kenntnisprüfung möglichst bereits im ersten Versuch erfolgreich bestehen und zugleich fachlich, sprachlich und praktisch auf ihren Berufsalltag in Deutschland vorbereitet sind
Worin unterscheidet sich der Lecturio Kurs zu anderen Vorbereitungskursen?
Ein zentraler Unterschied liegt im hohen Anteil an Live-Webinaren. Sie ermöglichen direkten Kontakt, persönliches Feedback und ein begleitendes Lernen, bei dem die Teilnehmenden jederzeit verstehen, wo sie stehen und was die nächsten Schritte sind. Dadurch entsteht nicht nur Wissensvermittlung, sondern echte Lernbegleitung.
Didaktisch setzt der Kurs bewusst auf die Ansprache verschiedener sensorischer Kanäle, um Lernen effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Neben Videos kommen Podcasts mit Untertiteln und Transkripten in den jeweiligen Sprachen der Teilnehmenden zum Einsatz, ergänzt durch Bücher, Downloadmaterialien und strukturierte schriftliche Aufgaben wie Workbooks. So stellen wir sicher, dass Inhalte nicht nur gesehen oder gehört, sondern tatsächlich verstanden und verarbeitet werden. Ein großer Schwerpunkt liegt außerdem auf der pflegerischen Fachsprache, da sie entscheidend für Prüfungserfolg und Berufspraxis ist.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil sind individuelle Prüfungssimulationen unter realistischen Zeitbedingungen, die gezielt auf die tatsächliche Prüfungssituation vorbereiten. Gleichzeitig pflegen wir einen engen Austausch mit Gesundheitseinrichtungen und Teilnehmenden, um Lernpotenziale frühzeitig zu erkennen und gezielt zu fördern. Dadurch entsteht ein Vorbereitungskonzept, das nicht standardisiert übergestülpt wird, sondern sich dynamisch an den Lernstand und die Entwicklung jeder einzelnen Person anpasst.
Sie begleiten aktuell den ersten Kursdurchlauf. Was nehmen Sie bisher aus der Arbeit mit den Teilnehmenden mit?
Sprache bleibt durchgehend ein zentrales Thema. Nach etwa sechs Wochen zeigen sich bei vielen Teilnehmenden bereits deutliche Fortschritte im Verständnis der Fachsprache, in der sprachlichen Sicherheit sowie im selbstbewussten Auftreten und in der fachlichen Kommunikation. Durch den engen Austausch können wir frühzeitig Lernbedarfe erkennen und gezielt unterstützen. Ergänzend steht mit dem Support-Café ein niedrigschwelliges Angebot zur Verfügung, über das jederzeit kurzfristig Termine gebucht werden können, um direkt mit einer pädagogischen Fachperson offene Fragen zu klären oder individuelle Themen zu besprechen.
Gleichzeitig bringen die Teilnehmenden in der Regel eine hohe Motivation und klare berufliche Perspektiven im Pflegebereich mit, etwa den Wunsch nach Weiterqualifizierung oder Spezialisierung. Viele berichten zudem, dass sie im Verlauf des Kurses erstmals wirklich verstehen, warum bestimmte pflegerische Maßnahmen, Dokumentationen oder Abläufe in Deutschland genau so umgesetzt werden. Diese wachsende Klarheit wirkt sich nicht nur positiv auf die Prüfungsvorbereitung aus, sondern stärkt auch die Sicherheit im beruflichen Alltag in den Einrichtungen.
Welche Vorteile hat eine Vorbereitung mit Lecturio aus Sicht von Kliniken und Trägern?
Ein wesentlicher Vorteil liegt im strukturierten Blockformat aus Theorie- und Praxisphasen. Während der Praxiseinsätze sind die Teilnehmenden durchgehend in den Einrichtungen eingesetzt, sodass sie pflegerische Abläufe vollständig miterleben, aktiv mitgestalten und das in der Theorie sowie in der Fachsprache Gelernte direkt anwenden können. Das stärkt nicht nur den Lerntransfer, sondern fördert auch die Sicherheit im praktischen Handeln und die Integration ins Team.
Die Theorieblöcke sind bewusst so gestaltet, dass sich die Teilnehmenden konzentriert und ohne parallele Praxisbelastung auf Lerninhalte einlassen können. Dadurch verstehen sie Inhalte schneller, nachhaltiger und haben ausreichend Zeit, sich gezielt auf Prüfungsanforderungen vorzubereiten.
Für Einrichtungen besonders relevant sind zudem die flachen Kommunikationsstrukturen: Der enge Austausch zwischen Lecturio und Gesundheitseinrichtungen ermöglicht schnelle Absprachen, frühzeitiges Erkennen von Unterstützungsbedarf und eine unkomplizierte Koordination.
Ein weiterer Vorteil ist das videobasierte Lernkonzept mit Untertiteln und Transkripten in den jeweiligen Sprachen der Teilnehmenden. Dadurch wird das fachliche Verständnis deutlich erleichtert, sprachliche Barrieren werden reduziert und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Kenntnisprüfung bereits im ersten Versuch bestanden wird. Für Kliniken und Träger bedeutet das mehr Planungssicherheit und eine verlässliche Besetzung offener Stellen auf den Stationen.
Was würden Sie Einrichtungen raten, die internationale Pflegefachkräfte beschäftigen?
Wer frühzeitig in eine strukturierte Vorbereitung investiert, spart langfristig Zeit, Kosten und personelle Ressourcen. Entscheidend ist dabei auch der praktische Umgang in den Einrichtungen: Teilnehmende sollten nicht sofort wie voll ausgebildete Pflegefachkräfte eingesetzt werden, sondern zunächst begleitend mitlaufen – vergleichbar mit Auszubildenden. Bewährt hat sich ein stufenweiser Einsatz, bei dem sie zunächst nur wenige Pflegeempfänger:innen betreuen, etwa zwei bis vier, und bei positiver Entwicklung schrittweise mehr Verantwortung übernehmen.
Diese investierte Zeit zahlt sich aus. Durch gezielte Anleitung, klare Strukturen und ausreichend Lernphasen entwickeln die Teilnehmenden Sicherheit, Kompetenz und Vertrauen – sowohl in sich selbst als auch ins Team. Gleichzeitig wächst auch das Vertrauen der Teams in die neuen Kolleg:innen. Das ist ein Beitrag natürlich zur Personalentwicklung, aber vor allem auch zur Teamentwicklung und Integration.
Wichtig ist zudem eine offene Kommunikationskultur: Wenn Herausforderungen auftreten und vor Ort keine Lösung ersichtlich ist, sollte frühzeitig der Austausch gesucht werden – sei es mit uns als Bildungsanbieter, anderen Stationen oder Integrationsverantwortlichen. Zwar bedeutet die Begleitung internationaler Pflegefachkräfte zunächst eine zusätzliche Belastung für Einrichtungen, langfristig stellt sie jedoch eine große Chance dar. Ziel ist eine nachhaltige Integration, von der Teilnehmende, Teams und Einrichtungen gleichermaßen profitieren.
Zum Abschluss: Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Kenntnisprüfung?
Der entscheidende Faktor ist Klarheit. Wer genau weiß, was erwartet wird, wie geprüft wird und wie eine zielgerichtete Vorbereitung aussieht, kann vorhandene Kompetenzen auch tatsächlich zeigen. Viele Teilnehmende bringen bereits umfangreiche praktische Erfahrung mit – entscheidend ist, diese Erfahrung in das deutsche System zu übersetzen, strukturiert anzuwenden und fachlich korrekt zu kommunizieren.
Klarheit bedeutet dabei mehr als nur Prüfungswissen. Sie umfasst Transparenz über Prüfungsabläufe, Bewertungskriterien, fachliche Erwartungen, sprachliche Anforderungen und berufliche Rollenbilder. Wenn Teilnehmende verstehen, wie Prüfende denken, worauf geachtet wird und welche Handlungsschritte erwartet werden, reduziert sich Unsicherheit deutlich – und Sicherheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor in Prüfungssituationen wie auch im Berufsalltag.
Genau hier setzt der Vorbereitungskurs an: Er schafft Orientierung, Struktur und Verlässlichkeit – sowohl für die Teilnehmenden als auch für die Gesundheitseinrichtungen, die auf sie setzen.
Das Interview macht deutlich, dass die Kenntnisprüfung planbar wird, wenn fachliche, sprachliche und praktische Anforderungen systematisch vorbereitet werden. Für Kliniken und Träger eröffnet dies die Möglichkeit, Anerkennungsprozesse verlässlicher und effizienter zu gestalten. Ein weiterer Vorteil für Einrichtungen ist, dass der Kurs bis zu 100 % von der Agentur für Arbeit gefördert wird. Lassen Sie sich beraten unter https://www.lecturio.de/unternehmen/anerkennung-pflege/.