Drei Erklärungen für das Stockholm-Syndrom

Drei Erklärungen für das Stockholm-Syndrom

Immer wieder ist von Entführungen, Kidnapping oder Geiselnahmen zu hören oder zu lesen. Um die eigenen Forderungen durchzusetzen, schrecken die Täter nicht vor Gewalt gegenüber anderen Menschen zurück. Ihre Opfer sind ihnen ausgeliefert, doch anstatt vor ihren Peinigern Angst zu haben, entwickeln Geiseln in manchen Situationen Zuneigung zu den Tätern. Wir erklären Ihnen, wie und warum das sogenannte Stockholm-Syndrom Opfer zu Verschworenen macht.
Stockholm-Syndrom
Lecturio Redaktion

·

04.01.2024

Inhalt

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Ursprung der Bezeichnung „Stockholm-Syndrom“

Im Jahr 1973 betrat Jan Erik „Janne“ Olsson, ein Gefangener auf Freigang, mit einer Maschinenpistole bewaffnet die Kreditbank am Norrmalmstorg im Stadtzentrum von Stockholm. Er schoss in die Decke und sagte auf Englisch „The party has just begun“.

Nach einem Schusswechsel mit der Polizei nahm Olsen vier Personen als Geiseln und forderte, dass der in ganz Schweden bekannte Verbrecher Clark Olofsson aus dem Gefängnis zu ihm gebracht werden sollte. Er forderte außerdem drei Millionen Kronen, schusssichere Westen, Helme, zwei Waffen und ein Fluchtfahrzeug.

Die „Party“ zog sich über 131 Stunden, bis die Polizei ein Loch in die Decke bohrte und Gas in die Bank einleitete. Dies beendete die Geiselnahme und niemand kam zu Schaden.

Die Stockholm-Entführung erhielt großes mediales Interesse. Dabei konnten die Gefühlslagen der Geiseln erfragt werden. Zur Überraschung vieler Menschen wurde erkennbar, dass die Geiseln positive Gefühle zu ihrem Geiselnehmer entwickelten. Anstelle von Angst empfanden sie beispielsweise Dankbarkeit, statt Abscheu Zuneigung und anstelle von Ablehnung Fürsorge. Dass zumindest einige Geiseln eine positive Bindung an den Geiselnehmer aufgebaut hatten, äußerte sich auch darin dass sie ihn nach seiner Festnahme im Gefängnis besuchten.

Nicht nur Psychologen fragten sich: Wie kann das sein? Wie kann ein Mensch Sympathie für jemanden empfinden, der ihn als lebenden Schutzschild missbraucht und gedroht hat, ihn zu ermorden?

Der Psychiater Nils Bejerot, der an der Aufarbeitung des Falls beteiligt war, prägte den Begriff „Stockholm-Syndrom“; er bezeichnete damit eine Überlebensstrategie von Geiseln.

Erklärungen des Stockholm-Syndroms

Die Begründungen für das Einsetzen des Stockholm-Syndroms sind sehr vielseitig. Es gibt aber drei entscheidende Grundmuster, die sich bei diesen Verhaltensweisen und Gefühlsregungen immer wieder zeigen:

1. Nachvollziehbare Forderungen des Täters

Die Opfer sehen das Verlangen des Täters als berechtigt oder zumindest als erfüllbar an. Für die Opfer ist nicht nachvollziehbar, warum man den Forderungen nicht nachkommt. Durch die nervenaufreibende Wartezeit bleiben sie länger in der Gewalt des Geiselnehmers. In dieser Zeit bekommt der Täter auf einmal ein anderes Gesicht, denn als Übeltäter werden nun die Einsatzkräfte angesehen, die versuchen, die Situation gewaltfrei zu lösen.

2. Die Opferrolle des Täters

Der Täter kann den Opfern vermitteln, er beabsichtige nicht, Gewalt gegen sie anzuwenden. Er zeigt sich eher fürsorglich und um seine Geiseln bemüht. Da die Geiseln für den Täter als Pfand und als Druckmittel wertvoll sind, kehrt sich die Situation für die Geiseln um.

In dieser Lage haben sie erneut das Gefühl, dass der Täter seine Aggression nicht gegen sie richtet, sofern die Umstände es nicht zulassen, anders zu handeln. Dafür geht er mit ihnen auch sehr aufmerksam um. Die Opfer empfinden den Täter dadurch als wohlwollend und ihn selbst als Opfer der Behörden, Ordnungskräfte, Regierung o.ä.

3. Die Unterordnung als Schutzmechanismus

Da die Opfer in dieser beängstigenden Situation dem Täter ausgeliefert sind, versuchen sie, durch Sympathiebekundungen ihr Verständnis gegenüber dem Geiselnehmer mitzuteilen. Es bildet sich eine Allianz zwischen Täter und Opfer. Der Täter kann somit den Eindruck bekommen, dass das Opfer auf seiner Seite steht. Die Geiselnahme gerät hiermit zu einer vermeintlichen „Inszenierung“ oder einer „schicksalshaften Fügung“. Das Opfer versucht, sich mit seiner Zuneigung zum Täter aus der bedrohlichen Situation zu befreien.

Kein Einzelfall – das Stockholm-Syndrom trat auch bei anderen Geiseldramen auf

Auch bei weiteren Geiseldramen berichteten Geiseln von Sympathiebekundungen zu ihren Geiselnehmern während und nach der Geiselnahme:

In Gladbeck ereignete sich 1988 das bisher spektakulärste Geiseldrama in der Geschichte der Bundesrepublik auf deutschem Boden. Nach einem Bankraub kaperten in Gladbeck die Geiselnehmer Degowski und Rösner einen Linienbus mit seinen Insassen.

Die Verfolgungsaktion geschah unter großem Medienrummel, der teils bizarre Züge annahm. So verschaffte sich ein Journalist ein „Live-Interview“ mit den Geiselnehmern, während diese ihre Opfer mit der Pistole bedrohten. Auch hier wurde bei den Opfern das Stockholm-Syndrom erkennbar.

2003 wurden über dreißig Touristen einer algerischen Reisegruppe entführt und als Geiseln genommen. Nach mehreren Wochen konnten sie in Folge eines stundenlangen Schusswechsels aus der Hand der Täter befreit werden. Dennoch sagte die überwiegende Zahl der Geiseln im Nachhinein, sie hätten ein gutes Verhältnis zu ihren Kidnappern gehabt. „Je länger wir mit ihnen zusammen waren, desto mehr vertrauten wir ihnen auch.“

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Simon Veiser

Simon Veiser beschäftigt sich seit 2010 nicht nur theoretisch mit IT Service Management und ITIL, sondern auch als leidenschaftlicher Berater und Trainer. In unterschiedlichsten Projekten definierte, implementierte und optimierte er erfolgreiche IT Service Management Systeme. Dabei unterstützte er das organisatorische Change Management als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten. Simon Veiser ist ausgebildeter Trainer (CompTIA CTT+) und absolvierte die Zertifizierungen zum ITIL v3 Expert und ITIL 4 Managing Professional.

Dr. Frank Stummer

Dr. Frank Stummer ist Gründer und CEO der Digital Forensics GmbH und seit vielen Jahren insbesondere im Bereich der forensischen Netzwerkverkehrsanalyse tätig. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen im Hochtechnologiebereich, u.a. der ipoque GmbH und der Adyton Systems AG, die beide von einem Konzern akquiriert wurden, sowie der Rhebo GmbH, einem Unternehmen für IT-Sicherheit und Netzwerküberwachung im Bereich Industrie 4.0 und IoT. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater für internationale Großkonzerne. Frank Stummer studierte Betriebswirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg und promovierte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.

Sobair Barak

Sobair Barak hat einen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und hat sich anschließend an der Harvard Business School weitergebildet. Heute ist er in einer Management-Position tätig und hat bereits diverse berufliche Auszeichnungen erhalten. Es ist seine persönliche Mission, in seinen Kursen besonders praxisrelevantes Wissen zu vermitteln, welches im täglichen Arbeits- und Geschäftsalltag von Nutzen ist.

Wolfgang A. Erharter

Wolfgang A. Erharter ist Managementtrainer, Organisationsberater, Musiker und Buchautor. Er begleitet seit über 15 Jahren Unternehmen, Führungskräfte und Start-ups. Daneben hält er Vorträge auf Kongressen und Vorlesungen in MBA-Programmen. 2012 ist sein Buch „Kreativität gibt es nicht“ erschienen, in dem er mit gängigen Mythen aufräumt und seine „Logik des Schaffens“ darlegt. Seine Vorträge gestaltet er musikalisch mit seiner Geige.

Holger Wöltje

Holger Wöltje ist Diplom-Ingenieur (BA) für Informationstechnik und mehrfacher Bestseller-Autor. Seit 1996 hat er über 15.800 Anwendern in Seminaren und Work-shops geholfen, die moderne Technik produktiver einzusetzen. Seit 2001 ist Holger Wöltje selbstständiger Berater und Vortragsredner. Er unterstützt die Mitarbeiter von mittelständischen Firmen und Fortune-Global-500- sowie DAX-30-Unternehmen dabei, ihren Arbeitsstil zu optimieren und zeigt Outlook-, OneNote- und SharePoint-Nutzern, wie sie ihre Termine, Aufgaben und E-Mails in den Griff bekommen, alle wichtigen Infos immer elektronisch parat haben, im Team effektiv zusammenarbeiten, mit moderner Technik produktiver arbeiten und mehr Zeit für das Wesentliche gewinnen.

Frank Eilers

Frank Eilers ist Keynote Speaker zu den Zukunftsthemen Digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit. Er betreibt seit mehreren Jahren den Podcast „Arbeitsphilosophen“ und übersetzt komplexe Zukunftsthemen für ein breites Publikum. Als ehemaliger Stand-up Comedian bringt Eilers eine ordentliche Portion Humor und Lockerheit mit. 2017 wurde er für seine Arbeit mit dem Coaching Award ausgezeichnet.

Yasmin Kardi

Yasmin Kardi ist zertifizierter Scrum Master, Product Owner und Agile Coach und berät neben ihrer Rolle als Product Owner Teams und das höhere Management zu den Themen agile Methoden, Design Thinking, OKR, Scrum, hybrides Projektmanagement und Change Management.. Zu ihrer Kernkompetenz gehört es u.a. internationale Projekte auszusteuern, die sich vor allem auf Produkt-, Business Model Innovation und dem Aufbau von Sales-Strategien fokussieren.

Leon Chaudhari

Leon Chaudhari ist ein gefragter Marketingexperte, Inhaber mehrerer Unternehmen im Kreativ- und E-Learning-Bereich und Trainer für Marketingagenturen, KMUs und Personal Brands. Er unterstützt seine Kunden vor allem in den Bereichen digitales Marketing, Unternehmensgründung, Kundenakquise, Automatisierung und Chat Bot Programmierung. Seit nun bereits sechs Jahren unterrichtet er online und gründete im Jahr 2017 die „MyTeachingHero“ Akademie.

Andreas Ellenberger

Als akkreditierter Trainer für PRINCE2® und weitere international anerkannte Methoden im Projekt- und Portfoliomanagement gibt Andreas Ellenberger seit Jahren sein Methodenwissen mit viel Bezug zur praktischen Umsetzung weiter. In seinen Präsenztrainings geht er konkret auf die Situation der Teilnehmer ein und erarbeitet gemeinsam Lösungsansätze für die eigene Praxis auf Basis der Theorie, um Nachhaltigkeit zu erreichen. Da ihm dies am Herzen liegt, steht er für Telefoncoachings und Prüfungen einzelner Unterlagen bzgl. der Anwendung gern zur Verfügung.

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Zach Davis ist studierter Betriebswirt und Experte für Zeitintelligenz und Zukunftsfähigkeit. Als Unternehmens-Coach hat er einen tiefen Einblick in über 80 verschiedene Branchen erhalten. Er wurde 2011 als Vortragsredner des Jahres ausgezeichnet und ist bis heute als Speaker gefragt. Außerdem ist Zach Davis Autor von acht Büchern und Gründer des Trainingsinstituts Peoplebuilding.

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Wladislaw Jachtchenko ist mehrfach ausgezeichneter Experte, TOP-Speaker in Europa und gefragter Business Coach. Er hält Vorträge, trainiert und coacht seit 2007 Politiker, Führungskräfte und Mitarbeiter namhafter Unternehmen wie Allianz, BMW, Pro7, Westwing, 3M und viele andere – sowohl offline in Präsenztrainings als auch online in seiner Argumentorik Online-Akademie mit bereits über 52.000 Teilnehmern. Er vermittelt seinen Kunden nicht nur Tools professioneller Rhetorik, sondern auch effektive Überzeugungstechniken, Methoden für erfolgreiches Verhandeln, professionelles Konfliktmanagement und Techniken für effektives Leadership.

Alexander Plath

Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.